Auf den Spuren des Schwarzen Peter zur Planspitze

Mit dem „Titelheld“ der heutigen Geschichte ist nicht eine unbeliebte Karte aus einem Kinder-Kartenspiel gemeint, sondern die Legende von jenem verwegenem Wilderer, der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Obrigkeit narrte, in dem er den ihn verfolgenden Jägern und Gendarmen jedes Mal in den als unüberwindbar geltenden senkrechten Felswänden der Hochtorgruppe entwischte.

Der Schwarze Peter musste sich noch ohne Wegweiser orientieren.

Der Schwarze Peter musste sich noch ohne Wegweiser orientieren.

Warum ihm die Jäger damals nicht zu folgen vermochten – dazu habe ich nach dieser Wandertour eine eigene Theorie. Doch mehr dazu am Ende dieses Berichts.

Da soll es irgendwo durch die Nordwände der Hochtorgruppe hinaufgehen ?!

Da soll es irgendwo durch die Nordwände der Hochtorgruppe hinaufgehen ?!

Mehr als ein Jahrzehnt ist nun schon vergangen, seitdem ich das erste Mal aus dem Haindlkar über den sogenannten Peternpfad aufsteigen wollte. Aber irgendwie waren die Verhältnisse nie so, wie ich sie mir gewünscht hätte. Einmal war die Wetterprognose zu unsicher, ein anderes Mal war es wieder zu frostig. Und ehrlich gesagt hielten mich auch immer wieder die unzähligen Berichte im Internet ab, in denen so manche Schauergeschichte erzählt wurde – meist in Kombination mit spektakulären, haarsträubenden Fotos (ein ganz besonders beliebtes Motiv ist dabei der „Ennstalerschritt“). Und auch der Felssturz im Jahre 2016 war meinen Besteigungsplänen nicht gerade förderlich.

Früher Start in noch angenehm-kühler Luft.

Früher Start in noch angenehm-kühler Luft.

Nun aber war der Zeitpunkt gekommen, da alle Begleitumstände perfekt waren. Am frühen Morgen war der Haindlkar-Parkplatz südlich der Gesäuse-Straße B 146 bereits so gut wie zugeparkt. Beim Parkplatz nördlich der Straße war aber noch ausreichend Platz. Der unterste Wegabschnitt bis zur Haindlkarhütte war mir bereits von früheren Wanderungen bekannt (wie beispielsweise einer Überschreitung der Gsengscharte). Und obwohl es bereits hier sehenswerte Ein- und Ausblicke gibt, empfand ich die erste Stunde eher als „notwendiges Übel“ – viel zu sehr war ich gedanklich schon mit den Schwierigkeiten beschäftigt, die mich am Peternpfad erwarten würden.

Am bereits bekannten Weg zur Haindlkarhütte hatte ich für die interessanten Motive noch nicht allzu viel Muße.

Am bereits bekannten Weg zur Haindlkarhütte hatte ich für die interessanten Motive noch nicht allzu viel Muße.

Im Vorjahr waren Ingrid und ich eigentlich ungeplant bereits bis auf eine Seehöhe von fast 1.600 Meter hinauf gewandert. Und auf den letzten 100 bis 200 Höhenmetern ist es da schon ordentlich steil, erdig-sandig und steinschlaggefährlich gewesen. Heute aber brachte ich auch diese Passage in einer von Felsblöcken dominierten Rinne recht rasch hinter mich. Allerdings nicht so rasch, dass nicht eine 2-er und eine 3-Gruppe hinter mir aufholten.

Im Vorjahr sind wir ungeplant fast bis zum Klettereinstieg in Bildmitte hinauf gekommen

Im Vorjahr sind wir ungeplant fast bis zum Klettereinstieg in Bildmitte hinauf gekommen

Schließlich gelange ich zu jenem Schluchteinschnitt, durch welchen von oben ein kleines Rinnsal herunterkommt. Und hier ist es auch an der Zeit, die Wanderstöcke wegzustecken, denn ab nun werden beide Hände zum Klettern benötigt. Die Schwierigkeiten halten sich aber mit I bis II in den untersten Graden und im Großen und Ganzen habe ich die Tritte und Griffe auch für meine Größe als recht angenehm empfunden. Anders als letzte Woche in der Buchsteingruppe, wo ich mich am Wengerweg an 2 bis 3 Stellen ordentlich strecken musste.

Ab diesem Einschnitt beginnt das Klettergelände.

Ab diesem Einschnitt beginnt das Klettergelände.

Wie auch bei früheren Klettertouren dauerte es einige Höhenmeter, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, dass jetzt tunlichst immer mindestens zwei Füße und eine Hand oder zwei Hände und ein Fuß stabilen Kontakt mit dem Fels haben sollten und ein Auslassen oder Ausrutschen im exponierten Gelände fatale Folgen haben könnte.

Die einfachste Route ist perfekt mit roten Punkten markiert.

Die einfachste Route ist perfekt mit roten Punkten markiert.

Aber mit jedem Griff und jedem Tritt nimmt dann die Sicherheit zu – und Schwierigkeit I bis II traue ich mir auch mit meiner nicht mehr ganz jugendlichen Schulter noch zu. Vor allem im Aufstieg. Abwärts – wie es z.B. am Großen Ödstein oder am Admonter Reichenstein erforderlich ist – schaut die Sache dann schon wieder ganz anders aus.

Tiefblick zur Gsengscharte unterhalb der Bilmitte. Und darunter die Haindlkarhütte. Im Hintergrund der Admonter Reichenstein.

Tiefblick zur Gsengscharte unterhalb der Bilmitte. Und darunter die Haindlkarhütte. Im Hintergrund der Admonter Reichenstein.

Kurz bevor ich in der Schlucht wieder Gehgelände erreiche, erkenne ich auf der anderen Schluchtseite 2 Bergsteiger auf einem luftigen Felsband in der senkrechten Wand. Puuh, das schaut ganz schön haarig aus. Aber die vielen roten Punkte, welche die einfachste Route anzeigen, würden mich schon darüber hinwegleiten. Laut polternd stürzen jetzt einige Steinbrocken aus der Nordwand in die Schlucht herab. Kletterhelm habe ich selbstverständlich auf – bei diesen Trümmern würde er aber auch nicht viel helfen. Hinter einem Felsblock warte ich, bis es wieder still wird.

Der Peternpfad führt nicht über das Felsband in Bildmitte, wo gerade - winzig klein - 2 Kletterer unterwegs sind, sondern "nur" über die Felswand auf der linken Seite hinauf.

Der Peternpfad führt nicht über das Felsband in Bildmitte, wo gerade – winzig klein – 2 Kletterer unterwegs sind, sondern „nur“ über die Felswand auf der linken Seite hinauf.

Die 2 zuvor in den ausgesetzten senkrechten Felsen beobachteten Bergsteiger, stellten sich jetzt als Kletterer heraus. Die roten Punkte des Peternpfades führen in die andere Richtung weiter. Da habe ich auch nichts dagegen.

Von hinten kommen schnellere Geher nach.

Von hinten kommen schnellere Geher nach.

Während ich die Steilwände fotografiere und mir ausmale, wo da vor 2 Jahren der gigantische Felssturz stattgefunden haben mag, kommen die 5 Wanderer nach, die ich schon eine Zeitlang hinter mir gesehen habe.

Auf der Felskante oberhalb der Bildmitte erkennt man bei genauem Hinsehen einen Kletterer. Meine Befürchtung, das wäre der Peternpfad hat sich gottseidank nicht bewahrheitet.

Auf der Felskante oberhalb der Bildmitte erkennt man bei genauem Hinsehen einen Kletterer. Meine Befürchtung, das wäre der Peternpfad hat sich gottseidank nicht bewahrheitet.

Eine der Herausforderungen beim Peternpfad besteht darin, so „leise“ zu gehen, dass man keinen der unzähligen Steine auf die Nachkommenden ablässt. Das habe ich eigentlich als schwieriger empfunden als die Kletterstellen. Die 3-er-Gruppe geht gleich vorbei und entschlüpft alsbald meinen Blicken, während das andere Paar sich zunächst einmal zu einer Jause niederlässt.

Kletterabschnitte wechseln sich mit Gehgelände - wie hier waagrecht durch die Bildmitte auf einem Felsband. Links erkennt man einen Wanderer, der mich gerade überholt hat und mir liebenswürdigerweise Fotos von mir zugesandt hat :-)

Kletterabschnitte wechseln sich mit Gehgelände – wie hier waagrecht durch die Bildmitte auf einem Felsband. Links erkennt man einen Wanderer, der mich gerade überholt hat und mir liebenswürdigerweise Fotos von mir zugesandt hat 🙂

Kletterstellen wechseln sich jetzt mit unschwierigem Gehgelände über Schrofen und schotterbedeckte Felsplatten ab und bald gelange ich nun in die Sonne.

Die Sonne blinzelt über die Nordwände herüber

Die Sonne blinzelt über die Nordwände herüber

Auf einer Felsplatte mit 2 aufgemalten Pfeilen hat man einen tollen Tiefblick zur Haindlkarhütte. Noch ein Stück und ich bin beim Ennstalerschritt – bzw. eigentlich schon darüber hinweg. Denn auf Grund der vielen Geschichten, die über diese Felsstelle geschrieben werden, untermauert von so manchem haarsträubenden Bild, habe ich mir diese Passage wesentlich schwieriger vorgestellt.

Den "Ennstalerschritt" über den Felsblock in Bildmitte habe ich mir schwieriger vorgestellt.

Den „Ennstalerschritt“ über den Felsblock in Bildmitte habe ich mir schwieriger vorgestellt.

Wie gesagt. Erst als ich schon vorbei war, kam die Erkenntnis. Das war der Ennstalerschritt. Noch einige Kletterstellen und dann ist man auch schon oben in der Peternscharte.

In der Peternscharte (rechts)

In der Peternscharte (rechts)

Jetzt erst erholt sich mein GPS-Gerät wieder. In der Abschirmung der Nordwände der Hochtorgruppe muss der Empfang sehr schlecht gewesen sein. Denn so wie der Track aussieht, bin ich ganz sicher nicht gegangen. Und diese GPS-Ausfälle – so meine Theorie – könnten auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass vor 150 Jahren die Jäger immer wieder die Spur des Schwarzen Peter verloren haben 🙂 .

Heftige Ausschläge und Verwirrungen des GPS-Geräts am Peternpfad

Heftige Ausschläge und Verwirrungen des GPS-Geräts am Peternpfad

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Mein heutiges Ziel – die Planspitze – liegt nordöstlich der Peternscharte. Der von der Heßhütte heraufführende Steig ist markiert, Drahtseile erleichtern das Hinwegkommen über einige felsige Stellen. Bei meinem Eintreffen beim Gipfelkreuz (eigentlich den 2 Gipfelkreuzen) auf der Planspitze ist nur eine Vierergruppe oben. Etwas später – während meines Schläfchens bei herrlicher Temperatur – sollte sich das ändern. Nach und nach kommen weitere Wanderer hinzu.

Von der Peternscharte zur Planspitze

Von der Peternscharte zur Planspitze

Gelegentliche stärkere Windböen sind heute an diesem heißen Sommertag nur angenehm.

Nach und nach trudeln Wanderer bei den 2 Gipfelkreuzen auf der Planspitze ein

Nach und nach trudeln Wanderer bei den 2 Gipfelkreuzen auf der Planspitze ein

Aufbruch zum Abstieg: Über die stellenweise gar nicht so einfache Kölblplan – die schwierigsten Stellen sind auch hier durch Drahtseile entschärft – geht´s abwärts zum Ebersanger auf 1.473 Meter Höhe. Mit 2 Stunden ist hier der weitere Abstiegsweg zur Kummerbrücke angeschrieben. Kann doch nicht sein – sind doch nur 900 Höhenmeter – solche Distanzen bin ich auch schon unter einer Stunde gegangen/gelaufen. Denkste. Nicht hier am Wasserfallweg. Etwas schneller war ich zwar schon, aber nicht so markant, wie ich mir das erwartet hätte.

Auch der Abstieg von der Planspitze wartet mit einigen felsigen Abschnitten auf.

Auch der Abstieg von der Planspitze wartet mit einigen felsigen Abschnitten auf.

Eisenleitern, Eisengeländer, Drahtseile – am schmalen Steiglein des Wasserfallweges über steil abschüssigen Hängen ist man für jedes Hilfsmittel dankbar. Ich bin erleichtert, als ich die letzte Stiege hinter mir lasse und es wieder auf normalen Steigen – vorbei an den Felswänden – im Wald abwärts geht.

Allzu schnell kommt man am Wasserfallweg auch abwärts nicht voran

Allzu schnell kommt man am Wasserfallweg auch abwärts nicht voran

Der namengebende Wasserfall ist heute nur ein armseliges Rinnsal. Zum Händewaschen auf den nassen Steinen reicht es, mit der erhofften Dusche wird es aber nichts.

Spärlich tröpfelt der "Wasserfall" über die Felsen

Spärlich tröpfelt der „Wasserfall“ über die Felsen

Noch ein kurzes Stück am markierten Weg, zuletzt aber unmarkiert aber auf ebenfalls deutlich erkennbarem Steig direkt zur Enns-Staumauer. Nun am Ennsboden der Mountainbike-Beschilderung folgend Richtung Westen. 5 Kilometer sind es jetzt zurück zum Ausgangspunkt. Meine Getränke gehen zur Neige und hier auf unter 600 Meter Seehöhe dürfte es doch mehr als 30 Grad haben. Im Schatten. Von dem gibt es gottseidank genügend im Waldweg südlich der Enns.

Am Ennsboden dreht meine Route nun Richtung Westen.

Am Ennsboden dreht meine Route nun Richtung Westen.

Erlösung vom Durst gibt es dann am Campingplatz in Gstatterboden, wo es bei einem Brunnen Trinkwasser gibt. Zwar nicht eiskalt, aber doch von kühler Temperatur und auf jeden Fall durstlöschend. Der Trog des Brunnens ist mit verschiedensten Getränken zur Kühlung vollgestopft. Jetzt noch ca. 1,5 Kilometer auf der Gesäuse-Straße. Ich zähle die Straßenkilometer, welche auf kleinen blauen Täfelchen in 200-Meter-Schritten herabzählen.

Entlang der Enns zurück zum Ausgangspunkt beim Haindlkar-Parkplatz

Entlang der Enns zurück zum Ausgangspunkt beim Haindlkar-Parkplatz

Endlich wieder zurück beim Auto. 35 Grad zeigt das Außenthermometer. Entsprechend fließen jetzt die „Säfte“, nachdem ich meinen Flüssigkeitshaushalt ja zuvor beim Campingplatz ausgeglichen/aufgefüllt habe.

Irgendwo da oben bin ich heute hinaufgekommen.

Irgendwo da oben bin ich heute hinaufgekommen.

Fazit der Tour:

Die Anforderungen am Peternpfad bestehen weniger in der Kletter-Schwierigkeit (maximal Schwierigkeitsgrad II) als viel mehr in der teilweisen Ausgesetztheit des Geländes und das über mehrere hundert Höhenmeter. Und auch die Länge der Tour ist nicht zu unterschätzen, schließlich liegen zwischen dem Ausgangspunkt und der Peternscharte schon mehr als 1.400 Höhenmeter. Und dann hat man immer noch einen langen und je nach Routenwahl mehr oder weniger anspruchsvollen Abstiegsweg vor sich. Mehr – wenn man über den Dachlgrat weiter zum Hochtor steigt, weniger wenn man es – so wie ich – mit der Planspitze bewenden lässt.

Die Route über die Planspitze ist kürzer und einfacher als jene über den Dachlgrat zum Hochtor. In Bildmitte kommt gerade ein Klettererpaar aus der Nordwand.

Die Route über die Planspitze ist kürzer und einfacher als jene über den Dachlgrat zum Hochtor. In Bildmitte kommt gerade ein Klettererpaar aus der Nordwand.

Noch einfacher und kraftschonender wäre natürlich der direkte Abstieg zur Heßhütte. Aber selbst da wartet beim Weg zurück ins Tal mit dem Wasserfallweg noch einmal eine kleinere Herausforderung. Glücklich können sich dann alle diejenigen schätzen, die ein zweites Fahrzeug bei der Kummerbrücke platziert haben. Ansonsten steht einem noch eine recht monotone 5-Kilometer-Wanderung südlich der Enns bevor.

Blick von der Planspitze zum Hochtor

Blick von der Planspitze zum Hochtor

Mit meiner Bewertung möchte ich übrigens die Schwierigkeiten des Peternpfades nicht kleinreden, aber im Vergleich zu einigen anderen Touren – wie beispielsweise dem Großen Ödstein oder dem Kleinen Buchstein empfand ich die Anforderungen dann aber doch als deutlich einfacher, insbesondere den berüchtigten und vielfotografierten „Ennstalerschritt“ habe ich erst bewusst wahrgenommen, als ich bereits vorbei war. Mag aber auch sein, dass ich heute nur einen besonders guten Tag erwischt hatte.

Unterwegs am Peternpfad

Unterwegs am Peternpfad

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

PS: Vielen Dank an Bernhard, der mir dankenswerterweise Fotos von mir am Peternpfad zukommen hat lassen 🙂

AlpenYeti am Peternpfad - festgehalten vom überholenden Bernhard :-)

AlpenYeti am Peternpfad – festgehalten vom überholenden Bernhard 🙂

Eine der vielen Eisenleitern am Wasserfallweg

Eine der vielen Eisenleitern am Wasserfallweg

 

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