Der nächste Invalide

Das kann doch kein Zufall mehr sein. Und wäre es mir nicht gelungen, einen raschen Schnappschuss zu machen, ich hätte es wohl selbst nicht richtig glauben können, was ich da auf unserer Terrasse gesehen habe.

In diesem Artikel geht es wieder einmal nicht um Wandertouren, sondern um die Vogelwelt, in der unser „Einbein“ eine Hauptrolle spielt.

Was war passiert? Am Ende dieses Artikels erfährst Du die Auflösung. Zuvor muss ich aber noch etwas Füllstoff in das heutige dünne Erzählsüppchen einbringen. Gleich vorweg für Wanderfreunde: In diesem Artikel geht es wieder einmal nicht um Bergtouren sondern um „Amsel, Drossel, Fink und Star“ (wobei Finken sich in unserem Garten noch nicht blicken lassen).

Selbstverständlich sind auch „normale“, gesunde Amseln bei uns immer willkommen. Besonders ans Herz gewachsen sind uns aber die körperlich Beinträchtigten.

In der Vogelwelt schreitet die Paarbildung voran. Wir bekommen nun regelmäßig Besuch von 2 Blaumeisen und 2 Bachstelzen. Die Spatzen sind sowieso unzählbar. Und auch bei den Amseln tun wir uns zunehmend schwer, sie voneinander zu unterscheiden.

Die Bachstelze ist mittlerweile ebensowenig mehr alleine wie unsere Blaumeise, die sich aber nach wie vor nicht fotografieren lassen möchte.

Mit Ausnahme von unserem „Einbein“, der sich nun meist in unserem Garten oder dem Nachbarin-Garten oder dem angrenzenden Obstgarten aufhält. Leise läßt er gelegentlich eine sanfte Melodie erklingen. So als ob er gar nicht wolle, dass man ihn hört.

Wieder einmal einer der Schneestürme im April, der sogar den kräftigen Krähen zu schaffen macht.
Aber auch unsere Gwendolin sehnt sich nach wärmerem Wetter

Aber auch Revierkämpfe werden nun heftiger. Erstmals ist es mir gelungen, einen Amsel-Kampf zu filmen. Ob unser Einbein darin involviert war konnte ich auf Grund der weiten Entfernung allerdings nicht feststellen. Beendet wurde der Kampf dann von einer Krähe, die als Schiedsrichter oder als lachender Dritter erschien und die beiden Amseln verscheuchte. Auch 2 Hausrotschwänzchen lieferten sich über mehrere Tage erbitterte Kämpfe, die sie mehrere Meter aneinander hochfliegen ließ.

Stolz präsentiert das Hausrotschwänzchen sein rotes Schwänzchen

Einige „Raritäten“ haben sich in den letzten Tagen ebenfalls gezeigt. Bei einem Exemplar war ich mir gar nicht sicher – ich tippe auf eine Wacholderdrossel. Recht sicher war ich mir aber bei einem Bluthänfling-Männchen im Obstgarten.

Ich vermute eine Wacholderdrossel.
Männlicher Bluthänfling

Und auch die erste Schwalbe habe ich bereits gesehen. Aber die macht bekanntlich ja noch keinen Sommer. Und so gibt es seit bald einem Monat gefühlt einen Wintereinbruch pro Woche. Zwischendurch – wenn es wieder aper war – habe ich mein Projekt „Vogelparadies 2030“ vorangetrieben.

Mit diesen 12 Quadratmeter in einer Nische werde ich heuer mein im Vorjahr begonnenes und für 10 Jahre angesetztes Projekt „Vogelparadies 2030“ fortsetzen. Am 21.03.2021 war noch alles unter einer Schneedecke versteckt.
Am 30.03.2021 beginnen die „Grabarbeiten“. Das Werkzeug ist gerichtet. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt (den Namen der Band aus meiner Jugendzeit, die das besungen hat, musste ich erst nachgoogeln. Der Name: Geier Sturzflug aus dem Jahre 1983)
Am späten Nachmittag desselben Tages (es ist noch immer der 30.03.2021) ist das erste Loch gebuddelt.
Am 02.04.2021 ist die Kornelkirsche (Cornus mas Sorte Yellow) und dahinter der mickrige Hollunder Black Lace gepflanzt.
Am 08.04.2021 gibt es wieder einmal einen (den wöchenlichen) Wintereinbruch.
Meine blühende Kornelkirsche wird sich schön bei mir bedanken.
Am 11.04.2021 ist wieder alles aper. Die Kornelkirsche und der Hollunder wieder schneefrei. Ein erstes Weglein ist ebenso im Entstehen wie mein eigener Berg.
Am 15.04.2021 – der nächste Wintereinbruch.
Am 17.04.2021 ist der Schnee auch schon wieder einer von gestern. Der rote Hartriegel (rechts unten) ist eingezogen.

Voriges Jahr habe ich mir anlässlich unseres Amsel-Erlebnisses ja vorgenommen, unseren dünnen Rasenstreifen (grüne Wüste) in ein Paradies für Bienen, Schmetterlinge und Vögel zu verwandeln. Dass sich nun bereits nach einem Jahr so viele Gäste bei uns einfinden, damit hatte ich nicht gerechnet.

So sah eine andere Ecke vor 10 Monaten am 20.06.2020 aus …
… und so schaue ich am 17.04.2021 hinunter. Die Ligusterhecke (ganz rechts) hat noch ebenso wenig ausgetrieben wie der links benachbarte Gewöhnliche Schneeball (viburnum opulus) – aber beide sollen einmal eine wunderbare Bienenweide und einen Vogelrastplatz bilden. Vor der Hütte wird die Erde für die künftige Wildblumenwiese gerade mit Sand abgemagert. Der Steinhaufen oberhalb der Bildmitte zeigt einen Teil jener Steine, die ich in den letzten Monaten bei meinen Grabungsarbeiten aus dem Boden geholt habe.

Und schon gar nicht damit, dass wir nun eine Vogel-Invalidenstation werden würden. Jetzt folgt also die Auflösung meiner Einleitung.

So gut wie jeden Tag entdecke ich Einbein bei uns oder in den angrenzenden Gärten.

Neben der flügellahmen Eilin und der armen Krummzehe, die ich nun schon lange nicht mehr gesehen habe, ist ja vor allem das Amsel-Männchen Einbein ein Stammgast auf unserer Terrasse.

Die flügellahme Eilin (rechts oben) wird wieder einmal von der dominanten „Braunkehle“ (links unten) gemobbt.

Vor einigen Tagen aber hatte Einbein einen Begleiter. Einen kleinen Star, den ich bereits einige Tage im Obstgarten hören und beobachten konnte. Dieses Mal hat er sich mit Einbein auf unserer Terrasse niedergelassen.

Wieder einmal Schneefall im April. Heute hat Einbein eine Begleitung mitgebracht.

Ich traute meinen Augen nicht. Schnell zum Fotoapparat. Denn ohne Foto würde mir das niemand glauben. Nicht einmal ich selbst. Für Einstellungen und Fotogestaltung blieb keine Zeit. Rasch einige Schnappschüsse.

Unglaublich, aber der Star neben Einbein hat ebenfalls nur ein Bein.

Und erst als ich mir die Bilder am Computer angesehen habe, konnte ich es wirklich glauben. Der Begleiter / die Begleiterin unseres Amsel-Männchens Einbein – ein kleiner Star – hatte ebenfalls nur ein Bein.

Einbein 2 – unser neuester Invaliden-Gast

Hat es sich in der Vogelwelt herumgesprochen, dass wir ein besonderes Herz für körperlich beinträchtigte Vögel haben? Oder hat es sich herumgesprochen, dass in diesem Haus ebenfalls ein schräger Vogel mit einem Knieproblem lebt 🙂 ?

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Es wäre interessant zu erfahren, woher diese Einbein-Verletzungen kommen. Katzen? Auto-Verkehr? Oder ist eine der zahlreich bei uns angesiedelten Elstern dafür verantwortlich?

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