Von Süden über Schrocken und Hochmölbing

Wie schon bei den letzten drei Touren auf das Persailhorn, die Tieflimauer und der Tennengebirgsüberschreitung wollte ich auch am 18.09.2018 eine Wanderroute wiederholen, die ich bereits vor vielen Jahren so ähnlich schon einmal absolviert habe. Und auch wenn ich die meisten Berge meiner näheren Heimat schon ziemlich eingehend kenne, liegt der Reiz meiner Unternehmungen nun vor allem darin, die „alten“ Touren zu wiederholen und auf GPS aufzuzeichnen, da ich damals vor 13 bis 14 Jahren noch kein solches Gerät mein eigen nennen konnte.

GPS-Aufzeichnungen gibt es erst seit Ende 2005. Rot erkennt man den oberen Abschnitt der aktuellen Tour über die Hochmölbinggruppe entgegen dem Uhrzeigersinn.

GPS-Aufzeichnungen gibt es erst seit Ende 2005. Rot erkennt man den oberen Abschnitt der aktuellen Tour über die Hochmölbinggruppe entgegen dem Uhrzeigersinn.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Das Ziel war der Hochmölbing im Toten Gebirge. Besser gesagt der gesamte Gebirgskamm vom Mittermölbing über Hochmölbing, Kreuzspitze, Kaminspitz bis zum Schrocken und weiter zur Elmscharte. Diese Runde habe ich so ähnlich bereits im Herbst 2004 absolviert. Heute wollte ich diese famose Landschaft auch der AlpenYetin zeigen und dabei in umgekehrter Richtung – entgegen dem Uhrzeigersinn – wandern. Für alle jüngeren Leser, die mit Digitaluhren bzw. der Zeitanzeige am Smartphone aufgewachsen sind: Das ist von rechts nach links 😉 .

Aufbruch frühmorgens beim Parkplatz Schönmoos am Wörschachberg.

Aufbruch frühmorgens beim Parkplatz Schönmoos am Wörschachberg.

Nachdem es Ingrids „kleines Spuckerl“ geschafft hat, den äußerst holprigen und steinigen Weg vom Wörschachberg zum Parkplatz Schönmoos hinter sich zu bringen, brechen wir frühmorgens bei noch recht frischen Temperaturen kurz nach Sonnenaufgang auf. Wenn man einen Weg schon so oft begangen hat, schaut man einfach, dass man die in- und auswendig bekannte Route möglichst schnell hinter sich bringt, damit es endlich interessant wird. So auch dieses Mal. Ostseitig am Hochtausing vorbei und an dessen Nordseite zu den ersten Hütten der Langpoltenalm.
Ein kurzes Stück hinab zum Langpoltenbach und wieder aufwärts Richtung Hochtor. Im Schatten ist es ziemlich kühl. Dieser begleitet uns aber noch ein ganzes Stück zwischen Raidling und Schafberg.

Den unteren Wegabschnitt haben wir schon so oft begangen, dass ich hier auf die Einzeichnung früherer Wanderungen verzichtet habe.

Den unteren Wegabschnitt haben wir schon so oft begangen, dass ich hier auf die Einzeichnung früherer Wanderungen verzichtet habe.

Bei der Weggabelung Fiedelbrunn halten wir uns nach rechts. Und endlich gelangen wir a) in die Sonne und b) in weniger bekanntes und dafür umso interessanteres Gelände östlich der Liezener Hütte. Die Lärchen tragen noch alle ihr meist noch tiefgrünes Nadelkleid, nur gelegentlich bilden sich bereits erste gelbe Häubchen.

"Mölbinge" in Sicht - das Gelände wird weniger geläufig und daher interessanter.

„Mölbinge“ in Sicht – das Gelände wird weniger geläufig und daher interessanter.

Bei der Brunnalm lassen wir dann auch die letzten Bäume hinter uns und wandern über herrliche Almwiesen und hügeliges Gelände nordwärts zur Elmscharte – jenem Punkt der heutigen Wanderung, der von unserem Ausgangspunkt am weitesten entfernt liegt.

Vorbei an der Brunnalm, an die ich noch gute Erinnerungen von der 2004-Wanderung habe.

Vorbei an der Brunnalm, an die ich noch gute Erinnerungen von der 2004-Wanderung habe.

Ab hier entfaltet sich jetzt nicht nur eine prächtiger Rundumblick sondern auch eine Grat-/Bergrücken-Wanderung, die wir so sehr lieben.
„Von nun an geht´s zurück“ – zunächst aber vor allem noch ein Stück aufwärts. Auf Gipfel Nr. 1 – dem Schrocken – sind wir ganz alleine. Lange bleiben wir aber dennoch nicht beim Gipfelkreuz.

Ganz alleine beim Gipfelkreuz am Schrocken. Prächtiger Ausblick zum Gipfelkamm über Hinterstoder.

Ganz alleine beim Gipfelkreuz am Schrocken. Prächtiger Ausblick zum Gipfelkamm über Hinterstoder.

Denn weiter im Südwesten lockt schon der nächste Gipfel, das nächste Gipfelkreuz – am 2.322 Meter hohen Kaminspitz, der gar nicht in allen Karten Eingang findet, obwohl er vor allem aus Richtung Osten gesehen eine so eindrucksvolle (Pyramiden-)Figur macht.

Gipfelkreuz am Kaminspitz mit Blick zurück zum Schrocken.

Gipfelkreuz am Kaminspitz mit Blick zurück zum Schrocken.

Weiter geht´s – kurz etwas ausgesetzter, aber nicht schwierig – zur nahen Kreuzspitze. Ich habe Ingrid vorher erzählt, dass auf der Kreuzspitze kein Gipfelkreuz steht. Aus der Ferne schaut es aber so aus, als ob da neben einigen großen Steinmandln gleich 2 Gipfelkreuze stehen würden – und die AlpenYetin beharrt auch darauf, dass zumindest jenes mit den „2 Querbalken“ eines zu sein hat.

Gipfel Nummer 3 - die Kreuzspitze

Gipfel Nummer 3 – die Kreuzspitze

 

Hier auf Gipfel Nr. 3 ist es nun an der Zeit für eine Rast und Stärkung, bei der uns einige hungrige Bergdohlen nette Gesellschaft leisten und dafür mit Brotkrumen belohnt werden. Der eine oder andere Wanderer kommt vorbei, viel los ist heute aber nicht.

Einige hungrige Mitesser leisten uns am Gipfel Gesellschaft.

Einige hungrige Mitesser leisten uns am Gipfel Gesellschaft.

Nur drüben am Hochmölbing, mit 2.336 Meter Seehöhe das „Dach unserer Tour“ scheint mehr los zu sein. Als wir dann auf diesen Gipfel (unsere heutige Nr. 4) kommen, ist aber lediglich noch ein weiteres Paar oben.

Beim Gipfelkreuz am Hochmölbing

Beim Gipfelkreuz am Hochmölbing

Nachdem wir ohnehin kurz vorher auf der Kreuzspitze gerastet haben, gehen wir gleich weiter Richtung Süden zum nahen Mittermölbing, unserem Gipfel Nr. 5.
Von hier folgt nun ein kurzer Wegabschnitt, den ich zuvor noch nie beschritten habe. Abwärts auf der Wandermarkierung Richtung Brunnalm, am Rande steiler Felsabbrüche zum großen Wiesenplateau nördlich vom Querlstein. Diesen Gipfel Nr. 6 nehmen wir auch noch schnell mit, das sich Ingrid nicht sicher war, ob sie ihn schon in ihrer Gipfelliste hat. Ich selbst habe ihn ja schon 2 Mal besucht – mit Schneeschuhen und mit Tourenski.

Querlstein - rechts hinten der Mittermölbing

Querlstein – rechts hinten der Mittermölbing

Für den weiteren Abstieg wählen wir nun die unmarkierte Route Richtung Westen über den Speikboden. Anfangs noch im hohen herbstlich gefärbten Gras, weiter unten auf einem deutlich erkennbaren und mit etlichen Steinmandln gekennzeichneten Steig.

Wegloser Abstieg ins sogenannte Karl-May-Tal mit dem Goldbachl.

Wegloser Abstieg ins sogenannte Karl-May-Tal mit dem Goldbachl.

Durch Latschengassen und neben dem mäandernden Goldbachl, dessen Bachlauf größtenteils ausgetrocknet war bis dann irgendwo doch wieder plötzlich Wasser hervortrat, erreichen wir die große Wiese östlich der Liezener Hütte.

Unterwegs neben dem Goldbachl - einmal mit und dann wieder ohne Wasser.

Unterwegs neben dem Goldbachl – einmal mit und dann wieder ohne Wasser.

Von hier geht´s nach Süden zur Weggabelung Fiedelbrunn, wo sich unsere Wanderrunde nun wieder schließt. Der weitere Abstieg erfolgt zunächst entlang der Aufstiegsroute, die wir erst auf den letzten 200 Höhenmetern wieder verlassen, um einem ausgetretenen Waldsteig zu folgen.

Herrliche Kammwanderung in der Mölbinggruppe von der Elmscharte bis zum Querlstein.

Herrliche Kammwanderung in der Mölbinggruppe von der Elmscharte bis zum Querlstein.

Fazit der Tour:

Die Wandertour über die Brunnalm zur Elmscharte ist eine ruhige, einsame und landschaftlich sehr abwechslungsreiche, interessante. Etwas mehr los ist auf den Gipfeln zwischen dem von Oberösterreich aus relativ einfach erreichbaren Schrocken bis zum Hochmölbing.

Am Weg von der Brunnalm zur Elmscharte. Rechts hinten das Warscheneck.

Am Weg von der Brunnalm zur Elmscharte. Rechts hinten das Warscheneck.

Und am Geheimtipp – dem sogenannten „Karl-May-Tal“ neben dem Goldbachl, südwestlich unter dem Querlstein – ist man dann wieder weitgehend alleine unterwegs.
Es beginnt langsam zu herbstln und ich finde, das ist die schönste Jahreszeit in dieser Gegend. Wobei aber auch der Winter hier seine Reize hat.

Der Steig im Karl-May-Tal ist nicht markiert und abschnittsweise schlecht erkennbar. Das Gelände gibt aber die Route klar vor.

Der Steig im Karl-May-Tal ist nicht markiert und abschnittsweise schlecht erkennbar. Das Gelände gibt aber die Route klar vor.

Blick über das baumlose Anstiegsgelände von der Brunnalm zur Elmscharte. Rechts der Bildmitte das Warscheneck. (Klick zur Vergrößerung)

Blick über das baumlose Anstiegsgelände von der Brunnalm zur Elmscharte. Rechts der Bildmitte das Warscheneck. (Klick zur Vergrößerung)

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Warscheneckblick

Warscheneckblick

Kaminspitz - nicht in jeder Landkarte angeführt.

Kaminspitz – nicht in jeder Landkarte angeführt.

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