Vom Günster Wasserfall auf den Schöderer Eisenhut

An beinahe unerträglich heißen Tagen wie diesen empfiehlt es sich, sich auf die höheren Berge zurückzuziehen. Allerdings gilt es dort die noch immer vorhandenen Altschneefelder zu beachten bzw. zu meiden (heuer hat es bereits einige tödliche Unfälle gegeben). Was also tun?

Flucht vor der Hitze auf die höheren Berge

Flucht vor der Hitze auf die höheren Berge

Zwar war ich in Versuchung, Mitte Juni eine Skitour in kurzen Hosen zu absolvieren, aber irgendwie war mir dann doch nicht mehr nach Schischleppen. Bei der Suche nach möglichen aperen Wanderalternativen stieß ich auf den letzten von mir noch unbesuchten Gebirgszug im Süden der Niederen Tauern.

Einen Kammerverlauf in den südlichen Niederen Tauern hatte ich bisher noch nicht besucht: Von Schöder auf den Eisenhut

Einen Kammerverlauf in den südlichen Niederen Tauern hatte ich bisher noch nicht besucht: Von Schöder auf den Eisenhut

Von Schöder wollte ich zumindest bis zum Karleck kommen, wenn es schneetechnisch bereits möglich wäre, würde mich aber noch mehr der Schöderer Eisenhut reizen. Diesen Gipfel hatten wir bereits im Juli 2006 über die wesentlich kürzere Route von der Kreuzerhütte über den Unteren Zwieflersee besucht.

Start in der Nähe des Günster Wasserfalls

Start in der Nähe des Günster Wasserfalls

Verbinden wollte ich diesen Ausflug Richtung Süden mit einem Besuch des Günster (auch Günstner) Wasserfalls, an dessen Parkplatz wir nun schon einige Male vorbeigefahren sind. Dieser Wasserfall ist mit einer Fallhöhe von 65 Metern der höchste der Steiermark. Für den weiteren Wegverlauf hätte ich mir einen Rundweg vorgestellt, auch wenn ich dabei eine unmarkierte Route nehmen müsste.

Mit 65 Meter Fallhöhe der höchste Wasserfall in der Steiermark

Mit 65 Meter Fallhöhe der höchste Wasserfall in der Steiermark

Aufbruch am frühen Morgen beim noch einsamen Parkplatz neben der Straße, auf halbem Wege zwischen Schöder und Krakaudorf gelegen. Bei noch überaus angenehmen Temperaturen begebe ich mich zu den teils recht nassen Holzstegen, die neben dem rauschenden Schöderbach zum tosenden Wasserfall hinaufführen. Die Steiganlage ist sehr gut angelegt und der Wasserfall in der Tat sehenswert (und hörenswert), im Vergleich mit unserer letzten Tour durch die Bärenschützklamm aber doch ziemlich kurz.

Über Almwege und durch den Wald - unterwegs treffe ich auf einige Kreuze

Über Almwege und durch den Wald – unterwegs treffe ich auf einige Kreuze

Am oben Ausgang der Wasserfall-Steiganlage folge ich jetzt nicht weiter den Wegweisern Richtung Schöderberg, sondern halte mich zunächst an einen schmalen Hohlweg in den Wald hinein. Diesen Weg verließ ich aber bald wieder, weil ich mir einige ausschweifende Kehren ersparen wollte und landete … natürlich … wieder einmal in einem brennessel- und distelbewehrten Steilwald, der vage Erinnerungen an unseren mühsamen Abstieg von der Hochhaide wach werden ließ. Aber ganz so schlimm und lang war es hier nicht, dennoch war ich froh, als ich wieder auf den Hohlweg/Almweg traf, der mich nun wieder recht bequem etliche Höhenmeter aufwärts brachte.

Wieder einmal bei einer Hütte vorbei

Wieder einmal bei einer Hütte vorbei

Weiter oben musste ich neuerlich in den steilen Wald, hier war vor allem die „Unaufgeräumtheit“ des nach einer Schlägerung liegengebliebenen Geästs eine Herausforderung für die mittlerweile zerkratzten, juckenden und brennenden Wadeln. Und wäre das noch nicht genug, umschwärmten mich Hundertschaften summender Insekten, als wollten sie eine Liaison mit mir aufbauen. Besonders gschmackig, wenn sie kurz zuvor lautstark von einem frischen Kuhfladen aufgestiegen waren.

An der Waldgrenze kann ich jetzt erstmals den Höhenzug erkennen, den ich in der Folge überschreiten werde.

An der Waldgrenze kann ich jetzt erstmals den Höhenzug erkennen, den ich in der Folge überschreiten werde.

Mehrmals traf ich auf Forststraßen und Almwege querte diese oder folgte ihnen und hantelte mich so Almgelände um Almgelände, Jagdhütte um Jagdhütte höher, immer wieder auch durch den Wald abkürzend. Schließlich erreichte ich die Waldgrenze und von hier war es nicht mehr weit auf meinen ersten Gipfel, das 1.973 Meter hohe Feldkögerl, dessen etwas höheren Namensvetter im westlich benachbarten Gebirgskamm ich vor einigen Jahren im Zuge der Rupprechtseck-Besteigung überschritten hatte.

Am Feldkögerl Richtung Speyereben

Am Feldkögerl Richtung Speyereben

Vom Feldkögerl geht es ein kurzes Stück abwärts, bald aber wieder auf einem breiten, grasigen Rücken gemächlich auf das nächste Wiesenplateau, Speyereben genannt.

Am Karleck. Zwischen den beiden Steinsäulen erkennt man den Gipfelspitz des Eisenhuts.

Am Karleck. Zwischen den beiden Steinsäulen erkennt man den Gipfelspitz des Eisenhuts.

Von hier ist es nicht mehr weit (und ebenfalls unschwierig) zu den beiden großen Steinsäulen am Karleck (2.371). Auch hier halte ich mich nicht lange auf, der Weiterweg wird nun zwar etwas ruppiger, soweit ich es aber überblicken kann, weitgehend ohne eventuell gefährliche Schneefelder.

Gratübergang auf den Eisenhut

Gratübergang auf den Eisenhut

Die Route führt jetzt entweder direkt oben am Blockgrat entlang oder weicht den Felsen über die Westseite aus. 3 bis 4 Schneefelder stellen keine Gefahr dar und bald stehe ich beim liegenden Gipfelkreuz am 2.456 Meter hohen Schöderer Eisenhut.

Beim liegenden Gipfelkreuz am Eisenhut

Beim liegenden Gipfelkreuz am Eisenhut

Von Hitze ist auf dieser Höhe nichts zu spüren, ein recht zünftiges Winderl sorgt für Abkühlung. Hinter dem Schutz einiger Felsen lässt es sich aber gut aushalten.

Ausblick vom Eisenhut über die Zwieflerseen zum Deneck

Ausblick vom Eisenhut über die Zwieflerseen zum Deneck

Fazit der Tour: Ich habe diese Wanderung auch trotz Fehlen wirklicher alpiner Highlights und Herausforderungen sehr genossen. Die noch angenehmen Temperaturen beim Aufstieg ließen die Beine locker bleiben, und über mehr als 7 Stunden traf ich keine Menschenseele. Erst unten am Schöderberg waren bei jedem Gehöft (normale Wohnhäuser scheint es hier ohnehin nicht zu geben) emsige Heuarbeiten im Gange. In einer scharfen Kurve hat ein dänischer Motorradfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit den Zaun durchbrochen und ist in der Wiese gelandet, dürfte sich aber nicht schwer verletzt haben.

Vom Eisenhut zurück zum Karleck

Vom Eisenhut zurück zum Karleck

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

PS: Wer die Tour nachgehen möchte, sollte unbedingt ausreichend zum Trinken mitnehmen, und die Distanz mit 1.800 Höhenmeter und 27 Kilometer nicht unterschätzen (im Vergleich – unsere 10-Gipfel-Runde auf den Eisenhut in den Nockbergen hat uns mit 1.970 Höhenmetern und 29,3 Kilometern noch mehr abverlangt).

Beim Hinweg hat dieser Stein nur wenige Zentimeter aus dem Schnee gelugt. Instinktiv bin ich bei der Querung auf ihn gestiegen. Wenige cm weiter links wäre ich in ein Schneeloch geplumpst, welches jetzt beim Rückweg bereits ausgeapert ist.

Beim Hinweg hat dieser Stein nur wenige Zentimeter aus dem Schnee gelugt. Instinktiv bin ich bei der Querung auf ihn gestiegen. Wenige cm weiter links wäre ich in ein Schneeloch geplumpst, welches jetzt beim Rückweg bereits ausgeapert ist.

 

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