Neuankömmlinge und Invalidentreff

Der neuerliche Wintereinbruch in der 2. Märzhälfte bescherte uns unerwartete Vogelgäste, da die nun wiederum geschlossene Schneedecke die Nahrungssuche in freier Natur erschwert. Dazu unwirtliche Schneestürme und starke Nachtfröste, die sich fast wieder dem zweistelligen Minusbereich näherten.

Amsel-Männchen
Grauschulter – der Chef im Revier

Unsere Amseln mit dem Chef „Grauschulter“, seiner Angebetenen „Braunkehle“ und „unserer“ Eilin und einigen anderen weniger eindeutig identifizierbaren Männchen (u.a. Schmalhans, Grünschnabel und Schwarzschnabel) waren neben der zahlreichen Spatzenschar ja schon seit Anfang Jänner unsere Stammgäste.

Braunkehle verjagt auch die meisten Männchen.
Braunkehle beim Schneefall Ende März

Die scheue Blaumeise kommt zwar auch regelmäßig vorbei, schnappt sich aber hastig ein Erdnussstück und entschwindet gleich darauf wieder unseren Blicken. So schnell, dass ich es fast nie schaffe, ein scharfes Foto zu erhaschen.

Bis ich den Fotoapparat geholt habe, ist die Blaumeise meist schon wieder verschwunden oder ich erwische sie nur mehr unscharf.

Am 20.03.2021 notiere ich in mein Vogeltagebuch: Braunkehle verjagt 2 Mal Schmalhans. Eine Krähe hält sich schon wieder in unmittelbarer Nähe auf. Und dann auch noch: Bachstelze auf der Terrasse. Ich nenne sie „Stelzerella“, obwohl meine Recherche ergibt, dass es wohl ein Männchen sein muss, die einige Tage vor den Weibchen aus dem wärmeren Süden heimkehren.

Ja was ist denn das für ein neuer, netter Gast. Stelzerella die Bachstelze.
Vermutlich ist es eher ein StelzerellO, denn die Männchen kommen einige Tage vor den Weibchen aus dem Süden zurück.
Wenige Tage später ist er nicht mehr allein.

Bei einer weiteren Sichtung am selben Tag bin ich mir nicht sicher. Eigenartig schaut diese „Amsel“ aus. Ich notiere die Frage: „War das ein Star?“ Einen Tag später die Notiz: „Ja sogar ein Paar„. Tatsächlich hatte uns der Schneefall ein Star-Paar auf die Terrasse getrieben, wo sie sich hungrig an den ausgelegten Erdnuss-Bruchstücken labten.

Diese „Amsel“ sieht aber eigenartig aus. Kein Wunder, denn es ist ein Star.
Es ist sogar ein Star-Paar, welches der Schneesturm auf unsere Terrasse getrieben hat.
Star und Bachstelze

Am 25.03.2020 war dann unsere regelmäßig bei uns vorbeischauende Bachstelze nicht mehr allein. Sie war in Begleitung eines etwas kleineren Exemplares. Das dürfte jetzt das Weibchen – eine Stelzerella – sein. Auch ein Hausrotschwänzchen lässt sich heute das erste Mal bei uns blicken. Auf der Terrasse allerdings nur ein einziges Mal und ganz kurz.

Das Hausrotschwänzchen konnte ich heuer erst einmal in der Abenddämmerung fotografieren.

Dafür werden die Krähen immer frecher und sitzen jetzt sogar schon am Geländer der sich im ersten Stock befindlichen Terrasse. Meist aber bevorzugen sie die großen Schneehaufen neben dem Parkplatz. Ja, jetzt Ende März mussten wir mehr Schnee schaufeln, als den ganzen Winter über zusammen.

Die Krähen kommen immer näher an unsere Terrasse heran.

Und dann vermerke ich mir in den letzten Märztagen noch eine Besonderheit. Anfangs waren Ingrid und ich uns nicht sicher. Aber doch: Da gibt es eine Amsel mit nur einem einzigen Bein. Ingrid wollte sie Hook nennen (nach Captain Hook aus Peter Pan). Bei mir heißt sie – die Amsel, denn tatsächlich ist es ein Männchen – aber schlicht Einbein.

Wir haben uns nicht getäuscht. Dieses Männchen hat tatsächlich nur ein Bein.
Mit Hilfe seines Schwanzes hält er aber ganz gut das Gleichgewicht.
Gelegentlich kann man sogar einen Beinstumpf erkennen.

Von den meisten anderen Amseln wird Einbein drangsaliert, verjagt, gepeckt und gerupft. 2 andere Amseln stehen in der Amsel-Hierarchie aber noch tiefer. Ein junges Weibchen, das aber nur selten bei uns vorbeischaut und für die ich noch keinen Namen habe.

Einbein wird zwar von den meisten anderen Amseln – Männchen wie Weibchen – drangsaliert. Eine weitere Amsel steht in der Hierarchie aber noch unter ihm …

Und der zweite Unterlegene, der Schwächste in der gesamten Hierarchie, ist ein junges Männchen mit stellenweise noch schwarzem Schnabel. Seine Besonderheit neben einem äußert zerrupften Federkleid: Ein verkrüppelter Fuß. Ihn nenne ich „Krummzehe„.

Krummzehe – der Rangniedrigste in der Amsel-Hierarchie.
Er hat es nicht leicht – bei uns ist er aber immer willkommen.
Bei Krummzehe dürfte es sich noch um ein relativ junges Männchen handeln. Sein Schnabel ist stellenweise noch schwarz.
Auch das Gefieder ist bei Krummzehe nicht so fein gekämmt wie bei den anderen Amseln.

Allmählich schreitet die Paar-Bildung in der Vogelwelt voran, die Bachstelzen haben sich gefunden, ebenso die Hausrotschwänzchen, auch viele Krähen halten sich jetzt zu zweit auf und bei den Spatzen gibt es ohnehin nur ein Drunter und Drüber, jede mit jedem, Sodom und Gomorra.

Vielleicht wählt unsere flügelverletzte Eilin ja unter den invaliden Neuankömmlingen einen Partner aus.
Trotz ihrer Flügelverletzung, die sie sich im letzten Frühling 2020 zugezogen hat, kann Eilin wieder recht gut fliegen.

Vielleicht wählt ja auch unsere flügellahme Eilin einen Schatz unter unseren Invaliden. Einbein wäre zumindest nicht der Schwächste. Und er weiß sich auch mit seinem Schwanz gut zu helfen. Beim Landen wird er hoch aufgestellt und ausgebreitet und beim Sitzen verwendet er ihn als zusätzlich Stütze.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Spatzen tauchen den ganzen Tag über in größeren Ansammlungen bei uns auf.

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