Skitourensaison-Höhepunkt: Hochalmspitze

Im Anschluss an unsere großartigen Skitouren-Abfahrt im Dachsteingebirge vom Hunerkogel durch die Notgasse nach Gröbming erwähnte Stefan beiläufig, dass er heuer noch eine große Skitour vorhabe. Nämlich auf die Hochalmspitze – den höchsten Gipfel der Ankogelgruppe in den Hohen Tauern.

Bei der Idee war ich sofort Feuer und Flamme, wollte ich doch selbst schon seit 15 Jahren auf diesen großartigen Gipfel, dessen Gletscherflanken ich schon so oft aus der Ferne bewundert hatte. Aber irgendwie hatte ich mir den langen Anstieg über mehr als 2.200 Höhenmeter und einer vorhergehenden fast 2-stündigen Anfahrt in das hintere Maltatal noch nie in einem Zug als Tagestour zugetraut. Und eine Übernachtung auf der Villacher Hütte war auch nicht unbedingt verlockend.

Aber jetzt wo Stefan sein Vorhaben erwähnte hatte, habe ich mich gerne angeschlossen. Das Wetter musste natürlich ideal sein. Es sollte nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiß sein – schließlich brannte die Sonne vom Sonnenaufgang weg in die weiten ostseitig ausgerichteten Hänge.

Mit 300 PS ging es zu stockdunkler Nacht nach Kärnten. Kaum zu glauben, dass Malta eh so nah liegt – und vom Meer bekommt man auch nicht viel mit 🙂 . Schönau-Brücke soll der Ausgangspunkt sein. Die erkennt man in der Dunkelheit aber nicht auf Anhieb – also landeten wir zunächst einmal bei der Gmündner Hütte. Von dort ging es gleich wieder 500 Meter zurück – wir wunderten uns, warum hier noch kein einziges anderes Auto stand.

Waren wir um 05:00 Uhr noch zu früh dran? Aber bald schwante uns, warum das so war. Aber zuerst einmal die gute Nachricht: Schneeketten werden bei der Auffahrt auf der im Winter kostenlosen Mautstraße keine mehr benötigt. Die schlechte Nachricht: Ca. 400 Höhenmeter müssen die Ski bereits getragen werden. Das dürfte auch der Grund für den „schwachen Andrang“ sein.

Wir starteten im Schein der Stirnlampen – mit 7 Stunden war der Anstieg auf die Hochalmspitze auf einem Wegweiser angeschrieben. Geräusche nicht identifizierbarer Tiere drangen durch den Wald. Lange sind die Geraden der Forststraße, so dass man anfänglich gar nicht merkt, dass hier auch etliche Kehren warten.

Endlich können die Tourenski an die Füße. Ist das da oben der Preimlspitz?

Nach einer Jagdhütte wird es allmählich dämmrig. Eiskaskaden säumen mehrfach den Weg. Erste Schneefelder, für einen sinnvollen Aufstieg mit Tourenski aber zu wenig. Vor allem solange es dazwischen so lange apere Unterbrechungen gibt. Aber dann endlich konnten wir a) die Stirnlampen ausschalten, b) die Tourenski ihrem eigentlich angedachten Zweck zuführen und sie an die Füße schnallen und c) erste Fotos machen von einem Gipfel „irgendwo da weit hinten“.

Eis am Wegesrand. Fotografiert am Rückweg, weil es frühmorgens noch zu finster war.

Richtig schön wird es dann aber ab dem Jagdhaus Hochalm bzw. der kurz darauf folgenden Hochalmhütte. Die tolle Lichtstimmung der aufgehenden Sonne mit ihrem milden Licht sorgt im Zusammenspiel mit der traumhaften Landschaft für ganz besondere Eindrücke. Herrlich.

Ab der Hochalmhütte öffnet sich das Gelände. In Bildmitte die Schwarze Schneid und dahinter der Kordonspitz, die wir auf der rechten Seite umgehen.
Wunderbare Morgenstimmung
Grandiose Impressionen

Über den Langboden nähern wir uns der Villacher Hütte, umgehen diese aber südseitig bzw. steigen westseitig gemächlich ansteigende Hänge höher, während wir unten bei der Hütte mehrere Skitourengeher erkennen, die uns bald darauf folgen.

Im unteren Bereich sind noch viele frische Spuren erkennbar. Oben am Gletscher scheint alles „vom Winde verweht“.
Aufstieg Richtung Villacher Hütte
Am Langboden zweigen wir noch vor der Villacher Hütte nach links über mäßig steile, blocksteingesäumte Hänge hinauf.
Bei der Villacher Hütte (links oberhalb der Bildmitte) erkennen wir einige Bergfreunde.

Es ist zwar erst 08:00 Uhr aber irgendwie macht sich nach etwa 3 Stunden die Tour bereits in den Beinen bemerkbar. Und jetzt beginnt erst die 2. Tourenhälfte – quasi noch einmal eine „ganze Skitour“ über 1.100 Höhenmeter.

Nach etwas mehr als 3 Stunden Gehzeit beginnt unsere „zweite Normaltour“ über noch einmal 1.100 Höhenmeter. Vor uns die Schwarze Schneid und der Kordonspitz. Rechts der Preimlspitz.
Rechts an der Schwarzen Schneid vorbei.
Blick zurück
Zwischen Blockgestein hindurch.

Irgendwo zwischen 2.600 und 2.700 Meter Seehöhe betreten wir den Gletscher. Weit und breit keine frischen Spuren, aber einige ältere ? oder zugewehte Abfahrts-Wedelspuren. Die 6-er-Gruppe, die uns anfänglich nachgegangen ist, verliert sich irgendwo weiter hinter uns. Am Nachmittag werden wir erkennen, dass die Bergkameraden die nordseitigen Hänge zwischen Kordonspitz, Zsigmondykopf und Steinerne Mandln für Pulver-Abfahrten genutzt haben.

Stefan wird immer kleiner (links der Bildmitte vor dem Kordonspitz).

Stefan schreitet voran, wird immer kleiner, wartet, fotografiert, wird wieder größer um wenig später den Abstand zwischen uns beiden wieder zu vergrößern. Man hat den Eindruck, das weite, langgezogene Hochalmkees wird niemals enden. Die Temperaturen sind aber bestens.

Die laaange Querung am Hochalmkees.
Von den Steinernen Mandln zur Hochalmspitze
Der Ausblick wird immer gigantischer.

Wir steuern einem sich deutlich aus dem Gletscher erhebenden Felskomplex zu, den wir auf der rechten Seite umgehen. Auf dieser Seite ist der Anstieg wesentlich flacher als links herum. Pulverschnee wechselt sich mit harten Harschflecken ab. Das vor uns liegenden Eisfeld werden wir links umgehen.

Um einen markanten Felsblock rechts herum (der Strich ist Stefan)

Nun wird das Gelände allmählich steiler. Stefan legt eine ausgezeichnete Spur in den Pulverschnee. Und irgendwann stehen wir endlich oben zwischen Großelendkopf und Hochalmspitze. Am Grat auf die Schneeige Hochalmspitze liegt nicht sonderlich viel Schnee, weshalb wir hier unser Ski-Depot einrichten und uns die Steigeisen anschnallen. Und bald stehen wir oben am flachen Plateau dieses Vorgipfels.

Zunehmend steiler werdender Schlusshang
Stefan quert oberhalb der Eisfelder Richtung Großelendkopf
Ich muss vor den letzten Höhenmetern noch einmal verschnaufen und genieße dabei den Ausblick Richtung Norden. Keiner der Gipfel erreicht mehr die Höhe meines aktuellen Standorts.
Wo ist Stefan – mitten im Steinhaufen beim Skidepot.

2.200 Höhenmeter habe wir zurückgelegt. Der letzte Aufschwung bzw. Grat zum Gipfelkreuz auf der Aperen Hochalmspitze ist ausgesetzt und schmal. Stellenweise mit guten, tiefen Stapfspuren, aber stellenweise auch bereits mit aperen, abschüssigen Felsplatten. Stefan und ich verweigern an einer dieser unguten Engstellen und verzichten auf die letzten 18 Höhenmeter.

Die letzten Höhenmeter am Grat auf die Schneeige Hochalmspitze legen wir zu Fuß zurück.
Stefan auf der Schneeigen Hochalmspitze. 18 Höhenmeter fehlen uns noch auf die Apere Hochalmspitze.

Natürlich tut es ein bisschen weh, wenn man sich die letzten paar Meter nicht mehr zutraut. Aber da ich ohnehin gar nicht damit gerechnet habe, überhaupt soweit zu kommen, konnte ich mich mit der Scheeigen Hochalmpitze zufrieden geben, wo wir auf großen flachen Felsblöcken die Aussicht und unsere Jause genossen (zumindest ich, denn Stefan scheint ein Nicht-Esser und Wenig-Trinker zu sein).

Auf den fast aperen steil abfallenden Felsplatten ist aber endgültig Schluss.

Ich nutzte auch die Möglichkeit, mich auf 3.342 Meter Seehöhe mit ein paar wunderschönen schwarz-grau-gesprenkelten Granit-Steinen für meinen Garten einzudecken, die nun zu Hause meine Kupfer-Felsenbirne zieren. Aber die wollen auch erst einmal geschleppt werden. Also hieß es zuerst meine 4 Liter mitgeschleppten Flüssigkeitsvorräte etwas zu dezimieren, so dass sich das Gesamtgewicht nicht zu sehr erhöht und eventuell meinen „neuen“ Rucksack aufreißt.

Stefan will sich nicht geschlagen geben: „Wie nehmen mir ihm denn?“ (frei nach Hans Moser in „Hallo Dienstmann“)
Ist eh nur eine Frage der Perspektive. Mit ein bisschen Zoom visualisieren wir das Gipfelkreuz im Stangl´schen Sinne.

Der Rundumblick ist gigantisch. Für mich eines meines schönsten bisherigen Berg-Abenteuer. Viele der hunderten umliegenden Gipfel konnten wir namentlich benennen, vor allem aber die Berge im Süden waren uns weniger geläufig. Nach Osten und Norden gibt es keine höheren Gipfel mehr in den Alpen, so dass die Aussicht einfach überwältigend ist.

Ausblick zum Namensgeber der Ankogelgruppe
Hochkönig und Tennengebirge im Hintergrund
Dachsteingipfel in Bildmitte. Rechts außen Schermberg und Großer Priel (fast 100 km Luftlinie entfernt).
Der Großglockner – genau über dem aufstellten Steinblock.
Auf den Gipfeln östlich des Maltatales liegt auffallend wenig Schnee. Nur so als Vermutung: Die letzte „Schneeinsel“ im Hintergrund in Bildmitte könnte der Zirbitzkogel sein.
Unser Jausenplatzerl auf der Schneeigen Hochalmspitze mit bestem Ausblick Richtung Osten. Keiner ist mehr höher, als „unserer“.
Wir machen uns wieder an den Abstieg.

Irgendwann machen wir uns wieder an den Abstieg. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, ob der verpassten Chance, das Gipfelkreuz zu berühren. Aber wir trösten uns mit dem Gedanken, dass wir ohnehin nächstes Jahr im Winter wieder kommen und dabei hoffentlich bessere Schneebedingungen am Grat vorfinden und nicht gleich mit den Stöcken „ins Nichts“ stochern. Und außerdem möchte ich ohnehin auch schon viele Jahre die Hochalmspitze von der Gießener Hütte über den Detmolder Grat und den Rudolstädter Weg überschreiten.

Wir sind uns aber einig: Wir wollen wieder kommen – egal ob im Winter oder im Sommer.
Hohe Tauern

Beim Skidepot angekommen, beschließe ich noch kurzfristig, den mir gar nicht so steil erscheinenden Großelendkopf über den ostseitigen Schutthang zu besteigen. Immerhin auch 3.317 Meter hoch. Dann geht´s zurück zu den Skiern, die Steine im Rucksack sorgen für ein „solides Abfahrtsgewicht“.

Beim Skidepot entscheide ich kurzfristig: Ich möchte über die Ostflanke auf den Großelendkopf (3.317 Meter hoch) hinauf.

Die Schneebedingungen waren überwiegend sehr gut. Pulver und auch Firn. Dennoch forderten die müden, brennenden Oberschenkel immer wieder kurze Pausen. Unterhalb des Gletschers war die Schneeoberfläche jetzt durchwegs schon recht weich und tief. Im Großen und Ganzen waren die Verhältnisse aber noch bis zur Hochalmhütte recht tauglich.

Stefan links der Bildmitte auf der „Düne“. Wir kommen wieder – keine Frage.

Hier war es nun aber an der Zeit für eine Pause. Die Sonne brannte ganz schön vom Himmel. Was könnte es da besseres geben, als ein Bierchen. Aus Gewichtsspargründen wurde es für Stefan und mich allerdings nur ein 0,3-Liter Doserl. Noch mehr Gewicht hatte ich allerdings bei den nicht lebensnotwendigen Mannerschnitten eingepart. Statt der ganzen Packung kamen nur 2 Reihen mit ins Gepäck (aber Hauptsache der Rucksack ist voller Steine – wie sagte mir eine Bekannte unlängst: Im Alter werden die Menschen „schrullig“).

Steinmandl am Großelendkopf.

Nach einem, zwei Schlucken hatte jeder seine Dose geleert und wir machten uns auf den Weiterweg. Noch konnten wir fast 400 Höhenmeter auf der Forststraße hinunter fahren, die Sonne hatte aber heute merkbare Arbeit geleistet. Und über die letzten 400 Höhenmeter hülle ich den Mantel des Schweigens und Vergessens – nächstes Jahr müssen wir früher gehen.

Noch einmal ein Blick zum Ankogel (rechts).

Fazit: Diese Skitour auf die Hochalmspitze war für mich auf jeden Fall und unzweifelhaft der Skitouren-Höhepunkt der heurigen Winter-Saison 2021/2022. Ganz spontan würde ich jetzt sogar weitergehen und behaupten, es war mein bisher größtes Skitouren-Erlebnis überhaupt. Und zumindest im Gelände habe ich bisher noch nie so viele Höhenmeter auf einmal am Stück zurückgelegt (am Ende des Tages zeigte mein GPS-Gerät 2.278 Höhenmeter und 31,9 Kilometer an).

Zurück zum Skidepot – und dann folgt die lange Abfahrt.

Mein wesentlich sportlicherer Bruder „Bergfex Heli“ findet zwar die Hochalmspitze „nicht schlecht“ 🙂 , wenn man aber einmal wirklich schöne, große und abwechslungsreiche Skitouren gehen möchte, empfiehlt er zum Beispiel:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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