AlpenYetis Erfahrungsberichte - Schneeschuhe
Auf Trappers Spuren
Winterwandern durch tiefverschneite Wälder
(Letzte Aktualisierung: 15.02.2009)
Bereits um die Jahrtausendwende habe ich erste Informationen
über die unterschiedlichen
Schneeschuharten gesammelt.
Damals wurde man als Schneeschuhgeher noch mitleidig belächelt
(wieder einer der nicht Schifahren kann).
Mußte ich selbst im Jahre 2003 bei der Suche nach wirklich
tauglichem Schneeschuh-Material noch etliche
Sportgeschäfte besuchen, ehe ich fündig wurde,
so führt heute nahezu jedes gute
Fachgeschäft mehrere Marken mit unterschiedlichen Modellen.
Die breite Palette reicht dabei von einfachen Produkten unter 100 Euro bis zu High-Tech-Geräten um die 300 Euro.
Schneeschuhe oder Tourenschi
Immer wenn ich erzähle, dass ich im Winter mit Begeisterung
Schneeschuhtouren unternehme (was unter anderem auch hauptverantwortlich
für meinen Spitznamen „Yeti“ war),
kommt fast zwangsläufig jedes Mal die Frage,
ob ich nicht Schifahren kann.
Nun: Ich habe tatsächlich mit Schneeschuhwandern begonnen,
weil ich seit meiner Jugendzeit (mehr als 20 Jahre lang)
nicht mehr auf Schiern gestanden bin (auch nicht auf Alpin-Schi), ich
meine Wanderleidenschaft nun aber auch im Winter ausleben wollte
(selbst wenn ich in meinen Breiten dafür
anfangs noch mitleidig belächelt wurde).
Mit der Zeit begleitete ich auch Schitourengeher auf ihren Ausflügen.
Gab es beim Aufstieg kaum Unterschiede,
so beneidete ich sie beim Abstieg doch um ihre einfache
Abfahrtsmöglichkeit.
Und so bin mittlerweile auch ich zum Schitourengeher geworden (
bei den ersten Versuchen war ich allerdings bei der Abfahrt
die Lachnummer - naja perfekt geht´s noch immer nicht).
Mittlerweile ist es so, dass sich meine Wintertouren
annähernd je zu Hälfte auf Schneeschuhtouren und Schitouren verteilen –
in Summe in den letzten 5 Jahren ca. 130 Schneeschuhwanderungen.
Persönliche Vorlieben
Schitouren haben für mich folgende Vorteile:
-
Größere Touren
Durch die einfache und schnelle Abfahrtsmöglichkeit
sind in den kurzen Wintertagen weitreichendere Touren möglich.
-
Pulverschnee
Es gibt kaum etwas Schöneres (selbst wenn man noch
unsicher auf den Beinen steht), als über mehr oder weniger
steile Pulverschneehänge hinunter zu wedeln
(oder zumindest so ähnliche Bewegungen zu imitieren ;-).
-
Firnsaison
Im Ausklang der Schisaison (April, Mai)
genieße ich das Aufsteigen in der Dunkelheit,
um mit dem ersten Auffirnen auch steilere Hänge
abzufahren
(Firnhänge verzeihen die meisten technischen Fahrfehler).
-
Steileres Gelände
Vor allem bei harter Schneeunterlage tue ich mir mit Schi leichter
- wobei die Schwierigkeit hier aber nicht der Aufstieg,
sondern eher der Abstieg mit Schneeschuhen sein kann.
Aber auch längere Querungen können mit Schneeschuhen
heikel werden.
Schneeschuhtouren bevorzuge ich:
-
Bei schlechteren Wetterverhältnissen
Schneefall, Nebel, schwierige Schneeverhältnisse, Wind,
strenger Frost.
Da man beim Schneeschuhwandern auch beim Abstieg immer
in Bewegung ist, wird mir eigentlich nie kalt
- auch ein Umziehen ist kaum notwendig.
Wegen der geringen Geschwindigkeit stört auch schlechte
Sicht das Vergnügen nicht. Und auch Bruchharsch
kann mir nichts anhaben.
Und überdies haben Wanderungen bei starkem Schneefall
im tiefwinterlichen Gelände etwas sehr Märchenhaftes an sich.
-
Bei größerer Lawinengefahr
Hier suche ich mir lawinensichere Wanderungen
über ebene Plateaus, hügeliges Wiesengelände oder
durch dichte Nadelwälder,
wo das Schifahren ohnehin keinen Spaß macht.
-
Am Saison-Anfang bzw. -Ende
Wenn es zwar schon/noch zuviel Schnee gibt,
um noch mit Wanderschuhen unterwegs zu sein,
man mit Schiern aber auf jeden Fall auf Grund kommen würde
bzw. bei stark abgeblasenen Bergen.
Häufig mache ich in der Vor- oder Nachsaison
kombinierte Wander-/Schneeschuhtouren,
da man die Schneeschuhe sehr leicht und einfach am
Rucksack verstauen kann.
-
Bei größeren Gruppen mit unterschiedlichster Fitness
Nach meiner persönlichen Erfahrung ist bei Touren mit mehreren Kameraden
unterschiedlichster Leistungsstufen das Gemeinschaftsgefühl
bei Schneeschuhtouren einfach größer.
Außerdem kann man sich auch beim Abstieg gut unterhalten.
Naturerlebnis
Hier kann ich keine wesentlichen Unterschiede feststellen -
höchstens, dass ich mit Schi bei gleichem körperlichem Einsatz
längere Distanzen zurücklegen kann und damit eventuell auch
abwechslungsreichere Eindrücke gewinnen kann.
Dafür kann ich mit Schneeschuhen auch beim Abstieg meine Umwelt
bewußter und intensiver wahrnehmen.
Kosten
Die Anschaffungskosten sind auf jeden Fall beim Schitourengehen höher:
Hier stehen Schi, Bindung (günstiger beim Kauf im Set), Schuhe, Felle und Harscheisen
den Schneeschuhen gegenüber
(Bergschuhe wird man in den meisten Fällen schon haben).
Kleidung, Gamaschen, Rucksack, Stöcke, Steigeisen, Pickel,
Stirnlampe und Lawinenausrüstung sind für beide Wanderarten verwendbar.
Die Kosten für die Schneeschuhe alleine reichen in etwa von einfachen Modellen
unter 100 Euro bis zu High-Tech-Geräten um die 300 Euro.
Voraussetzungen / Anforderungen
Technik
Ich sage einmal etwas provokant: Schneeschuhgehen kann jeder,
der auch normal gehen kann, zum Schifahren gehört schon etwas Übung
und eventuell ein Tiefschneekurs dazu.
(Bei unserer Hochzeit haben es z.B. unsere beiden über 60-jährigen,
absolut unsportlichen Mütter geschafft,
fast 300 Höhenmeter zum Gipfelkreuz auf Schneeschuhen zurückzulegen
- wenngleich bei den steileren Stellen auch einiges an
"Zieh- und Schiebarbeit" erforderlich war ;-).
Kondition
Mir wurde schon häufig die Frage gestellt,
was denn nun anstrengender sei, Schiwandern oder Schneeschuhwandern.
Die Frage lässt sich nicht so leicht und eindeutig beantworten.
Das hängt vom Schnee ab und auch davon, ob ich selbst spuren muß
oder nur hinten nachgehe.
Beim Schitourengehen habe ich auf jeden Fall einige Kilogramm
mehr an den Füßen - aber ich sinke i.d.R. nicht so tief ein und
kann besser über den Schnee gleiten.
Die Abfahrt kostet bei weitem nicht mehr soviel Kraft,
und auch wenn man beim Schneeschuhgehen bergab oft gut gleiten kann,
braucht man auf alle Fälle hier mehr Kraft und Ausdauer.
In Summe würde ich also behaupten,
dass die konditionellen Anforderungen beim Schneeschuhgehen
bei gleicher Routenführung etwas höher liegen.
Marken-/Modell-Empfehlungen
Unterschiede:
Schneeschuhe gibt es – je nach Körpergröße bzw. Gewicht –
in unterschiedlichen Längen.
Weiters gibt es unterschiedliche Bindungssysteme
(besserer Halt, Öffnen und Schließen auch bei Vereisung, dynamischere
Drehbewegung).
Unterschiede gibt es auch bei den Eisenkrallen, die ein
Ausrutschen auf hartem Untergrund verhindern sollen.
Steighilfen können den Aufstieg im Steilgelände erheblich vereinfachen.
Modelle:
Welche Modelle sind aber nun überhaupt empfehlenswert ?
Also ich habe bisher unterschiedliche Marken
mit verschiedenen Modellen ausprobiert,
und ich könnte nicht behaupten, dass ich die eine
und einzige empfehlenswerte Marke gefunden hätte.
Die allerersten Touren habe ich auf diversen billigen
Plastik-Leihgeräten absolviert, und auf „normalen“ Wald- und
Wiesentouren war hier kein nennenswerter Unterschied zu teuren
Hochqualitäts-Produkten erkennbar.
Unterschiede erkennt man dann, wenn es in anspruchsvolleres
Steilgelände geht, bei harten Hangquerungen und vor allem
bei der Lebensdauer, wobei die „lebenslange“ Haltbarkeit,
die mir in einem Geschäft einmal versprochen wurde,
bei hartem Einsatz gerade einmal eine Saison dauerte,
ehe die ersten Nieten ihren Geist aufgaben.
In den ersten 2 Jahren verwendete ich
Tubbs Altitude, sowohl bei Tiefschnee-Touren in Wäldern
als auch zum Bergsteigen auf härteren oder schneeärmeren Steilhängen.
Mein neuestes Modell ist ein MSR Lightning Ascent.
Beide Modelle liegen im höherpreisigen Segment zwischen 250 und 300 Euro.
Beim direkten Vergleich muß ich sagen, dass mir der leichtere MSR
im steileren Gelände und vor allem bei Hartschnee oberhalb der
Waldgrenze besser zusagt.
Die Bindung ist zwar etwas rudimentär gehalten,
in Summe hat man aber durch den stabilen, gezackten Stahlrahmen
den besseren Halt.
Unterhalb der Waldgrenze gebe ich gerne den Tubbs den Vorzug,
weil sie besser über den Waldboden gleiten.
Etwas unangenehm kann die Stollenbildung im Krallenbereich werden,
bei den neueren Tubbs-Modellen, könnte sich das aber durch die
kleineren Eisen etwas gebessert haben.
Meine abschließende persönliche Zusammenfassung
Wenn man sicher ist, dass man künftig verstärkt Schneeschuhwandern will
(evtl. vorher einige Male ausleihen), würde ich als letzten Tipp
empfehlen, dass man für extremere Einsätze und längerfristig
sicher mit Schneeschuhen über 200 bis 250 Euro besser bedient ist.
In dieser Preislage sind die Qualitäts-Unterschiede zwischen unterschiedlichen
Marken
eher nur mehr marginaler Natur, und spätestens beim 2. Paar
weiß man dann wirklich, was einem persönlich besser liegt ;-)
Schitouren oder Schneeschuhwandern:
Für mich stellt sich aus heutiger Sicht nicht die Frage
"entweder - oder", für mich gibt es nur ein "sowohl - als auch".
Schöne Grüße - Christian / AlpenYeti