Verweigerung am Schöderhorn

Eigentlich wäre für den 1. März (ja, so weit bin ich schon mit meinen Tourenberichten im Rückstand) eigentlich eine Pistentour von Großarl auf das Fulseck geplant gewesen. Eigentlich – allerdings war justament an diesem Tag die kostenpflichtige (14,50 Euro) Skitourenroute trotz bester Wetterverhältnisse und sicherer Lawinensituation gesperrt. Die Pistentour haben wir dann wenige Tage später nachgeholt.

Start am Ende der Straße in Hüttschlag / Stockham. Perfekte Schneeauflage noch vom Start weg.

Ärgerlich, aber dieses Gebiet ist ja ohnehin als Skitouren-Eldorado bekannt. Und wenn wir schon einmal mehr als eine Stunde Anfahrtszeit hinter uns gebracht haben, können wir auch gleich hier bleiben, zumal meine letzte Skitour im Großarltal ohnehin schon wieder 3 Jahre zurückliegt. Welche Seite gehen wir an? Mich gelüstete es wieder einmal nach der weiten Hochfläche über der Kreealm. Also fahren wir zunächst nach Hüttschlag und weiter zum großen Parkplatz am Ende der Straße beim Talwirt.

Aufstieg auf der stellenweise vereisten Forststraße am Übergang von den zu den Niederen Tauern zählenden Radstädter Tauern und der Ankogelgruppe, die bereits zu den Hohen Tauern zählt.

Während meine bessere Hälfte ob der kurzfristigen Planänderung noch etwas missmutig war 😉 , freute ich mich jetzt richtig auf die Skitour im Grenzgebiet zwischen Niederen und Hohen Tauern. Im Gegensatz zu unserem letzten Winter-Besuch am Mureck lag heute vom Start weg auch auf der Forststraße noch genügend Schnee für eine gelungene Abfahrt. Meine zweite Wandertour zwischen Kreealm, Mureck und Schöder lag noch länger zurück und erfolgt im Sommer.

Am oberen Ende der Forststraße …

Beim Aufstieg war die Forststraße teilweise noch pickelhart bzw. stellenweise sogar vereist und Ingrid befürchtete unangenehme Abfahrtsverhältnisse, was ihren Missmut nicht unbedingt linderte 🙂 . Etwas besser wurde es erst ab der Kreealm, wo uns herrlicher Pulverschnee empfing. Zwar schon recht zerfahren, das eine oder andere unberührte Fleckerl sollten wir aber schon noch finden.

… empfangen uns die Almhänge mit herrlichem Pulverschnee.
Trotz zahlreicher Spuren finden wir bei der Abfahrt noch das eine oder andere unberührte Fleckerl.

Noch herrlicher wird es dann aber oberhalb der Waldgrenze, wenn der Blick über die nur mäßig steile weite Schneefläche im Kreekar zwischen Murwand und Nebelkareck im Norden, Murtörl und Mureck im Osten und Schöderhorn im Süden schweifen kann.

Das weitere Kreekar zwischen Mureck (hinten links der Bildmitte) und dem Schöderhorn (rechts der Bildmitte).

Ziel hatten wir eigentlich keines. Zumindest war von meiner Seite keines offiziell verlautbart und notariell beurkundet 🙂 . Aber da wir das Mureck über das Murtörl ja bereits mit Tourenski bestiegen hatten, liebäugelte ich insgeheim schon mit dem Schöderhorn, zumal die Schneebedingungen auch hier heroben äußerst lukrativ waren.

Aufstieg entlang der Murwand ostwärts Richtung Murtörl.
Das Murtörl – links vom Mureck – lassen wir heute aber links liegen …
… und steigen in einem weiten Bogen entlang des Murecks Richtung Süden. Im Hintergrund das Nebelkareck

Bei Ingrid wechselte ihr anfänglicher „Missmut“ aber allmählich mit einer „Mich-gfreits-neama“-Stimmung. Und außerdem wird´s sonst bei der Abfahrt schattig. Und außerdem ist die Abfahrt noch so lang. Und außerdem ist die Forststraße so eisig. Und außerdem … Vorweggenommen sei, dass die Forststraße angesichts des bereits fortgeschrittenen Nachmittags nicht mehr eisig sondern bestens zu befahren war.

… welches ich im Sommer 2008 über den Tappenkarsee und die Glingspitze (rechts hinten) mit Hörbie auf einer „Monster-Tour“ erkundet habe.

„Wia laung wuist no geh?“ (das erinnerte mich frappant an Klein-Michael´s Fragen bei längeren Ausflugs- oder Urlaubsfahrten: „San ma scho do“). Nur mehr bis zu dem Hügel da vorne. Als bei dem Hügel da vorne aber kein Protest vernehmbar war, als ich einfach weiter marschierte, ging ich abermals wortlos weiter. Erst im Nachhinein erkannte ich, dass Ingrid ja den Hügel da weiter oben gemeint hat.

Nach dem nächsten Aufschwung sah man schon wieder ein Stück weiter südwärts. Links der Frauennock, rechts das Marchkareck, dazwischen die Schmalzscharte, durch die ich bei meiner Weinschnabel-Tour herunter gekommen bin. Dort in der Nähe muss auch das Albertbiwak liegen.

Die Anmerkung „do unten wird´s oba schon schattig“ sollte mich dann aber wieder dezent zur Umkehr mahnen. Nur mehr bis da vorne, da sehen wir sicher Richtung Mur-Ursprung. Sahen wir natürlich nicht. „I bleib jetzt da stehen“ meinte meine Liebste. OK – ich geh noch bis zum nächsten Aufschwung, da ist sicher der Weinschnabel zu sehen. Ich glaube, das war er noch nicht.

Ausblick zu den höchsten Gipfeln der Radstädter Tauern: Weißeck (Bildmitte) und Mosermandl (links).

Also ging ich abermals noch ein Stück weiter – Ingrid zottelte allmählich langsam hinter mir her. Weiter unten hat der Wind durchgezogen und es ist ihr zu kalt geworden. Hier heroben auf einem kleinen Hochplateau, ehe der letzte Gipfelhang etwas steiler wurde, war es aber angenehm.

Ingrid ist dann doch langsam hinter mir nachgezottelt.

Da wurde auch ihre Stimmung gleich wieder besser. Ich wollte mein Glück nicht herausfordern und gehorchte ihrem Befehl auf´s Wort: „I geh koan Meter mehr“. Schade, denn nur 93 Höhenmeter weiter wäre das Gipfelkreuz gewesen. „Aber die Abfahrt ist ja noch so lange“.

I geh koan Schritt mehr weiter. Im Hintergrund: Glingspitze (links), Nebelkareck (der höchste in Bildmitte) und rechts davor das Mureck mit 2.402 Meter Höhe.

Die Abfahrtsverhältnisse waren herrlich. Fast durchgängig Pulverschnee bis zur Kreealm. Und danach die Forststraße – das Eis war schon aufgeweicht und ließ sich entgegen aller Befürchtungen bestens befahren. Am Ende hatten wir mehr als 1.300 Höhenmeter zurückgelegt und wir hatten beide das Gefühl, dass die Abfahrt eigentlich viel zu schnell gegangen ist. Und dann kam bei Ingrid Ärger auf, weil wir nicht bis zum Gipfelkreuz aufstiegen sind … 🙂

Da kann sie wieder lächeln 🙂

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.

*