Saison-Abschluss ? am Hohen Sonnblick

Nachdem ich in den letzten Wochen ausgiebig das Eldorado brachliegender Schipisten ausgereizt hatte (Galsterberg, Planai, Hauser Kaibling, Flachau, Wagrain, Obertauern, Zauchensee), stand mir gegen Ende der diesjährigen Skitourensaison der Sinn noch einmal nach etwas „Richtigem“. Auch wenn die Schneemengen heuer für Ende Mai noch außerordentlich groß sind, muss man für eine ordentliche Skitour im Gelände doch schon recht hoch starten – und dabei fällt mir dann jedes Jahr Kolm-Saigurn in Salzburg ein.

Unerwartet einsamer Aufbruch vom Parkplatz Lenzanger zum Naturfreundehaus Kolm-Saigurn, begleitet nur von Kuckucksrufen. Vor mir mein Gipfelziel - der Hohe (Rauriser) Sonnblick (3.106 Meter hoch).

Unerwartet einsamer Aufbruch vom Parkplatz Lenzanger zum Naturfreundehaus Kolm-Saigurn, begleitet nur von Kuckucksrufen. Vor mir mein Gipfelziel – der Hohe (Rauriser) Sonnblick (3.106 Meter hoch).

Und so entschloss ich mich kurzfristig, exakt 7 Monate vor Weihnachten nach dem Besuch am Kolmkarspitz heuer zum 2. Mal in das hinterste Raurisertal zu fahren. Über die Mautstraße (9 Euro) gelangt man vom Gasthof Bodenhaus hinauf zum Parkplatz Lenzanger auf ca. 1.550 Meter Seehöhe. Und da gab es gleich eine Überraschung: So leer hatte ich den großen Parkplatz noch nie vorgefunden. Kaum 10 Autos standen auf den Abstellflächen, wo sich sonst regelmäßig etliche Dutzend bis Hunderte(?) Autos ein Stelldichein geben.

Bisherige Skitouren mit Ausgangspunkt in Kolm-Saigurn. Rot ist die aktuelle Skitour auf den Hohen Sonnblick (blau die Route von 2006).

Bisherige Skitouren mit Ausgangspunkt in Kolm-Saigurn. Rot ist die aktuelle Skitour auf den Hohen Sonnblick (blau die Route von 2006).

Und entsprechend ruhig war dieses Mal auch mein Start am frühen Morgen, kein sonst obligatorisches Gemurmel und Hantieren mit Skitouren-Material. Lediglich ein Kuckuck begleitete mich auf der ersten halben Stunde bis zum Naturfreundehaus, wo es dann an der Zeit war, die Tourenski anzulegen. Die Harscheisen wären bei der heutigen optimalen Schneebeschaffenheit – nicht zu hart und nicht zu weich – zwar nicht unbedingt erforderlich gewesen, auf den Steilhängen vorbei am Barbarafall bis zum Neubau bzw. den daneben stehenden Ruinen spart man so aber doch etwas Kraft.

Vorbei am Barbarafall - heute bereits in der Sonne.

Vorbei am Barbarafall – heute bereits in der Sonne.

Überhaupt waren heute nach den Schneefällen der letzten Tage noch nicht viele frische Spuren auszumachen. Wenngleich ich etwas weiter oben aber doch einige Tourengeher erkennen konnte – mehr als 10 waren es aber den ganzen Tag über nicht (üblicherweise tummeln sich hier etwas früher in der Saison an schönen Wochenendtagen durchaus auch einige Hundert Gipfelstürmer).

Das war die "größte Menschenansammlung" am heutigen Tage.

Das war die „größte Menschenansammlung“ am heutigen Tage.

Während 2 Tourengeher vor mir Richtung Süden zum Alteck abzweigten, folgte ich der Standardroute hinauf zur Rojacherhütte. Doch anders als bei der Skitour 2006 querte ich heute Richtung Westen über das flache Goldbergkees. Nach einem kurzen steileren Abschnitt dreht die Route schließlich nach Norden und sehr deutlich erkennt man bereits das Zittelhaus und das Observatorium. Der Weg zieht sich aber noch über mehr als 300 Höhenmeter, dazu brannte die Sonne vom wolkenlosen Himmel und auch die dünnere Luft erlaubte mir jetzt keine raschen Sprünge mehr.

Ruine neben der Schutzhütte Neubau.

Ruine neben der Schutzhütte Neubau.

Schließlich stehe ich oben beim Zittelhaus, neben mir nur 4 weitere Tourengeher, die kurz später aufbrechen. Und dann bin ich mutterseelenallein neben dem durch eine Schneehöhle erreichbaren Eingang des Zittelhauses und kann mir aussuchen, auf welchem der beiden Liegestühle ich Platz nehme. Aber allzu lange möchte ich mich dann doch nicht aufhalten, um dem Firn nicht zu viel Gelegenheit zu geben, allzu weich zu werden.

Das Observatorium am Sonnblick.

Das Observatorium am Sonnblick.

Für die Abfahrt folge ich im obersten Abschnitt zunächst einmal meiner Aufstiegsspur, fahre dann aber beim Steilhang vorbei und in einem weiten Bogen unterhalb der südlichen Felsbegrenzung vom Goldbergkees entlang. Die Wahl für diese Abfahrtsroute war zweifellos eine sehr gute. Während weiter oben die Sonne bereits für schnittige und weiche Schneeverhältnisse gesorgt hat, finde ich hier sehr guten Firn vor.

Goldbergkees: Aufgestiegen bin ich im linken Bildbereich, abgefahren ganz rechts.

Goldbergkees: Aufgestiegen bin ich im linken Bildbereich, abgefahren ganz rechts.

Auch der Steilhang zum unteren Gletscherbereich mit dem Gletschertor bereitet das reinste Abfahrtsvergnügen, welches lediglich stellenweise durch Lawinenknollen beeinträchtigt wurde. Mit Schwung und Juchee gleite ich hinab zum Neubau. Ab hier werden die Hänge weicher bis tief. Und auch wenn heute wohl noch keine 10 Skitourengeher abgefahren sind, gibt es insbesondere im untersten Abschnitt bereits tiefe Furchen und Wellen.

Auf der rechten Bildseite: Der Abfahrthang zum Gletschertor

Auf der rechten Bildseite: Der Abfahrthang zum Gletschertor

Normalerweise müsste man nach einer landschaftlich und teilweise auch schneetechnisch so tollen Tour Ende Mai die Ski an den berühmten Nagel hängen. Heuer bin ich mir aber nicht so sicher, ob nicht doch noch etwas geht, Zumal in den nächsten Tagen in größeren Höhen bereits wieder bis zu 30 cm Neuschnee prognostiziert werden.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Zunächst Richtung Alteck (links), dann aber über den Rücken nach rechts hinauf. Winzigst klein sind dort 2 Skitourengeher unterwegs.

Zunächst Richtung Alteck (links), dann aber über den Rücken nach rechts hinauf. Winzigst klein sind dort 2 Skitourengeher unterwegs.

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