Anschluss 2022 und erste Pistentouren

Im gesamten Wanderjahr 2021 gab es jedes Monat ein mehr oder weniger dominierendes Touren-Thema. Anfangs eher zufällig meiner eingeschränkten Mobilität geschuldet, im Jahresverlauf aber zunehmend auch bewusster verfolgt.

Blau sind die Touren des Wanderjahres 2021. Rot sind die neuen Touren 2022 eingezeichnet, die sich teilweise nahtlos an das letztjährige Routengeflecht anfügen.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV – Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Und so ergab sich über fast alle Wandertouren des Vorjahres ein zusammenhängendes Routengeflecht. Und an dieses Routengeflecht schlossen dann die ersten Touren im neuen Jahr nahtlos an.

Anschluss 2022

Das neue Jahr endet ausrüstungstechnisch wie das alte geendet hat: Mit Bergschuhen erschlossen wir neue Routen in der Ramsau am Dachstein.

Ramsau am Dachstein: Sattelberg und Kulmbergrunde

Während wir in den ersten Tagen des neuen Jahres auf mehr Schnee warteten, nutzten wir die schönen Tage für einfache Spaziergänge.
Am Sattelberg gab es sogar ein Gipfelkreuz
Die Sattelberg-Runde hat nicht nur für Kinder einige Unterhaltung zu bieten, sondern liefert auch so manche lehrreiche Information.
Abgesehen vom Sattelberg waren wir fast ausschließlich auf den präparierten Gehwegen neben den Langlaufloipen unterwegs.
Fernblick auf Schladming
Nahblick auf Hagebutten

Bad Mitterndorf: Kampl-Rundwanderung

Bei der dritten Jänner-Tour kamen erstmals die Schneeschuhe zum Einsatz und hier kam auch das erste Mal so etwas wie richtige Winter-Stimmung auf.

Bei der Fahrt von Trautenfels nach Bad Mitterndorf konnte man zusehen, wie die Temperatur Kilometer für Kilometer sank. Im Ennstal wurden -7° Celsius angezeigt. In der Klachau im Schatten waren es schon -9° C. In Tauplitz -11°. Und in Bad Mitterndorf -13°. Die letzte Steigerung gab es dann bei der Anfahrt nach Obersdorf. Trotz strahlendem Sonnenschein zeigte das Thermometer frostige -14° Celsius an.

Start in Obersdorf bei frostigen -14° Celsius. Im Hintergrund unser Gipfelziel – das Kampl.
Aufstieg südseitig bis zum Waldrand.
Nach dem ostseitigen Wechsel auf die Nordseite des langgezogenen Kampl-Rückens erreichten wir die Teltschenalmen.
Bei einer kurzen Steilstufe kamen uns 2 Tourengeher bei der Abfahrt von oben entgegen.
Leider hielt sich das Wetter nicht an die wolkenlose Prognose. Während von Norden überwiegend Schispuren zum Kampl-Gipfelkreuz führten …
… waren auf der Südseite die Schneeschuhspuren deutlich in der Überzahl.
Abgstieg über die Seidenhofalm …
… am Kamplrundweg …
… zurück nach Obersdorf.

Erste Pistentouren

Und dann traute ich mich endlich. Nach einigen Schneefällen wechselten wir von den Schneeschuhen auf die Tourenski. Bevor es aber ins Gelände geht, wollte ich die Skitourentauglichkeit meines Knies sicherheitshalber erst einmal auf Schipisten testen.

Selbst bei Pistentouren findet man immer wieder freie Schneeflächen neben den Pisten.

Tatsächlich sind mittlerweile schon fast 2 Jahre (exakt 21 Monate) vergangen, seitdem ich meine letzten Skitouren in jenem stets in Erinnerung bleibenden Corona-April 2020 unternommen habe. Damals habe ich meinen wohl nie mehr möglichen persönlichen Rekord von 35.000 Höhenmeter in einem Monat erreicht. Allesamt auf brachliegenden Skipisten. Touren für die man damals so manche harsche Kritik einstecken musste, weil man ja stürzen und die für Corona dringend benötigte Krankenhaus-Infrastruktur blockieren könnte.

Tourengeher-Lenkung am Gernkogel

Geradezu lächerlich wirken heute diese seinerzeitigen Einsperrmaßnahmen. Die Infektionszahlen sind um ein Vielfaches höher – und die Schipisten sind gerammelt voll mit Touristen aus aller Herren Länder. Und aus Schiorten wie Kitzbühel oder Schladming kursieren Meldungen und Videos von verbotenen Apres-Ski-Besäufnissen und von Gastronomen gefälschte Impfnachweise. Aber wie wurde es einmal formuliert: Solange man in Österreich Schischuhe anhat, darf man sich alles erlauben.

Die schönsten Abschnitte bei den Pistentouren sind immer jene, wo man weit weg vom Rummel aufsteigen kann.

Aber das ist wieder ein anderes Thema, bleiben wir beim Positiven. 4 Pistentouren habe ich nun hinter mir. Im Aufstieg absolut kein Problem und völlig schmerzlos. Auch bei der Abfahrt keine bis kaum Probleme, solange ich die Hauptarbeit dem rechten Bein überlasse und immer schön auf der präparierten Piste bleibe und diese nicht allzu hart und ruppig ist.

Diese Piste sind wir zwar nicht runter gefahren, Ingrid wurde aber wenige Tage später doch von demselbigen geplagt. Aber kein Sorge – der Schuss ist schon wieder weg 😉

Der einzige Schmerz hatte nichts mit meinem Knie zu tun. Blasen haben nach der langen Schischuh-Abstinenz nun Gefallen an meinen verweichlichten Fersen gefunden. Aber Schwamm oder besser Blasenpflaster drüber.

Fageralm – Herrlich wie beim „ersten Mal“

Die allererste Skitour nach der langen „Knie-Pause“ führte uns an jenen Ort, an dem Ingrid und ich auch unsere „allerzweite“ Skitour überhaupt gemacht hatten. Und danach so begeistert waren, dass wir uns kurz darauf neben den Schneeschuhen auch eine Skitouren-Ausrüstung zugelegt hatten. Man gönnt sich ja sonst nichts.

2004 hatten wir unsere erste Skitour auf die Fageralm unternommen – heute war es unser 11. Besuch.

Vor 18 Jahren durften wir hier problemlos am Pistenrand aufsteigen. Vor einigen Jahren war dann offiziell Schluss damit. Verbotstafeln im Zielgelände. Der Aufstieg war plötzlich viel zu gefährlich – auf der über eine Forststraße führenden Kleinkinder-Umfahrung. Wäre jemand dort zu nah an den Pistenrand gekommen, wo wir früher immer aufgestiegen sind, wäre er unweigerlich den Steilwald hinuntergestürzt. Aber Verbot ist Verbot – wir verzichteten fortan auf die Fageralm.

Im oberen Abschnitt kann man ohnehin auf das freie Gelände neben den Pisten ausweichen.

Nun darf man wieder offiziell gehen. Wie wurde die „Gefährlichkeit“ des Aufstiegs am Pistenrand entschärft? Durch ein Skitouren-Ticket um 12 Euro. Man wird jetzt nämlich exakt auf jener Route hinauf geleitet, auf der wir auch früher immer aufgestiegen sind. Ja sogar noch mehr über die Piste, als wir es früher taten.

Wir waren immer schon bemüht, so weit als möglich den Schipisten auszuweichen.

So sehr ich mich auch bemühte: Es ist mir bis jetzt noch nicht gelungen, auf dem 12-Euro-Ticket jenen Schutzengel zu entdecken, der jetzt dafür sorgt, dass die Pistentour nach dem Einwurf kleiner Münzen nun nicht mehr gefährlich ist.

Skitourengeher und Schifahrer teilen sich die Goliath-Schaukel.

Planai – 2 Mal zum Gipfelkreuz

Anderes Schigebiet – gleiches Prozedere. Die Planai. Auch hier zahlt man nun, allerdings „nur“ 10 Euro. Wird sich mein Knie als stabil genug erweisen, werde ich mir nächstes Jahr auf jeden Fall eine Saisonkarte zulegen. Kostet 120 Euro und ermöglicht Skitouren in den 5 Schigebieten Galsterberg, Planai, Hochwurzen, Rittisberg und Fageralm. So gesehen doch wieder nicht so teuer.

Blick von der Planai zum Dachstein-Dreigestirn Torstein, Mitterspitz und Hoher Dachstein.

Das seinerzeit schon lächerliche Argument der Gefährlichkeit, wenn man umsichtig am Pistenrand aufsteigt und ohnehin immer etliche Ski- und Snobardfahrer am Rand herumstehen oder sogar liegen, hat man mittlerweile verworfen, seit die Skitourengeher als gute Einnahmenquelle entdeckt wurden. Vielleicht hat auch Corona dazu beigetragen. Die aktiven Geher werden immer mehr. Die Seilbahnbenützer weniger.

Erste Ankunft beim Planai-Gipfelkreuz

Auf der Planai, wo ich im April 2020 bei meinen „Corona-Spaziergängen“ so gut wie alle Pisten kennengerlernt habe, sind wir nicht der ausgeschilderten Tourengeher-Route gefolgt. An der Kassa wurde uns davon abgeraten, weil die Aufstiegsspur in sehr schlechtem Zustand – teils vereist, teils aper – war. Wir sollten am Pistenrand aufsteigen. Auch hier wirkt das Ticket Sicherheitswunder.

Zwar schattig, aber ruhig: Unsere Aufstiegsroute über die Naturfreundehütte.
Sonniger wird’s im Gipfelgelände. Ausblick zum Höchstein.

Wir haben es dennoch vorgezogen, so weit es möglich war, neben der Piste im Wald und über kahle Schläge oder Lichtungen aufzusteigen. Einmal Planai-Gipfel. Abfahrt zur Mitterhausalm. Nochmaliger Aufstieg – wieder durch den Wald und über ein schönes Hochplateau. Zweite Ankunft beim Gipfelkreuz.

Einmal geht’s noch. Ganz links das ziemlich schneefreie Ennstal.

Gernkogel – auf den Kogel wollte ich schon immer gern

Den Gernkogel kannte ich bisher nur aus Erzählungen eines ehemaligen Arbeitskollegen und auch Wanderkameraden aus dem Pongau (liebe Grüße an Hörbie 😉 ).

Wir wollten unbedingt endlich wieder einmal ein neues Wandergebiet kennenlernen, unbedingt wieder auf einer Piste abfahren und mehr als 1.000 Höhenmeter im Aufstieg zusammenbringen. Fündig wurden wir wir im Skigebiet Snow Space St. Johann im Pongau. Die 15 Euro für ein Tourengeher-Ticket (ohne irgendwelche Liftbenützung) stellten in diesem Jahr den einsamen Spitzenplatz dar.

Im unteren Abschnitt verläuft die Tourengeherroute knapp neben der Piste. Ausblick über St. Johann im Pongau.

Ganz unten hatten wir zunächst den richtigen Einstieg nicht gefunden und sind eine Zeitlang einem Skitourengeher nachgezottelt. Erst weiter oben fanden wir dann die markierte Tourengeher-Route, die kurz neben der Piste, meist aber abseits davon verläuft.

Oberhalb der Waldgrenze. Im Hintergrund der Hochkönig (links) und das Tennengebirge (rechts).

Anfangs noch auf Hohlwegen durch den Wald, weiter oben dann über herrliche, freie, sonnenbetrahlte Almhänge mit hervorragenden Ausblicken in die umliegenden Gebirgsstöcke, wie Hochkönig, Hagengebirge und Tennengebirge im Norden oder der jenseits des Großarltales bereits zu den Hohen Tauern zählenden Ankogelgruppe.

Winter-Idylle bei der Obergassalm.

Den Rummel bekommt man dann erst ganz oben hautnah mit, da die Skilifte bis zum höchsten Punkt des Gernkogel führen. Anstatt eines schmucken Gipfelkreuzes steht am Gipfel ein hoher Aussichtsturm, dessen Besteigung wir uns in Corona-Zeiten angesichts des Andranges dann verkneift haben.

Damit es am Foto so einsam aussieht, musste ich eine Zeitlang warten.

Abgefahren sind wir dann bei besten Schneebedingungen direkt bis zum neben der Piste liegenden Parkhaus.

Ingrid, farblich abgestimmt, am Geisterberg.

Kalteck – das Eck wird seinem Namen gerecht

Der Galsterberg ist ein guter alter Bekannter. Eine nähere Vorstellung kann ich mir deshalb ersparen, zumal ich auch in meiner letzten Skitourensaison vor den Kniebeschwerden bereits alle möglichen Varianten ausführlich beschritten habe.

Heute haben wir wieder unsere Lieblings-Anstiegsroute gewählt, die bereits in den Vortagen von 2 Tourengehern gespurt wurde.

Geändert hat sich ledlichlich der Preis für das Tourengeher-Ticket: Von 5 Euro auf 10 Euro. Aber wie meist haben wir auch dieses Mal trotz Bezahlung auf die Tourengeher-Route verzichtet und stattdessen den wesentlich längeren, aber landschaftlich viel schöneren Anstieg über die Untere Galsterbergalm gewählt.

Oberhalb der Waldgrenze empfängt uns starker, eisiger Wind – das Kalteck wird seinem Namen gerecht. Auch die „Wetteranzeige“ stimmte: Der Stein hat sich bewegt – das bedeutet „Sturm“.

Die Abfahrt auf der durch den Wind bearbeiteten pickelharten Piste im obersten Abschnitt und über die unpräparierten Wiesen zu unserem Ausgangspunkt am Pruggererberg erinnerten mich kurz daran, dass da ja irgendwann einmal „irgendetwas mit meinem Knie war“.

Wehmütiger Blick zu den Gipfelbesuchern am Pleschnitzzinken.

Fazit zu den Pistentouren: Zigarettengestank. Lärm. Auf der Piste sogar stellenweise ohrenbetäubende Musikbeschallung. Von beschaulicher Natur, ungetrübter Bergfreude und stiller Meditation kann auf einer Pistentour während der Betriebszeiten natürlich keine Rede sein. Aber ich bin wieder unterwegs.

Und vielleicht kann ich ja demnächst bereits von einer Geländetour berichten.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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