Nachdem der bisher ziemlich schwächelnde Sommer 2011 in seinen alten Tagen noch einmal auf Touren kommt und wir bei unserer letzten Plateauwanderung im Toten Gebirge vor allem beim Abstieg ziemlich schwitzen mussten, haben wir uns für heute (17.08.2011) ein Tourenziel in größerer Höhe in den allgemein etwas kühleren zentralen Schladminger Tauern ausgesucht.

Bereits einmal hatten wir den im hintersten Kleinsölktal liegenden Predigtstuhl am Tourenplan. In den Anfangsjahren unserer Wandererzeit am 05.09.2004 hatten wir für den Anstieg die Route über das Hüttkar gewählt, wo wir heute absteigen wollten. Den Abstieg hatten wir damals über die längere, aber einfachere Route über das Rantentörl vorgenommen.

Heute wollten wir eine neue Überschreitungsroute versuchen, für die allerdings zwei Autos erforderlich sind, wenn man sich den langen Almstraßenhatscher zurück zum Ausgangspunkt ersparen will – doch dazu später mehr. Der Plan war es, von Osten über die Striegleralm und das Hubenbauertörl auf den Predigtstuhl aufzusteigen und über die steile Rinne zu den Hüttkarseen abzusteigen.

Der Predigtstuhl schafft es mit seinen 2.543 Metern Höhe nicht ganz in die Liga der höchsten Gipfel der Schladminger Tauern, auf Grund der sehr langen, abwechslungsreichen Zustiegswege, der nicht zu unterschätzenden Schlüsselstellen im Felsenbereich des obersten Gipfelaufbaus sowie seines markanten „Dromedarbuckels“ gehört er aber mit Sicherheit zu den größten, anspruchsvollsten und auch schönsten Wanderzielen in diesem Gebiet.

 

2-geteiltes Wetter: Wolken im Süden, Sonne im Norden

2-geteiltes Wetter: Wolken im Süden, Sonne im Norden

 

Das Tourengebiet

Bundesland: Steiermark
Tourenregion: Kleinsölktal
Wandergemeinde: Kleinsölk
Ausgangspunkt: Schranken zur Striegleralm bzw. Breitlahnhütte
Gebirgsgruppe: Schladminger Tauern

 

Tourengebiet Striegleralm - Predigststuhl - Breitlahn

Tourengebiet Striegleralm - Predigststuhl - Breitlahn

Routenverlauf im obersten Abschnitt über den Predigstuhl

Routenverlauf im obersten Abschnitt über den Predigstuhl

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304


Der Routenverlauf

Kleinsölk / Schranken Striegleralm – Potzalm – Kothütten – Vordere und Hintere Striegleralm – Roßkar – Hubenbauertörl – Hinterkarscharte – Windschnurspitze – Predigtstuhl – Hüttkarseen – Vordere Neualm – Breitlahnhütte

Die Tourbeschreibung

Heute reisten wir mit 2 Autos in das hintere Kleinsölktal. Auf diese Weise würden wir uns am Nachmittag den langen, monotonen Rückweg über die ca. 7 Kilometer lange Schotter-Almstraße zwischen der Breitlahnhütte und dem Parkplatz vor dem Schranken zur Striegleralm ersparen.

Im noch immer kräftigen Mondlicht (4 Tage vorher hatten wir Vollmond) fahren wir von der Straßengabelung Kesslerkreuz auf der Almstraße zur Breitlahnhütte. 2 große Kaninchen – eines riesiggewachsen – schlagen dabei eine Zeitlang vor meinem Auto ihre Hacken.

Ingrid im Auto hinter mir hält den größeren Hasen gar für ein Reh.

Nachdem wir das Auto beim Parkplatz der Breitlahnhütte deponiert hatten, ging es gemeinsam zurück und vom Kesslerkreuz südostwärts bis kurz vor den Schranken zur Striegleralm. Der andere Schranken versperrt die Forststraße zur Tuchmoaralm.

Während wir uns zum Aufbruch bereit machen, schleicht aus der Dunkelheit ein lichtloses Geländeauto hinter uns vorbei – der Jäger wollte wohl stromsparen.

Kühl war es noch am frühen Morgen, als wir uns auf der langgezogenen Almstraße Richtung Süden auf den Weg machten.

An etlichen (Alm-)Hütten und noch mehr Almvieh vorbei macht man anfangs am nur sehr gemächlich steigenden Weg nur langsam Höhenmeter. Potzalm, Siglam, Kothütte. Nach einer Jagdhütte links am Waldrand kommt endlich das kleine Hüttendorf der Vorderen Striegleralm ins Blickfeld.

Die Almstraße beginnt nun etwas deutlicher zu steigen und bald haben wir die Hütte der Hinteren Striegleralm erreicht.

 

Noch mehr als 900 Höhenmeter von der Hinteren Striegleralm auf Windschnurspitze (links) und Predigtstuhl (rechts)

Noch mehr als 900 Höhenmeter von der Hinteren Striegleralm auf Windschnurspitze (links) und Predigtstuhl (rechts)

 

Die Bergkämme südlich und westlich um uns herum werden nun schon längst von der Sonne bestrahlt, der Mond schickt sich aber noch immer nicht an, hinter den Gipfeln zu verschwinden.

Links – östlich – von einem Wasserfall steigt das Steiglein in unzähligen Serpentinen fast schon zu gemütlich an.

In einem ausholenden Bogen durchschreiten wir das Roßkar, ehe der Steig steiler werdend zum Hubenbauertörl hinaufzieht, wo auch wir endlich in die Sonne gelangen.

Ein Wanderer kommt gerade vorbei. Er scheint das gleiche Gipfelziel zu haben wie wir – den noch in weiter Ferne liegenden Predigtstuhl.

Nördlich von Lachkogel und Kircheleck quert der vom Morgentau feuchte Steig weitgehend auf gleicher Höhe bleibend Richtung Westen. Einige Steilstellen verlangen kurz Aufmerksamkeit, im Wesentlichen bereitet die Route aber keine Schwierigkeiten.

 

Vom Hubenbauertörl zu Windschnurspitze und Predigtstuhl - links die Hinterkarscharte

Vom Hubenbauertörl zu Windschnurspitze und Predigtstuhl - links die Hinterkarscharte

 

Fast ist man schon froh, als der Weg in die Hinterkarscharte endlich anzusteigen beginnt.

Die anfänglich nur vereinzelt und zeitweise von Süden über die Bergkämme heraufziehenden Nebel- und Wolkenschwaden beginnen sich allmählich zu verdichten. Von der in den Nachrichten verkündeten Hitze war weit und breit nichts bemerkbar.

An windgeschützter Stelle lassen wir uns zur Jause nieder, als uns 3 Wanderer nachkommen. Ihr Tourenziel liegt heute noch in weiter Ferne: Über das Rantentörl und Prebertörl wollen sie zur Putzentalalm hinabsteigen und von dort wieder in die Kaiserscharte aufsteigen. Ihre Endstation – die Gollinghütte – werden sie dann über den Greifenberg erreichen. Ein ambitionierter Plan. Mehr als 16 Kilometer und etwa 2.000 Aufstiegshöhenmeter liegen noch vor ihnen.

Bei nicht besser werdendem Wetter – im Gegenteil – machen wir uns wieder auf den Weg. Südwärts geht es um die aus der Ferne sehr eindrucksvolle Windschnurspitze herum. Der Gipfel läßt sich über mittelsteile Wiesenhänge auf der Westseite recht einfach ersteigen.

Am Fuße der Wiese liegt Verwesungsgeruch in der Luft. Ein kleines dunkles Lamm hat seine Kinderjahre nicht überstanden.

Die Nebeldecke reißt jetzt gelegentlich auf. Nur kurz, aber diese Sekunden reichen, um die Schönheit der Landschaft zu erkennen.

 

Tiefblick beim Aufstieg auf die Windschnurspitze

Tiefblick beim Aufstieg auf die Windschnurspitze

 

Der benachbarte Predigtstuhl im Norden. Unter uns einige kleinere und größere grün und dunkelblau schimmernde Seen im Gebiet der hinteren Rantenalm. Im Westen das Wiegeneck, wo wir einen Wanderer – vermutlich jener, den wir beim Hubenbauertörl getroffen haben – im weglosen Aufstieg erkennen.

Von der Windschnurspitze sind wir recht rasch wieder unten am markierten Wandersteig, der nun steil und rutschig in ein steiniges Kar hinabführt. Von hier steigt der Weg abermals noch einmal fast 300 Höhenmeter an.

Zunächst am Wiesenrücken, weiter oben geht es in die Felsen. Nördlich des Hauptkammes können wir überwiegend blauen Himmel erkennen, während uns der Wind die Nebelschwaden um die Ohren treibt und uns trotz des Hochsommertages zum Frösteln bringt.

 

Tiefblick zu den Hüttkarseen

Tiefblick zu den Hüttkarseen

 

Nach dem Zusammenschluß des Weges mit dem steilen Anstieg aus dem Hüttkar beginnt der versicherte Steigabschnitt. Leicht ausgesetzt, mit Hilfe der Drahtseile aber recht unspektakulär führt der Schlußanstieg über die Felsen zum nicht allzu viel Platz bietenden Gipfelkreuz am Predigstuhl, wo wir auf 3 Wanderer treffen, die kurz nach unserer Ankunft aufbrechen.

Ein Paar aus Bayern rät uns, nicht den von uns geplanten Abstieg ins Hüttkar zu wählen von wo sie heraufgekommen waren. Durch den Kamin rinnendes Wasser macht die Felsen sehr glitschig.

Nach der Jause gestärkt wollen wir uns die Route aber doch genauer ansehen, da wir den Abstieg über das Rantentörl bereits kennen.

Nun, die Route ins Hüttkar gestaltete sich wirklich nicht einfach. Auf einigen kurzen Kletterstellen muss man die Schritte äußerst konzentriert setzen, da die nassen, glatten Felsen sehr rutschig sind. Was im Aufstieg noch einigermaßen akzeptabel ist, gestaltet sich im Abstieg gleich erheblich anspruchsvoller.

Schritt um Schritt arbeiten wir uns aber gemächlich abwärts, bei den schönen Hüttkarseen, können wir dann endlich verschnaufen.

 

Bei den Hüttkarseen liegt der schwierige Teil hinter uns

Bei den Hüttkarseen liegt der schwierige Teil hinter uns

 

Der weitere Wegverlauf ist dann nicht mehr sonderlich schwierig, auch wenn der Weg durch strauch- und grasverwachsene Steilhänge etwas holprig und feucht ist.

Auf ca. 1.530 Meter Höhe vereinigt sich unser Weg mit der Route über das Rantentörl.

Über die Vordere Neualm – teilweise über eine Forststraße – geht es hinunter Richtung Grafenalm. Unter uns liegt idyllisch der Schwarzensee.

Zuletzt folgen wir der fast eben verlaufenden Schotterstraße hinaus zur gutbesuchten Breitlahnhütte, wo die Narben der letztjährigen Unwetter noch längst nicht verheilt sind.

Mit 5 Stunden ist die Route auf den Predigtstuhl hier angeschrieben.

Ein langer, anstrengender Wandertag mit mehr als 1.700 Aufstiegshöhenmeter geht zu Ende.

 

Im felsigen Schlußanstieg auf den Predigtstuhl

Im felsigen Schlußanstieg auf den Predigtstuhl

 

Bisherige Wandertouren im hinteren Kleinsölktal

 

Weitere Informationen zur Tour

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenbuch

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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1 Kommentar on Wandertour Windschnurspitze – Predigtstuhl

  1. […] der gestrigen doch einigermaßen kräftezerrenden Predigstuhl-Überschreitung haben wir uns für heute (18.08.2011) ein vergleichsweise einfaches Wanderziel ausgesucht, bei der […]

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