Schwarzbeergenuß und Luftsprünge bei den Goldlacken

Nachdem wir bei den letzten beiden Wandertouren im Ötschergebiet in Niederösterreich und an der Staatsgrenze Österreich-Italien in Kärnten für Anfahrt und Rückreise in Summe 10 Stunden im Auto gesessen sind, haben wir heute eine Wandertour „fast vor der Haustür“ ausgesucht.

Diese sehr schöne Wanderung in den Schladminger Tauern hat uns wieder einmal zweierlei vor Augen geführt, was wir aber ohnedies wussten:

  • a) Man muss nicht unbedingt in die Weite schweifen – weil das Schöne liegt so nah.
  • b) Es braucht nicht unbedingt einen Gipfel für eine gelungene Bergtour.

Wir starten unsere Wanderung beim Parkplatz der Sattentalalmen, wo sich uns bereits ein herrliches Panorama der über dem Talschluss liegenden Gipfelparade zeigt – Beginnend beim Stierkarkopf, der trotz seiner Höhe von 2.331 im Schatten seiner Gipfelnachbarn etwas mickrig wirkt bis zum markanten Umlaufer und natürlich der alle anderen Berge überragenden Hochwildstelle, dem höchsten zur Gänze in der Steiermark liegenden Gipfel.

Gipfelparade über der Sattentalalm: Ganz links der Stierkarkopf. Rechts davon das Goldlacken-Plateau mit der Trattenscharte. Es folgt der Südostgrat auf die Hochwildstelle, vor der die Umlaufer-Pyramide liegt. Rechts folgen Säuleck und Gamskarspitz. Im Vordergrund Schecka und Alma.

Gipfelparade über der Sattentalalm: Ganz links der Stierkarkopf. Rechts davon das Goldlacken-Plateau mit der Trattenscharte. Es folgt der Südostgrat auf die Hochwildstelle, vor der die Umlaufer-Pyramide liegt. Rechts folgen Säuleck und Gamskarspitz. Im Vordergrund Schecka und Alma.

Auf Grund dieses imposanten Ausblicks ist es sicher etwas ungerecht, aber ich bin diese 2 Kilometer auf der Schotterstraße im Almgelände schon so oft gegangen, dass mir dieser Wegabschnitt fast ein bisschen lästig ist. Und auch den unteren, bereits ansteigenden Wegabschnitt möchte ich immer möglichst rasch hinter mich bringen, weshalb ich ihn mir immer gedanklich in einzelne Etappen einteile und dann froh bin, jedes einzelne Etappenziel abhaken zu können.

Kecke Zöpfchen

Kecke Zöpfchen

Zunächst die Holzbrücke über den Bach. Dann der steile Waldaufschwung. Querung der Forststraße mit der kleinen Hütte auf der rechten Seite. Dann wird es bereits ein bisschen interessanter. Schließlich verlässt der markierte Wanderweg die bereits bei etlichen Skitouren genossene Langschneerinne und führt hinauf zur Abzweigung zum Stierkarsee. Reichlich früchtetragende Schwarzbeeresträucher fallen ins Auge.

Tiefblick zum Stierkarsee

Tiefblick zum Stierkarsee

Allmählich gelangen wir in die Sonne. Genauer gesagt – ich komme bereits in die Sonne, während die in tiefe Kommunikation verstrickten Mädels noch ein Stück weit hinten sind. Derart tiefgehend ist ihre Unterhaltung, dass sie sich beim Abstieg nicht mehr erinnern werden, den untersten Wegabschnitt bereits begangen zu haben.

Vom Schatten in die Sonne. Tiefblick ins Sattental. Gegenüber der Pleschnitzzinken.

Vom Schatten in die Sonne. Tiefblick ins Sattental. Gegenüber der Pleschnitzzinken.

So, jetzt beginnt es auch mir zu gefallen, der Fotoapparat wird häufiger gezückt, auch wenn die Lärchen noch kein goldenes Herbstkleid tragen und das Haupt des Umlaufer noch nicht von einer schmückenden Schneedecke geziert wird.

Umlaufer - Überschritten im Juni 2012

Umlaufer – Überschritten im Juni 2012

Erste kleine Tümpel, da und dort ein wenig Wollgras. Viele kleine gurgelnde Rinnsale und Bächlein. Unwirklich grün leuchtende Moosdecken als Kontrast zu den nackten, glatten Felsen.

Erste kleinere Wässerchen am Wegesrand

Erste kleinere Wässerchen am Wegesrand

Ein Blöcken zeigt mir, dass die Mädels noch hinter mir sind … Sie dürften ein paar Schafe aufgeschreckt haben 🙂 .

Die Damen sind noch etwas weiter hinten.

Die Damen sind noch etwas weiter hinten.

Mir ist es ohnehin recht, dass ich mir jetzt bei den ersten Seen mehr Zeit zum Fotografieren lassen kann. In immer kürzeren Intervallen klickt der Fotoapparat, wohl wissend, dass es mir wieder einmal nicht gelingen wird, diese urtümlichen Landschaftsschönheiten auch nur annähernd einzufangen.

Urtümliche Landschaft mit ganz eigenem Charakter

Urtümliche Landschaft mit ganz eigenem Charakter

Die Tümpel, Lacken und – nennen wir es halt wohlwollend auch – Seen sind zahlreich. Wieviel? Schwer zu sagen, je nachdem ab welcher Größe man sie schon zählt. Wann ist ein See ein See? (Eine Melodie von Herbert Grönemeyer geht mir nicht mehr aus dem Kopf). Geschätzte 2 Dutzend könnten es schon sein.

Einer der ersten größeren Seen

Einer der ersten größeren Seen

Nahezu wolkenlos ist es heute. Leider nur nahezu. Zunächst ist es nur ein einziges, winziges, lästiges Wölkchen, welches es immer wieder  versteht, sich gegen die mächtige Sonne durchzusetzen. Später bekommt das kleine Ding Verstärkung. Es werden mehr und sie werden größer.

Blick zum Südostgrat der Hochwildstelle

Blick zum Südostgrat der Hochwildstelle

Ein Glück, ein Mann zu sein, dessen Temperatur-Wohlfühlzone doch ein wenig dehnbarer zu sein scheint, als jener der „Weibchen“. Denn kurz zusammengefasst könnte man die heutige Tour folgendermaßen charakterisieren:

  • Wir starten im Schatten – „Es ist noch ganz schön frisch, ich habe richtig kalte Knie, hoffentlich wird es bald wärmer„.
  • Wir kommen in die Sonne – „Puuh, ist das heute wieder heiß, ich schwitze am ganzen Körper bis in die Haarspitzen„.
  • Ein Wind-Haucherl streift über die Hänge – „Brrr, ganz schön kalt – ich krieg eine Gänsehaut„.
  • Die Sonne kommt wieder durch – „Heute kann´s die Sonne aber wieder ganz schön„.
  • Wolken setzen sich durch – „Ich habe eiskalte Hände – Jetzt zieh ich meinen Anorak an„.
  • Abermals zeigt sich die Sonne – „Also mir ist es ja lieber, es ist zu kalt, als zu warm, denn dann kann ich wenigstens was anziehen„.
  • Die Wolken werden dichter UND Wind kommt aus – „Im Tal kannst Du Dir ja gar nicht vorstellen, wie eisig es hier in den Bergen ist„.
  • Es wird wieder sonniger – „Gottseidank habe ich heute 3 Leiberln mit, so wie ich heute schwitze„.
  • Der Wind wird stärker, die Gänsehaut-Wimmerln erheben sich auf gut und gerne einen halben Zentimeter – „Also geschwitzt habe ich in diesem Sommer noch selten„.
  • Eine halbe Minute später – „Mein Kopf ist patschelnaß„.
  • … 🙂 …
Bei unserem Jausenplatzerl - wieder einmal etwas schattiger.

Bei unserem Jausenplatzerl – wieder einmal etwas schattiger.

Aber ich schweife ab – und wir schweifen am Goldlacken-Plateau herum.

Wir schweifen am Plateau herum.

Wir schweifen am Plateau herum.

Wir lassen uns zur Äsung nieder und studieren die Kalorien und die Zusammensetzungen der unterschiedlichen Müsliriegel. Nicht erwähnen muss ich, dass wieder Kleidungswechsel am Programm stand. Natürlich.

Unterhalb des Anstiegs zur Tratenscharte lassen wir uns an einem See zur Jause nieder.

Unterhalb des Anstiegs zur Tratenscharte lassen wir uns an einem See zur Jause nieder.

Zeitsprung – wir gehen weiter: Die Tratenscharte (schreibt man das wirklich nur mit einem t ?) könnte noch ganz nett sein. Ich verspreche den Mädels einen tollen Ausblick. Beim Aufstieg durch die unzähligen größeren und kleineren Steine wird es – man ahnt es kaum – wieder wärmer. Kleidung runter. „Puuh, ganz schön schweißtreibend„. Ganze 3 Minuten. Denn oben in der Scharte empfängt uns der Wind. Kleidung rauf.

Die Mädels unterhalb der Bildmitte beim Aufstieg in die Tratenscharte

Die Mädels unterhalb der Bildmitte beim Aufstieg in die Tratenscharte

Für die nächste Scharte – die Wildlochscharte – ca. 80 Höhenmeter weiter oben kann ich Ingrid und Isa aber nicht mehr überreden. Obwohl von da oben die Aussicht noch einmal deutlich schöner sein müsste. Sie begnügen sich mit dem zweifellos auch sehr schönen Ambiente in der Trattenscharte (wieso hab ich das Gefühl, dass man das mit 2 tt schreibt).

Auch die Tratenscharte hat schöne Lacken zu bieten.

Auch die Tratenscharte hat schöne Lacken zu bieten.

Gegenüber die Sonntagskarseen, die ich erst unlängst bei meiner Klafferkessel-Runde besucht habe.

Zoomblick zu den Sonntagskarseen - darüber das Kieseck.

Zoomblick zu den Sonntagskarseen – darüber das Kieseck.

Die Mädels steigen ab, ich steige noch ein Stück in die Wildlochscharte auf. Auf die 2.534 Meter hohe Wildlochhöhe wär es nur ein Katzensprung gewesen. Die heb ich mir aber als eigenständiges Ziel für ein anderes Mal auf. Geht da eventuell etwas über den Wildlochsee?

Ich steige nun ebenfalls ab. Im Goldlacken-Kessel haben sich mittlerweile doch einige Wanderer eingefunden. Mit ganz unterschiedlicher Adjustierung. Vom luftigen Ruderleibchen bis zum dicken Winter-Anorak und Haube ist da alles dabei. Es ist ja so heiß, so kalt, so …

Jetzt scheint wieder einmal kurz die Sonne auf die Goldlacken.

Jetzt scheint wieder einmal kurz die Sonne auf die Goldlacken.

Unterhalb von etwa 2.000 Meter Seehöhe beginnen die üppigen Schwarzbeerschläge. Vernünftiges Vorwärtskommen ist jetzt kaum mehr möglich. Die hohle Handfläche mit 10 bis 20 Beeren gefüllt. Alles rein in den Mund. Beim Kauen wieder einige Schritte talwärts. Dieses Szenario wiederholt sich bis zur Abzweigung zum Stierkarsee. Wie die Hände (und vermutlich auch das Gesicht) danach aussehen, kann man sich vorstellen. Für 100 Höhenmeter abwärts brauchen wir so 30 Minuten.

Schwarzbeeren - Einfach köstlich

Schwarzbeeren – Einfach köstlich

Aber jetzt muss alles blitzschnell gehen. Die Alm ruft. 400 Höhenmeter in 25 Minuten. Wenn das Bier nach der Wanderung ruft, kennt ein AlpenYeti kein Halten mehr. Die Getränke kommen direkt aus dem mit kaltem Bergwasser gespeisten Brunntrog. Dazu gibt´s herzhafte Steirerkas-Krapfn und einen wahrhaft köstlichen Kaiserschmarrn.

Rinder-Schule

Rinder-Schule

Doch die Wanderung ist noch nicht zu Ende. Isa möchte noch einen Geocache-Erfolg nach Hause bringen. Es gelingt. Die Krönung. Alle anderen Schönheiten und Köstlichkeiten des Tages sind vergessen, weil da eine mit „Kein Müll“ beschriftete Plastikdose in einem zerknautschten Plastiksackerl ruht 🙂 .

Geocache im Sattental

Geocache im Sattental

Fazit der Tour:

Die Fotos sind nicht so schön wie die tatsächlichen Naturschönheiten bei den Goldlacken. Zumindest so, wie man die traumhafte Landschaft in Erinnerung behält. Außer man hat den lästigen Umweg nur gemacht, um jenes bereits erwähnte, schmutzige Plastiksackerl zu finden.

Die Schwarzbeeren (jawohl Schwarzbeeren und nicht etwa Heidelbeeren) sind einfach köstlich. Und es sind noch genügend oben, um so manchem Braunbären die erforderliche Speckschicht für den nächsten Winterschlaf zu ermöglichen.

Auch die Begleitung von Isa ein Genuß – wie immer: Zum Luftsprünge machen 🙂 .

Da ist kein Geocache verborgen.

Da ist kein Geocache verborgen.

  • PS: Der Geocache liegt nicht, wie ursprünglich vermutet, im Saustall.
  • PPS: Wie kann es sein, dass noch niemand bei den Goldlacken einen Geocache platziert hat?

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Und sie sind der Meinung, das war Spitze.

Und sie sind der Meinung, das war Spitze.

Bei der Rückkehr zum Auto war es weder zu heiß noch zu kalt. Ärgerlich, wenn es nichts zum Jammern gibt.

Bei der Rückkehr zum Auto war es weder zu heiß noch zu kalt. Ärgerlich, wenn es nichts zum Jammern gibt.

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