Angenehme Temperaturen am Höchstein

In Zeiten, wo fast ganz Europa unter der extremen Hitze stöhnt und leidet, haben wir Alpenbewohner es noch vergleichsweise angenehm. Zwar fällt auch auf einer Seehöhe von 800 Metern das Schlafen angesichts der schweißtreibenden Temperaturen in der ersten Nachthälfte noch recht schwer, aber zumindest in der zweiten Nachthälfte kühlt es dann angenehm ab. Kaum vorstellbar, wie es sich da in einer Großstadt wie Paris bei Hitzerekorden von 42,6° Celsius wohl anfühlen muss.

Flucht vor der Hitze in größere Höhen, wo auch im Hochsommer so mancher See noch von Eis bedeckt ist (Kaltenbachsee nördlich vom Zwiesling)

Flucht vor der Hitze in größere Höhen, wo auch im Hochsommer so mancher See noch von Eis bedeckt ist (Kaltenbachsee nördlich vom Zwiesling)

Nach der gestrigen Wanderung in den Radstädter Tauern wollte ich heute nicht mehr ganz so früh aufstehen und auch nicht allzu weit fahren. Und auch die Distanz der Wanderung müsste nicht allzu groß sein. Und wasserreich sollte das Zielgebiet sein. Die Wahl fiel auf den Höchstein in den Schladminger Tauern.

Aufsieg im Schatten zur Filzscharte. Unter mir der Moaralmsee, darüber die Bärfallspitze - mein Nachmittagsgipfel

Aufsieg im Schatten zur Filzscharte. Unter mir der Moaralmsee, darüber die Bärfallspitze – mein Nachmittagsgipfel

Nach dem Aufstieg vom Bodensee vor 3 Jahren sowie der Höhenweg-Wanderung von der Planai auf den Höchstein im Jahre 2007 wollte ich mich heute auf die Spuren meiner ersten Höchstein-Besteigung im Jahre 2004 begeben, als ich noch kein GPS-Gerät mein eigen nennen konnte. Also war es an der Zeit, auch diese Track-Aufzeichnung nachzuholen.

Beim Start im hinteren Gumpental bei der Moaralm waren die Temperaturen schlichtweg angenehmst. Bis zum Moaralmsee hinauf ging es überwiegend im Schatten.

Vom Moaralmsee links im Schatten hinauf auf den Höchstein.

Vom Moaralmsee links im Schatten hinauf auf den Höchstein.

Beim in der Sonne liegenden See machte ich kurz Halt für Fotos. Und schon bald ging es wieder im kühlen Schatten weiter bis hinauf in die über 2.200 Meter hoch liegende Untere Filzscharte, in der sich mein Anstiegsweg mit jenem vom Bodensee herauf vereinigte. 3 Wanderer waren kurz vor mir oben aus ebendieser Richtung angelangt.

Die 3 Wanderer vor mir steuern den Höchstein über den Ostanstieg an, während ich die Route über die Kaltenbachschulter wähle.

Die 3 Wanderer vor mir steuern den Höchstein über den Ostanstieg an, während ich die Route über die Kaltenbachschulter wähle.

Ab der Oberen Filzscharte verläuft der Steig zwar nun in der Sonne, einige Wölkchen spendeten aber gelegentlich Schatten und eine leichte Brise sorgte für angenehme Abkühlung. So ließ sich dieser Hitzetag bestens aushalten.

Blick zur Hochwildstelle. Gelegentliche Wölkchen spenden Schatten.

Blick zur Hochwildstelle. Gelegentliche Wölkchen spenden Schatten.

Während die 3 Wanderer vor mir den Ostanstieg auf den Höchstein wählten, entschied ich mich dieses Mal für die Route über die Untere Kaltenbachschulter und später weglos hinauf zur Markierung zur Oberen Kaltenbachschulter, von wo es nicht mehr allzu lange bis zum Gipfelkreuz am Höchstein dauert.

Ein Kommen und Gehen beim Gipfelkreuz am Höchstein, von Überfüllung kann aber keine Rede sein.

Ein Kommen und Gehen beim Gipfelkreuz am Höchstein, von Überfüllung kann aber keine Rede sein.

Hier ist es sogar so kühl, dass ich mir ein trockenes Leibchen anziehen muss. Wie herrlich – endlich ein bisschen frieren 🙂 . Nach und nach trudeln weitere Wanderer ein, der Gipfel bietet aber genug Plätzchen zum Verweilen.

Bei der Gumpentalalm oberhalb der Bildmitte bin ich am frühen Morgen aufgebrochen.

Bei der Gumpentalalm oberhalb der Bildmitte bin ich am frühen Morgen aufgebrochen.

Beim Abstieg wählte ich jetzt die Route über die Zwieslingscharte, nicht ohne mir mögliche Anstiegsrouten auf den Zwiesling anzuschauen. Seile unterstützen beim Abstieg über die steile Nordseite und in der Folge führt der Steig in einem weiten Bogen zur Kaiblinglochscharte.

Das fast 100 Jahre alte Gipfelbuch am Zwiesling würde mich schon sehr reizen. Bislang habe ich die Schneid aber nicht aufgebracht.

Das fast 100 Jahre alte Gipfelbuch am Zwiesling würde mich schon sehr reizen. Bislang habe ich die Schneid aber nicht aufgebracht.

Hier wollte ich mir aber zunächst Anstiegsmöglichkeiten auf mir noch unbekannte Gipfel ansehen. Zunächst zur Moaralmspitze und anschließend auf die Kühofenspitze, von wo man den weiteren Wegverlauf über das Seeschartl zur Bärfallspitze gut einsehen kann.

Blick aus der Zwieslingscharte Richtung Kaiblinglochscharte, links zwischen Kühofenspitze und Moaralmspitze. Rechts im Schatten die Bärfallspitze.

Blick aus der Zwieslingscharte Richtung Kaiblinglochscharte, links zwischen Kühofenspitze und Moaralmspitze. Rechts im Schatten die Bärfallspitze.

Die bisher bereits 6 Mal besuchte Bärfallspitze sollte mein nächstes Gipfelziel werden. Schafkotgestank sorgte aber dafür, dass ich mich nur sehr kurz beim Gipfelkreuz aufhielt.

Nur kurz verweile ich beim Gipfelkreuz auf der Bärfallspitze

Nur kurz verweile ich beim Gipfelkreuz auf der Bärfallspitze

So, wo jetzt runter. Über den Roßfeldsattel wie 2004 oder doch eher die kürzere Variante über das Seeschartl hinab zu einem namenlosen kleinen See, der heuer recht kümmerlich aussieht. Zugunsten eines Schläfchens entschied ich mich für Variante 2. Auf einem großen, warmen Stein am etwas vertrocknet wirkenden See ließ ich mich nieder. Leichter Wind sorgte für Wohlbefinden. Warum sollte ich es also eilig haben, hinab ins Tal zu gelangen. Zumal in Gröbming gerade wieder die stinkenden, lärmenden Oldtimer ihr Unwesen trieben.

2010

2010

2016

2016

2019

2019

Wie lange ich geschlafen habe, kann ich gar nicht genau sagen, ich wusste nur, dass ich heute für die zurückgelegte Strecke schon ziemlich lange unterwegs war. Geweckt haben mich letztendlich die lästigen Fliegen. Zum Trinken hatte ich noch genug im Rucksack, also immer noch kein Grund zur Eile.

Die Österreich-Umrisse auf der Landkarte ...

Die Österreich-Umrisse auf der Landkarte …

... und in der Wolkennachbildung am Himmel.

… und in der Wolkennachbildung am Himmel.

Gemächlich und noch etwas verschlafen schlenderte ich hab zum Moaralmsee, wo ich den ganzen Tag über regen Besucherverkehr registriert hatte. Jetzt bei meinem Eintreffen brach aber die vorletzte Familie gerade auf. Nur kurz blieb noch ein junges Paar mit Kleinstkind. Und dann war ich auch hier ganz allein.

Den ganzen Tag über erkenne ich Besucher am Moaralmsee. Nach meinem Eintreffen bin ich dann aber alleine.

Den ganzen Tag über erkenne ich Besucher am Moaralmsee. Nach meinem Eintreffen bin ich dann aber alleine.

Kneippend spazierte ich eine Zeitlang im weichen Sand des Westufers, ehe mich wieder die Müdigkeit übermannte. Zeit für ein Schläfchen 🙂 . Herrliche Stille, nur gelegentlich tiefes Brummen hoch über mir hinweg fliegender Flugzeuge. Ab und an plätschert ein Fisch im Wasser. Wieder stellte ich mir die Frage: Warum jetzt schon in die Hitze des Tals absteigen, wo ich es hier gerade so gemütlich habe.

Wollgras in der Nähe des Moaralmsees. Darüber der Höchstein.

Wollgras in der Nähe des Moaralmsees. Darüber der Höchstein.

Fazit der Tour: Am Ende des Tages hielten sich Gehzeiten und Rast-/Schlafzeiten fast die Waage. Beim Betrachten meiner bisherigen Höchstein-Touren fallen mir noch 2 offene Anstiegsrouten auf: Jene vom Hauser Kaibling und jene aus dem Riesachtal.

Meine bisherigen Routen auf den Höchstein

Meine bisherigen Routen auf den Höchstein

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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