Der Stillstand hält an

Meine erste Variante für den Titel dieses Beitrages hatte gelautet: „Der Stillstand geht weiter“. Aber von „gehen“ kann bei mir derzeit keine Rede sein. Und von „weiter“ schon gar nicht. „Anhalten“ trifft es da schon besser.

Mittlerweile überlege ich ja bereits, ob ich nicht mein Tourenbuch um die 10. Tourenart „Arzt-/Krankenhaus-Besuche“ erweitern soll, damit ich wenigstens irgendetwas einzutragen habe.

Sollte ich die Arztbesuche als neue Wander-Disziplin in meinem Tourenbuch aufnehmen?

Beim 3. Besuch im Krankenhaus der 3. Arzt und fast hätte ich gesagt, die dritte Meinung. Denn anfangs sprach der Oberarzt mehrmals von Knorpelschaden, gemeint war aber das Knochenmarködem, welches auch seiner Meinung nach die Hauptursache für die Kniebeschwerden ist.

Der Meniskusriss wird derzeit nur als „Nebenschauplatz“ betrachtet, eine Operation ist vorerst nicht ratsam, denn das könnte die Knochenmarködem-Schmerzen nur verstärken.

Neuerlich ein Röntgen – dieses Mal haben wir es im Stehen gemacht. Und dann der zweite Aufruf zur Untersuchung in der Knieambulanz. Die gängigste Behandlungsmethode erster Wahl für ein Knochenmarködem ist wohl Schonung, Entlastung und Geduld. Um den Druck auf die Knochenmarködem-Bereiche zu verringern, werden Einlagen empfohlen. Eine schrittweise Eingewöhnung, anfangs nur kurze Zeit pro Tag, erst allmählich über den vollen Tag, wird angeraten. Krücken sind ein weiteres probates Hilfsmittel.

Es gäbe zwar wohl wenige weitere Optionen, die seien aber nicht sonderlich erfolgversprechend bzw. auch nicht gänzlich ohne Nebenwirkungen. Da mir der Arzt aber von vornherein davon abrät und die Möglichkeiten nur der Vollständigkeit halber aufzählt, wie er sagt, höre ich ehrlich gesagt auch nicht besonders konzentriert zu.

Wirkungsvoller könnte eine Eigenblut-Therapie (ACP) sein. Blut wird wie bei einer normalen Blutentnahme aus der Arm-Vene entnommen und nach einer Aufbereitung in einer Zentrifuge wird das Blutplasma direkt in das schmerzende Knie injiziert. Und das im Wochenabstand ca. 4 Mal. Da ich mir das erst einmal überlegen möchte (und natürlich werde ich auch Dr. Google ausgiebig bemühen), habe ich bezüglich der Kosten nicht nachgefragt. Aber bezahlen muss man sich diese Behandlung selbst, über die Krankenkasse geht da wohl gar nichts.

Ansonsten bleibt mir wandertechnisch derzeit nur der wehmütige Blick auf meine Tourenstatistiken. Nach dem fulminanten Rekord im April nun im Oktober der totale Absturz. Der allererste Monat seit Beginn meiner Aufzeichnungen, in dem ich nicht eine einzige Tour verbuchen konnte.

Die Tourenanzahl pro Monat seit Beginn meiner Aufzeichnungen am 1.1.2004
Derzeit begnüge ich mit mit dem Blick auf die Anzahl meiner Wandertouren im jeweiligen Monat. Oktober 2020 findet sich zum ersten Mal gar kein Eintrag im Tourenbuch.
Mit Detaildaten wie Höhenmeter, Kilometer oder Gipfelanzahl mag ich mich aktuell gar nicht beschäftigen.

Und dann beschäftige ich mich natürlich auch mit Erfahrungsberichten anderer Leidensgenossen. Und dabei konnte ich feststellen, dass nicht nur das Internet voll ist von Leidensgeschichten, sondern dass es auch in meinem privaten/beruflichen Umfeld einige Fälle gibt, die bereits Bekanntschaft mit dieser unliebsamen Diagnose geschlossen haben. Fast überwiegend Sportler. Muss/darf ich als erklärter „Anti-Sportler“ (dafür aber Dauer-Wanderer) mich jetzt auch als solcher bezeichnen? Ist Sport also doch nicht so gesund, wie im Regelfall behauptet wird?

Sagittal, coronar, axial, T1, T2, PD, tibial, medial, lateral – viele neue Begriffe, die mit der zunehmenden Beschäftigung vertrauter werden.

So nebenbei bin ich mittlerweile auch zum „Spezialisten für MRT-Bilder“ geworden. Begriffe wie „coronar“ (hat nichts mit dem Virus zu tun), „axial“ oder „sagittal“ sind mir nun geläufiger, auch wenn ich die einzelnen Körperebenen häufig verwechsle. Auch Abkürzungen wie T1, T2 oder PD sind mir nicht mehr gänzlich fremd.

T1, T2, PD oder wie immer auch die Abkürzungen lauten mögen. Die einzelnen Körper-Bestandteile (Knochen, Flüssigkeiten, Bänder, etc.) werden dabei in unterschiedlichen Schwarz-Grau-Weiß-Tönen dargestellt. Und soweit ich das verstanden habe, soll es sogar altersabhängige Farbdarstellungen geben.

22 Bilder umfasst die MRT-Sequenz bei meinen Aufnahmen in der Coronarebene von vorne nach hinten. Dabei werden die mehr als 14 cm meines linken Knies in einzelnen Schichten dargestellt (mein gesundes, eigentlich stärkeres, rechtes Bein misst gerade einmal 11 cm).

Bei der Coronar-Darstellung werden die einzelnen Schichten von vorne (Bild 1) …
… immer weiter nach hinten (Bild 6) …
… bis zum hinteren Ende dargestellt (Bild 22).

Im hinteren Mittelfeld zeigt sich auf einigen Bildern dann das vermaledeite Knochmarködem – teilweise erkennt man auch den Meniskusriss, der jetzt aber nur mehr als Nebenschauplatz betrachtet wird.

Im hinteren Mittelfeld (Bilder 14 bis 17) dann die Aufnahmen, welche die Knochenmarksödeme zeigen („an der Innenkante, sowohl des medialen Femurkondyls als auch des Tibiakondyls“, wie es im MRT-Befund heißt)
Das Knochenmarködem im linken Bildbereich. Das kleine Ding verhindert noch immer einen flüssigen, aufrechten, schmerzfreien Gang.

Den November werde ich jetzt konsequent der Schonung und Entlastung widmen (muss der Haushalt halt warten 🙂 ). Ich hätte zwar gemeint, das auch bisher schon so praktiziert zu haben, die Fahrt ins Büro und das 11-stündige Sitzen war aber vielleicht doch nicht die beste Idee. Jetzt ist erstmal so weit als möglich Home-Office angesagt. Und ich hoffe beim nächsten Beitrag bessere Nachrichten verbreiten zu können.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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