Am Hitzehöhepunkt im Klafferkessel

Welche vernünftigen Möglichkeiten gibt es, um den heißesten Tag des Jahres mit Temperaturen im „leichten Fieberbereich“ halbwegs erträglich zu überstehen? Hinweis: Das Verweilen im klimaanlagenlosen Büro, in dem alle Säfte zu fließen beginnen, gehört definitiv nicht dazu.

Frühmorgens ist es noch kühl beim Schwarzensee

Frühmorgens ist es noch kühl beim Schwarzensee

  • Option 1: Den Tag an einem kühlen See verbringen
  • Option 2: In die Berge flüchten

Ich habe mich für Option 1 UND 2 entschieden.

Beim Schwarzensee beginnt meine Wanderrunde. Links werde ich zur Kaiserscharte hinaufgehen, von rechts werde ich am späten Nachmittag von der Rettingscharte herunterkommen.

Beim Schwarzensee beginnt meine Wanderrunde. Links werde ich zur Kaiserscharte hinaufgehen, von rechts werde ich am späten Nachmittag von der Rettingscharte herunterkommen.

Beim Start im hinter(st)en Kleinsölktal beim Parkplatz bei der Breitlahn-Hütte zeigt das Auto-Außenthermometer 11° Celsius. Und auch die ersten beiden Wander-Stunden im schattigen Tal – vorbei am Schwarzensee und der Putzentalalm – sind noch nicht schweißtreibend.

Die ersten Schweißtropfen vergieße ich erst, nachdem ich auf einer Seehöhe von 1.500 Meter in die Sonne gelange. Ich weiß mich aber durch wiederkehrende längere Pausen in den üppig behangenen Schwarzbeersträuchern dagegen zu wehren.

Köstliche Schwarzbeeren im perfekten Reifegrad halten mich immer wieder auf.

Köstliche Schwarzbeeren im perfekten Reifegrad halten mich immer wieder auf.

Allzu viele Wanderer dürften hier nicht vorbeikommen, denn die beiden Schafe in der Nähe einer kleinen Hütte schauten mich an, also ob ich von einem anderen Stern kommen würde.

Belämmert blickende Schafe bei einer kleinen Hütte

Belämmert blickende Schafe bei einer kleinen Hütte

Allmählich macht sich jetzt der vorhergesagte Wind bemerkbar und so fange ich auch am weiteren Wegverlauf in die Kaiserscharte nicht richtig zum Schwitzen an. Direkt in der Scharte bläst es sogar so stark, dass ich trotz strahlendem Sonnenschein eine zusätzliche Kleidungsschicht und das Stirnband benötige.

Rückblick von der Kaiserscharte über das Anstiegsgelände

Rückblick von der Kaiserscharte über das Anstiegsgelände

Es ist heute das dritte Mal, dass ich die Kaiserscharte passiere. Beim ersten Mal – 2003 noch vor dem Start meiner Tourenaufzeichnungen – sorgte ein rasch herannahendes Gewitter bei der AlpenYetin und mir für einen „Schweinsgalopp“ talwärts. Beim zweiten Mal war ich am Rückweg von der Kieseck-Waldhorn-Überschreitung hinab zur Putzentalalm. Und genau diese Runde von 2005, damals noch ohne GPS-Gerät, wollte ich heute in umgekehrter Richtung im Uhrzeigersinn wiederholen.

Herrlicher Tiefblick zum Zwerfenbergsee

Herrlicher Tiefblick zum Zwerfenbergsee

Etwas oberhalb des äußerst fotogenen Zwerfenbergsees genieße ich den Ausblick, der Angersee wird direkt an seinem Südufer umgangen. Hoch oben im Waldhorntörl kommt gerade eine größere Wanderergruppe herunter, während ich noch immer guter Dinge bin, das Waldhorn zu überschreiten.

Eine farbenprächtige Wanderergruppe kommt vom Waldhorntörl herab.

Eine farbenprächtige Wanderergruppe kommt vom Waldhorntörl herab.

Je mehr ich mich aber dem Waldhorntörl nähere, umso stärker pfeift mir der Wind um die Ohren. Nicht nur, dass es recht ungemütlich kalt wurde – die Aussicht, die nächsten Stunden bei der Gratüberschreitung permanent diesen Windböen ausgesetzt zu sein, ließ mich nach den ersten Felsstufen wieder umkehren.

Heftige Windböen im Waldhorntörl bewegen mich zur Wahl eines neuen Tourenziels

Heftige Windböen im Waldhorntörl bewegen mich zur Wahl eines neuen Tourenziels

Ich wollte heute zwar der Hitze entkommen – so ungemütlich muss es dann aber auch nicht sein. Und da es ja fast in der Nähe – quasi um die Scharte – ein äußert lohnenswertes und vermutlich nicht so windexponiertes Wanderziel gibt, habe ich kurzentschlossen umdisponiert und eine der schönsten Landschaften, die ich kenne, anvisiert.

Über die Breite Scharte in den Klafferkessel

Über die Breite Scharte in den Klafferkessel

Die unbeschreibliche Natur-Schönheit überwältigt mich jedes Mal wieder auf´s Neue, wenn ich den Klafferkessel mit seinen vielen großen und kleineren Seen und seiner urtümlichen Felslandschaft betrete. Heute komme ich wieder aus einer neuen Anstiegsrichtung – mittlerweile die fünfte verschiedene Route bei 6 Besuchen: Dieses Mal über die Breite Scharte, und auch mein Abgang 2 Stunden später wird über eine neues Steigerl erfolgen.

Heute auf der fünften Route (rot) in den Klafferkessel

Heute auf der fünften Route (rot) in den Klafferkessel

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Obwohl … die Breite Scharte habe ich ja bereits einmal in umgekehrter Richtung überschritten, als ich mit meinem Wanderkamerad Martin im Anschluß an den Greifenstein über den Kapuzinersee abgestiegen bin.

Herrlicher Blick über den Oberen Klaffersee zum Greifenberg

Herrlicher Blick über den Oberen Klaffersee zum Greifenberg

Wow – sooooo schööön! Um einen besseren Überblick zu erhalten überschreite ich den Hügel östlich vom Oberen Klaffersee. Und dort erkenne ich auch neben dem wasserfallartigen Abfluß des See´s den mir bisher unbekannten Steig, dem ich beim Abstieg folgen werde.

Oberer Klaffersee - dahinter der Greifenberg

Oberer Klaffersee – dahinter der Greifenberg

Zuvor aber zieht mich noch jenes großes Steinmandl in seinen Bann, welches inmitten des Klafferkessels über dem Rauhenbergsee in die Höhe ragt. Die meisten der kleineren Seen im Klafferkessel (je nach Wasserlage dürften es fast bis zu 2 Dutzend sein) sind in meiner Karte namenlos.

"UFO-Wolken" über dem Klafferkessel

„UFO-Wolken“ über dem Klafferkessel

Neben dem Rauhenbergsee ist aber zumindest der Oberer Klaffersee und der Untere Klaffersee namentlich erwähnt. Beim Blick zum Letztgenannten fällt mein Blick auch auf jenen kleinen See, welcher verewigt auf einer Leinwand im AlpenYeti´schen Heim an prominentem Platz bei Besuchern jedes Mal für Begeisterung sorgt.

Der Unterer Klaffersee (links) und ein namenloser kleiner See (rechts)

Der Untere Klaffersee (links) und ein namenloser kleiner See (rechts)

Ob es nun die Landschaft ist oder der durchtrainierte, athletische Körper jenes Wanderers, der über dem auch Anfang August noch zur Hälfte schneebedeckten See posiert, lässt sich nicht genau sagen. Wahrscheinlich wird es ersteres sein. Vielleicht ist es auch der außerordentliche, imponierende Mut, mit dem sich damals der Fotograf auf den kalbenden Eisriesen im See gestellt haben muss, um das Motiv von der perfekten Seite abbilden zu können.

Der Rauhenbergsee - einer der wenigen benannten Seen im Klafferkessel

Der Rauhenbergsee – einer der wenigen benannten Seen im Klafferkessel

Allmählich wandere ich jetzt im Klafferkessel wieder zurück Richtung Osten hinüber zum Greifenstein, den wir damals im Anschluß an die Entstehung des zuvor erwähnten Bildes erklommen haben. So grausig steil wie sich die Grasflanke im Foto darstellt, so ungut habe ich den Gipfel auch in Erinnerung. Das Gipfelbier haben wir damals auch erst getrunken, als wir wieder sicher herunter gekommen waren.

Der Greifenstein in Bildmitte. Im Hintergrund die Hochwildstelle.

Der Greifenstein in Bildmitte. Im Hintergrund die Hochwildstelle.

Ich steuere nun den Abfluß des Oberen Klaffersee´s an – denn nördlich neben diesem muss der Steig verlaufen, der mir heute aufgefallen ist. Und tatsächlich: Das Steiglein führt unschwierig zu einer Steinriese und über diese gelange ich auf die Hänge unterhalb des Kapuzinersees.

Abstieg zum Kapuzinersee. Darüber das Waldhorn.

Abstieg zum Kapuzinersee. Darüber das Waldhorn.

Hier ist es nun an der Zeit, einmal zu rasten und zu jausnen und mir auszurechnen, wann ich wohl wieder zurück zum Auto gelangen würde. Denn noch hatte ich einen sehr langen Weg vor mir und es war schon nach 14:00 Uhr. Für den weiteren Abstieg zur Preintalerhütte wählte ich deshalb zwecks schnellerem Vorwärtskommen nun den markierten Weg. Im Umfeld der Hütte tummelten sich einige Wanderer, die meisten spärlich bekleidet durch Bäche watend.

Bei der Preintalerhütte

Bei der Preintalerhütte

Ein kleiner Schock, als ich mir aus den Dutzenden Wanderrouten auf dem gelben Wegweisergeflecht jene über die Rettingscharte zur Breitlahnhütte heraussuchte: Mit 6 Stunden ist der Weg angeschrieben. Und jetzt war es schon nach 15:00 Uhr. Das würde spannend werden, ob sich das noch vor Einbruch der Dunkelheit ausgeht. In meiner eigenen Berechnung bin ich von maximal 4 Stunden ausgegangen.

Von der Preintalerhütte geht´s wieder 2 Stunden bergwärts

Von der Preintalerhütte geht´s wieder 2 Stunden bergwärts

Nun denn, die nächsten 2 Stunden waren heute am heißesten Tag des Jahres eigentlich die einzige Zeit, wo ich wirklich zum Schwitzen kam. Von der Preintalerhütte hinauf zum Unteren Sonntagskarsee. Unschwierig und sehr lohnenswert. Unweit des Sees füllte ich an einem kleinen Bächlein meine Wasserflasche, hoffend, dass nicht weiter oben Richtung Waldhorn Schafe oder Gämse ihr „Unwesen“ treiben – geschmeckt hätte ich diesbezüglich zumindest nichts.

Beim Unteren Sonntagskarsee

Beim Unteren Sonntagskarsee

Cirka 100 Höhenmeter weiter oben liegt der Obere Sonntagskarsee. Aber richtige Muße zum Verweilen will jetzt keine mehr aufkommen, auch wenn ich meine seit 10 Stunden in den Schuhen steckenden Füße gerne im klaren Bergwasser gekühlt hätte.

Oberer und Unterer Sonntagskarsee

Oberer und Unterer Sonntagskarsee

Nun wird es richtig steil und schweißtreibend – hinauf in die Rettingscharte (2.326). Oben im schmalen Felsdurchlass empfängt mich kühler Wind. Herrlich. Und auch wenn der Schwarzensee 1.163 Meter unter mir noch in der Sonne liegt (exakt dieselbe Höhe auf welcher der See liegt), zieht sich diese langsam von den Nordhängen zurück, auf denen ich nun absteigen werde.

Felsdurchschlupf in der Rettingscharte

Felsdurchschlupf in der Rettingscharte

Im oberen Abschnitt ist das Steiglein im hohen Gras und über Steine kaum ausmachbar – die Markierung ist aber gut. Zunehmender Schatten (auch durch aufziehende Bewölkung) und leichter Wind sorgen für angenehme Abkühlung. Neugierig beäugen mich die Kühe und das Pferd am recht flachen Steinigboden.

1.163 Höhenmeter sind es von der Rettingscharte hinab zum Schwarzensee.

1.163 Höhenmeter sind es von der Rettingscharte hinab zum Schwarzensee.

Ein letzter Abschwung und ich erreiche die Schwabalm am Schwarzensee und bald darauf schließt sich meine Wanderrunde.
Es bleibt nur noch der 4 Kilometer lange Rückmarsch auf der Schotterstraße, vorbei an der gut besuchten Jägeralm, der etwas abseits liegenden Harmeralm, der verbarrikadierten Grafenalm und zurück zum Parkplatz bei der Breitlahnhütte.

Beim Schwarzensee schließt sich meine Wanderrunde.

Beim Schwarzensee schließt sich meine Wanderrunde.

13 Stunden war ich heute unterwegs und habe dabei 2.700 Aufstiegshöhenmeter und 36 Kilometer zurückgelegt. Entsprechend qualmen meine aufgedunsenen Füße, als ich sie beim Auto von den verschwitzten Bergschuhen befreie. 18° Celsius zeigt das Auto-Außenthermometer. Den heißesten Tag des Jahres habe ich heute (bis auf die 2 Stunden beim Aufstieg von der Preintalerhütte zur Rettingscharte) bestens hinter mich gebracht und eine Kaltfront mit Abkühlung ist bereits im Anzug.

Fast 4 Kilometer sind es noch vom Schwarzensee bis zum Ausgangspunkt bei der Breitlahnhütte.

Fast 4 Kilometer sind es noch vom Schwarzensee bis zum Ausgangspunkt bei der Breitlahnhütte.

Fazit der Tour:

Auch wenn ursprünglich eine Überschreitung des siebthöchsten Gipfels der Schladminger Tauern geplant war, hat sich windbedingt mit dem Klafferkessel ein mehr als würdiges Ersatzziel finden lassen. Man neigt ja gerne dazu, mit Superlativen um sich zu schmeissen. Für den Klafferkessel trifft aber zumindest nach meiner persönlichen Erfahrung und Einschätzung die Aussage zu, dass es dabei um eines der schönsten und abwechslungsreichsten Wanderziele der österreichischen Alpen handelt.

Tiefblick zum Kapuzinersee am Fuße des Waldhorns

Tiefblick zum Kapuzinersee am Fuße des Waldhorns

Aber eigentlich dürfte ich das gar nicht schreiben, aus Furcht, das Gebiet wird dann von Wanderern überlaufen. Das diese Gefahr aber nicht allzu groß ist, dafür sorgt die große Distanz, die man selbst bei den kürzesten Zustiegsrouten zurücklegen muss.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Blick aus dem Klafferkessel nach Rohrmoos. Im Hintergrund das Dachsteingebirge.

Blick aus dem Klafferkessel nach Rohrmoos. Im Hintergrund das Dachsteingebirge.

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