Nachdem sich die höheren heimatlichen Gipfel noch weitgehend schneebedeckt zeigen und ich seit der Wandertour zum Blausee in den Radstädter Tauern auch allmählich genug von nassen Füßen hatte, suchte ich mir heute mit der Überschreitung der Hohen Schrott ein weniger „herausragendes“ Tourenziel.

Aber man sollte sich von der Tatsache, dass der höchste Gipfel dieser Bergkammwanderung „nur“ 1.839 Meter Höhe aufweisen kann, auf keinen Fall täuschen lassen.

Vor allem wenn man die Route im Tal zu einer richtigen und klassischen Rundtour ausweitet und eventuell auch noch die eine oder andere „Ehrenschleife“ dreht, kann man am Ende des Tages auf eine stolze Tourenbilanz von 28 Kilometer und 1.800 Aufstiegshöhenmeter verweisen. Und das alles schneefrei und (zumindest von außen) trockenen Fußes.

Aufstehen zu nachtschlafener Zeit und frühe Anreise ins Salzkammergut und über den Pötschenpaß nach Bad Ischl. Dann das fast schon obligatorische Verfahren in einer „Großstadt“. Bald aber hatte ich einen günstigen Ausgangspunkt gefunden: Nahe dem „Bau Mit“-Werksgelände – unweit der Kläranlage nordöstlich von Bad Ischl –  im Ortsteil Rettenbach – stellte ich mein Auto ab.

Trotz des noch sehr jungen Tages reichte das spärliche Licht der anbrechenden Morgendämmerung bereits vor 5 Uhr früh aus, um auf die Stirnlampe verzichten zu können. Ich folgte dem Soleleitungsweg (Rad- und Fußweg) westlich der Traun und kam dabei an den Ortschaften Kößlbach und Mitterweißenbach vorbei.

Schließlich erreichte ich am mit 446 Meter Seehöhe niedrigsten Punkt der Tour jene Brücke, die mich ostwärts über die Traun zum Bahnhof Langwies führte. Ab hier sollte meine eigentliche Tour beginnen und mich endlich bergan führen.

Denn die ersten 6 Kilometer bis hierher waren nur notwendiges Übel, um mir am Nachmittag in der erwarteten Hitze den heißen Rückweg zu ersparen.

In unzähligen Kehren folge ich dem sich im Laubwald bergwärts schlängelden Steiglein, während sich unter mir die Nebel schön langsam zu lichten beginnen.

Kuckucksrufen, Spechteklopfen und unzählige Singvögel in allen Tonlagen tauchen den Wald in eine fast unwirklich kitschige Stimmung. Das ist Frühling.

Noch mehr Frühlingsgefühle werden geweckt, als ich endlich in die Morgensonne gelange. Außerordentlich frische Grüntöne und darüber strahlend blauer Himmel. Lediglich die Fernsicht ist durch leichten Dunst etwas getrübt.

Tiefblick zum Traunsee

Tiefblick zum Traunsee

Bei der Brombergalm dreht sich meine Wanderrichtung nun nach Süden. Zunächst statte ich einem unscheinbaren Hügel einen Besuch ab. Erst nachträglich zu Hause sollte sich herausstellen, dass dieser Hügel einen Namen hatte und somit in meiner Gipfelliste Aufnahme finden wird: Loskogel (1.538) ist sein Name.

Diesen Teil Österreichs (diese „Datenkachel“) hatte ich nämlich nicht auf mein GPS-Gerät geladen. Im Übrigen hatte das GPS heute im dichten Laubwald beim Aufstieg so einige Ortungsprobleme. Besserung (beim Satellitenempfang) sowie bei der Kartendarstellung (ab hier hatte ich die Topo Österreich wieder geladen) gab es erst ab dem mit Kreuz geschmückten Gipfel des Petergupf.

In den Windwurfgebieten und Schlägen rundum krächzten heute den ganzen Tag über emsige Motorsägen.

Bis hierher handelt es sich um eine weitgehend einfache Wanderung.

Da ich noch einen langen Weg vor mir hatte, hielt ich mich nicht lange auf und schritt bei bestem Wanderwetter bald weiter Richtung Südwesten, wo ich jetzt bei meiner Kammwanderung noch 5 weitere Gipfel überschreiten sollte.

Zunächst gilt es die Pyramide des Bannkogel unschwierig zu „übergehen“. Ab hier wird das Gelände aber anspruchsvoller und im Umfeld des Bergwerkkogel warten die Schlüsselstellen der Tour.

Die Schlüsselstelle: Der Felsturm des Bergwerkkogel

Die Schlüsselstelle: Der steile Felsturm des Bergwerkkogel

Teilweise leicht ausgesetzte Passagen und einige mittels Stahlstiften und Drahtseil/Eisenkette entschärfte Kletterstellen erfordern unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Hat man einmal den dem Gipfel östlich vorgelagerten Felsturm erklommen, wird das Gelände wieder einfacher. Dennoch wartet auch in der Folge noch die eine oder andere ganz kurze Kletterstelle im 1. Schwierigkeitsgrad.

Nach Überwindung dieses Hindernisses schiebt sich schon die nächste Pyramide in den Himmel. Der Mittagskogel wird südseitig umgangen. Allerdings lasse ich es mir nicht nehmen, dem von einem dichten Latschengürtel abgeschirmten Gipfel so nah wie möglich zu kommen (oh wie ich dieses unwegsame Latschengestrüpp liebe :-().

Ein Wanderer – der erste den ich heute zu Gesicht bekommen – eilt hurtigen Schrittes an mir vorbei und steuert die nächste Spitze an. Die Hohe Schrott – mit 1.839 Meter Seehöhe das „Dach der Tour“.

Nachdem es heute nicht mehr höher hinausgehen wird, lasse ich mich jetzt zu einer gemütlichen Jause nieder und lasse die bislang erlebten Tourenerlebnisse noch einmal vor meinem inneren Auge passieren. Besonders in Erinnerung geblieben und erwähnenswert sind dabei jene 2 auffallend hellen – ja fast weißen – Kreuzottern mit schwarzem, deutlich ausgeprägtem Zickzackband, die ich am Wegesrand angetroffen hatte.

Der Versuch, sie zu fotografieren, scheiterte allerdings an ihrer Schnelligkeit. Während die erste hurtig und kraftvoll ins Unterholz entfleuchte, schlängelte die zweite ästhetisch und elegant von dannen. Deshalb gibt es hier nur ein Phantombild:

Helle Kreuzotter mit schwarzem Zickzack-Band

Helle Kreuzotter mit schwarzem Zickzack-Band

Die Rast war ein Hochgenuß. Der leichte Wind – das „leichte Lüftal“ – war eine Wohltat. Der Ausblick ein Hochgenuß. Im Süden die blendend-weißen, schneebedeckten Gipfel des Dachsteingebirges. Tief unter mir die Traun. Ab und an eine Gams.

Nach dem verregneten Mai hatte ich schon fast vergessen, wie schön es bei Schönwetter am Berg sein kann. Wenn es will. Heute wollte es.

Kurz nach meinem Aufbruch kam mir ein Wanderer-Paar entgegen, wenig später noch ein Wanderer. Der letzte Gipfel: Hochglegt.

Ab nun geht´s bergab. Wenig später treffe ich noch einmal auf einen Wanderer.

Bei der inmitten einer tiefgrünen, blumengeschmückten Wiese gelegenen Kotalm vorbei, geht es in der Folge über kahle Waldhügel.

Bei der Kotalm

Bei der Kotalm

Da der Wanderweg nach Erreichen einer Forststraße nicht mehr sonderlich aus- und aufgeräumt scheint, der Tag noch sehr jung ist und der Ausgangspunkt schon so nah liegt, entschließe ich mich zu einer „Ehrenschleife“ auf Forstwegen und Waldsteigen hoch über Bad Ischl.

An Halbweghütte, Hohenaualm, 2 Mountainbikern und 3 polnischen Holzarbeitern vorbei führt mich meine Route – ungewollt und ganz schön anstrengend – schließlich wieder ein kurzes Stück bergauf zu den/der Möselwiesen.

Von hier geht´s endlich wirklich unwiderrufbar bergab. Über eine „Außenstelle“ des Kalkwerkes erreiche ich wieder meinen Ausgangspunkt an der Traun.

Weitere Informationen zur Tour: 

Bundesland: Oberösterreich
Tourenregion: Bad Ischl – Ebensee
Wandergemeinde: Bad Ischl
Ausgangspunkt: Kläranlage / Werksgelände „Bau Mit“
Gebirgsgruppe: Totes Gebirge 

Das Tourengebiet zwischen Bad Ischl und Ebensee

Das Tourengebiet zwischen Bad Ischl und Ebensee

Der Routenverlauf im Uhrzeigersinn

Der Routenverlauf im Uhrzeigersinn

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304 

Tourenstatistik im Tourenbuch 
Alle Tourenfotos im Tourenalbum 

Weitere Touren im Gebiet um Bad Ischl:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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1 Kommentar on Wandertour Petergupf – Bergwerkkogel – Hohe Schrott – Hochglegt: Die Überschreitung

  1. […] auf ebener bzw. sogar leicht fallender Straße absolvieren mußte, ehe ich meinen Anstieg zur Überschreitung der Hohen Schrott in Angriff nehmen […]

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