Zufallstreffer Wolayersee und Rauchkofel: Schroffe Felsen, idyllischer See und Kriegsrelikte

Bei unserer letzten Wanderung waren wir in Niederösterreich im Ötschergebiet unterwegs. 2 1/2 Stunden Anfahrtszeit haben wir für die ausgewachsene „Fast-11-Stunden-Wanderung“ in Kauf genommen. Mit der Rückfahrt ist sich das alles an einem Tag ausgegangen. Warum also nicht neuerlich so einen ausgeprägten Wandertag erleben. In 2,5 Stunden kommen wir von Gröbming – fast im Mittelpunkt Österreichs gelegen – ja ganz schön herum.

Von Gröbming kommt man in 2 1/2 Stunden schon ganz schön weit rum. Gelb markiert die beiden Wandergebiete Ötscher (rechs oben) und Wolayersee (links unten).

Von Gröbming kommt man in 2 1/2 Stunden schon ganz schön weit rum. Gelb markiert die beiden Wandergebiete Ötscher (rechs oben) und Wolayersee (links unten).

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Nachdem wir heuer ja bereits 3 neue Gebirgsgruppen in Osttirol kennenlernten, wäre da im Süden nur noch eine Gebirgsgruppe offen: Der Karnische Hauptkamm. Wie heißt der höchste Gipfel dieser Gebirgsgruppe? Hohe Warte, beachtliche 2.780 Meter hoch. Im Internet schnell ein paar Fotos gesucht. Schaut sehr interessant aus. Aber würde sich der anspruchsvolle Klettersteig mit An- und Rückreise an einem Tag ausgehen? (Am Folgetag hatten wir schon ein Rendezvous in den heimatlichen Bergen). Vermutlich nicht.

Die Hohe Warte. Mit 2.780 Meter Höhe der höchste Gipfel im Karnischen Hauptkamm.

Die Hohe Warte. Mit 2.780 Meter Höhe der höchste Gipfel im Karnischen Hauptkamm.

Aber Moment mal, in der Landkarte liegt da ja auch noch ein Gewässer in der Nähe. Mit dem klingenden Namen Wolayer See. Wiederum Bilder gegoogelt. Traumhaft schön. Perfekt. Da wollen wir hin.

Dieser Anblick hat uns zur 2,5 stündigen Anreise bewogen.

Dieser Anblick hat uns zur 2,5 stündigen Anreise bewogen.

Und einen unschwierigen Wandergipfel gibt´s auch noch dazu: Den Rauchkofel.

Rauchkofel - unschwieriger Wandergipfel nördlich der Hohen Warte

Rauchkofel – unschwieriger Wandergipfel nördlich der Hohen Warte

Der Zufall führte uns so in weniger als 3 Minuten zu einem zuvor noch gänzlich unbekannten Wanderziel. Was sagt der Routenplaner? 2 1/2 Stunden. Na also – Ziel gefunden!

Panoramablick vom Rauchkofel über die Gipfelparade um den Wolayer See. (Klick zur Vergrößerung).

Panoramablick vom Rauchkofel über die Gipfelparade um den Wolayer See. (Klick zur Vergrößerung).

Anfahrt auf der Tauernautobahn A 10 Richtung Süden bis kurz vor Spittal an der Drau. Dann westwärts bis Oberdrauberg und von da auf kurvenreicher Strecke wieder südwärts nach Kötschach-Mauthen. Soldatenfriedhof, Heldenfriedhof – Hinweise, dass es hier vor 100 Jahren schrecklich „gekracht“ hat.

Heldenfriedhof. Traurige Erinnerung an schreckliche Zeiten.

Heldenfriedhof. Traurige Erinnerung an schreckliche Zeiten.

Wir folgen noch ein Stück der Plöckenpaß-Straße, von der wir zur (Unteren) Valentinalm (1.205) abzweigen, wo wir unsere Wanderung starten. Über die Schotterstraße und mit einigen Abkürzungen durch den Wald erreichen wir die Obere Valentinalm. Rasch kommen wir jetzt nicht mehr voran, angesichts der zahlreichen eindrucksvollen Fotomotive.

Start beim Gasthof Valentinalm

Start beim Gasthof Valentinalm

Linker Hand die schroffen hellen Felswände der Kellerspitzen und der Hohen Warte. Vor uns die noch helleren Felsen um den Seekopf, zu dessen Fuße der Wolayer See liegen muß. Rechter Hand die saftig grün leuchtenden mit braunen gerillten Felsen durchzogenen Wiesen-Steilänge des Rauchkofels.

Bei der Oberen Valentinalm

Bei der Oberen Valentinalm

Vorbei am weidenden Almvieh wird der Wegverlauf allmählich steiniger, aber nicht weniger interessant. Etwas rutschiger wird es nur kurzzeitig, als wir einen erdig-schlammigen Geröllkegel überqueren müssen.

Übergang von Almgelände in einen steinigen Abschnitt

Übergang von Almgelände in einen steinigen Abschnitt

Danach wieder üppiges Grün mit vielen bunten Blumen. Und an den Felswänden halten sich stellenweise auch Mitte August noch Altschneefelder – diese dürften das ganze Jahr nicht weggehen. Immer wieder begegnen wir Wanderern, neben Tagesausflüglern wohl auch so mancher Weitwanderer am Karnischen Höhenweg.

Steilhänge auf der Südseite des Rauchkofel

Steilhänge auf der Südseite des Rauchkofel

Vom Valentintörl (2.138) könnten wir nun direkt zu noch im Schatten liegenden Wolayer See absteigen, wir wählen aber zunächst den Aufstieg durch eine kurze felsdurchsetzte (aber unschwierige) Rinne Richtung Rauchkofel. Bald schon weitet sich das Gelände wieder und neben zahlreichen weidenden Rindern wuseln auch einige junge Murmeltiere durch die Gegend.

Der Zungenkuss ist ins Auge gegangen.

Der Zungenkuss ist ins Auge gegangen.

Der Weg ist unschwierig, die Drahtseilsicherung kurz vor dem Gipfel dient eher als Unterstützung beim Abstieg über das teilweise doch rutschige Steiglein. Und dann stehen wir beim Gipfelkreuz am 2.460 Meter hohen Rauchkofel mit seinen bunten, im Wind wehenden Gebetsfahnen.

Beim Gipfelkreuz am Rauchkofel

Beim Gipfelkreuz am Rauchkofel

Bergsteigerisch gäbe ich hier in der Umgebung natürlich wesentlich herausforderndere und lohnendere Ziele. Als Aussichtskanzel ist der Grasberg aber ideal und sehr eindrucksvoll.

Die AlpenYetin als winziger Strich auf der dem Rauchkofel vorgelagerten Aussichtskanzel über dem Wolayer See.

Die AlpenYetin als winziger Strich auf der dem Rauchkofel vorgelagerten Aussichtskanzel über dem Wolayer See.

Für den Abstieg folgen wir jetzt nur ein kurzes Stück dem Anstiegsweg, wählen dann aber die direkte Route hinunter zum Wolayer See mit der Wolayerseehütte (früher Eduard-Pichl-Hütte). Der Kontrast zum ruhigen, ziemlich einsamen Gipfel ist fast erschreckend. Dutzende, ja wohl hunderte, nicht selten recht lautstarke Bergbesucher schmälern die Idylle. Besser wird es erst wieder etwas abseits des großen Gebäudes.

Reges Treiben und lautstarker Trubel bei der Wolayerseehütte

Reges Treiben und lautstarker Trubel bei der Wolayerseehütte

Größtenteils kommen die Besucher aus Italien. Von dieser Seite dürfte der Anstieg doch erheblich kürzer und einfacher sein.

Es ist nicht leicht, einen Foto-Zeitpunkt zu erwischen, an dem nicht einer der zahlreichen Besucher durchs Bild huscht.

Es ist nicht leicht, einen Foto-Zeitpunkt zu erwischen, an dem nicht einer der zahlreichen Besucher durchs Bild huscht.

Der Wolayer See umrahmt von den hohen Felswänden ist natürlich schon ein ungemein schönes Motiv.

Beim Wolayersee (Fotosstandpunkt an der Staatsgrenze Österreich-Italien). Rechts hinten im Schatten der Rauchkofel.

Beim Wolayersee (Fotosstandpunkt an der Staatsgrenze Österreich-Italien). Rechts hinten im Schatten der Rauchkofel.

Und dann gibt es da noch etwas am Wolayer Paß: Relikte, die hier vor ziemlich genau 100 Jahren errichtet wurden. Kriegsrelikte aus der Zeit des 1. Weltkriegs. In den Fels geschlagene Bunker mit bizarr-schönem Ausblick. Stellungsgräben und in der Erde bzw. im Steinreich vergrabener Stacheldraht, der an den Bergschuhen rupft und zupft.

Ausblick aus einem der Kriegsbunker zum Wolayer See

Ausblick aus einem der Kriegsbunker zum Wolayer See

Leider verdichten sich jetzt die Wolken, sodass wir schön langsam wieder an die Rückkehr denken. Zunächst wieder einige Höhenmeter machen, hinauf zum bereits vom Vormittag bekannten Valentintörl und dann am Abstiegsweg hinunter zum Gasthof Valentinalm.

Unfaufgeregte Murmeltiere am Weg zurück zur Valentinalm.

Unfaufgeregte Murmeltiere am Weg zurück zur Valentinalm.

Fazit der Tour:

Wie eingangs beschrieben, war es ein absoluter Zufall, dass wir gerade auf dieses Tourenziel an der Grenze Österreich-Italien gestoßen sind.

Am Rückweg vom Valentintörl zur Oberen Valentinalm.

Am Rückweg vom Valentintörl zur Oberen Valentinalm.

Aber die großartigen Landschaftsimpressionen waren die lange Anfahrt auf jeden Fall wert und die zuvor im Internet gesehenen Bilder haben keinesfalls zu viel versprochen:

  • Wunderschöne grüne Almen
  • Schroffe helle Felswände
  • Ein atemberaubender See
  • Mahnende Kriegsrelikte
Der Wolayer See - auch ohne Sonne ein Blickfang.

Der Wolayer See – auch ohne Sonne ein Blickfang.

Nur der Rummel und vor allem auch die zunehmende Unart des lärmenden Drohnenflugs im Gebirge stören die Magie, der diesen Ort umgibt.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Und dann war da noch die Geschichte von den Bienen und Blumen.

Und dann war da noch die Geschichte von den Bienen und Blumen.

Steiniger Abschnitt zwischen der Oberen Valentinalm und dem Valentintörl.

Steiniger Abschnitt zwischen der Oberen Valentinalm und dem Valentintörl.

Nach dem Valentintörl folgt eine kurze felsige Rinne

Nach dem Valentintörl folgt eine kurze felsige Rinne

Abstieg zum Wolayersee auf der rechten Bildseite.

Abstieg zum Wolayersee auf der rechten Bildseite.

Wollgras am Weg zur Wolayerseehütte.

Wollgras am Weg zur Wolayerseehütte.

Aufstieg vom Wolayersee zum Valentintörl.

Aufstieg vom Wolayersee zum Valentintörl.

 

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