Vom Raurisertal auf den Kolmkarspitz

Während mich meine beiden ersten Touren meiner Salzburg-Ausflüge zu Pulver und Firn auf neue Gipfel führten (Throneck, Honigleitenkogel), war der Hauptgipfel von Tour 3 bereits ein alter Bekannter. Allerdings habe ich heute großteils neue Routen beschritten.

Ausgangspunkt der Tour ist der großzügig angelegte Parkplatz Lenzanger in Kolm-Saigurn hoch über dem hintersten Raurisertal. Die Gipfelwelt zählt zur Goldberggruppe.

Eindrucksvoll präsentiert sich der Hohe Sonnblick beim morgendlichen Start am Parkplatz Lenzanger

Eindrucksvoll präsentiert sich der Hohe Sonnblick beim morgendlichen Start am Parkplatz Lenzanger

Mein Gipfelziel – der Kolmkarspitz – liegt natürlich im Schatten seiner wesentlich bekannteren, höheren und stärker besuchten Nachbarn, dem Hohen Sonnblick und dem Hocharn. Das mindert aber den Skitouren-Genuß keineswegs – eher im Gegenteil.

Sie beherrschen das Panorama über Kolm-Saigurn: Hoher Sonnblick und Hocharn

Sie beherrschen das Panorama über Kolm-Saigurn: Hoher Sonnblick und Hocharn

Auffallend sind heuer die enormen Schneehöhen am Parkplatz Lenzanger, die man überwinden muss, wenn man im Durchgangwald zur Durchgangalm aufsteigen möchte. Harscheisen empfehlen sich direkt vom Start weg, denn die tagsüber stark befahrene Route ist frühmorgens noch pickelhart und rutschig. Obwohl der Anstieg Richtung Osten (neben dem Kolmkarspitz wartet dort auch noch der Silberpfennig als Tourenziel) also auch nicht ganz einsam ist, scheine ich heute meine Zeitplanung sehr vorteilhaft gewählt zu haben.

Harscheisen sind heute im Durchgangwald sehr hilfreich.

Harscheisen sind heute im Durchgangwald sehr hilfreich.

1 Tourengeher-Pärchen kurz vor mir war schneller unterwegs und bald außer Sichtweite, 3 mir nachkommende Tourengeher hatten die falsche Anstiegsroute erwischt – sie wollten zum Sonnblick. So konnte ich die meiste Zeit stille Einsamkeit genießen. Von der Durchgangalm ging es zur Filzenalm und dort stieg ich zunächst auf die mir gut vertrauten, anfangs noch steileren Hänge Richtung Süden hinauf.

Bei der Durchgangalm - links hinten der Kolmkarspitz

Bei der Durchgangalm – links hinten der Kolmkarspitz

Im weiten, welligen Kar entschloss ich mich aber für eine Richtungsänderung. Über den Graben hinüber zum je nach Sonnenstrahlung bereits leicht aufgefirnten oder noch harten Westrücken des Seekopf. Ein Pärchen kam mir „brettelnderweise“ von oben entgegen. Sie sahen ohne Harscheisen auf den zunehmend steileren Hängen keine Möglichkeit mehr, weiter aufzusteigen. Und so war ich auch am Gipfel des Seekopf wieder ganz alleine.

Einsamer Anstieg im weiten, welligen Kar Richtung Filzenkammfelsen

Einsamer Anstieg im weiten, welligen Kar Richtung Filzenkammfelsen

Und beim Weiterweg auf den Westgipfel des Kolmkarspitz (das übliche Winterziel) kamen mir 5 Abfahrer bereits von oben entgegen, so dass ich auch auf diesem Gipfel ganz alleine stand. Bei besten Wandertemperaturen genoss ich die Aussicht. Drüben am Silberpfennig tummelten sich etliche Schitourengeher, auch am Gipfel befand sich eine größere Ansammlung.

Übergang vom Seekopf zum Kolmkarspitz-Westgipfel

Übergang vom Seekopf zum Kolmkarspitz-Westgipfel

Im Süden am Schareck waren an vielen Hängen – selbst an den steilsten und in engen Rinnen – Abfahrtsspuren erkennbar. Über Sportgastein das Schigbiet des Kreuzkogel, dem ich mich bei der gestrigen Tour von Osten genähert hatte.

Keine Rinne - wie hier am Schareck - scheint zu steil zu sein. Einfahrt rechts oben.

Keine Rinne – wie hier am Schareck – scheint zu steil zu sein. Einfahrt rechts oben.

Als ich mich zur Abfahrt bereit machte, erkannte ich drüben am Ostgipfel – laut Landkarte der eigentliche Gipfel des Kolmkarspitz – 2 Tourengeher bei der Abfahrt im weichen Butterfirn. Das sah sehr verlockend aus. Also fuhr ich zunächst einmal – ebenfalls bei optimalen Firnverhältnissen – hinab in die Kolmkarscharte, wo ich meine Felle ein weiteres Mal anlegte. Mein Ziel war das weite Kolmkar im Osten, über welches ich nun auf den Ostgipfel aufstieg.

Der Aufstieg auf den Kolmkarspitz-Hauptgipfel (ganz links) erfolgt über die steilen Firnhänge auf der rechten Seiten aus dem Kolmkar.

Der Aufstieg auf den Kolmkarspitz-Hauptgipfel (ganz links) erfolgt über die steilen Firnhänge auf der rechten Seiten aus dem Kolmkar.

Wiederum war ich hier ganz alleine, während sich am Westgipfel gerade eine größere Gruppe versammelte. Hier hätte ich es in der strahlenden Sonne noch eine Zeitlang ausgehalten, ich wollte aber nicht riskieren, dass der Schnee zu weich wurde. Das war allerdings heute keine Gefahr. Im Gegenteil. Westlich der Kolmkarscharte bzw. nördlich des Filzenkammfelsen gar es sogar noch guten Pulverschnee.

In der Kolmkarscharte wird für einen 2. Anstieg noch einmal angefellt.

In der Kolmkarscharte wird für einen 2. Anstieg noch einmal angefellt.

Als dieser zu harschig wurde, wechselte ich wieder Richtung Norden zum Westrücken des Seekopf, wo mich herrlicher Firn erwartete, auf dem ich hinab zur Filzenalm glitt.

Abfahrt zur Filzenalm

Abfahrt zur Filzenalm

Von der Filzenalm ging es zurück zur Durchgangalm bzw. noch vor dieser hinein in den Wald, wo ebenfalls noch sehr gute (fast noch zu harte) Schneebedingungen vorherrschten.

Als der Pulverschnee nördlich des Filzenkammfelsen allmählich in Harsch überging, wechselte ich nach rechts zum Firn.

Als der Pulverschnee nördlich des Filzenkammfelsen allmählich in Harsch überging, wechselte ich nach rechts zum Firn.

Die heutige Tour: Eine Träumchen, würde mein Arbeitskollege sagen. Fast schon ein Traum. 3 Tage in Folge bestes Wetter, trotz der milden Temperaturen in größeren Höhen noch traumhafter Pulverschnee und in mittleren Höhen herrlicher Firn. Solche Touren machen süchtig. Und so zog es mich eine Woche später neuerlich nach Salzburg. Mehr davon im nächsten Artikel.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Im Kolmkar mit Ausblick zum Schareck

Im Kolmkar mit Ausblick zum Schareck

Schareck - Kolmkarscharte/Filzenkammfelsen - Hoher Sonnblick - Hocharn - Ritterkopf (v.l.n.r.)

Schareck – Kolmkarscharte/Filzenkammfelsen – Hoher Sonnblick – Hocharn – Ritterkopf (v.l.n.r.)

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