Die Nixen vom Toplitzsee

Was war das 2018 für ein Jahrhundert-Sommer – zumindest in der zweiten August-Hälfte. Das erste Mal seit 27 Jahren, dass wir unseren gesamten Sommerurlaub in Österreich verbracht haben – abgesehen von den wenigen Minuten, die wir bei unserer Wandertour um den Wolayersee italienisches Staatsgebiet betreten haben. Und auch die Durchfahrt über das kleine deutsche Eck bei der Anfahrt zur Bergtour auf die Ellmauer Halt im tirolerischen Kaisergebirge zählt ja nicht unbedingt als Auslandsaufenthalt.

In diesem Sommer 2018 sind wir ganz schön in Österreich rumgekommen. Aber länger als 2,5 Stunden hat die Anfahrtszeit nie gedauert.

In diesem Sommer 2018 sind wir ganz schön in Österreich rumgekommen. Aber länger als 2,5 Stunden hat die Anfahrtszeit nie gedauert.

Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV – Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Aber jetzt nach 2 Wochen Wandertouren über 200 Kilometer und 12.600 Höhenmeter waren wir ehrlich gesagt richtig froh, dass Abkühlung um bis zu 20° Celsius angesagt war und wir ruhigen Gewissens auch einmal richtig faulenzen können. Am allerletzten schönen (Halb-)Tag bei Sommertemperaturen wollten wir noch ein Ausflugsziel im steirischen Salzkammergut aufsuchen, bei dem wir auch schon beinahe einige Jahrzehnte nicht mehr gewesen sind: Den sagenumwobenen Toplitzsee östlich vom Grundlsee.

Ausgangspunkt unserer Fototour ist das Ostufer des Grundlsees bei Gössl.

Ausgangspunkt unserer Fototour ist das Ostufer des Grundlsees bei Gössl.

Das Tagesparkticket am Grundlsee kostet 4 Euro. Über Gößl schlendern wir zur Jausenstation Fischerhütte am Nordwestufer des Toplitzsees. Beschaulich und still ist es hier noch am frühen Vormittag.

Stille Beschaulichkeit am frühen Vormittag am Toplitzsee

Stille Beschaulichkeit am frühen Vormittag am Toplitzsee

Spontan beschlossen wir, um 10:30 Uhr die erste Plätte zum Kammersee zu nehmen – 10 Euro pro Person sind dafür zu berappen. Beim ersten Termin sind die beiden miteinander verbundenen Holzboote gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Beim nächsten Termin ca. 1 Stunde später sollte es da schon wesentlich mehr Gedränge geben.

Mit der Plätte über den Toplitzsee.

Mit der Plätte über den Toplitzsee.

Ein uriger Bootsführer brachte uns mit dem dieselmotorbetriebenen Boot über den Toplitzsee Richtung Osten. 2 Mal hat er angehalten und dabei interessante Informationen und launige Anekdoten zum Besten gegeben. Vorbei am rauschenden Vorderbach-Wasserfall, der das ganze Jahr über Wasser führt und als Abfluss des Lahngangsees fungiert und am Hinterbach-Wasserfall, der hauptsächlich von Schmelzwasser genährt wird und der deshalb derzeit ein recht trockenes Dasein führt.

Eine recht trockene Angelegenheit - der Hinterbach-Wasserfall.

Eine recht trockene Angelegenheit – der Hinterbach-Wasserfall.

Der Toplitzsee misst an der tiefsten Stelle 103 Meter. Aber nur die obersten 20 Meter enthalten auch Sauerstoff, darunter wird das Wasser salzhaltig. Die Plätte legt nach der Längs-Überquerung des gesamten Sees am Nordostufer an. Hier haben die Besucher nun die Möglichkeit sich in einer 20-minütigen Pause den nahegelegenen Kammersee anzusehen, bei dem Ingrid und ich bisher noch gar nie gewesen sind.

Nach der Hitzeperiode der letzten Wochen ist der Kammersee derzeit ziemlich klein. Auch der im Hintergrund befindliche Traun-Ursprung-Wasserfall führt kein sichtbares Wasser.

Nach der Hitzeperiode der letzten Wochen ist der Kammersee derzeit ziemlich klein. Auch der im Hintergrund befindliche Traun-Ursprung-Wasserfall führt kein sichtbares Wasser.

Der Kammersee entwässert bei normalen Wasserstand unterirdisch in den Toplitzsee, bei starken Regenfällen kann er aber bis zu 15 Meter ansteigen. Dann fließt das Wasser durch einen in den Fels gehauenen Kanal oberirdisch ab. Heuer war das seit April laut Bootsführer bereits 3 Mal der Fall.

Der von Menschenhand in den Fels geschlagene Verbindungskanal zwischen Kammersee und Toplitzsee ist bei normalem Wasserstand begehbar.

Der von Menschenhand in den Fels geschlagene Verbindungskanal zwischen Kammersee und Toplitzsee ist bei normalem Wasserstand begehbar.

Wir bedauern, dass man diesen Ort nicht auch in aller Stille zu Fuß erkunden kann, denn in der Gruppe lässt es sich halt auch nicht vermeiden, dass man die eine oder andere Familienstreitigkeit oder Feindseligkeit mitbekommt. Pünktlich nach 20 Minuten legen wir wieder ab. Keiner ist zu spät gekommen. Die Plätte fährt jetzt ohne Unterbrechung zurück. Am Vorderbach-Wasserfall erkennen wir in der Ferne jetzt aber etwas Interessantes. Einige Personen haben sich direkt bei der Einmündung des Wasserfalls eingefunden. Wurden sie mit einem Boot hierher gebracht? Oder sollte es doch ein begehbares Steiglein geben?

Da drüben bei der Einmündung des Vorderbach-Wasserfall ist doch jemand. Sollte es hierher doch ein Steiglein geben?

Da drüben bei der Einmündung des Vorderbach-Wasserfall ist doch jemand. Sollte es hierher doch ein Steiglein geben?

Wir musterten die teils senkrechten, dutzende Meter hohen Felswände, die direkt in den See fallen. Dazwischen immer wieder schmale Waldabschnitte. Das hat natürlich meine Neugier geweckt.

Sollte im Bereich dieser Felswände ein Steiglein verlaufen?

Sollte im Bereich dieser Felswände ein Steiglein verlaufen?

Zurück bei der Fischerhütte begeben wir uns sofort auf die Suche nach einem Steiglein. Mittlerweile haben sich schon viele Besucher hier eingefunden und von der Magie des lauschigen Morgens ist jetzt nichts mehr zu merken.

Rückkehr zur Jausenstation Fischerhütte

Rückkehr zur Jausenstation Fischerhütte

Kein Gehweg! Begehen auf eigene Gefahr.“ heißt es da auf einer Tafel. Und dahinter führt im laubbedeckten Wald ein gut erkennbares Steiglein weg. Gehweg ist das aber tatsächlich keiner. An mehr als einer Stelle geht es steil und abschüssig direkt zu einer Felswand, die dann senkrecht in den See abbricht. Ist man aber trittsicher und schwindelfrei, findet sich immer wieder ein Durchschlupf. Nur einmal stehen wir wirklich bei einer glatten Felsmauer an.

Warnung - Trittsicherheit erforderlich!

Warnung – Trittsicherheit erforderlich!

Wieder ein Stück zurück – und hier die linke Abzweigung nehmen, dann geht es wieder gut weiter. Eine große Ringelnatter direkt am Weg erschrickt so stark, dass sie mehrere Meter den steil-abschüssigen Hang hinunterkugelt. Erst bei einem kleinen Bäumchen fängt sie sich.

An einigen Stellen muss man sich gut anhalten.

An einigen Stellen muss man sich gut anhalten.

Bei einem Felswandl muss man sich gut anhalten, aber nach einer schmalen Felsstufe geht es schon wieder am weichen Waldboden weiter. Ein Wanderer – nass bis in die Haarspitzen – kommt uns entgegen. Das dürfte die Person gewesen sein, die wir vom Boot aus gesehen haben und die vermutlich beim Wasserfall gebadet hat. Aber waren da nicht 2 oder 3?

Vorbei an einer etwa mannhohen Höhle.

Vorbei an einer etwa mannhohen Höhle.

Allmählich wird das Rauschen lauter – der Wasserfall kommt näher. Ein letztes Hindernis: Ein halber Baumstamm führt über den tosenden Bach. Ein Drahtseil hilft beim Halten des Gleichgewichts. Und dann geht es nur mehr abwärts bis zu jener Stelle, an welcher der Wasserfall in den Toplitzsee mündet.

Die letzte Hürde. Ein Baumstamm über dem tosenden Wasserfall.

Die letzte Hürde. Ein Baumstamm über dem tosenden Wasserfall.

Aber da erschrecke ich erst einmal – oder um es mit Heinz Erhardt zu sagen: Ich stutzte. Ich stutzte sogar zwei Mal. Und vermutlich nicht nur ich 😉 . Drei Badenixen – nackt wie Gott sie schuf – stehen, sitzen und liegen da vor mir. Es ist ja jetzt nicht so, dass ich noch nie eine Frau nackt gesehen hätte, aber in dem Moment war sich so perplex, dass ich wohl ziemlich belämmert gestarrt haben muss 🙂 .

In der Nähe der Einmündung des Wasserfalls in den Toplitzsee. In die andere Richtung konnte ich gerade nicht fotografieren ;-)

In der Nähe der Einmündung des Wasserfalls in den Toplitzsee. In die andere Richtung konnte ich gerade nicht fotografieren 😉

Und ebenso schnell wie ich mich dann wieder gefangen habe und wohlweislich ausgiebig den Wasserfall in die entgegengesetzte Himmelsrichtung fotografiert habe, genauso schnell waren die 3 Nixen vom Toplitzsee in diverse Kleidungsstücke geschlüpft. Und das war auch gut so. Denn wenige Sekunden später kam wieder eine Plätte – und diese fuhr ziemlich knapp an den Wasserfall heran. Und da wären die Nackedeis jetzt auf vielen Handys und Fotoapparaten verewigt worden.

Plätte voller Fotoapparate. Am Ufer die 3 Nixen vom Toplitzsee.

Plätte voller Fotoapparate. Am Ufer die 3 Nixen vom Toplitzsee.

Nachdem ich den rauschenden Wasserfall mit allen möglichen Belichtungszeiten abgelichtet hatte, ging es wieder zurück. Die Wolken hatten mir ohnehin immer wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Sonne verdeckt.

Am Rückweg zur Fischerhütte.

Am Rückweg zur Fischerhütte.

Am Weg zur Fischerhütte hatten wir ein weiteres Schlangenerlebnis. Dieses Mal war es eine dunkle Kreuzotter. Wie die Ringelnatter zuvor rutschte auch sie viel zu rasch vor unseren Augen den laubbedeckten Hang hinunter, als dass ich sie fotografieren konnte. Auf einer Wegvariante gehen wir wieder zurück zum Grundlsee und bestaunen noch einmal die Gössler Wand, bei deren Erstbegehung durch die Huber Buam ich auch noch mit dem Mountainbike unterwegs war.

Im Mai 2005, als die Huber Buam die Gössler Wand erstbestiegen haben, war ich auch noch gelegentlich mit dem Mountainbike unterwegs.

Im Mai 2005, als die Huber Buam die Gössler Wand erstbestiegen haben, war ich auch noch gelegentlich mit dem Mountainbike unterwegs.

Der Urlaub 2018 geht zu Ende. Jetzt bleiben noch einige Tage bei kaltem, trübem Regenwetter, um tausende Fotos zu begutachten. Vielleicht ist ja auch das eine oder andere schöne dabei.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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