Grosses Ochsenhorn via Schärdinger Steig

Einmal war ich bisher bereits in den Loferer Steinbergen unterwegs. Im Jahre 2013 habe ich mich für den zweithöchsten Gipfel, das Mitterhorn (Hinterhorn), entschieden, weil ich nach der 2-stündigen Anfahrt kein Verlangen nach Klettereinlagen hatte und nur einen reinen Wandergipfel suchte. Da ich damals gerade eine generelle „Blog-Schaffenspause“ hatte (jede Tour beschreibe ich ja auch jetzt nicht mehr), möchte ich den neuerlichen Besuch im Jahr 2019 zum Anlass nehmen, als fotografisches Vorspiel auch meine erste Tour kurz zu skizzieren:

27.07.2013: Über die Schmidt-Zabierow-Hütte auf das Mitterhorn

Früher Aufbruch im Loferer Hochtal

Früher Aufbruch im Loferer Hochtal

Mit 3,5 Stunden ist die Gehzeit vom Loferer Hochtal zur Schmidt-Zabierow-Hütte angeschrieben. Die Besten des Loferer Stoaberglaufs benötigen für die 1.150 Höhenmeter "etwas" weniger.

Mit 3,5 Stunden ist die Gehzeit vom Loferer Hochtal zur Schmidt-Zabierow-Hütte angeschrieben. Die Besten des Loferer Stoaberglaufs benötigen für die 1.150 Höhenmeter „etwas“ weniger.

Eine Lieferung nach der anderen wurde den ganzen Tag über mit lautem Getöse zur Schmidt-Zabierow-Hütte gebracht.

Eine Lieferung nach der anderen wurde den ganzen Tag über mit lautem Getöse zur Schmidt-Zabierow-Hütte gebracht.

2,5 Stunden sind es von der Schmidt-Zabierow-Hütte auf das Große Ochsenhorn (links).

2,5 Stunden sind es von der Schmidt-Zabierow-Hütte auf das Große Ochsenhorn (links).

Viel los bei der Schmidt-Zabierow-Hütte. Links darüber mein Gipfelziel, das Mitterhorn (Hinterhorn).

Viel los bei der Schmidt-Zabierow-Hütte. Links darüber mein Gipfelziel, das Mitterhorn (Hinterhorn).

Tiefblick nach Lofer

Tiefblick nach Lofer

Immer Gehgelände auf das Mitterhorn. Links über die Felsen hätte man aber auch die Möglichkeit, über den Klettersteig "Nackter Hund" hinaufzukommen.

Immer Gehgelände auf das Mitterhorn. Links über die Felsen hätte man aber auch die Möglichkeit, über den Klettersteig „Nackter Hund“ hinaufzukommen.

Breithorn

Breithorn

Auf Schuttbändern am Normalweg auf das Mitterhorn

Auf Schuttbändern am Normalweg auf das Mitterhorn

Blick in die Gletscherwelt der Zentralalpen

Blick in die Gletscherwelt der Zentralalpen

Gipfelkreuz am Mitterhorn

Gipfelkreuz am Mitterhorn

Ohne mich wirklich auszukennen, vermute ich hier die Sonnwand bzw. Steinplatte über dem Strubtal

Ohne mich wirklich auszukennen, vermute ich hier die Sonnwand bzw. Steinplatte über dem Strubtal

Abstieg zurück ins Loferer Hochtal

Abstieg zurück ins Loferer Hochtal

Loferer Hochtal

Loferer Hochtal

3 Dinge sind mir von dieser Tour noch besonders in Erinnerung geblieben (wenn man sich nicht alles niederschreibt).

  • Ich war sehr überrascht, dass ich entgegen aller Beschreibungen von einem überlaufenen Gipfel ganz alleine beim Gipfelkreuz am Mitterhorn war.
  • Das penetrante Hubschraubergetöse, welches mich den ganzen Tag über begleitete.
  • Eine Gruppe junger Wanderer, welche in der Hitze des Tages völlig ausgedürstet und ausgelaugt nach eigenen Aussagen schon stundenlang vom Loferer Hochtal Richtung Schmidt-Zabierow-Hütte unterwegs waren. Insbesondere in Kenntnis der Bestzeiten beim Loferer Stoaberglauf meinten die Burschen und Mädels germanischer Herkunft, sie müssten die Hütte doch bereits längst erreicht haben. Tatsächlich hatten sie mit ihrem unrhythmischen Gehen noch nicht einmal die Hälfte der Distanz bewältigt.

20.07.2019: Über den Schärdinger Steig auf das Große Ochsenhorn

Heute fühlte ich mich bereit, dem höchsten Gipfel der Loferer Steinberge einen Besuch abzustatten. Von St. Martin bei Lofer im Saalach-Tal nutze ich die Möglichkeit, über eine Mautstraße (Gebühr 3,90 Euro – 10-Cent bereithalten, um die Kassiererin nicht in Nöte zu bringen) zur eindrucksvollen Wallfahrtskirche Maria Kirchental hinaufzufahren.

Start bei noch angenehmen Temperaturen bei der Wallfahrtskirche Maria Kirchental

Start bei noch angenehmen Temperaturen bei der Wallfahrtskirche Maria Kirchental

Der erste Wegabschnitt am Schärdinger Steig verläuft im Schatten des Steilwaldes, gelegentlich muss man (heuer häufig vorzufindende) frisch umgestürzte Bäume überkraxeln. Viel Aufmerksamkeit widme ich der Umgebung nicht, meine Gedanken sind schon weiter oben im Fels.

Durchblick im Steilwald

Durchblick im Steilwald

Landschaftlich interessant wird es erst, nachdem ich die Waldgrenze erreicht habe und mich ausgedehnte Almrauschfelder in Empfang nehmen.

Almrausch oberhalb der Waldgrenze

Almrausch oberhalb der Waldgrenze

Glockengeläut und Gemeckere kündigen eine Schafherde an. Ein besonders hohes Stimmchen weist auf ein noch sehr junges Lamm hin. Bei meinem Näherkommen erhebt und streckt sich das entzückende, tapsige Jungtier, um Schutz zwischen seiner Mutter und Tante oder Schwester (?) zu suchen. Diese Anstrengung erschöpft das Lamm derart, dass es sich nach meinem Passieren gleich wieder niederlegen muss.

Der morgendliche Wanderer ist dem Lamm nicht ganz geheuer.

Der morgendliche Wanderer ist dem Lamm nicht ganz geheuer.

Meine Aufmerksamkeit gilt jetzt der über mir in der Sonne leuchtenden Biwakschachtel. Das Praxbiwak wurde erst vor 2 Jahren neu errichtet.

Bereits über 900 Höhenmeter hat man beim Praxbiwak hinter sich gebracht. Bis zum Gipfelkreuz am Großen Ochsenhorn (links) warten noch mehr als 700 weitere Höhenmter.

Bereits über 900 Höhenmeter hat man beim Praxbiwak hinter sich gebracht. Bis zum Gipfelkreuz am Großen Ochsenhorn (links) warten noch mehr als 700 weitere Höhenmter.

Blick in das Innere der Biwakschachtel

Blick in das Innere der Biwakschachtel

Der Steig führt jetzt zunächst über ein nicht allzu steiles Schneefeld in Richtung der senkrecht aufragenden, markant gestuften Felswände, windet sich dann aber westwärts über auffällig gerillte Felsplatten und einige Grasbänder nach oben.

Aufstieg in das schneegefüllte Kar und dann nach rechts in die Einschartung hinauf.

Aufstieg in das schneegefüllte Kar und dann nach rechts in die Einschartung hinauf.

Über Grasbänder und gerillte Felsplatten ...

Über Grasbänder und gerillte Felsplatten …

... bis zu einer unscheinbaren Abwzweigung am höchsten Punkt der Scharte. Oberhalb der Bildmitte erkennt man die erste Kletterstelle.

… bis zu einer unscheinbaren Abwzweigung am höchsten Punkt der Scharte. Oberhalb der Bildmitte erkennt man die erste Kletterstelle.

Während man nach der unscheinbaren Abzweigung vom Hauptweg zur Schmidt-Zabierow-Hütte mit einer gelegentlichen roten Punktmarkierung Vorlieb nehmen muss (die Route ist aber ohnehin gut erkennbar), trifft man nach dem Zusammenschluss mit dem von der Hütte heraufkommenden Normalweg wieder auf deutlichere Wegmarkierungen, die anfangs über Schuttbänder und kleine Felsstufen emporleiten.

Auf Schuttbändern Richtung Ochsendaumen. Mich hätte die bizarre Felsformation ja an etwas anderes erinnert.

Auf Schuttbändern Richtung Ochsendaumen. Mich hätte die bizarre Felsformation ja an etwas anderes erinnert.

Kurz vor dem markanten Ochsendaumen (ja, ja – Daumen. Seit wann haben Ochsen Daumen) geht es über gut gestufte Rinnen und (kaum mehr als durchgehend 5 bis 10 Meter hohe) fast senkrechte Felsstufen bis zu einer etwas ausgesetzten Felsquerung, die aber mittels Drahtseil gut entschärft wird. In der nachfolgenden brüchigen Rinne muss man gut achtgeben, auf nachkommende Wanderer keine Steine abzulassen. Denn war ich im unteren Bereich abgesehen von einem kurz vor mir aufgebrochenen Pärchen ganz alleine unterwegs, treffe ich jetzt doch auf einige von der Schmidt-Zabierow-Hütte heraufkommende Wanderer.

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz am Ochsenhorn.

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz am Ochsenhorn.

Eine letzte Felsstufe und ich stehe oben am Gipfelgrat, welcher unschwierig und recht breit fast eben hinüber zum Gipfelkreuz am Großen Ochsenhorn führt. Der Ausblick ist sehr beeindruckend und wird nur etwas von einem zunächst unerklärlichen, fast pausenlosen „Donnern“ unten im südseitigen Tal beeinträchtigt.

Tieflbick ins Tal nach Norden um Lofer und St. Martin (rechts)

Tieflbick ins Tal nach Norden um Lofer und St. Martin (rechts)

Tauernblick. Im Tal im Süden "donnert" es fast pausenlos.

Tauernblick. Im Tal im Süden „donnert“ es fast pausenlos.

Zoomblick in die Gletscherwelt der Hohen Tauern (ich vermute den Grossvenediger)

Zoomblick in die Gletscherwelt der Hohen Tauern (ich vermute den Grossvenediger)

Die Nachbargipfel in den Loferer Steinbergen. Links das Reifhorn, gefolgt vom Mitterhorn (Hinterhorn), meinem Gipfelziel von 2013. Rechts das Breithorn. Links im Hintergrund das Kaisergebirge.

Die Nachbargipfel in den Loferer Steinbergen. Links das Reifhorn, gefolgt vom Mitterhorn (Hinterhorn), meinem Gipfelziel von 2013. Rechts das Breithorn. Links im Hintergrund das Kaisergebirge.

Zoomblick zur Schmidt-Zabierow-Hütte

Zoomblick zur Schmidt-Zabierow-Hütte

Fazit der Tour: Wie bereits die Wanderung auf das Mitterhorn (2.506) ist auch die Bergtour auf das 5 Meter höhere Große Ochsenhorn eine großartige und tagesfüllende Unternehmung mit ca. 1.700 Höhenmetern. Beim Ochsenhorn kommt halt noch dazu, dass man auf jeden Fall die Hände zur Fortbewegung benötigt. Die Schwierigkeiten gehen zwar nie über den I. Schwierigkeitsgrat hinaus, wenn man sich an die markierte Route hält, dennoch muss man diese Anforderung auch im Abstieg im stellenweise doch ziemlich steilen und teilweise auch etwas brüchigen Felsgelände beherrschen. So und jetzt wartet zwischen Ochsenhorn und Mitterhorn noch das reizvolle Reifhorn.

Felsformation am Grossen Ochsenhorn

Felsformation am Grossen Ochsenhorn

PS: Das „Donnern“ im Süden um Hochfilzen, welches mich an Böllerschüsse erinnerte, erklärte ein Bergfex beim Gipfelkreuz mit dem Schießen auf einem Bundesheer-Truppenübungsplatz.

Die Zeitangabe auf das Große Ochsenhorn (5 1/2 Stunden) könnte einer der Gründe sein, weshalb es am Schärdinger Steig nicht überlaufen ist.

Die Zeitangabe auf das Große Ochsenhorn (5 1/2 Stunden) könnte einer der Gründe sein, weshalb es am Schärdinger Steig nicht überlaufen ist.

 

 

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