Am Vormittag noch Schönwetter, ab Mittag können aber Regenschauer und Gewitter nicht ausgeschlossen werden. 

Also zum wiederholten Male in den letzten Wochen eine Wetterprognose, die keine längeren Wandertouren ratsam machte. Auch für eine weitere Anreise konnte ich mich deshalb nicht begeistern. 

Als Konsequenz suchte ich mir darum ein Wanderziel in der näheren Heimat, verbunden mit einer speziellen Herausforderung: Nachdem ich ihn bislang schon einige Male aus der unmittelbaren Nachbarschaft bei Sonnenaufgang erlebt hatte – wie z.B. bei der Schneeschuhtour auf den Stoderzinken am 13.04.2007 – wollte ich heute (10.08.2010) erstmals bei Tagesanbruch direkt am Gipfel des Kammspitz stehen. 

Und dann war es mir ein tiefes Bedürfnis, mit dieser Bergtour noch ein weiteres Anliegen zu verbinden. Mit dem 2. Gipfel im Kammstock, der 2.121 Meter hohen Mitterspitze, wollte ich nicht nur einen neuen, bislang noch unbesuchten Gipfel kennen lernen, sondern ich wollte auch auf jenem Bergziel stehen, auf das ein guter Bekannter am 10.07.2010 seine letzte Bergfahrt unternommen hatte, ehe er beim Rückweg einem tragischen Unfall zum Opfer fiel, der den ganzen Ort erschütterte … 

Das Tourengebiet 

Bundesland: Steiermark
Tourenregion: Kemetgebirge
Wandergemeinde: Gröbming
Ausgangspunkt: Gröbming-Hofmanning
Gebirgsgruppe: Dachsteingebirge 

Das Tourengebiet im Kammstock nördlich von Gröbming

Das Tourengebiet im Kammstock nördlich von Gröbming

Der Routenverlauf 

Gröbming-Hofmanning – Direktanstieg – Kammspitz – Kammalm – Mitterspitze – Kammalm – Zirmel – Säbelboden – Hofmanning 

Der Routenverlauf auf Kammspitz und Mitterspitze

Der Routenverlauf auf Kammspitz und Mitterspitze

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304 

Der Wandertag 

Das Vorhaben, den Sonnenaufgang am Gipfel des Kammspitz zu erleben, erfordert bei der auf der Wandertafel oberhalb von Gröbming-Hofmanning veranschlagten Gehzeit von 3 Stunden einen frühen Aufbruch und ein noch früheres Aufstehen. 

Ich gestehe: Beim Frühstück, zu einer Zeit, wo Spät-Nachtfilmseher gerade erst schlafen gehen, hatte ich mehr als einmal das Bedürfnis, wieder zurück ins Bett zu schlüpfen. Diesen Wunsch sowie den inneren Schweinehund überlistete ich aber einfach durch viel Essen, denn mit vollem Bauch würde ich mich sicher nicht mehr niederlegen. 

Kurze Anfahrt zum Ausgangspunkt. Das Auto war rundum nass, aber nicht auf Grund etwaigen Niederschlages, sondern wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Denn aberzählige Sterne versprachen einen herrlichen Tagesanbruch. 

Diese Luffeuchtigkeit hat dann beim Aufstiegen in der mondlosen Nacht bald auch mich eingehüllt. Der Rucksack war nass wie bei leichtem Nieselregen. Der erdige Weg war schlammig, Felsen und Steine rutschig, das hohe Gras durchfeuchtete den Körper von unten. 

Also ein nicht gerade gemütliches Aufstiegsszenario. 

Idyllisch zeigte sich aber der Sternenhimmel, 2 mehr als deutlich ausgeprägte Sternschnuppen ließen mich gedanklich Wünsche formulieren. 

Die zweite spärliche Lichtquelle waren die Ortsbeleuchtungen tief unter mir im Ennstal, zunächst natürlich jene von Gröbming. 

Im Westen folgten die Lichteransammlungen um Haus und Schladming. 

Ansonsten tiefschwarze Nacht, keinerlei Gebirgsumrisse waren erkennbar. 

So trottete ich mit konstantem Schritt im Licht meiner Stirnlampe Höhenmeter um Höhenmeter bergwärts, die einzelnen Etappenziele als „Projekt-Meilensteine“ abhakend. Da der Zusammenschluß mit dem Säbelboden-Anstieg, dort die Felswand mit dem Marterl. 

Etwas später der große Stein und kurz darauf der Südrücken, westlich vom Karl und nördlich vom Winterstein

Gelegentlich machen Gämse in der der finsteren Nacht durch ihr Warnpfauchen/-pfeifen auf sich aufmerksam, gelegentlich kullern Steine in der näheren Umgebung über Schotterfelder talwärts.

Bei den Drahtseilsicherungen ist es noch immer dunkel, die Sicherungen sind – wie die Felsen – sehr feucht und kalt. 

Zu dieser Nässe hat sich mittlerweile auch kühler, unangenehmer Wind eingefunden und erst jetzt registrierte ich einen großen Fehler: Ich hatte a) zu wenig Kleidung mitgenommen und b) war ich viel zu früh am Gipfel. 

Nach 2 Stunden und 20 Minuten stand ich beim Klettereinstieg. Bei meiner Zeitkalkulation – ich habe mir am Vortag die Sonnenaufgangszeit herausgesucht: ca. 05:45 – hatte ich nicht bedacht, dass ich in der Nacht mangels Fotopausen wesentlich schneller unterwegs sein würde, als tagsüber bei Schönwetter mit vielen interessanten Fotomotiven. 

Die Tourenstöcke zusammengeschoben und am Rucksack befestigt ging es nun in die Felsen. Durch den mit Eisenklammern entschärften Südkamin erreichte ich in wenigen Minuten das Gipfelkreuz. Und nun hieß es an möglichst windgeschützter Stelle hinter einem Felsen in der Kälte zu warten. 

Warten, warten, warten – 1 Stunde lang bis die Sonne endlich als glutrote Scheibe hinter dem Grimming emporstieg. 

Glutrot steigt die Morgensonne über dem Grimming empor

Glutrot steigt die Morgensonne über dem Grimming empor

Kleine Wölkchen verliehen dem Morgenhimmel eine interessante Note. Die Wolken über dem Grimming wirken, als ob sie Flammen werfen würden. 

Flammen aus den Wolken

Flammen aus den Wolken

Im Salzkammergut über Bad Mitterndorf lag Nebel. Über viele der umliegenden Gebirgsgruppen waren Wolken erkennbar. Über dem Kammspitz war es gottseidank wolkenlos. 

Nahezu pausenlos klickte der Fotoapparat, auch wenn ich wußte, dass ich nicht in der Lage sein würde, diese Naturschönheit auch nur annähernd bildlich festhalten zu können. 

Das war die Belohnung. Für das frühe Aufstehen, für den anstrengenden und steilen Anstieg, für das geduldige Warten im Morgenfrost. 

Als ich nach einer weiteren halben Stunde des Fotografierens die Digitalkamera vor lauter Kälte zitternd nicht mehr gerade halten konnte, habe ich mich schließlich wieder für den Aufbruch gerüstet. Der Abstieg würde über die Nordseite erfolgen. Etwas anspruchsvoller als die Südseite, aber ebenfalls gut durch Eisenklammern entschärft, was heute angesichts der nassen, rutschigen Felsen äußerst hilfreich war.

Am Felsfuß konnte ich wieder meine Tourenstöcke zur Unterstützung heranziehen, um über den steilen erdig-rutschigen Nordhang, an einer nicht sonderlich aufgeregten, frühstückenden, wohlgenährten Gams vorbei talwärts zu steigen.

Sie interessierte sich nur am Rande für mich

Sie interessierte sich nur am Rande für mich

Talwärts – oder besser almwärts. Nämlich Richtung Kammalm, das weitläufige Waldgebiet des Kemetgebirges zwischen Viehbergalm, Hochmühleck und Miesbodensee vor Augen (Siehe „Weitere Touren auf den Kammspitz“ am Artikel-Ende).

Von der Kammalm folge ich nun mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Almvieh- und Wildsteigen Richtung Westen, ehe es weglos über steile Wiesenhänge südwärts bergan geht. Am gamsreichen Grat geht es durch Latschengassen und über Wiesen schließlich wieder ostwärts auf den leicht überhängenden Gipfel der Mitterspitze, gekrönt von einem kleinen, aber feinen Gipfelkreuz und ausgestattet mit einem bislang nur wenig beschriebenen Gipfelbuch aus dem Jahre 1992.

Abermals gönne ich mir jetzt eine Pause, dieses Mal nicht mehr vor Kälte zitternd, wie noch am 1. Gipfel des heutigen Tages.

Ich gedenke des vor einem Monat hier an seinem Heimatberg verunglückten Bergkameraden und rufe mir die gemeinsamen Bergtouren in Erinnerung, allen voran natürlich jener Gipfelbesuch, bei dem er Ingrid und mich am benachbarten Stoderzinken am 04.04.04 in seiner Funktion als Standesbeamter getraut hatte.

Schneeschuh- und Tourenschihochzeit am Stoderzinken

Schneeschuh- und Tourenschihochzeit am Stoderzinken

Sein herzliches, freundliches, hilfsbereites Wesen voll sprühender Lebensfreude und Begeisterung wird uns immer unvergessen bleiben.

Pfiat di Fred

Pfiat di Fred

Beim Rückweg geht es nun zunächst am Anstiegsweg wieder zurück zur Kammalm und noch ein kurzes Stück hinauf Richtung Kammspitz. Bei der markierten Weggabelung halte ich mich dann aber Richtung Osten und erreiche so in leichtem Anstieg das Zirmel, den dem Kammspitz östlich vorgelagerten Latschenrücken.

Von nun an führt der Weg bergab und über den Säbelboden geht´s im Laufschritt wieder zurück zum Ausgangspunkt, wo bei meinem Eintreffen 3 weitere Autos von (vermutlich) Kammgehern aus Ober- und Niederösterreich abgestellt sind.

Weitere Touren auf den Kammspitz

Wander-Videos vom Kammspitz

(Klick auf das Bild zum Starten des Videos, Downloadmöglichkeit: Rechte Maustaste … Ziel speichern unter …)

Spätherbst am Kammspitz

Spätherbst am Kammspitz

Tiere am Kammspitz

Tiere am Kammspitz

Aufstieg auf den Kammspitz

Aufstieg auf den Kammspitz

Abstieg vom Kammspitz

Abstieg vom Kammspitz

Hier gibts weitere Wander-Videos

Weitere Informationen zur Tour

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Abschied

Diese Tour ist einem ganz besonderen Menschen gewidmet: Pfiat di Fred

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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1 Kommentar on Wandertour Kammspitz – Mitterspitze

  1. Martin Huber sagt:

    Extrem lässige Sonnenaufgangsfotos sind das, Christian. Herzliche Gratulation!

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