Endlich wieda am Berg

Erste Gipfel(chen)“ lautete der Titel im letzten Monat für meine Mai-Touren. Überhaupt hatte bis jetzt in diesem Jahr 2021 noch jeder Monat ein zentrales Motto:

Für den Juni würden mir mehrere Titel einfallen (von „Die ersten 2000-er“ über „Ich bin wieder zurück“ bis „Wieder mittendrin statt nur dabei“). Ich habe jenen Titel gewählt, den ich auch Mitte Juni bei meiner ersten „richtigen“ Bergtour nach fast exakt einem Dreiviertel Jahr Berg-Abstinenz im Gipfelbuch am Kammspitz vermerkt habe.

Aus den ersten beiden Juni-Wochen habe ich mehr Blumen- und Vögel-Bilder als Wander-Bilder.

In den ersten 14 Juni-Tagen herrschte eher unmotivierte Gehflaute. Entweder war das Wetter zu schlecht oder es war zu heiß oder ich wollte das ideale Wetter für mein neuestes Hobby „Naturgarten und Vogelparadies 2030“ nutzen (ja, ja, ich weiß: trotz mehrmaliger Ankündigungen habe ich darüber noch immer keinen Bericht verfasst – aber wie sagte unlängst ein Leser meines Blogs: Die Vogala san jo ganz nett – oba interessieren tuan mi eigentlich eh nur die Tourenberichte).

Unsere erste Mohn-Blüte – da waren wir noch ganz aus dem Häuschen. Mittlerweile, nach mehr als 100 Blüten von lediglich 2 Pflanzen, habe wir zum Zählen aufgehört.

So, wo wor ma? Ah jo: Wandertouren. Erst am 13. Juni habe ich meinen ersten Eintrag im Tourenbuch vermerkt. „Ennstaler Dreierlei“ – im Umfeld der Enns zwischen St. Martin am Grimming und Niederöblarn. 3 kurze Touren – eher Spaziergänge.

Meine „Blume“ inmitten von Wildrosen

Aber dann: 17. Juni 2021 – meine letzte richtige Bergtour datiert mit 19. September 2020. Fast auf den Tag genau 9 Monate Pause oder wie Kenner sagen: Ein Dreiviertel Jahr. Und für den Wieder-Einstieg hatte ich mir jenen Gipfel ausgesucht, den ich bereits im Jänner als eines meiner großen Ziele für Juni formuliert hatte: Den Kammspitz.

Am 5. Jänner war der Kammspitz noch in weiter, unerreichbarer Ferne.

Nachdem ich die letzten Monate des Corona-Seuchenjahres 2020 wegen meiner Knieschmerzen erfolglos von einem Arzt zum nächsten und von einem Krankenhaus ins nächste geschickt wurde habe ich schließlich um den Jahreswechsel entschieden, meine Gehfähigkeit selbst in die Hand zu nehmen.

Der Winterstein – südlicher Vorgipfel des Kammspitz

Und wo wird man da am ehesten fündig: Richtig, im Internet im Allgemeinen und bei Doktor Google im Speziellen. Ich habe unzählige Arztberichte studiert, richtig fündig zum Thema „Knochenmarködem“ wurde ich allerdings erst in diversen Sportler-Foren – vornehmlich von Läufern, aber auch bei Skitourengehern.

Oberhalb der Baumgrenze – Über diese Schotterrinne in Bildmitte bin ich herunter gekommen.

Und derart geschult machte ich mir bereits im Dezember 2020 Mehr-Stufen-Pläne für das Jahr 2021. Natürlich gab es immer wieder auch schmerzhafte Rückschläge, wenn ich beispielsweise wieder einmal über eine Wurzel stolperte. Aber aufbauend auf den Erfahrungen vieler Leidensgenossen im Internet begann ich bereits Anfang Jänner mit systematischen „Geh-Übungen“ und setzte mir verschiedene Zwischen-Ziele.

Einige dieser Ziele habe ich sehr rasch erreicht („1. Etappenziel erreicht„, „Etappenziel 2-3-4 erreicht„). Mein erstes anspruchsvolleres Gipfelziel sollte mein Hausberg – der Kammspitz – werden. Für Juni hatte ich mir diesen Berg vorgemerkt. Und am 17. dieses Monats war es dann soweit.

Die Kletterpassage auf den letzten 50 Höhenmetrn ist bald erreicht.

Im unteren Bereich habe ich zunächst noch einige Umwege eingelegt, nicht zuletzt da nach einem herrlichen Morgen zunehmend dunklere Wolken über die Gipfel zogen. Und zwischenzeitlich war mir auch so gar nicht nach Gipfel, die Temperaturen waren aber angenehm mild und kleinere Windstöße sorgten nur für willkommene Abwechslung.

Do geht´s auffi

Ja, ich war schon schneller am Gipfel. Aber es war herrlich und ich genoß die Einsamkeit beim Gipfelkreuz am Kammspitz. Und nachdem ich selbst den Abstieg über die steilen Schotterfelder mit entsprechend vorsichtigem Setzen des linken Fußes sicher und schmerzfrei bewältigen konnte, kann ich nur sagen: Ich bin wieder zurück 🙂 .

Nach 9 Monaten wieder auf einem „richtigen“ Berg.

Wenige Tage später – der nächste Hausberg. Auf einer Runde wie sie so vermutlich noch nicht oft begangen wurde. Und so wurden aus den üblichen 7 bis 8 Kilometern bei der „Standard-Überschreitung“ über den Kochofen bei unserer Runde mehr als 20 Kilometer.

Den Kochofen kann man auch wesentlich einfacher und kürzer überschreiten, als wir es am 20. Juni 2021 getan haben.

Am 27. Juni starteten schließlich an 3 aufeinanderfolgenden Tagen längere Bergtouren jeweils mit deutlich über 1.000 Höhenmetern und jedes Mal um die 18 bis 19 Kilometer. Fazit: Das Knie hat gehalten. Ich habe zwar schon etwas gespürt, aber eher, dass sich etwas im Knie bewegt, als wirkliche Schmerzen.

Mangels Vogel-Objektiv nur ein unscharfer Schnappschuss. Ich vermute beim Abstieg vom Kochofen einen Girlitz.

Natürlich muss ich den Fuß nach wie vor sehr konzentriert setzen und darf mir keine Stolperungen erlauben. Teilweise gehe ich noch immer nicht richtig rund, so dass ich zeitweise die Hüfte spüre. Aber der limitierende Faktor bei meinem Wandertouren ist jetzt nicht mehr das Knie sondern eher meine fehlende Kondition und Lockerheit.

Folgende Wanderungen fanden in der Folge Eintrag in meiner Touren-Datenbank:

27.06.2021 Kufstein – Ahornsee: Bei schweißtreibenden schwülen Temperaturen starteten wir in Weißenbach bei Haus beim Wanderer-Parkplatz nahe der Kneippanlage. Über die Forststraße und später am markierten Wanderweg stiegen wir zur Stornalm auf. Gelegentlich wurden wir von Autos überholt – einmal von einem kleinem gelbem, welches an ein Postauto erinnerte. Aber hinten die deutliche Aufschrift: „Nix Postler“ 🙂 .

Bei der Stornalm erkennt man bereits deutlich das Gipfelkreuz am Kufstein.

Weiter geht´s zum großen Gipfelkreuz am Kufstein. Von der befürchteten Massenwanderung war nichts zu spüren. Lediglich 3 weitere Wanderer-Paare teilten sich mit uns das große Plateau. Wir zogen aber ohnehin bald weiter, der Wind und zunehmende Bewölkung luden gerade nicht zur Jausen-Pause ein. Aber bald schon wurde es wieder besser und im Schutz großer Latschenfelder ließen wir uns in der Nähe der Kufsteinscharte zur Rast nieder.

Es war wesentlich weniger los, als die vielen Autos am Stornalm-Parkplatz vermuten ließen.

Nach der kulinarischen Stärkung ging es weiter Richtung Norden zur noch verwaist wirkenden Grafenbergalm. Möglicherweise hat der lange liegengebliebene Schnee das Graswachstum etwas verzögert, so dass der Almauftrieb erst später stattfand.

Am Kufstein-Gipfelplateau. Hinten der Kleine Miesberg.

Unsere Route dreht sich nun Richtung Osten und am idyllischen Grafenbergsee vorbei steuerten wir den fotogenen Ahornsee an, wo einige Wanderer die herriche Landschaft genossen. Auch hier legten wir noch einmal eine Rast ein, ehe wir den langen Schlußabstieg zum Jagdhaus Gradenbach in Angriff nahmen, wo das Wanderer-Verkehrsaufkommen nun deutlich zunahm. Auf der Schotterstraße ging es schließlich hinaus nach Weißenbach zum Ausgangspunkt.

Abstieg zur Grafenbergalm …
… wo aber noch stille Einsamkeit herrscht.
Unter uns der Grafenbergsee
Abstieg ins Gradenbachtal

28.06.2021 Stoderzinken-Überschreitung: Nächster Tag – nächste Gipfeltour, dieses Mal alleine. Diese von uns schon so häufig beschrittene und dokumentierte Runde muss ich nicht mehr näher beschreiben: Von der Lend in Gröbming-Winkl auf der asphaltierten Straße durch die Öfen-Schlucht zwischen Kamm und Stoder.

Aufstieg über die schattenspendende Nordseite des Stoderzinken auf der Rotwandschlag-Route.

Über den Rotwandschlag hinauf zur Stoderalm und über die Brünnerhütte auf der Nordseite hinauf zum bestens besuchten Gipfelkreuz am Stoderzinken. Angenehmste Temperaturen auf 2.048 Meter Höhe. Mir war hier aber zuviel Gewusel.

Von der Stoderalm zur Brünnerhütte
Beim Stoderzinken-Gipfelkreuz. Nur kurz war es so ruhig.

Einsamer wurde es erst wieder am Florasteig hinab zum Friedenskirchlein, wo der Rummel von Neuem begann. Trotzdem gönnte ich mir später abseits des Weges ein Schläfchen, ehe ich mich auf den Abstieg auf der Südseite machte, wo mich über hundert Höhenmeter ein Schäfchen begleitete.

Abstieg über den Florasteig zum gut besuchten Friedenskirchlein

28.06.2021 Schildenwangalm – Grafenbergsee – Stoderzinken: 3. Tag in Folge. Ein bisschen müde wurde ich schon und auch das Knie legte leichten Protest ein. Heute wollte ich meine beiden Wandertouren von den Vortagen „miteinander verbinden“.

Auffahrt mit dem Auto zum Rosemialm-Parkplatz. Von dort über unmarkierte Steige und querfeldein (querwaldein) zum markierten Wanderweg, der von der Brünnerhütte westwärts Richtung Grafenbergalm führt. Aber schon bald verließ ich diesen Weg wieder und folgte der vom Winter gut bekannten Route über die Hochwiesmahd zur Großen Wiesmahd und weiter am Forstweg zur Schildenwangalm.

Bei der Schildenwangalm geht´s links hinauf.

Von hier führt ein unmarkierter Steig – den man mit etwas Geländelesen und Orientierungssinn findet – Richtung Süden. Abstieg auf steilem aber gut gehbaren und markierten Steig zwischen Ahornsee und Grafenbergsee, wobei ich aber nur bei letzterem vorbeikomme.

Tiefblick zum Ahornsee
Direkt vorbeikommen werde ich aber nur beim Grafenbergsee.

Mittlerweile wurde es ganz schön wolkig, obwohl heute bestes Wanderwetter prognostiziert war und 2 Mal begann es auch kurz zu nieseln. Aber Regenjacke sei Dank kein Problem und schließlich setzte sich am Weg von der Grafenbergalm zurück am markierten Wanderweg zur Brünnerhütte letztendlich doch die Sonne durch.

Zum Schluß noch einmal auf den Stoderzinken

Die Verbindung zwischen den Touren war gelegt. Zum Abschluß gönne ich mir noch den Aufstieg zum Gipfelkreuz am Stoderzinken. Heute bei deutlich weniger Besucherandrang.

Gipfelkreuz am Stoderzinken

Alleine an den letzten 3 Tourentagen haben sich 3.670 Höhenmeter und 57,3 Kilometer aufsummiert. Ich fühlte mich wieder fit für größere Berg-Unternehmungen. Lediglich an meiner Kondition muß ich noch arbeiten, denn über die benötigten Zeiten möchte ich lieber kein Wort verlieren.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Die rot eingezeichneten Juni-Touren fügen sich nahtlos an die bisherigen 2021-er Routen.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV – Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.

*