Untertitel: Hundewanderung mit eineinhalb Schrecksekunden.
Am heutigen Karfreitag sollte uns die Tour wie schon letzten Sonntag bei der Schneeschuhwanderung auf den Kochofen in die nördlichen Schladminger Tauern führen. Neben der Freude, wieder mit meinen Leihhunden Nico und Sammy (sprich Niko und Sämmi) unterwegs sein zu dürfen, sollte die heutige Schnuppertour vor allem Aufschluß über die aktuellen Schneeverhältnisse liefern, da ich für den Karsamstag eine anspruchsvollere Schitour plante.
Aufbruch in Rohrmoos-Obertal beim Parkplatz Hopfriesen, wo bereits einige Autos abgestellt waren. Die mit ca. 1 cm Neuschnee bedeckte Forststraße Richtung Eschachalm verriet, dass heute schon einige Schitourengeher unterwegs waren. Allerdings mußten sie ihre Schi am Schranken vorbei mindestens eine halbe Stunde lang tragen, ehe die Schneedecke hoch genug wurde.
Wie schon am Kochofen wälzten sich Nico und Sammy auch heute wieder überschwänglich im Pulverschnee, während die Vormittagssonne angenehme Wärme spendete.

Bei der Eschachalm überholte uns ein Schitourengeher, der mit seinen Langlaufschi zum Duisitzkarsee aufsteigen wollte. Das am Vormittag noch frisch eingeschneite Almgelände sollte sich am Nachmittag bei der Rückkehr bereits wieder als grüne-braune Wiese zeigen.

Für den Aufstieg zur Keinprechthütte wählten wir die Variante über den Forstweg. Dazu folgten wir zunächst noch ein Stück der Route Richtung Duisitzkarsee ehe wir nach einer 180°-Kehre scharf nach links abzweigten. Die Schitourengeher Richtung Neualm haben sich allesamt für die Route über den Waldsteig entschieden. Weiter oben, bei einer Seehöhe von etwa 1.375 Meter trafen wir dann auf ihre Aufstiegsspuren. Ab hier konnten sie auf der Forststraße endlich ihre Schi anlegen, im Wald war die Schneehöhe definitiv zu gering.
Wegen der weichen Schneedecke – trotz der letzten recht kalten Tage wurde der Schnee nicht mehr richtig hart – legten wir eine eigene Spur parallel zu den Schispuren an, um diese nicht völlig zu zertreten. Diese Schneeverhältnisse luden nicht gerade zu der geplanten Schitour am nächsten Tag ein, zumal es da auch noch wesentlich wärmer werden sollte (ein Irrtum, wie sich bei der Schneeschuhwanderung auf die Matillenalm in den nördlichen Wölzer Tauern heraustellen sollte).
Bereits etwas früher hatten wir 2 junge tschechische Pärchen überholt, die zur Keinprechthütte aufsteigen und im dortigen Winterraum übernachten wollten, nachdem sie für der Ignaz-Mattis-Hütte oberhalb der Giglachseen keinen Schlüssel bekommen hatten.

Allmählich begann sich der Himmel einzutrüben und das Wetter sollte sich heute leider auch nicht mehr wesentlich bessern. Eine kurze (oder eigentlich gar nicht ganz so kurze) Schrecksekunde gab es oberhalb der Neualm, als Sammy plötzlich verschwunden war. Auf das Pfeifen und Rufen, welches ihn gewönlicherweise sofort zum freudigen Anbrausen veranlaßte, gab es zunächst keine Reaktion, keinen Laut …
Bis plötzlich 4 oder 5 Mal jämmerlich winselndes Bellen zu vernehmen war, welches mir ehrlich gesagt, Angstschauer über den Rücken jagte. Angst um den kleinen Sammy, der in seiner ungestümen Neugier irgendwo in ein Loch oder in einen der Bachläufe gefallen sein könnte.
Ich rief nach Sammy und auch der ansonsten stumme Nico ließ sich zu einem lauten, tiefen Bellen hinreißen. Er schien meine Angst zu bemerken und trabte sofort in Richtung des vorhin zu vernehmenden Heulens von Sammy. Aber alles war nun still. Kein Laut mehr. Wir stiegen auf den steilen Waldhang. Hier gab es etliche Felsblöcke mit tiefen Spalten an ihren Rändern.
Sollte Sammy hier irgendwo hineingefallen sein. So klein er auch sein mag, so ist er doch ein “wilder Hund”, der es liebt, von Hindernissen hinabzuspringen. Hier war aber nichts zu finden. Also noch einmal zum Ausgangspunkt. Welche Spuren aber waren nun von Nico und welche von Sammy. Normalerweise unterscheiden sich die Spuren ganz deutlich. Hier die kleinen Tapser von Sammy und dort die großen Bärentatzen von Nico.
Bei dem feuchten, schweren, patzigen Schnee waren die Unterschiede aber schwer auszumachen. Noch einmal in den Wald hinauf. Rufen, Pfeifen – keine Reaktion. Ich machte mir Vorwürfe, überlegte noch einmal. Wir dürfen nicht zuviele verwirrende Spuren machen. Warum meldet er sich nicht neuerlich durch Bellen. Auch Nico wird sichtlich nervöser. Schnüffelt, sucht, schaut, hört – Nichts.
Wieder hinab zum Bachlauf, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte. Hier mußte ich nämlich extra für ihn eine eigene Route suchen, da er sich nicht über den zuvor gewählten Übergang traute.
Hier führten seine Spuren weg. Waren das überhaupt seine? Meine würden es sicher nicht sein. Dann hinauf da unter einem Baum hinein. Bei tiefem Schnee zieht er die aperen Stellen unter den Bäumen vor, um kraftschonender vorwärts zu kommen. drüben führt die Spur wieder raus …..
Und da sehe ich ihn plötzlich: Sammy steht kaum 2 Meter unterhalb des Waldrandes vor dem letzten Baum, den wir gerade untersucht haben und scheint uns interessiert zu beobachten. Auf mein erleichtertes Ausrufen seines Namens kommt er endlich angelaufen – keine Verletzungen – alles bestens. Die Wiedersehensfreude war groß, die Begrüßung innig.
Falls ich bis jetzt ein schmutziges Gesicht gehabt haben sollte – jetzt war ich auf jeden Fall sauber. Normalerweise bin ich auf Sammys und Nicos Liebesbezeugungen mit fest zusammengepressten Lippen vorbereitet. In der Euphorie des Wiedersehens war ich jetzt aber wohl etwas zu unaufmerksam und konnte deshalb einen “Zungenkuss” nicht mehr vermeiden.
Gemeinsam stapften wir jetzt wieder weiter, Sammy sollte heute aber den ganzen weiteren Aufstieg bis auf wenige Ausnahmen immer an meinen Fersen kleben. Ich glaube, auch für ihn war das ein ziemlicher Schreck. Das Gewinsel-Geheule-Gebell führe ich darauf zurück, dass er einfach Angst hatte, weil er uns aus den Augen verloren hat.
Die zweite Schrecksekunde – weil ich es aber vorausgesehen hatte, zähle ich sie nur halb – ergab sich etwas später, als bei einer der wenigen Ausnahmen Sammy wieder einmal vorauslief und dabei einen zugeeisten Bachlauf querte. Während er problemlos über das trügerische Eis tänzelte, brach der mit 35 Kilogramm wesentlich schwerere Nico durch die dünne Schicht ein. Das Wasser war aber nicht allzu tief und Labrador Retriever sind im Grunde ohnehin Wasserratten.


Aber diese zwei Erlebnisse führten dazu, dass ich in der Folge sehr folgsame und brave Hunde an meiner Seite hatte ![]()
Leider schloss sich die Wolkendecke nun vollends, die Sicht war dementsprechend nicht die beste, die Aussicht sowie die Alpineindrücke etwas gedämpft. Die Temperaturen waren aber recht angenehm.

Bei der tief eingeschneiten Keinprechthütte angekommen, gönnten wir uns eine kurze Pause und Jause und betrachteten die Wedelspuren, die über das Steilgelände aus Richtung Vetternspitzen herunter führten. Danach stiegen wir mit einer kleinen Variante wieder ab zur Neualm und am Anstiegsweg mit einigen Waldabkürzungen entlang der Sommermarkierung wieder zurück zur Eschachalm und hinaus zum Ausgangspunkt.

Der Schnee auf den Almwiesen war mittlerweile schon wieder geschmolzen.
Weitere Informationen zu dieser Tour:
Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum
Frühere Touren im Umfeld der Keinprechthütte:
- Schneeschuhtour Keinprechthütte – Lignitzhöhe-Seelein
- Schitour Buckelkarseen – Krukeckscharte – Vetternspitze – Keinprechthütte
- Wandertour Zinkwand – Rotmandlspitze – Krukeck
- Wandertour Rotmandlspitze – Giglachsee
Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian
Tags: Ennstal, Nico & Sammy, Rohrmoos-Untertal, Schladminger Tauern, Steiermark