Über den Wengerweg auf den Plattenkogel

Selbst bergkundige Wanderer werden mit dem Wengerweg wahrscheinlich einen anderen Gipfelnamen als den im Titel genannten in Zusammenhang bringen und vermutlich mit dem Plattenkogel wenig bis gar nichts anzufangen wissen. Und auch wenn ich zusätzlich die „Drei Schneiden“ erwähne, dürfte es vermutlich bei den meisten Bergsteigern noch nicht klingeln, auch wenn an schönen Sommertagen regelmäßig Dutzende daran vorbeikommen.

Eine Schautafel beim Ausgangspunkt erwähnt das heutige "Haupt"-Ziel namentlich - den Plattenkogel

Eine Schautafel beim Ausgangspunkt erwähnt das heutige „Haupt“-Ziel namentlich – den Plattenkogel

Der Groschen (heißt das jetzt eigentlich Cent?) ist meist dann gefallen, wenn man im Zusammenhang mit dem Wengerweg vom Großen Buchstein hoch über Gstatterboden spricht. Wobei man diesen großartigen Berg ja auch von der „anderen Seite“ aus der Buchau auf einem markierten Wanderweg erreichen kann.

Beim Aufbruch in Gstatterboden zeigen sich die umliegenden Gesäuseberge - wie hier im Bild der Admonter Reichenstein - noch teilweise hinter Nebel versteckt

Beim Aufbruch in Gstatterboden zeigen sich die umliegenden Gesäuseberge – wie hier im Bild der Admonter Reichenstein – noch teilweise hinter Nebel versteckt

Der Große Buchstein selbst lässt sich – im Gegensatz zu seinem „grausligen“ kleinen Bruder – auf 3 verschiedenen Routen erwandern, wobei aber auch der Normalweg durch die Westschlucht bereits einige Klettereinlagen (Schwierigkeit I) über tlw. glatte Felsplatten aufweist. Steilere Passagen sind aber durch Drahtseile entschärft. Die am häufigsten begangene Aufstiegs-Route dürfte über den Südwandband-Klettersteig verlaufen, in landschaftlich sehr schöner Szenerie und nicht allzu schwierig. Lediglich Steinschlaggefahr kann stellenweise ein Thema werden.

Steinschlaggefahr am Südwandband-Klettersteig auf den Großen Buchstein

Steinschlaggefahr am Südwandband-Klettersteig auf den Großen Buchstein

Und die dritte Möglichkeit verläuft eben über den Wengerweg – wobei es sich dabei aber keinesfalls um einen Wanderweg im klassischen Sinne und auch um keinen Klettersteig handelt. Der Aufstieg durch eine Felsschlucht erfordert an 4 bis 5 Stellen Kletterfertigkeiten im II. Schwierigkeitsgrad, ist aber nicht ausgesetzt und bei den heikelsten  Stellen ist auch sporadisch etwas „Eisen“ vorhanden.

Unterer Einstieg in den Wengerweg durch die Schlucht im Bereich der Bildmitte

Unterer Einstieg in den Wengerweg durch die Schlucht im Bereich der Bildmitte

Vor fast 13 Jahren bin ich diese Route nach unten gegangen/geklettert. Bergauf geht es doch etwas einfacher. Heute war ich aber der einzige im Aufstieg, während 2 Gruppen (2 und 4 Wanderer) abgestiegen sind. Die Sonne dürfte es in den Fels-Engstellen schwer haben und so waren auch an diesem warmen Sommertag einige Felsstellen etwas rutschig. Aber der „heiße und stabile“ Sommertag der Wetterprognose hatte dann im Tagesverlauf ohnehin 2 Mal leichtes Nieseln im Gepäck und sorgte auch heute tagsüber für Feuchtigkeitszunahme an den Felsen.

Gegenverkehr am Wengerweg

Gegenverkehr am Wengerweg

Ich starte meine Wanderung beim Buchsteinhaus-Parkplatz westlich von Gstatterboden, südlich der Enns. Gleich nach der Ennsbrücke und der Überquerung der Gleisanlage geht es nach links weiter, zunächst noch ein kurzes Stück auf einer schmalen Schotterstraße, bald aber in den Wald hinein.

Die Kehren zum Buchsteinhaus - mit der Abkürzung beim Abstieg im linken Bereich.

Die Kehren zum Buchsteinhaus – mit der Abkürzung beim Abstieg im linken Bereich.

Fast 1.000 Höhenmeter sind es bis zum Buchsteinhaus, immer wieder gibt der Wald beeindruckende Ausblicke frei. Spannend wird es dann ab einer Seehöhe von 1.200 Meter, denn hier bei der Talstation der Materialseilbahn zum Buchsteinhaus kann man jetzt beginnen, die Kehren zu zählen. Auf 20 bin ich gekommen, wenn ich mich nicht verzählt habe. Zählt man unten die Abzweigung von der Forststraße und oben die letzte Kurve unter der Terasse beim Buchsteinhaus auch noch dazu, kommt man auf 22. Allerdings kann den Großteil davon auch auf einem guten „Direktsteiglein“ abkürzen – so wie ich es beim Abstieg gemacht habe.

Bald gelangt man nach dem Buchsteinhaus in eine faszinierende Felslandschaft, einige Gedenktafeln aus längst vergangenen Zeiten bis zur Gegenwart mahnen zur Vorsicht und stimmen nachdenklich.

Faszinierende Felsgebilde oberhalb vom Buchsteinhaus

Faszinierende Felsgebilde oberhalb vom Buchsteinhaus

Vorbei an der Abzweigung zum Klettersteig und unter gelegentlichen lauten Rufen von Kletterern in den Süd- und Westwänden des Buchsteins erreiche ich den unteren Einstieg in den Wengerweg, wo ich zur Sicherheit einen Kletterhelm aufsetze und ihn erst wieder am oberen Ende nach einem Felsdurchschlupf abnehme.

Vorbei an der Abzweigung zum Klettersteig noch ein Stück Richtung Norden

Vorbei an der Abzweigung zum Klettersteig noch ein Stück Richtung Norden

Als ich beim Gipfelkreuz am Großen Buchstein angekommen bin, machte sich gerade eine größere Gruppe auf den Abstieg, so dass es am höchsten Punkt bei 2.224 Meter Höhe eigentlich abgesehen von einem Klettersteig-Pärchen sehr einsam gewesen wäre. Dennoch hielt ich mich nicht länger auf, zumal noch ein langer Weg zu meinem heutigen eigentlichen Gipfelziel vor mir lag.

Beim Gipfelkreuz am Großen Buchstein

Beim Gipfelkreuz am Großen Buchstein

Mein Weg (bzw. einen solchen gibt es nach der Einmündung des Südwandband-Klettersteiges gar nicht mehr) führte mich nun über die Erhebungen der „Drei Schneiden“ östlich vom Buchstein-Gipfel. Immer wieder suchte ich die Umgebung nach Abstiegsmöglichkeiten in das Kar südlich des Plattenkogels und nach weiteren Aufstiegsmöglichkeiten auf den Gipfel ab.

Über die Drei Schneiden nach Osten. Meine Abstiegsroute verläuft im linken Bildbereich.

Über die Drei Schneiden nach Osten. Meine Abstiegsroute verläuft im linken Bildbereich.

Zwar würde es im Umfeld der Drei Schneiden relativ einfach nordwärts gehen, ich wollte aber eine möglichst weit ausschweifende Runde auf den Bergrücken zurücklegen. Über steiles Schrofengelände gelange ich in den Karboden (handelt es sich dabei um das Rohrgassl?) und steige am anderen Ende der mit großen, rissigen Felsplatten und Dolinenlöchern durchsetzten Ebene wieder über schottriges Gelände auf der Südseite aufwärts Richtung Plattenkogel, den ich in der Folge in seiner gesamten Länge von West nach Ost überschreite, ehe mich steil abfallende Felsen aufhalten.

Aufstiegsroute auf den Plattenkogel im linken Bildbereich über die Schotterfelder

Aufstiegsroute auf den Plattenkogel im linken Bildbereich über die Schotterfelder

Gämse gibt es hier am weitläufigen Plateau nicht zu wenig. Immer wieder bekommt man welche ins Blickfeld, und sieht man sie einmal nicht, verraten sie sich selbst durch ihr „Warnfauchen“.

Wieder einmal eine der vielen Gämse am Buchsteinplateau.

Wieder einmal eine der vielen Gämse am Buchsteinplateau.

Hier ist nun Zeit für eine kurze Pause. Aber wirklich nur kurz, denn schon bald zieht aus Norden über den Kleinen Buchstein ein kurzer Nieselschauer herein, der sich bald aber wieder in einem farbenprächtigen Regenbogen auflöst. Über recht angenehm begehbares Wiesen- und Karstgelände zwischen St. Gallener Spitze / Admonter Frauenmauer und Großen Buchstein / Drei Schneiden wandere ich vom Plattenkogel westwärts zum schon weitem sichtbaren Wegweiser, der am Normalweg in die Westschlucht hinabdeutet.

Wenig später zieht ein Nieselregenschauer über den Kleinen Buchstein herein

Wenig später zieht ein Nieselregenschauer über den Kleinen Buchstein herein

Hier setzt nun abermals leichter Nieselregen ein, der den Abstieg über die glatten Felsstellen nicht unbedingt erleichtert und mich fast bis zur Rückkehr beim Buchsteinhaus begleitet. Aber sobald dann die Sonne wieder rauskommt wird es gleich wieder sehr warm. Nach den Kehren und einem kurzen Waldabschnitt reizt mich bei einem Bankerl mit herrlichem Ausblick auf die Nordwände von der Planspitze über das Hochtor bis zum Ödstein, ein westlich des Kühgrabens bergab führendes Schottersteigerl welches durch etliche Steinmanndln markiert ist.

Meine Wanderrouten auf den Großen Buchstein

Meine Wanderrouten auf den Großen Buchstein

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Diesem Weg folge ich nun, in der Hoffnung, dass er „unten irgendwo dazukommen wird“ – was er auch tat. Über den Rauchboden geht es zurück zum markierten Wanderweg (Abwechslung bietet der Steig allemal, eine Abkürzung ist er dagegen definitiv nicht) und nördlich oberhalb der Enns am Anstiegsweg zurück zum Parkplatz südlich der Enns, wo mich im Auto schweißtreibende Temperaturen erwarten.

Fast zurück beim Ausgangspunkt bei der Enns

Fast zurück beim Ausgangspunkt bei der Enns

Fazit der Tour:

Abstieg am Buchstein-Normalweg

Abstieg am Buchstein-Normalweg

Der Große Buchstein ist und bleibt einer meiner Lieblingsberge im Gesäuse. Anspruchsvoll aber nicht angsteinflößend schwierig. Eine ordentliche Höhenmeter-Portion vom Tal bis zum Gipfel. Abwechslungsreiche Anstiegsmöglichkeiten im obersten Abschnitt. Eine in herrlicher Aussichtslage liegende Hütte. Und – im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Wanderern: Ich mag die Kehren. Und wäre da oben am Plateau auch noch ein See – ich wäre noch wesentlich häufiger anzutreffen. Das einzige Manko: Die Buchstein-Saison ist relativ kurz: Denn bei Schneefeldern oder Vereisung möchte ich dort nirgends mehr unterwegs sein.

Neuer Weg durch den Kühgraben zum Rauchboden - bei diesem Bankerl geradeaus hinunter

Neuer Weg durch den Kühgraben zum Rauchboden – bei diesem Bankerl geradeaus hinunter

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Hatte ich schon erwähnt, dass es am Buchsteinplateau viele Gämse gibt?

Hatte ich schon erwähnt, dass es am Buchsteinplateau viele Gämse gibt?

 

 

 

 

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