Vom Angertal auf den Silberpfennig

Das letzte März-Wochenende war (wie auch bereits die vorangegangenen) von bestem Tourenwetter geprägt. Und jedes Mal begann dann die Arbeitswoche mit Schlechtwetter und Schneefällen. Sollte es mir am ersten April-Wochenende – wiederum bei prächtigstem Wetter – noch einmal gelingen, Pulverschnee vorzufinden? Es gelang. Fündig wurde ich wieder in Salzburg. Meine persönliche Wanderlandkarte zeigte mir einen großen weißen Fleck nördlich vom Silberpfennig, den ich 2010 auf der Standardroute von Kolm-Saigurn aus besucht habe.

Beim Ausgangspunkt im Angertal bei der Rückkehr: Im Hintergrund das weitläufige Skitourengebiet auf den Silberpfennig.

Beim Ausgangspunkt im Angertal bei der Rückkehr: Im Hintergrund das weitläufige Skitourengebiet auf den Silberpfennig.

Das weitläufige nicht allzu steile Gelände faszinierte mich erstmals bei meinen Skitouren auf die Türchlwand und den Kalkbretterkopf vor 8 Jahren. Und ebenso lange geistert jetzt auch dieser Tourenplan in meinem Kopf herum. Die Bedingungen sollten aber  für diese doch recht lange Tour perfekt sein und so dauerte die Realisierung dann eben einige Zeit.

Föhnwalze von Süden über den Alpenhauptkamm

Föhnwalze von Süden über den Alpenhauptkamm

Akut wurde der Wunsch auf eine Besteigung des Silberpfennig vom Gasteinertal/Angertal aus letzte Woche, als ich vom Kolmkarspitz etliche Gipfelbesucher beobachten konnte. Die meisten allerdings stiegen aber wohl ebenso wie ich vor Jahren vom Parkplatz Lenzanger aus auf.

Aufstieg Richtung Kalkbretterkopf, wo mir auch am Nachmittag noch sehr gute Abfahrtsverhältnisse vergönnt waren.

Aufstieg Richtung Kalkbretterkopf, wo mir auch am Nachmittag noch sehr gute Abfahrtsverhältnisse vergönnt waren.

Frühmorgens, noch ehe die Schifahrer in die Gänge kommen, fahre ich von Bad Hofgastein ins Angertal, wo ich in 1.170 Meter Seehöhe aufbrechen werde. Zunächst folge ich – nicht unbedingt den direktesten und kürzesten Weg wählend – der Schipiste ca. 200 Höhenmeter, ehe ich auf einen Almweg zur Nesslachhütte abzweige. Kurz danach überquere ich den Lafenbach und steige im lichten Wald höher, wo ich bald auf Aufstiegspuren treffe.

Vom Schigebiet aus dem Angertal zur Nesslachhütte

Vom Schigebiet aus dem Angertal zur Nesslachhütte

Bei der Gadauner Hochalm erkenne ich vor mir 2 weitere Schitourengeher. Das scheinen die beiden zu sein, die knapp vor mir am Parkplatz aufgebrochen sind, aber eine direktere Linie gewählt hatten. Meter um Meter geht es nun oberhalb der Baumgrenze höher und immer imposanter werden die Ausblicke.

Oberhalb der Baumgrenze zur Gadauner Hochalm. Links der Hütten erkennt man 2 Skitourengeher, die heute den ganzen Anstieg über vor mir gehen sollten.

Oberhalb der Baumgrenze zur Gadauner Hochalm. Links der Hütten erkennt man 2 Skitourengeher, die heute den ganzen Anstieg über vor mir gehen sollten.

Im Schwalbenkar, östlich des Kalkbretterkopfs steuere ich am Ansatz des Ostrückens auf ca. 2.175 Meter ein großes Kreuz an, von welchem man den weiteren Wegverlauf zum Silberpfennig bestens überblicken kann.

Rechts des Kreuzes im Schwalbenkar erkennt man das weitere Aufstiegsgelände bis zum Silberpfennig.

Rechts des Kreuzes im Schwalbenkar erkennt man das weitere Aufstiegsgelände bis zum Silberpfennig.

Die 2 vor mir spurenden Schitourengeher wählten eine Route direkt über die Südhänge des Kalkbretterkopfs, während ich mir die bereits gut aufgefirnten Hänge hinunter zum Ecklgrubensee nicht entgehen lassen wollte, auch wenn das bedeutete, dass ich nach der Abfahrt über ca. 130 Höhenmeter wieder anfellen musste. Nur kurz wird es geringfügig steiler, bald aber schon lehnt sich das Gelände wieder gemächlich zurück und es ist das reinste Vergnügen, hier in aller Einsamkeit spuren zu dürfen.

Eingeschneite Hütte am Ecklgrubensee. Über die Rampe am rechten Bildrand geht es kurz etwas steiler hinauf.

Eingeschneite Hütte am Ecklgrubensee. Über die Rampe am rechten Bildrand geht es kurz etwas steiler hinauf.

Mit einer Ausnahme: So kräftiges Anstollen über die gesamte Schilänge und teilweise mehr als 10 cm dick hatte ich im heurigen Winter nur ganz selten erlebt. Das konnte meine Freude aber kaum trüben, bedeutete das doch auch, dass ich bei der Abfahrt noch guten Pulverschnee vorfinden würde.

Kalkbretterkopf. Von rechts oben erfolgt die Abfahrt über die Bildmitte hinunter zum Ecklgrubensee rechts unten.

Kalkbretterkopf. Von rechts oben erfolgt die Abfahrt über die Bildmitte hinunter zum Ecklgrubensee rechts unten.

Der Gipfel des Silberpfennig, von dem gerade einige Tourengeher jodelnd ob der Pulverfreude herabwedeln und dann Richtung Kolm-Saigurn umschwenken, scheint bereits so nah zu sein. Dennoch liegen noch mehr als 400 Höhenmeter und damit knapp 1 Stunde Gehzeit vor mir.

Noch sind es mehrere hundert Höhenmeter auf den Silberpfennig

Noch sind es mehrere hundert Höhenmeter auf den Silberpfennig

Alte verfallene Steingebäude ragen auf der Erzwies aus dem Schnee und liefern interessante Foto-Motive. Die beiden mir vorausgegangen Schitourengeher aus dem Angertal haben den Gipfel fast erreicht. Ziemlich zeitgleich kommt eine große Gruppe aus Kolm-Saigurn herauf und hinter mir folgen 3 weitere Schitourengeher aus dem Angertal.

Erzwies - Steinruinen. Im Hintergrund jodeln Skitourengeher bei der Abfahrt vom Gipfel.

Erzwies – Steinruinen. Im Hintergrund jodeln Skitourengeher bei der Abfahrt vom Gipfel.

Der letzte Abschnitt auf den Silberpfennig wird etwas steiler und felsiger und bald stehe ich oben beim aussichtsreichen Gipfelkreuz. Nur kurz sind meine Vorgänger und Nachfolger zeitgleich mit mir am Gipfel, dann kann ich die stille Einsamkeit genießen – ebenso einsam wir vor einer Woche am gegenüberliegenden Kolmkarspitz, auf dem sich auch heute wieder etliche Gipfelbesucher tummeln. Herrliche Temperaturen und kein Wind – besser kann das Bergwetter nicht sein.

Zuletzt etwas steiler und felsiger auf den Silberpfennig

Zuletzt etwas steiler und felsiger auf den Silberpfennig

Die 2 vor mir aus dem Angertal gestarteten Tourengeher fahren jetzt entlang meiner Anstiegsroute zum Ecklgrubensee, um in der Folge wieder ins Schwalbenkar aufzusteigen. Die Route, der auch ich später folgen werde. Die Dreiergruppe aus dem Angertal wählt aber eine völlig andere und vermutlich anspruchsvollere Abfahrtsvariante, die mich zwar sehr neugierig macht, der ich aber mangels entsprechender Vorbereitung nicht folgen werde.

Beim Gipfelkreuz am Silberpfennig

Beim Gipfelkreuz am Silberpfennig

Also geht es nach ausgiebiger Rast am Anstiegsweg zurück. Zunächst erwarten mich etwa 250 Höhenmeter perfekter Pulverschnee. Erstaunlich bei diesen milden Frühjahrstemperaturen. Danach folgt über ca. 300 Höhenmeter schmierender Butterfirn der feinsten Sorte. Bei soviel Abfahrtsgenuss nehme ich den folgenden Wiederanstieg über etwa 130 Höhenmeter gerne in Kauf.

Pulverschnee im obersten Abschnitt

Pulverschnee im obersten Abschnitt

Wieder oben beim Kreuz im Schwalbenkar angekommen, genehmige ich mir erst einmal ein kurzes Schläfchen, da ich mir von den nun folgenden Schneeverhältnissen ohnehin nicht mehr viel erwarte und die eine oder andere Stunde Verzögerung keine Auswirkung mehr auf die Schneebeschaffenheit hat. Und Lawinengefahr ist auf meiner Route auch kein Thema.

550 Höhenmeter Abfahrt vom Silberpfennig zum Ecklgrubensee

550 Höhenmeter Abfahrt vom Silberpfennig zum Ecklgrubensee

Irgendwann ist es aber dann doch Zeit für die Abfahrt. Und bis zu den Hütten auf der Gadauner Hochalm gibt es überraschenderweise noch sehr gute Firnverhältnisse, erst auf den Wiesenhängen darunter wird der Schnee sehr weich und tief. Nach Überquerung des Lafenbaches folge ich wieder auf recht guter Spur den zahlreich vorhandenen Schispuren zurück ins Schigebiet, wo ich zurück zum Ausgangspunkt im Angertal fahre.

Am Silberpfennig - abwärts geht´s links hinunter.

Am Silberpfennig – abwärts geht´s links hinunter.

Fazit der Tour: Endlich hat es mit dieser tollen Tour geklappt, die Verhältnisse waren perfekt. Ganz unterschätzen sollte man die Tourlänge allerdings nicht. Insbesondere, wenn man bei Hin- und Rückweg zum Ecklgrubensee hinabfährt, denn dann summieren sich mehr als 1.700 Aufstiegshöhenmeter.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Panoramablick vom Schigebiet am Kreuzkogel über Sportgastein (links) über das Schareck bis zum Hohen Sonnblick und Hocharn. Im Mittelteil der Kolmkarspitz, mein Tourenziel von letzter Woche.

Panoramablick vom Schigebiet am Kreuzkogel über Sportgastein (links) über das Schareck bis zum Hohen Sonnblick und Hocharn. Im Mittelteil der Kolmkarspitz, mein Tourenziel von letzter Woche.

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