Am 26.09.2009, einem denkwürdigen Tag, der in die Annalen (mit 2 “N” wohlgemerkt, auch wenn man am Ende dieser Geschichte etwas anderes vermuten könnte) der Alpingeschichte eingehen wird, machte sich eine illustre Gruppe, bestehend aus 9 harten Kerlen, einer charmanten Lady und deren Hund auf den Weg, um die abgeschiedene Hochgebirgswelt im tiefsten Salzburger Pinzgau zu erforschen – dort, wo bisher noch kaum ein Mensch seinen Fuß zu setzen gewagt hat, während 3 noch härtere Typen – richtige Männer – die Vorbereitungen für das leibliche Wohl der anderen trafen, in Summe also 13 bzw. 14 verwegene Gestalten (je nachdem, ob man den Vierbeiner mitzählt oder nicht).

Kurzzeitig (leider viel zu kurz) haben sich um die Mittagsstunde zwei weitere wackere, unerschrockene Kämpfer (männlichen und weiblichen Geschlechts) in die dünne Bergluft hochgewagt, um der furchtlosen Truppe bei der Bekämpfung des üppig in einem riesigen Brunnen unvorstellbaren Ausmaßes gedeihenden “Treppengetränkes” (unter Eingeweihten hinter vorgehaltener Hand auch “Stiegl” genannt) mutig und hilfreich beizustehen.

Doch wollen wir dem Geschehenen nicht vorgreifen – also brav der Reihe nach, soweit sich der chronologische Ablauf im Nachhinein noch halbwegs vernünftig nachvollziehen läßt.

Der geneigte Leser möge mir aber glauben, sämtliche Geschehnisse sind wahr und haben sich tatsächlich so zugetragen, zum Schutz der handelnden Personen wurden deren Namen aber unkenntlich gemacht und völlig frei erfunden.

Zunächst zum Hintergrund des aufsehenerregendsten Festes in den Ostalpen im Jahre 2009 – eine “Grill-Almgaudi mit Schuachplattln und Pingaua Voiksmusi“.

Nach wetterbedingt zweimaliger Verschiebung hat am Samstag, dem 26.09.2009 schließlich alles perfekt (und sogar noch weit darüber) gepaßt.

2 Kollegen (nennen wir sie “Stofferl” und “Yeti”) luden zu ihrer Ausstandsjause aus ihrer bisherigen Firma (nennen wir sie “Nettfrau”). Der eine, neuen intellektuellen Höhenflügen zugetan, der andere, mit Riesenschritten der erhofften Frühpension zustrebend (allerdings wird die leider immer noch nicht zuerkannt, nur weil man zu den “Altausseern” gehört, und damit sind keinesfalls die geschätzten Bewohner des steirischen Salzkammergutes gemeint).

Christoph-Christian

Der exakte Ort des Geschehens tut nichts zur Sache, um aber eine grobe Vorstellung der geografischen Zusammenhänge zu vermitteln, ist nachfolgend ein Auszug der Anfahrtsbeschreibung zusammengefaßt – ohne allerdings die Fotos beizufügen:

Für alle, die von weiter außerhalb kommen: Zunächst einmal die Milchstraße ansteuern.

Dort orientiert Ihr Euch dann an dem blauen Planeten, unter Kennern auch gerne als Erde bezeichnet.

Tiefergehen müßt Ihr aber erst, wenn Ihr Euch so ausgerichtet habt, dass der italienische Stiefel am südlichen Ende von Europa deutlich vor Euch liegt.

Etwas darüber erkennt Ihr den Halbbogen der Alpen, wo man mit gutem Auge schon fast unser Jausenplatzerl erkennen kann.

Je tiefer Ihr jetzt kommt, umso deutlicher werdet Ihr das kleine Alpenland Österreich erkennen.

Jetzt wieder zurück zu den Geschehnissen:

Der Haupttroß der “Expedition Rettenstein” traf sich sodann im Bundesland Salzburg, am Ortsrand der zum Pongau zählenden Stadt Bischofshofen.

Die Lage des Rettensteins in Österreich

Von dort brachen die wackeren Mannen und Dame mit Hund mit mehreren Fahrzeugen auf, um – die noch nicht aufgegangene Sonne im Rücken – gen Westen zu fahren, wo an einem geheimen Ort der Zusammenschluß aller Teilnehmer erfolgte.

Ein kleiner Teil splitterte zuvor ab und landete, ob bewußt oder unbewußt – das konnte nie ermittelt werden (letztendlich wurde die Schuld auf das Auto geschoben)- bei der großen Festzelthalle in Hollersbach im Pinzgau.

Per Sattelitentelefon navigierte uns Christoph (uuups – keine Namen!) dann zu seinem Familienanwesen, für welches sich zuvor eine Volltankung empfiehlt, da sonst der Sprit bei der Fahrt über die großflächige Ranchanlage leicht ausgehen könnte.

Herzlichst empfangen von Christophs Mam und fürsorglich mit Kaffee und Kipferln gelabt (vielen, vielen Dank), starteten wir nach Eintreffen der Helfer (Cheffahrer und Haubenkoch) zunächst noch mit “normalen” Fahrzeugen über Bramberg ins Mühlbachtal, wo Christoph als perfekter Organisator sogar für eine Forststraßenschrankenaufhalterin gesorgt hatte. Kurz nach der Baumgartenalm mußten wir unsere Fahrzeuge wechseln, einerseits um sämtliche Spuren dieser geheimen Extrem-Expedition zu verwischen und andererseits, weil auf der folgenden schmalen und steilen Auffahrtsstraße nur mehr speziell ausgebildete Fahrer mit bestens ausgestatteten Pickups eine Chance haben könnten, das Basislager bei der Wimm-Hochalm heil zu erreichen.

Das Tourengebiet im Salzburger Pinzgau

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Lediglich 1 Teilnehmer hielt es für sicherer, die ausgesetzte Auffahrtsstraße (wobei “Straße” eine äußerst großzügige und wohlwollende Beschreibung ist) auf seinen bewährten und nicht müde zu bekommenden Beinen zu erklimmen.

Eine Aufstiegsweise, die wohl auch unserem vierbeinigen Begleiter besser zugesagt hätte.

"Soll ich die Kehren ausgehen oder die Direttissima nehmen ?"

Dichter Nebel verhüllte den Berg vor den Expeditionsteilnehmern, aber wahrscheinlich war es auch besser so, das Grauen der senkrechten, schroffen, abweisenden und unzugänglichen Felswände mit bizarr gezackten, bedrohlichen Felsspitzen nicht immer vor Augen haben zu müssen, denn schließlich wurde diese Tour selbst von Experten wie Messner Reini oder Kammerlander Hansi bislang für unmöglich gehalten.

Nach kurzer Lagebesprechung, Uhrenvergleich und motiviert durch den im überdimensionalen Brunnen verloren wirkenden Inhalt, setzte sich der Expeditionstroß langsam und ehrfürchtig in Bewegung. Einige Teilnehmer flüsterten hinter vorgehaltener Hand, ob es nicht sinnvoller wäre, ohne Umweg über den Berg gleich zum “Wesentlichen” – sprich: zum Brunneninhalt – überzugehen.

Verlockender Brunneninhalt

Der Nebel schien immer dichter zu werden, alles umhüllend, die Wanderer verschlucken wollend. Erst im Umfeld vom Schöntaljoch gab es für Sekundenbruchteile immer wieder freie Blicke auf den monströs in den Himmel ragenden Gipfel, der aber nur von den Härtesten unter der Sonne (also von Wolfgang)  im Direktaufstieg erklommen wird (und das auch nur zum Beineausschütteln zwischen seinem ersten und dritten Gipfelbesuch am Hauptgipfel mit Gipfelkreuz.

Witzigerweise waren diese Sekundenbruchteile des Nebelaufreissens immer derart gestaltet, dass sie just zu jenem Zeitpunkt geschahen, als alle Fotoapparate wieder verstaut waren. Der Nebel schien mit den Wanderern zu spielen und sich über ihre Trägheit zu amüsieren.

Der Große Rettenstein wird ostseitig umgangen und über die Nordseite erstiegen, wo man übrigens bereits Tiroler Landesgebiet betritt, und interessanterweise sieht es in Tirol fast gleich aus, wie in Österreich ;-) .

Um ganz kurz auf den Titel dieses Beitrages einzugehen:

Für mich war die Tour auf den Großen Rettenstein eine Jubiläumstour im zweifachen Sinne und insgesamt Jubiläum 3 und 4 im Jahre 2009:

Jubiläum 1: Bei der Tour auf Greim und Rettlkirchspitze am 14.06.2009 habe ich meinen 1000. Gipfel in den letzten 5 1/2 Jahren (Statistikführung seit 01.01.2004) besucht.

Jubiläum 2: Gerade einmal 3 Tage liegt mein letztes Jubiläum zurück, als ich am 23.09.2009 mit der Bergtour auf Großen Hundstod und Seehorn meine 600. Wanderung absolvierte (wieder seit 01.01.2004)

Jubiläum 3: Der Große Rettenstein schließlich ist mein 800. verschiedener Gipfel (viele Gipfel habe ich ja bereits mehrfach und auch zu verschiedenen Jahreszeiten besucht).

Jubiläum 4: Und gleichzeitig kam ich bei meiner  Tour auf den Großen Rettenstein auch in die 25. Gebirgsgruppe der Ostalpen in Österreich.

Weiter zum Routenverlauf:

Während der Weg auf  Tiroler Landesgebiet, zunächst noch eine Weile auf gleicher Höhe nordwestwärts querend, kaum Schwierigkeiten bereitet, wird der Steig nach dem Zusammenschluß mit dem Aufstieg aus dem Tiroler Aschau zunehmend steiler.

2 Expeditionsteilnehmer haben hier in Rücksicht auf den Hund schweren Herzens kehrt machen müssen, was ihnen umso schwerer fiel, als wir uns jetzt bereits in der angenehm wärmenden Sonne oberhalb des sehenswerten Nebelmeeres befanden.

Der Rest der Truppe folgte dem steinschlaggefährdeten Anstieg, der sich in etlichen Serpentinen nach oben zog, während der erste Teilnehmer bereits wieder auf den Weg nach unten war, um über die weglose und wesentlich anspruchsvollere Ostseite auf den von einem Steinmandl geschmückten Ostgipfel aufzusteigen.

Zwar gab es beim einen oder anderen Wanderer, vor allem bei den turnschuhbewehrten und stocklosen Mitgliedern, zeitweise Rückzugsgedanken, aber letztlich hielten alle Teilnehmer eisern durch und konnten sich in der Folge über das aussichtsreiche Gipfelglück freuen.

Beim Gipfelkreuz am Großen Rettenstein

Exkurs: Im Sinne des Persönlichkeitsrechtes im Allgemeinen und dem “Recht am eigenen Bild” im Besonderen, möchte ich festhalten, dass es sich bei obiger Aufnahme erstens um ein Landschaftsfoto handelt. Im Vordergrund sind zwar bei genauerer Betrachtung irgendwelche Personen zu erkennen, diese sind aber bloß “schmückendes Beiwerk” (naja, zumindest Beiwerk ;-) ) .

Weiters handelt es sich zweitens bei den Abgebildeten zweifelsfrei um “Personen der Zeitgeschichte”, die auf Grund Ihrer Stellung, Taten und Leistungen derart herausragen, dass sie auch ohne Einwilligung fotografiert werden können und das Material veröffentlicht werden darf.

Drittens geht es hierbei ja auch um die Dokumentation einer öffentlichen Versammlung, an der die dargestellten Personen teilgenommen haben.

Und viertens dient die Schaustellung dieses Fotos einem höheren Interesse der Kunst, Legionen von Wanderern werden sich an dieses Bildnis auch noch Jahrhunderte später erinnern.

Nach kurzer Gipfelrast stiegen wir schließlich wieder ab, wobei uns hier Wolfgang wieder im Aufstieg entgegen kam, um zu dritten Mal am heutigen Tag Gipfelluft zu schnuppern.

Als wir zum Basislager im Almgelände zurückkehrten, hatte sich der Nebel verzogen. Trotz des dunstigen Wetters vermochte die Herbstsonne gut zu wärmen, wobei man aber in Schattlagen die fortgeschrittene Jahreszeit wohl merkte.

Ein Umstand, der uns aber nicht sonderlich kümmerte, da uns Christoph im wahrsten Sinne des Wortes “gehörig einheizte”.

Über die näheren Umstände der weiteren Festivitäten wird aber – zwar nicht der Nebel – sondern der Mantel des Schweigens gehüllt.

Zusammengefaßt läßt sich aber sagen: Bei exorbitant schmackhafter Speis und Trank genossen wir – und nicht nur die Zweibeiner – das “Hundeleben” im positivsten Sinne:

Es hätte gemütlicher nicht sein können

 

Ein dreifaches “Hipp-Hipp-Hurra” auf Christoph und seine beiden Freunde, die unter der Federführung eines “Haubenkochs” (der beim Kochen statt einer Haube allerdings einen Hut trug – also doch ein Hutkoch) die schmackhaftesten Speisen hervor zauberten, die je einen ohnehin schon jausenverwöhnten Gaumen passiert hatten.

Die Latte für künftige Ausstands-, Einstands- und Geburtstagsjausen wurde damit gehörig höher gesetzt.

Wie bereits gesagt, die detaillierten Geschehnisse dieses “Jahrhundert-Nachmittags” werden meiner Feder nicht zu entlocken sein (OK – ich gebs zu, ich hab was getrunken und könnte mich gar nicht mehr an alles erinnern ;-) ).

Für den Abstieg zu den Autos verzichtete eine fünfköpfige Gruppe auf die Pickups, sondern zog die gehende Fortbewegungsweise vor.

Angesichts des üppigen, mindestens achtgängigen Menüs (bzw. 16 bei einem Teilnehmer – nennen wir ihn Seppulus) ist es nur zu verständlich, dass der Abstieg per pedes nicht nur dazu genutzt wurde, die vom vielen Sitzen am Nachmittag eingeschlafenen Beine wieder etwas zu aktivieren. Auch andere “Entlüftungsaktionen“, für die man in der Steiermark in Anwesenheit von amtshandelnden Organen ohne weiteres bestraft werden kann, sorgten für Erleichterungen.

Konnte man sich oben bei der Almhütte noch auf den Hund ausreden, gab es jetzt keine glaubwürdigen Entschuldigungsversuche mehr.

Um noch einmal auf die steirische Strafaktion zurückzukommen, wurden in Summe hier mit Sicherheit einige Tausend Euro im Pinzgau zurückgelassen.

Weiterführende Links – Andere Touren in diesem Gebiet:

Nachdem ich heute ja zum ersten Mal in den Kitzbüheler Alpen unterwegs war, gibt es in der näheren Umgebung keine weiteren von mir bereits besuchten Wanderziele.

Auf der anderen (südlichen) Seite der Salzach könnte ich aber die Wandertour über die Kürsingerhütte auf den Keeskogel anbieten, mit 3.291 Meter Höhe einer meiner bisher höchsten Gipfel, nördlich vom Großvenediger gelegen:

Kürsingerhütte und Keeskogel – Tourenstatistik
Kürsingerhütte und Keeskogel – Fotobericht

Links zu dieser Tour:

Statistik im Tourenbuch
Fotobericht im Tourenalbum

Nachtrag:

Ich habe gerade festgestellt, dass bereits auf einer international bekannten Website über dieses denkwürdige Ereignis berichtet wird: Mikepage

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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