Eigentlich hätte heute alles ganz toll werden sollen.

Soll es natürlich bei jeder Wandertour – aber heute waren die Voraussetzungen wirklich sehr günstig für eine großartige Frühjahrs-Schitour.

1.) Die Wetterprognose kündigte Schönwetter an => OK, der gelernte Wetterbeobachter weiß, dass sich solche Vorhersagen auch hin und wieder irren können.

2.) Eine Skitour über dem Rauriser Tal mit Start in Kolm-Saigurn war angesagt: Das war bislang wirklich ein Garant für tolle Ausblicke auf die großartige Hochgebirgslandschaft.

3.) Mein Bergkamerad Hörbie war heute wieder einmal mit. Ein Garant für ausgezeichnetes Wanderwetter und unvergessliche Tourenerinnerungen. Er konnte sich kurzfristig freimachen, obwohl er bereits sowohl für den vorhergehenden Abend als auch für den Samstag-Nachmittag ursprünglich andere Pläne hatte ;-).

Aber am Ende des Tages würde ich lieber den Mantel des Vergessens über diese Schitour in der Goldberggruppe legen, so wie sich der Nebel über diese Schitourengehergruppe legt.

Am liebsten würde ich mich bei dieser Tourenbeschreibung alleine auf die positiven Dinge beschränken:

  • a) Wir haben keinen Sonnenbrand bekommen
  • b) Der leichte Wind war gar nicht so kalt
  • c) Schlechte Sicht bewahrt davor, die Ausgesetztheit des Geländes zu erkennen

Punkt.

 

Was war geschehen ?

Der Tag startete „normal“ für eine Frühjahrs-Firn-Schitour mit Tagesgang der Lawinengefahr (soll heißen, noch vor Mittag wieder runter vom Berg): Also um 3 Uhr morgens.

Knappes Frühstück und Zusammenpacken der Schitourenausrüstung. Irgendwie hatte ich heute eigenartigerweise das Gefühl, einen Reserve-Tourenstock mitnehmen zu müssen, dieses aber bald wieder verdrängt. Leichter Zeitdruck und Anreise nach Bischofshofen, wo ich Hörbie abholte. Danach gehts flugs weiter nach Taxenbach und über 30 Kilometer an Rauris, einem Marder und zwei Füchsen sowie dem Ghf. Bodenhaus vorbei über die Mautstraße zum Parkplatz Lenzanger.

Bereits ab Taxenbach folgen uns mehrere Autos – zu nachtschlafender Stunde hat man gute Chancen, die Wette zu gewinnen, dass es sich hierbei ebenfalls um Schitourengeher handelt, die das gleiche Ziel – Kolm-Saigurn – haben.

Der Parkplatz war schon sehr gut gefüllt, eine Lücke fand sich dennoch. Viele kleinere und größere Grüppchen  von Schisportlern, etliche mit Stirnlampen – die Tourenschi an den Rucksäcken befestigt – brechen auf der großteils aperen Straße Richtung Ammererhof und Naturfreundehaus auf, wo sie sich unterwegs in alle Richtungen zerstreuen. Da die Hocharn-Geher, dort die Sonnblick-Aspiranten und einige wenige (eigentlich zunächst nur wir beide) Richtung Durchgangalm.

Bei der Durchgangalm kommen weitere Schitourengeher direkt vom Parkplatz Lenzanger durch den Durchgangwald entlang des markierten Ziehweges herauf. Wie ich bei der nachmittäglichen Abfahrt feststellen konnte, eine äußerst lukrative, an eine Bobbahn erinnernde Weg-Variante.

Spätestens bei der Filzenalm teilen sich die Grüppchen wieder. Links die Silberpfennig-Kanditaten (wir beide), rechts die Kolmkarspitz-Anwärter. An einem liebestoll balzenden Auerhahn und seinem umschmeichelten Harem vorbei, anfänglich noch flach, aber bald recht steil hinauf in die Bockhartscharte.  

Die Scharte war heute leider das einzige was frühmorgens bockhart war. Die Schneedecke konnte angesichts von Starttemperaturen von 0°C und dichter Bewölkung nicht ausstrahlen und auskühlen. Dementsprechend wartete unattraktiver Bruchharsch (Makel 1).

Die Hoffnung auf bald aufklarendes Wetter konnten wir spätestens nach der Bockhartscharte vergessen. Im dichten Nebel (Makel 2) folgten wir trügerischen Spuren, die uns in eine Sackgasse (Makel 3) lotsten. Das GPS hatte zwar gegen unsere Routenwahl rebelliert, aber wenn da soviele Spuren verlaufen, kann es ja gar nicht falsch sein (*dumm*).

Noch ehe wir uns zur Umkehr entschlossen, gab es die größte Panne dieses Tages, die Hörbie den Gipfelsieg kostete und mir ein schlechts Gewissen bereitete. Hörbies Tourenstock (Makel 4) brach im ganz normalen Stockeinsatz ohne besondere Belastung.

Damit war für ihn der weitere Aufstieg von vornherein ausgeschlossen. Also zunächst einmal wieder zurück zu jener Stelle, wo auch das GPS-Gerät mit dem Weiterweg auf den Silberpfennig einverstanden wäre. Kurze Hoffnung keimte auf, als wir hier auf eine größere Schitourengehergruppe trafen. Doch auch sie hatten keinen Ersatztourenstock mit (Hätte ich heute morgen doch auf mein eigenartiges Gefühl gehört – ich hatte den 3. Stock bereits in der Hand). Die Hoffnungen auf einen gemeinsamen Aufstieg verflüchteten sich rasch, so wie die Schitourengeher im weiteren Aufstieg im Nebel.

Hörbie reparierte seinen Stock notdürftig, um ihn wenigstens für die Abfahrt auf der wenig vorteilhaften Schneedecke zum Gleichgewichtsausgleich zu verwenden. Er drängte mich förmlich, dass ich unbedingt auf den Gipfel weiter gehen sollte. Hin und hergerissen, folgte ich schließlich doch der Schitourengruppe vor mir.

Dieses Mal am richtigen Weg. Rechts um die Felsen herum, auf teilweise steilen Hängen. Unterhalb der Baukarlscharte überholte ich die Gruppe wieder, weil eines ihrer Mitglieder offensichtlich unter schmerzhaften Krämpfen litt. In der Scharte wechsle ich auf die Nordseite des Silberpfennig und treffe dort auf völlig veränderte Schneeverhältnisse, nämlich tollen Pulverschnee.

Auf den letzten 20 Höhenmetern lasse ich einigen Mitgliedern der Gruppe jetzt wieder den Vortritt, weil mir im dichten Nebel der letzte Anstieg nicht ganz klar ist. Ein kurzes Stück über den überwechteten Westgrat auf den sich allmählich verbreiternden Rücken bis zum Gipfelkreuz.

Etwas später kommen noch 3 weitere Schitourengeher nach, während wir auf Besserung der Sicht warten. Kurze Lichtblicke wechseln mit längeren Schlechtsichtphasen. Nach einer Dreiviertelstunde Wartezeit ist es aber soweit. Ein Wolkenfenster erlaubt passable Sicht, die ich für die Abfahrt im herrlichen Pulverschnee bis zur Baukarlscharte nutze. Dann wird es wieder diesig, und auch die Schneeverhältnisse sind in der Folge nicht die einfachsten.

Besser wird es wieder im Umfeld der Bockhartscharte, wo ich es mir jetzt nicht nehmen lasse, das auf einem kleinen Hügel stehende Kreuz zu besuchen. Weiter abwärts hat sich nun der morgendlich Bruchharsch in gar nicht so schlechten Firn (im weitesten Sinne) gewandelt.

Blick von der Bockhartscharte auf den Silberpfennig

Blick von der Bockhartscharte auf den Silberpfennig

Über die Filzenalm zurück zur Durchgangalm und über die bereits erwähnte Variante hinab zum Parkplatz Lenzanger, wo Hörbie schon auf mich wartet.

Bei unserem Parkplatz-Nachbarn können wir fasziniert bestaunen, was sich so alles in und um / unter / neben einem Auto an Verpflegung, Geschirr, Getränken, etc. alles unterbringen läßt.

Fahrt zurück über die Mautstraße zum Ghf. Bodenhaus (die Mautgebühr – 9 Euro – ist bei der Talfahrt zu entrichten) und nach Hause.

Weitere Informationen zur Tour:

Bundesland: Salzburg
Tourenregion: Kolm-Saigurn
Wandergemeinde: Rauris
Ausgangspunkt: Parkplatz Lenzanger
Gebirgsgruppe: Goldberggruppe

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Skitouren um Kolm-Saigurn:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Christian

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1 Kommentar on Schitour Durchgangalm – Silberpfennig

  1. […] der gestrigen im wahrsten Sinne des Wortes “vernebelten” Schitour auf den Silberpfennig wollte ich bei der wettermäßig nächstbesten Gelegenheit eine “ordentliche” Schitour […]

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