Nullnummer auch im November

Ein weiterer Monat ist vergangen, ohne dass ich auch nur eine einzige Bergtour vermelden könnte (Der letzte Novembertag fehlt zwar noch, aber am Ergebnis wird sich nichts mehr ändern). Der November zählte zwar ohnehin immer zu meinen schwächsten Wandermonaten, wie die Statistiken aus besseren Tagen zeigen. Aber heuer heißt schwach halt gleich Null.

Der November war von den Höhenmeter- und Kilometer-Werten schon immer der schwächste Monat. 2020 konnte den Trend schon gar nicht ändern.

Das traumhafte Wetter in den letzten Wochen hätte unter normalen Umständen sicher einige tolle Touren mit herrlichen Fotos versprochen. Aber 2020 gibt es halt keine „normalen Verhältnisse“. In vielerlei Hinsicht nicht.

Touren-Daten früherer November-Monate

Ich übe mich halt weiterhin in der ärztlich verordneten Geduld und Schonung. In Innenräumen verzichte ich zwar auf die Krüken, im Freien genügt aber bereits die „Unebenheit“ unsere Rasens (OK, zugegeben, er ist wirklich nicht sehr ebenmäßig), um mich zum Stolpern zu bringen und einen der gefürchteten „Brenner“ im Knie hervorzurufen.

Derzeit muss ich mich mit kurzen Spaziergängen mit Krücken begnügen, um wenigstens ein bisschen Spätherbstsonne zu tanken.

Auf gelegentliche Sparziergänge mit Krüken wollte ich aber dennoch nicht verzichten. Mehr als 3 Kilometer schaffe ich aber selbst mit dieser Gehhilfe noch nicht – und unter 2 Stunden ist diese Distanz für mich derzeit kaum zu bewältigen, zumal bei meinen Dorf-Runden schon einmal gigantische 40 bis 70 Höhenmeter zusammenkommen können.

Dafür habe ich jetzt ein Auge für Strauch-Schönheiten in meiner Nachbarschaft entwickelt, die mir in den letzten 38 Jahren (solange hält mich die AlpenYetin jetzt schon aus) völlig entgangen sind.

Mir war noch nie aufgefallen, wieviele Hagebutten-tragende Wildrosen es bei uns in der Gegend gibt. Und mittlerweile stehen ja auch 2 von ihnen bei uns im Garten.

Soviele „Männlein im Walde“ bzw. bei uns eher am Wiesenrand – Wildrosen-Sträucher, derzeit prall behangen mit Hagebutten. Sogar ein einsames Pfaffenhütchen gibt es in der Gegend. Diesen Strauch mit seinen auffälligen Früchten hatte ich auch auf meiner Pflanzliste, weil er bei Rotkehlchen sehr beliebt sein soll, habe aber auf Grund seiner hohen Giftigkeit dann doch darauf verzichtet.

Aufnahme am 29.11.2020: Noch vor 2 Wochen haben die Früchte des Pfaffenhütchen wesentlich schöner ausgesehen.

Um die Monatsmitte musste ich aber auch auf diese bescheidenen Ausflüge gänzlich verzichten: Ich war nämlich ein behördlich angeordneter Absonderling.

Auf die Aufhebung wurde vergessen.

Und das kam so: Auch die AlpenYetin hat nicht mehr die jüngsten Knochen und musste sich deshalb zu einer 3-wöchigen Kur nach Bad Gastein begeben. Strengste Sicherheitsvorkehrungen mit vorherigem Test und absolutem Besuchsverbot während des Kuraufenthalts. Nun gut, heimlich hätten wir uns schon treffen können, irgendwo hätte sich wohl ein Heustadl finden lassen – ein Sommer wie damals 🙂 . Aber wie reinklettern mit so einem dicken Knie?

Meine Rosa canina (Hundsrose) am 08.11.2020

Also Verzicht. In der Kur wurde das Essen sicherheitshalber in Schichten serviert, mit strenger Abstandsregelung. Abseits der Tische musste sowieso Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Und bei ihrer Heimkehr war dann auch noch alles bestens, sie sah hervorragend und erholt aus.

Verständlich, dass wir da nach 3 Wochen auf Schutzmasken verzichtet haben 🙂 . 2 Tage später bekam sie dann 39°C Fieber. Kontaktaufnahme zu ihren Kur-Kolleginnen. Insgesamt zumindest 8 Personen von ihrem und den beiden Nachbartischen waren erkrankt.

Am nächsten Tag immer noch 38°C Fieber. Über eine Stunde dauert es, bis man bei der Nummer 1450 endlich durchkommt. PCR-Test-Termin erst am nächsten Tag. Sicherheitshalber aber gleich an diesem Tag noch rasch zum Betriebsarzt zum Schnelltest. Positiv.

Die Rosa rubiginosa (Weinrose, schottische Zaunrose) ist besonders wehrhaft

Nächster Tag – Fahrt über mehr als 70 Kilometer hin und retour zum PCR-Test. Das Fieber ist wenigstens fast abgeklungen. Husten ist etwas quälend, Geschmacks- und Geruchssinn ist auch weg. Zu Hause führen wir eine Trennung von Tisch und Bett durch. Naja, Tisch weniger, aber Bett auf jeden Fall. Und selbstverständlich bleiben wir zu Hause, obwohl sie einen Anruf mit Grazer Nummer mit der haarsträubenden Auskunft erhält: „Solange noch kein schriftlicher Bescheid zugestellt ist, darf sie sich völlig frei in der Öffentlichkeit bewegen“.

Nach 2 Tagen endlich die SMS mit dem Test-Ergebnis: CORONA-POSITIV. Das ist aber wohl nicht als Bescheid zu werten, also theoretisch dürften wir noch immer raus und viele andere Personen anstecken.

Die Kontaktierung durch die Bezirksverwaltungsbehörde ließ auf sich warten.

In den nächsten Tagen versucht Ingrid mehrmals bei der BH in Erfahrung zu bringen, wie es denn nun weitergeht. Außerdem wird sie einige Male von Ärzten angerufen, die sich nach den Beschwerden erkundigen. Sage und schreibe 9 Tage nach ihrem positiven PCR-Test (11 Tage nach Auftreten des Fiebers) erhalte ich den Absonderungsbescheid. Unbefristet – bis zur Aufhebung der Bezirksverwaltungsbehörde.

Macht grundsätzlich ja alles Sinn und wird mit ein bisschen Hausverstand selbstverständlich auch ohne Bescheid praktiziert. Und natürlich gibt es auch Verständnis, dass die Behörden in dieser Ausnahmesituation überfordert sind, auch wenn man sich über den Sommer hätte besser vorbereiten müssen. Denn diese Zustände habe sogar ich als Laie bereits im Juli vorhergesagt. Da muss man kein großer Virologe sein. Aber da war es dem Bundeskanzler ja noch wichtiger, mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen und Sprechblasen à la „Das Virus kommt mit dem Auto“ von sich zu geben.

Der Zierapfel Malus Adirondack misst noch nicht einmal 30 cm. 3 bi 4 Meter hoch soll er einmal werden.

Wie gesagt, Verständnis ist da, aber wundern darf man sich bei diesem „Tempo“ und Chaos doch ein bisschen, wie das vom Maturanten wieder einmal inszenierte und von vielen Ärzten als sinnlos eingestufte einmalige Massentesten vor sich gehen soll. Wie heisst es so schön: Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an.

Aber zurück zu unserer Situation: Als die Bescheide dann endlich auch per RSb-Brief eintrafen, war Ingrid längst fieberfrei. Husten war noch leicht lästig, Geschmacks- und Geruchssinn fehlten nach wie vor. Aber Ingrid meinte, sie sei schon häufig mit viel schlimmeren Beschwerden arbeiten gegangen.

13 Tage nach dem Krankheitsausbruch bei Ingrid werde auch ich zum PCR-Test geladen. Oberösterreich und Steiermark haben ja mittlerweile wegen Überforderung bei den symptonlosen K1-Kontaktpersonen beim Testen wohl schon kapituliert. Ja richtig: Ich bin noch immer symptomlos, obwohl wir uns außer beim Schlafen häufig im selben Raum aufhalten und dieselben Sanitäreinrichtungen benutzen.

Entgegen der Aussage, die ich von Prakac bezüglich der verkümmert gelieferten Kupferfelsenbirne Anfang September erhalten habe, kann eine Felsenbirne durchaus auch Anfang November noch herrliche Blätter haben (wie die von der Baumschule Eggert gelieferte Amelanchier rainbow pillar).

20 Tage nach erstmaligem Auftreten des Fiebers wolle Ingrid unbedingt wieder arbeiten gehen. Ein Schnelltest gab grünes Licht. Der Husten ist abgeklungen, Geschmacks- und Geruchssinn fehlen noch immer.

Auch 8 Tage nach meinem PCR-Test habe ich noch immer keine Rückmeldung erhalten. 2 bis 4 Tage hätte es laut Auskunft beim Testen dauern sollen. Mehrmals erfolglose Versuche, bei der BH durchzukommen. Ich bin ja immer noch ein behördlich angeordneter unbefristeter Absonderling, während Ingrid schon wieder arbeiten geht.

Auch am 22.11.2020 – nach etlichen Morgenfrösten und einigen Schneefällen – trägt die Amelanchier rainbow pillar noch Blätter.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen endlich bei der BH durchgekommen. Von einem PCR-Test wissen sie gar nichts. Original-Zitat der wirklich sehr freundlichen und peinlich berührten Mitarbeiterin: „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass da noch etwas kommt. Der dürfte verschollen sein“. Aber zumindest hat sie veranlasst, dass ich noch am selben Tag den Aufhebungs-Bescheid meiner Absonderung erhalten habe.

„Sehr flott“. Kein Wunder, dass Österreicht als weltweites Schlusslicht die höchsten Corona-Neuinfektionen aufweist. Aber dafür kann der von seinen Fanboys zum Messias Erhobene mit seiner angeblichen 600-Euro Frisur natürlich jetzt nichts, „wenn die Bevölkerung nicht mitspielt“, während er sich im Frühjahr noch als Überdrüber-Corona-Beherrscher der Welt aufspielte. War ja ausschließlich seine Leistung. Aber schön langsam laufen dem Fänger sogar schon seine eigenen Bauern davon. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an. Da möchte man ja fast seinen niveauvollen Parteifreund sinngemäß zitieren: „Der Kurz hat danach gerufen, ihm eine aufzulegen„.

So, da sieht man wieder, welche Gedanken in so einer „erzwungenen Zwangspause“ aufkeimen. Höchste Zeit, dass ich wieder auf die Berge komme. Oder mich zumindest zwischenzeitlich meinen anderen Hobbies widme. Und da hat sich tatsächlich ein bisschen was getan. Denn endlich habe ich den 2. Video-Teil meiner Amsel-Trilogie abgeschlossen. Keine Angst, Du hast nicht etwa den 1. Teil versäumt. Den gibt es nämlich noch gar nicht 🙂 . Zur Erinnerung: Hier gibt es die gesamte Amsel-Geschichte (längere Ladezeit).

Was ist sonst noch passiert in diesem Monat in der großen weiten Welt. Dem Kurz-Freund Trump wurde der Ar…tritt verpasst, den er schon längst verdient hat, auch wenn er es noch immer nicht ganz kapiert. Trump wird ja der Verstand eines 5-jährigen nachgesagt. Ich finde: Eine Beleidigung für jeden 5-jährigen.

Und dann noch etwas Trauriges: Diego Maradonna ist leider mit 60 Jahren verstorben. Ob jetzt er oder Pele der weltbeste Fußballer aller Zeiten war, kann ich nicht beantworten. Ich habe ihn aber jedenfalls in (seinen und meinen) jungen Jahren bewundert. Hatten wir doch einige Gemeinsamkeiten. Neben der ähnlichen Frisur hat uns auch die Tatsache verbunden, dass wir beide Ende der 1980-er Jahre unseren fußballerischen Zenit überschritten hatten. Auch die Neigung zum Bauchansatz könnte man nennen. Nur die unfaire Hand Gottes habe ich ihm nie verziehen.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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