Goldener Herbst im Kemetgebirge

Bevor ich im nächsten Artikel einen zusammenfassenden Überblick über unsere Oktober-2021-Touren bringen werde, möchte ich auch in diesem Monat einige besondere Wanderungen hervorheben.

Eine ganz spezielle Wanderung – insgesamt waren wir 11 Teilnehmer und innen – würde es zwar auch verdienen, ausführlichst erzählt zu werden. Da bei diesem Ausflug zu den Dachstein-Südwänden allerdings überwiegend ArbeitskollegInnen dabei waren, fallen die feuchtfröhlichen Ereignisse des 17. Oktober unter die Rubrik „strengvertrauliches Betriebsgeheimnis“. Hinweis für alle, die sich noch so halbwegs an diesen Tag erinnern können: Selbstverständlich gibt es über die Vorkommnisse (der Ibiza-HC würde sagen: „a bsoffene Gschicht“) einen Videobeweis. Ich habe euch also in der Hand 🙂 .

Am Weg von der Walcheralm zur Brandalm war am 17. Oktober von herbstlicher Lärchenfärbung noch nichts zu merken.

Kamm-Umrundung über den Miesbodensee

Am Vortag – bei der bereits erwähnten Almwanderung am Fuße der Dachsteinsüdwände – war von herbstlicher Lärchenfärbung noch nicht viel zu sehen. In früheren Jahren haben wir zur gleichen Zeit bzw. sogar noch früher schon häufig goldgelbe Nadeln fotografieren können. Heuer scheint sich der Herbst aber ein bisschen mehr Zeit zu lassen.

Ausblick über das waldreiche Kemetgebirge zu den schneebedeckten Dachsteingipfeln

Als Ziel nach der gestrigen einkehrträchtigen Wanderung mit einer 11-köpfigen Gruppe hatten wir uns heute ein stilles, unspektakuläres Ziel ausgesucht: Wir stellten das Auto in die Lend in Gröbming-Winkl, damit wir beim Runterkommen durch die Öfen keinen längeren Straßenhatscher mehr machen mussten.

Blick über das Gröbmingerland in die Schladminger Tauern. Das Ennstal liegt noch unter dem Nebel.

Dieser schien uns am frühen Morgen einfacher zu sein und so stiegen wir auf der Forststraße bis zum Säbelboden auf. Ab hier folgen wir dem markierten Wandersteig in den Wald hinauf, zunächst noch recht flach östlich am Winterstein vorbei und bald kontinuierlich bis zum Zirmel ansteigend.

An der Ostseite des Kammspitz wechseln wir von der Sonne in den Schatten. Erste gelbe Lärchen sind auch hier am Zirmel schon zu sehen.
Richtig durchgehend gelb wird es dann aber auf der schattigeren Nordseite des Zirmel. Rechts hinten der Grimming.

Hier – östlich der Kammspitze – wechselten wir nun auf die andere Bergseite, von der Sonne in den Schatten, und von den grünen Lärchen zu den gelben Lärchen. Welch ein Kontrast. Im Schatten auf der Nordseite war die Herbstfärbung schon deutlich weiter fortgeschritten. Die Sonne schien uns immer 3 Schritte voraus. Immer wenn wir meinten, jetzt müssten wir doch endlich wärmende Sonnenstrahlen abbekommen, war es ein anderer Felsvorsprung des Kammspitz, der uns auch weiterhin Schatten aufzwang.

Immer wenn wir denken, jetzt endlich in die Sonne zu gelangen, sorgt ein anderer Felsspitz des Kamm für Schatten.

Vorbei an der winterdicht gemachten Kammalm. Erst knapp oberhalb vom Miesbodensee war es dann aber soweit. Sonne. Aaaah. Herrlich. Und dann gleich so warm, dass wir uns bis auf das kurze Leibchen ausziehen konnten. Hier war ein Schläfchen jetzt fast Pflicht. Ohne Sonnencreme hätte das in der 2. Oktoberhälfte noch einen Sonnenbrand gegeben. Irgendwann mussten wir uns doch wieder aufraffen. Hilft ja nichts, es ist ja noch ein weiter Weg.

Traumhaft warme Verhältnisse am Miesbodensee

Über die Viehbergalm und hinunter zur Rahnstube. Im Winter mit Tourenski geht es schneller. Und schließlich auf der Viehbergstraße durch die auf den untersten 100 Höhenmetern asphaltierten Öfen zum wartenden Auto.

Abstieg über die Viehbergalm

Bärenloch

Einige Tage nach der Kamm-Umrundung über das Zirmel zog es uns schon wieder in das Kemetgebirge mit seinen prächtigen Herbstfarben. Während höhere Gipfel häufig schon eine mehr oder weniger dicke Schneedecke tragen, kommt man bei Mittelgebirgshöhen um die 1.600 bis 1.800 Meter Seehöhe meist noch trockenen Fußes herum. Das hügelige, zerklüftete, wald- und latschenreiche Hochplateau zwischen Ennstal und Salzkammergut, zwischen Gröbming und Bad Mitterndorf / Bad Aussee ist eine stille Gegend weit abseits jeglicher Touristenströme.

Verirren kann man sich im weitläufigen Kemetgebirge leicht

Und weitgehend auch abseits markierter Wanderrouten und Einkehrmöglichkeiten. Man kann hier tagelang umherschweifen, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Was man deshalb neben der Selbstversorgung mit Jause und Getränken benötigt, ist ein guter Orientierungssinn oder noch besser ein zuverlässiges GPS-Gerät.

Heute sind wir weitgehend abseits markierter Wege unterwegs. Der Steig zur Schildenwangalm ist aber über weite Passagen recht gut erkennbar.

Und mitunter auch ein bisschen Leidensfähigkeit. Dann nämlich wenn man zum wiederholten Male einer vermeintlich guten Spur – eingerahmt zwischen den karstigen Felsrücken – folgt und dabei von der Ideallinie abgedrängt wird. Und dann zum wiederholten Male Fels-/Latschenrücken quer zu den Gräben überschreiten muss.

Tiefe Gruben werden besser etwas höher umgangen

Einer dieser besonderen Plätze im Kemetgebirge ist das Bärenloch, südlich der Napfenkögel, auf halbem Wege zwischen Hirzberg und Krippenstein. Wir starten unsere Tour beim großen Parkplatz unterhalb vom Steinerhaus. Ein kurzes Stück bergwärts bis zur Bergstation des ehemaligen Lärchberg-Lifts und dort zunächst unmarkiert bzw. im Bereich der Ski-Markierung Richtung Westen bis wir auf den markierten Sommerweg treffen, der von der Brünnerhütte zur Grafenbergalm führt.

Herrlicher Ausblick zu vielen namhaften Dachsteingipfeln (u.a. Eselstein, Scheichenspitze, Landfriedstein, Großer Koppenkarstein, Hoher Dachstein, Gjaidsteine)

Vorbei an der Abzweigung zur Hochwiesmahd / Großen Wiesmahd / Notgasse (aus dieser Richtung werden wir am späten Nachmittag wieder heraufkommen) und ein kurzes Stück aufwärts, bis wir bei einem Steinmandl den markierten Wanderweg wieder verlassen. Das unmarkierte Steiglein, dem wir nun folgen, ist aber meist recht gut erkennbar und bringt uns auf direktem Weg zur Schildenwangalm.

Bei der Schildenwangalm gelangen wir endlich in die Sonne

Hier geht´s nun weiter Richtung Norden, ebenfalls unmarkiert, aber ebenfalls auf gut erkennbarem Steig. Noch vor der Plankenalm zweigen wir Richtung Südwesten und später Westen ab. Ab hier wird die Steigsuche schon schwieriger. Zwar hatte ich die in den Landkarten eingezeichnete „gepunktete“ Route auf das GPS gespielt, die weiter nach Westen verlaufenden Gräben waren aber recht einfach zu begehen und so entfernten wir uns zusehends von der geplanten Linie.

Kraftsparen sollte die Devise lauten. Denn vom Bärenloch wird es noch sein sehr weiter Weg zurück zum Stoderzinken (links der Bildmitte) werden.

Immer weiter wurden wir vom Gelände nach Westen abgedrängt. Irgendwann mussten wir (besser gesagt ich, denn Ingrid hatte schon längere Zeit darauf gedrängt, wieder zur geplanten Route zurückzukehren) uns eingestehen: Es hilft nichts, wir müssen jetzt mühselig Richtung Nordosten queren. Ein Karstrücken, danach ein Graben mit tiefen Dolinenlöchern. Noch ein Karstrücken. Und so weiter und so fort.

Wieder einmal haben wir uns verleiten lassen, einem gut begehbaren Graben zu folgen und wurden immer weiter von der geplanten Route abgedrängt.

Gefühlte 17 Gräben später standen wir schließlich bei einem ca. 2 Meter hohen Felswandl an, rundherum Latschen. Laut GPS müssten wir bald zur Bärfalleben kommen. Aber hier schien es kein Weiterkommen zu geben. Ich hantelte mich über die Felsen, suchte oben Halt und sah nur Latschen. Doch … Moment da … durch die Latschen hindurch. Das waren doch … tatsächlich – oh Freude: Kuhfladen – wie bescheiden man doch in der Einsamkeit wird. Die Kühe sind unmöglich über die Felsen heraufgekommen. Also muss es da irgendwo eine Latschengasse geben. Gab es auch. Endlich.

Über die Bärfalleben Richtung Napfenkogel, an dessen Südseite sich das Bärenloch befindet.

Über die Bäfalleben gelangten wir zu jener Steilstufe, die mir immer in Erinnerung bleiben wird. Dort wo einst bei meiner ersten Skitour im Gelände mein Bruder von einer Lawine durchgebeutelt wurde. Gottseidank gab es einen glimpflichen Ausgang. Lediglich meinen Gesprächstermin mit dem Standesbeamten zur Besprechung der einen Monat später stattfindenden Hochzeit (auf dem Gipfel des Stoderzinken) konnte ich nicht einhalten.

Blick über die Steilstufe

Mit einstündiger Verspätung trafen wir auch heute endlich beim Bärenloch ein. Es ist schon ein besonderer Platz mit einer besonderen Aussicht. Was mochte hier im Laufe der Geschichte wohl schon alles passiert sein. Die Wanderer-Besuche halten sich allerdings in Grenzen. Wir waren erst die Achten, die sich heuer im „Höhlenbuch“ verewigt haben.

Ingrid steht schon oben beim Bärenloch

Es war noch immer das Buch aus dem Jahre 2003. Also konnten wir auch unsere früheren Besuche nachlesen. Im März 2004 bei der bereits erwähnten Skitour (nachdem die Lawine den ganzen Schnee „ausgeputzt“ hatte, konnten wir ungefährdet weiter aufsteigen). Im Oktober 2004 im Herbst (ist das wirklich schon 17 Jahre her), an exakt demselben Tag wie heuer. 2011 war ich dann noch einmal allein in der Höhle. Würde es noch einmal 10 Jahre (oder gar 17 Jahre) dauern, bis wir wieder kommen? Können wir dann überhaupt noch gehen?

Auf den Tag genau 17 Jahre liegt unser 1. Besuch bereits zurück.
Genialer Ausblick aus dem Bärenloch

Am Rückweg wollten wir jetzt keine Experimente (und „Abkürzungen“) mehr machen. Am gelegentlich von Steinmandln gesäumten und meist recht passabel erkennbaren Steig wollten wir über die Plankenalm zurückgehen. Unterwegs hielten wir noch einmal kurz bei einer neben dem Weg liegenden Grabstätte mit Gedenkkreuz an, über deren Position ich mich zuvor beim Bruder Bergfex Heli erkundigt hatte.

Das kleine Grab liegt nur unweit des Steiges von der Plankenalm zum Bärenloch.

In einem Nordbogen, den wir auch abkürzen hätten können (aber keine Experimente), erreichten wir schließlich die Plankenalm und damit jenes Gebiet, dass uns von zahlreichen Ski- und Schneeschuhtouren auf den Hirzberg bereits einigermaßen vertraut war. Auch wenn Ingrid der Meinung war, dass im Winter alles anders aussieht (womit sie recht hat – dann ist es nämlich weiß statt grün).

Ab der Plankenalm wird das Gelände allmählich bekannter

Der Weg zieht sich. Von der Sonne hatten wir jetzt nicht mehr viel. Wir waren aber kleidungsmäßig und getränketechnisch gut ausgestattet. Endlich auf der Großen Wiesmahd, wo wir auf die ersten beiden Menschen am heutigen Tag trafen.

Wie lange würden wir von hier wohl für den Aufstieg zur Brünnerhütte und dem Steinerhaus brauchen. Ich hatte keine Zeit, zu überlegen. Ingrid legte aus dem Stand den sechsten Gang ein. Ich konnte kaum mehr folgen. Erst als es nach der Hochwiesmahd wieder flacher wurde, konnte ich a) mithalten, b) überholen und c) bis zur Brünnerhütte den Vorsprung halten bzw. bis auf ca. 4,16 Meter ausbauen. Schnell rauf zum Steinerhaus, wo uns sogar noch kurz die Sonne begrüßte.

Bei der Brünnerhütte mit Blick über die Stoderalm zum Kamm. Weiter oben beim Steinerhaus hatten wir sogar noch etwas Sonne.

Ein tolles Tagerl, da waren wir uns einig. Und auch darin, dass wir unseren Hinweg zum Bärenloch auf unserer heutigen Verhauer-Route sicher nie mehr in unserem Leben gehen werden. 

Bärenloch – gerne wieder einmal. Auf unserer heutigen Route sicher nicht mehr.

Brandalm – Neubergalm – Rotbödenhütte

Noch einmal eine einsame Tour im Kemetgebirge. Welch ein stiller Kontrast zu den bespaßten Touristenmassen am Fuße des Dachsteins. An diesem sonnigen Tag im „Goldenen Herbst“ war das Motto „Der Weg ist das Ziel“ nicht ganz richtig. Denn wir hatten ein Ziel: Vielleicht würde es uns heute gelingen, das Gedenkkreuz an einen vor 90 Jahren vermutlich von Wilderern getöteten Jäger zu finden.

Bei der Brandalm verlassen wir die Forststraße

Auf Peter Gruber’s Roman „Schattenkreuz“ findet sich eine Abbildung am Titelbild. Recht verborgen soll es sich „irgendwo“ zwischen der Brandalm und der Neubergalm befinden. Bei der Neubergalm war ohnehin schon längst wieder ein Besuch fällig. Und an der Rotbödenhütte wollten wir ebenfalls wieder einmal vorbeischauen.

Einfach war die Orientierung bei dieser Kemetgebirgswanderung nicht.

Also gleich mehrere Ziele. Wo aber lag dieses ominöse „Schattenkreuz“ im Gedenken an einen Jäger namens Höflechner. Mein Bruder – Bergfex Heli – lieferte einige vage Anhaltspunkte: Dort wo es flacher wird, links hinauf. Vorbei an jener Stelle, wo immer viel Holz liegt (das lag allerdings im ganzen Wald herum). Einem Graben nach Norden folgen (da hätten wir mehrere gefunden).

Mehr Glück als gezieltes Finden – am Ende dieses Grabens wurden wir fündig.

Im Grunde war es also auch Glück, dass wir das Kreuz tatsächlich gefunden haben. Denn die zuvor gelegentlich gesichteten Farbkleckse an Bäumen und Felsen halfen uns nicht wirklich weiter bzw. endeten sogar in völliger Verwirrung und waren sicher nicht als Wegweiser für das Schattenkreuz gedacht.

So ähnlich ist das Gedenkkreuz auch auf Peter Gruber’s Roman „Schattenkreuz“ dargstellt.

Es ist ein einsamer Ort hier. Und schattig. Zumindest jetzt im Herbst am Vormittag. Was mochte damals wohl geschehen sein?

Nach unzähligen Fotos gehen wir weiter. In der sogenannten „Tiefen Grube“ sollten wir wieder auf den unmarkierten Steig von der Brandalm zur Neubergalm stoßen. Und wir stießen. Ein Kraftplatz. Zumindest für uns. Verborgen im Wald, den Spuren nach zu urteilen aber zumindest dem Rindvieh bekannt.

Ein einsames Platzerl mitten im Kemetgebirge. Die „Tiefe Grube“ zwischen Brandalm und Neubergalm.

Nordostwärts leitet uns der Steig zur Neubergalm. Wir freuten uns über das Wiedersehen mit jener Alm, die uns vor allem in der Anfangszeit unser Schneeschuhwanderungen vor nunmehr fast 18 Jahren so oft als Winterziel gedient hat. Eine sehr schöne Landschaft auch im Sommer bzw. jetzt im Herbst.

Herbststimmung bei der Neubergalm

Wir rasten, genießen die Jause in der Sonne und nehmen uns vor, dieses Mal endlich die berüchtigte tiefe Doline zu finden. Und hatten auch hier Glück. Hinter den grünen Nadelbäumen versteckt sie sich. Die hineingeworfenen Steine hallen lange Zeit nach. Tief muss das schaurige Loch sein.

Dieses Mal haben wir die tiefe, schaurige Neuberg-Doline hinter den Nadelbäumen endlich entdeckt.

Aufbruch. Nächstes Ziel: Die Rotbödenhütte nördlich der Viehbergalm. Auch hierher führt ein steinmandlmarkiertes Steiglein. Der Rückweg hinaus zur Viehbergalmstraße und über den Wurf und durch die Öfen zum Ausgangspunkt ist dann ohnehin bereits gut bekannt.

Fast 18 Jahre liegt unser erster (und bisher einziger) Besuch bei der Rotböden-Jagdhütte bereits zurück.

Auch dieses Mal waren wir wieder mehr als 20 Kilometer unterwegs und wir fassten schon Pläne für den nächsten Ausflug ins Kemetgebirge und seinen mystischen Plätzen Mausbendlloch (jetzt im November bereits besucht) und Notgasse.

Rechts vom langgezogenen Kamm werden wir wieder ins Tal hinabsteigen.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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