Bei meiner letzten Wandertour vom Ramertal auf die Steinkarspitze und den Mörsbachspitz berichtete ich davon, dass ich eine bislang von mir noch nicht besuchte „Gipfellücke“ im Bergkamm zwischen Lämmertörlkopf und Dornkarspitz in den nördlichen Rottenmanner und Wölzer Tauern schließen konnte. 

Heute (09.10.2010) wollte ich ähnliches versuchen. Dieses Mal in den nördlichen Berchtesgadener Alpen.

Zwischen dem Schneibstein im Süden (im Hagengebirge) und dem Hohen Göll im Norden gab es einige Gipfel in diesem Grenzkamm zwischen Österreich und Deutschland, die mir bislang noch fehlten. Je nachdem welche Landkarte bzw. Wanderführer-Literatur man zu Rate zieht: Zwei oder Drei. 

Beim Hohen Brett sowie dem Großen Archenkopf herrscht noch Einigkeit, weniger schon bei der exakten Lage des Großen Archenkopfes und noch weniger darüber, ob auch der Kleine Archenkopf einen eigenständigen Gipfel darstellen soll, wie es die Freytag&Berndt-Wanderkarte WK392 „Tennengebirge – Lammertal – Osterhorngruppe“ tut. 

Obwohl sich auch Mark Zahel in seinem von mir sehr geschätzten Wanderführer „Berchtesgadener Alpen“ dieser Meinung anschließt und ich ein bekennender „Gipfelsammler“ bin (ich bevorzuge die Bezeichnung „Berggipfelerkunder“), möchte ich es beim Großen Archenkopf belassen. 

Berchtesgadener Alpen: 60 Gipfeltouren, Höhenwege, Klettersteige. Mit Loferer und Leoganger Steinbergen

Das Tourengebiet 

Bundesland: Salzburg
Tourenregion: Bluntautal
Wandergemeinde: Golling
Ausgangspunkt: Ghf. Bärenhütte
Gebirgsgruppe: Berchtesgadener Alpen 

Tourengebiet Hohes Brett - Großer Archenkopf

Tourengebiet Hohes Brett - Großer Archenkopf

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304    

Der Routenverlauf 

Golling / Bluntautal / Ghf. Bärenhütte – Hubertusgrotte – Untere und Obere Jochalm – Carl von Stahlhaus / Torrener Joch – Jägerkreuz – Hohes Brett – Großer Archenkopf – Mit einigen Varianten und Abkürzungen am Anstiegsweg wieder zurück 

Die Tourbeschreibung 

Wie schon bei meiner vorjährigen Wandertour vom Bluntautal auf den Schneibstein startete ich auch dieses Mal wieder beim Ghf. Bärenhütte bei der relativ geringen Ausgangshöhe von 507 Metern. 

Relativ geringe Ausgangshöhe auch deshalb, weil es von deutscher Seite aus wesentlich einfacher ist, zum Torrener Joch mit dem Carl-von-Stahl-Haus zu gelangen. Die Jennerbahn bringt den Wanderer von Bayern aus auf bequeme Art und Weise bis über 1.700 Meter Seehöhe hinauf. 

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich auch heute beim langen, über 10 Kilometer langen Zustieg über mehr als 1.200 Höhenmeter in einer Gehzeit von etwas über 3 Stunden keinem weiteren Wanderer begegnet bin. 

Nach einer anfangs weitgehend ebenen Passage führt die Schotter-Almstraße in der Folge über eine Vielzahl von Kehren bergwärts. 3 Mal habe ich Begegnungen mit Traktoren und deren Fahrern. Einer bringt bereits frühmorgens einen Anhänger vollbeladen mit Baumstämmen hinab ins Tal. Zwei weitere fahren bergauf. 

Ein Stück nach der Hubertusgrotte lasse ich mit Erreichen der Unteren Jochalm auf 1.172 Meter Höhe den dichteren Wald hinter mir und komme jetzt in den Genuß der angenehmen Morgensonne, welche die herbstlich gefärbten Bäume herrlich zum Leuchten bringt. 

Prächtige Herbstfarben am Weg zur Jochalm

Prächtige Herbstfarben am Weg zur Jochalm

Der markierte und bestens beschilderte Wanderweg verläßt bei der Talstation der Materialseilbahn zum Stahl-Haus die Almstraße und kurz danach erreiche ich die Hütten der Oberen Jochalm auf knapp 1.400 Meter Seehöhe. 

Das Carl-von-Stahl-Haus ist von hier aus schon bestens oben am Joch zu erkennen, lediglich die großartigen Landschaftsimpressionen und mein Fotografierbedürfnis hindern mich am rascheren Vorwärtskommen. 

Schließlich nach ca. 3 1/4 Stunden Gehzeit oben angekommen, ist es mit der ruhigen Beschaulichkeit vorbei. Neben zahlreichen Wanderern, die sich von hier verteilen, tummeln sich auch etliche weniger konditionsstarke Ausflügler im Umfeld des Stahl-Hauses, manche bereits am Vormittag ein Bier konsumierend. 

Der prächtige Ausblick entschädigt aber vollauf für den kurzzeitigen Trubel sowie die Mühen des langen Anstieges (so man von Österreich aus ansteigt).

Während es in Salzburg bereits nebelfrei ist, liegen die Täler in Bayern noch unter einer dicken Nebeldecke verborgen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Watzmann.

Prächtiger Ausblick zum Watzmann über dem nebelverhangenen Königssee

Prächtiger Ausblick zum Watzmann über dem nebelverhangenen Königssee

Im Gegensatz zu meiner Wanderung auf den Schneibstein am 19.09.2009, wo ich gen Süden ins Hagengebirge zuhielt, zog es mich heute in die entgegengesetzte Himmelsrichtung. Der im Norden liegende Göll-Stock war das Ziel meiner Begierde. Zumindest die südlichen Ausläufer desselbigen, denn hier fehlten mir mit dem bereits eingangs erwähnten Hohen Brett und dem Großen Archeskopf noch 2 Gipfel, die ich heute gerne kennenlernen wollte. 

Die Route vom Carl-von-Stahl-Haus bis zum Hohen Brett ist laut Wegweiser mit Schwierigkeit SCHWARZ bewertet, eine Einstufung, der ich nicht unbedingt zustimmen würde. Es gibt zwar den einen oder anderen etwas steileren und steinigeren Abschnitt – allesamt aber bestens mit Drahtseilen entschärft. 

Für mich wäre dieser Abschnitt der Route eher nur Schwierigkeit ROT, ich denke die schwierigere Bewertung rührt von der einfachen Erreichbarkeit mittels Bahn-Unterstützung sowie der Stadtnähe, und somit geht die vorsichtere Beurteilung wohl in Ordnung, denn damit kommen auch weniger geübte Geher schnell ins „Mittelhochgebirge“.

Nach einer dieser seilgesicherten Felsstufen erreicht man das „Jägerkreuz“ – und ab hier geht es wirklich gemütlich zur Sache. Über Felsplatten und braunes Gras erreiche ich schließlich das weitflächige Gipfelplateau, auf dem sich etliche Wanderer tummeln. 

Besonders eine 5 bis 6-köpfige Mädelgruppe verbreitet beim Gipfelkreuz am Hohen Brett herzerfrischende Fröhlichkeit. 

Nichtsdestotrotz muß ich mich ranhalten, denn ich möchte jetzt noch über den langgezogenen Bergkamm auch dem Großen Archenkopf noch einen Besuch abstatten. Auf diesem Weiterweg treffe ich jetzt nur mehr selten auf Wanderer. Die meisten von ihnen kommen aus Richtung Norden vom Hohen Göll herüber. 

Vom Hohen Brett zum Großen Archenkopf

Vom Hohen Brett zum Großen Archenkopf

Der Steig über den Brettriedel wird jetzt eine Nuance anspruchsvoller. Der Übergang verläuft meist am Grat, dort wo die Schneide schmal wird, weicht er in eine der Flanken aus. Auch hier trifft man wieder auf Drahtseile. 

Nach dem Abstieg durch einen schottrigen Kamin würde der markierte Wanderweg jetzt links um den Archenkopf herum führen. Ich suche mir aber einen Aufstieg direkt hinauf – über einige kleinere, aber unschwierige Kletterstellen. 

Wenige Meter vor dem Gipfelkreuz, welches nicht ganz am höchsten Punkt steht, kommt die Schlüsselstelle. Eine sehr schmale und nach beiden Seiten ausgesetzte Gratschneide will überstiegen werden. Der Fels ist aber stabil und bietet genügend Tritt- und Haltemöglichkeiten. 

Aber – ich muß es zugeben – kurz habe ich schon überlegt, den Gipfelsieg nur zu „visualisieren“ (wie es bei Skyrunnern nicht unüblich zu sein scheint). Allerdings fehlen mir die entsprechenden Photoshop-Kenntnisse um das Gipfelfoto halbwegs herzurichten. 

Also habe ich mir zuerst einmal in aller Ruhe eine stärkende Jause am Vorgipfel gegönnt, um dann das Gipfelkreuz doch noch persönlich kennenzulernen. Und wenn ich schon einmal da war, konnte ich den Gipfel – je nach Karte der Kleine oder Große Archenkopf – auch gleich überschreiten, um ein Stück weiter nördlich mit der Wanderroute vom Hohen Göll zusammenzutreffen. 

Beim Gipfelkreuz am Großen Archenkopf. Im Hintergrund der Hohe Göll.

Beim Gipfelkreuz am Großen Archenkopf. Im Hintergrund der Hohe Göll.

Von hier gings nun wieder am Steig zurück. Eine „Horde“ lautstarker Wanderer kam kurz zuvor, Steinlawinen auslösend, vom Hohen Göll herunter. Einige Wanderer stiegen am Alpeltalsteig zurück ins Tal, die meisten aber wählten die Route über das Hohe Brett zum Carl-von-Stahl-Haus. 

Mittlerweile – nach mehr als 2.000 Aufstiegshöhenmetern und 15 Kilometern Wanderung – vermochte ich aber mit ihrer Geschwindigkeit nicht mehr mitzuhalten. 

Und so kam ich alleine am nunmehr einsamen Gipfelplateau des Hohen Brett an. Ich genoss die Stille und die schöne Lichtstimmung der von einigen dünnen Wolkenschleiern gedämpften Sonne. Beim Weiterweg zum Jägerkreuz konnte ich das Glitzern des Königsees bewundern. Am Vormittag hatte er sich unter einer Nebeldecke versteckt. 

Vor mir waren einige Wanderer unterwegs zum Stahl-Haus. Als ich einen der letzten von ihnen überholte, dachte ich zunächst, der Ärmste würde unter dem Tourette-Syndrom leiden, weil er unentwegt schimpfte. 

Auf meine Nachfrage erklärte er mir aber, dass ihn seine Kollegen schändlich im Stich gelassen haben, als er ihrem Tempo nicht mehr zu folgen vermochte. Er versicherte mir aber, dass er die 10 Minuten bis zum Stahlhaus schon hinunterkommen würde (gefolgt von einigen in tiefstem Bayrisch gehaltenen Begriffszuteilungen aus dem Tierreich an seine Wanderkameraden sowie wiederholter Erwähnung eines bestimmten Körperteiles in Ein- und Mehrzahl – aus Gründen des Jugendschutzes möchte ich aber lieber auf eine Veröffentlichung verzichten). 

Vom Carl-von-Stahl-Haus zweigte ich wieder als einziger nach links – Richtung Osten – ab. Am bekannten Anstiegsweg ging es nun zügig abwärts. Bei der Oberen Jochalm machte ich kurz Halt, um bei einem Brunnen meinen Wasserhaushalt wieder halbwegs ins Gleichgewicht zu bringen. Herrlich kaltes Bergquellwasser. Weiter unten bei den Almhütten erkannt ich zwei Radfahrer, die sich gerade bereit für die die Talfahrt machten.

Bei mir würde der Rückweg vergleichsweise wesentlich länger dauern. Im Laufschritt gings hinab zur Almstraße und an der Unteren Jochalm vorbei talwärts. 

Eine 12-Stundentour ganz ohne Stirnlampe ist bei den zunehmend kürzer werdenden Tagen jetzt nicht mehr möglich. 

Etwa eine halbe Stunde vor Erreichen des Ausgangspunktes kam mir ein Auto nach, ich fühlte mich aber noch gut und fit und legte die letzten Kilometer lieber laufender- und gehenderweise zurück. Nicht zuletzt weil mir das frische Wasser wieder soviel neue Kräfte verliehen hat. 

Zurück beim Ghf. Bärenhütte ging ein sehr schöner Wandertag zu Ende. 

Übrigens: Die Zufahrt zum Gasthof ist an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zwischen 9 und 17 Uhr (soweit ich mich erinnern kann) gesperrt. 

Bisherige Touren in der Umgebung von Golling

 Weitere Touren auf Nachbargipfel im Süden: 

Weitere Informationen zur Tour

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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1 Kommentar on Wandertour Hohes Brett – Großer Archenkopf

  1. Danke für diesen ausführlichen Tourentipp zum Archenkopf. Die Tour wollen wir die nächsten Wochen angehen.

    Sonnige Grüße
    Christian

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