Gosaukamm-Umrundung – Auf den Spuren der Nr 1

Mit der digitalen Aufzeichnung meiner Wandertouren in meiner Tourendatenbank habe ich zwar schon am 01.01.2004 begonnen, die allererste Tour, die ich damals nach Umstellung von Analog-Fotografie auf Digital-Fotografie am 10.06.2004 aber auch bildlich in meinem bis Anfang 2012 geführten Tourenalbum festgehalten habe, führte uns von den Hofalmen bei Filzmoos am Austriaweg bis zur Stuhlalm und wieder zurück.

Gosaumkamm-Umrundung entgegen dem Uhrzeigersinn (Start rechts unten)

Gosaumkamm-Umrundung entgegen dem Uhrzeigersinn (Start rechts unten)

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Gosaukamm Südwest hatte ich diese Wanderung damals genannt und obwohl mittlerweile doch schon einige Jährchen ins Lande gezogen sind, kann ich mich noch gut erinnern, wie fasziniert wir damals von den markanten Felsformationen gewesen sind. Mittlerweile habe ich im Umfeld des Gosaukamms schon so manche weitere Tour unternommen – im Süden, im Westen im Norden und im Osten – aber eine vollständige Umrundung hat sich bis jetzt noch nicht ergeben.

In der Durchgangsscharte waren wir vor 14 Jahren auch schon einmal

In der Durchgangsscharte waren wir vor 14 Jahren auch schon einmal

Bis jetzt: Denn bei der ca. 27 Kilometer langen Wanderung mit etwa 1.800 Höhenmetern muss das Wetter schon passen. Es darf nicht zu labil sein und es sollte tunlichst auch nicht zu heiß sein. Am 01.07.2018 war die Prognose schließlich ideal für diese Rundwanderung, auch wenn sich die Sonne am Morgen noch nicht ganz an die ihr zugeteilte Rolle gehalten hat.

Frühmorgens ist von den 16 Stunden Sonnenscheindauer noch nicht viel zu merken

Frühmorgens ist von den 16 Stunden Sonnenscheindauer noch nicht viel zu merken

Anders als vor 14 Jahren bei der „Erstbegehung“ – wo wir bei der damals noch mit dem Auto erreichbaren Aualm starteten (ich glaube, dass das jetzt für „Normalsterbliche“ gar nicht mehr möglich/erlaubt ist) – brachen wir dieses Mal bei der Unterhofalm auf. 4 Euro für die Straßenmaut hatte ich damals in meinem Tourenbuch vermerkt, mittlerweile sind es immer noch akzeptable 5,50 Euro.

Der Anstieg auf den Steiglpaß verläuft links der Bildmitte

Der Anstieg auf den Steiglpaß verläuft links der Bildmitte

Der erste Wegabschnitt hinauf zur Hofpürglhütte ist uns von vielen weiteren Wanderungen bereits bestens bekannt. Für die außerordentlich schöne Landschaft haben wir aus diesem Grund vorerst noch kaum ein Auge. Zumal wir heute noch ein großes Tagespensum zurückzulegen haben und auch Nebel im Tal und Hochnebel über den höheren Bergen die Sicht zunächst noch trübt. Trotzdem waren die Temperaturen anfangs noch bestens.

Kleine und Große Bischofsmütze mit Nebelhaube

Kleine und Große Bischofsmütze mit Nebelhaube

Kurz vor der Hofpürglhütte, dort wo sich am Nachmittag unsere Rundtour wieder schließen würde, zweigten wir Richtung Norden ab und folgten dem anfangs noch eben verlaufenden Steig. 2 Gämse ließen sich durch uns nicht sonderlich aus der Ruhe bringen.

Gämse zwischen Hofpürglhütte und Steiglpaß

Gämse zwischen Hofpürglhütte und Steiglpaß

Westlich an Kleiner und Großer Bischofsmütze vorbei, jenem eindrucksvollen Felsgebilde, das immer wieder durch Felsstürze aufhorchen lässt und bisher der einzige Berg, wo wir uns (gerne – vor allem beim Abstieg) durch ein Kletterseil sichern ließen.

Aufstieg zum Steiglpaß mit bestem Ausblick zur Bischofsmütze

Aufstieg zum Steiglpaß mit bestem Ausblick zur Bischofsmütze

Steiler werdend führt unser Steiglein teilweise auf Felsstufen nun auf den Steiglpaß hinauf. Einige Stellen sind mittels Drahtseilen versichert, bei trockenen Verhältnissen gibt es aber keine Schwierigkeiten. Oben am Paß auf 2.015 Meter Höhe – dem Dach unserer heutigen Tour – empfängt uns zunächst einmal kräftiger, kalter Wind. So hatten wir uns den heutigen Tag „mit 16 Sonnenscheinstunden“ nicht vorgestellt.

Am Steiglpass - dem höchsten Punkt der Tour

Am Steiglpass – dem höchsten Punkt der Tour

Deshalb geht es auch gleich ohne Pause weiter. Vorbei an jener Abzweigung, die mich vor 12 Jahren ebenfalls im kühlen Wind zum steilen, schottrigen und ungut zu begehenden Steiglkogel hinüber führte. Ein Stück weiter unten in der Landschaft, die einem Winnetou-Film entsprungen sein könnte, erkennen wir auf einem felsdurchsetzten Grashügel im Osten eine Gruppe von Steinböcken. Ihre majestätischen Hörner waren selbst aus der Entfernung deutlich erkennbar.

Steinböcke

Steinböcke

Nun folgte das erste Teilstück, welches ich bislang noch nie beschritten habe. Ostseitig an Däumling und Großwand herum und schon bald erreichte ich bereits wieder bekanntes Terrain. Ende Mai 2008 führte mich hier eine Schneeschuhwanderung auf den Gipfelkranz vom Mitterkogel über die Adelwand zur Hinteren und Vorderen Kopfwand.

Abstieg vom Steiglpaß Richtung Norden in "Winnetou-Gelände"

Abstieg vom Steiglpaß Richtung Norden in „Winnetou-Gelände“

Der Steiglweg dreht nun von seinem Süd-Nord-Verlauf allmählich Richtung Nordwesten und auch der Landschafts-Charakter ändert sich. Nach dem felsigen bzw. karstigen Gelände werden die grünen Flecken jetzt zunehmend mehr. Alpenblumen setzten bunte Akzente. Aber noch dominieren nach wie vor schroffe Felswände, die schon so manchem Kletterer zum Verhängnis wurden.

Markante Felswände

Markante Felswände

Und so erinnert auch eine Gedenkstätte – die Wasmayer-Kapelle – an zahlreiche Verunglückte. Der legendäre Paul Preuss, der unweit von hier am Mandlkogel abstürzte, war einer von ihnen.

Bergsteiger-Gedenkstätte

Bergsteiger-Gedenkstätte

Weiter führt der Weg, mehrmals kommen uns jetzt Wanderer aus Richtung Gosau entgegen. Einigen sollten wir am Nachmittag auf der anderen Seite des Gosaukamms wieder begegnen. Es scheint also gar nicht so selten zu sein, dass diese „2-Tagestour“ an einem Tag absolviert wird.

Felswände

Felswände

Der Weg führt nun hinein in den schmalen Waldstreifen zwischen den imposant aufragenden Felsen des Gosaukamms und den schroff zum Gosausee abbrechenden Steilhängen. Vorbei an einer Jagdhütte und wenig später an der Scharwandhütte. Und schließlich öffnet sich der Blick talwärts über den grün schimmernden Gosausee.

Felsen

Felsen

Wir folgen aber nicht dem Steig zu seinem Westufer sondern bleiben nahezu ohne Höhenverlust am etwas verwachsenen Wanderweg zur Krautgartenhütte – wieder ein kurzes Stück auf bisher nicht begangenen Pfaden.

Vorderer Gosausee

Vorderer Gosausee

Mit der ruhigen Beschaulichkeit des bisherigen Wegverlaufes war es aber mit der Einmündung des Weges vom Gosausee zur Gablonzer Hütte vorbei, weshalb wir auch versuchten, den stark frequentierten Abschnitt möglichst rasch hinter uns zu bringen. Die Schritte verlangsamten wir erst etwas, als wir den wunderbaren Klängen einiger Alphornbläser bei der Gablonzer Hütte lauschten, deren Melodien von den Felswänden des Donnerkogels widerhallten.

Musikalische Begleitung bei der Gablonzer Hütte

Musikalische Begleitung bei der Gablonzer Hütte

Abermals nimmt der Weg nun eine neue Richtung – es geht nach Süden. Und abermals ändert sich der Charakter des Weges und der umliegenden Landschaft. Vorbei am Klettersteigeinstieg auf den Donnerkogel, den ich im Jahre 2005 begangen bin, folgt das dritte und letzte mir noch unbekannte Teilstück. Und ehrlich gesagt auch jenes, welches ich nicht noch einmal begehen möchte.

Einstieg in den Donnerkogel-Klettersteig

Einstieg in den Donnerkogel-Klettersteig

Denn der folgende Wegabschnitt ist gekennzeichnet durch Schlamm und tiefen Morast, dem man kaum entrinnen kann. Die Aussicht ist bescheiden – lediglich die grünlich-kahlen Westhänge des Donnerkogels bilden eine kleine Attraktion. Es dürfte sich um jenes Gebiet handeln, in dem es 1957 einen mehrere Tage wütenden Waldbrand gegeben hat.

Die Bischofsmütze "von hinten"

Die Bischofsmütze „von hinten“

Wanderer die uns mit sauberen Wanderschuhen entgegen kommen, betrachten entgeistert unsere schlammbedeckte Fußbekleidung, welche sich kaum mehr als Schuhwerk identifizieren lässt. Wir sind froh, als wir endlich wieder trockenen Boden unter den Füßen bekommen, als wir uns der Stuhlalm nähern.

Stuhlalm

Stuhlalm

Und damit erreichten wir nicht nur jenen Punkt, wo ich einmal auf Krücken mit Steigeisen eine Schneeschuhwanderung unternommen habe, sondern auch jenen nördlichsten Punkt, den wir einst bei unserer allerersten Wanderung mit digitaler Kamera erreicht haben.

Hier auf den Weiden im Umfeld zahlreicher Rinder und im Angesicht der teilweise hinter Nebelschwaden verborgenen Bischofsmütze war es nun an der Zeit für eine Pause.

Bei der Stuhlalm mit Ausblick auf die Bischofsmütze

Bei der Stuhlalm mit Ausblick auf die Bischofsmütze

Nach kulinarischer Stärkung führt der Weg zunächst ein Stück bergab, ehe es weiter im Süden im Zick-Zack recht steil und teilweise etwas ausgesetzt zur Durchgangscharte hinauf geht. Noch ein weiteres Stück Richtung Süden, bis der Weg zwischen Losegg und Kamplbrunn nach Osten dreht. Es folgt das letzte Teilstück unsere Wanderung am Austriaweg.

Steiler Anstieg zur Durchgangscharte

Steiler Anstieg zur Durchgangscharte

Oberhalb der Sulzkaralm, die ich seinerzeit auf Schneeschuhen mit meinen Hunde-Freunden Nico und Sammy besucht habe und südlich an den steilen Wiesenhängen entlang, die zu den Felswänden der Bischofsmütze hinaufführen.

Lange vor Erreichen hat man die Hofpürglhütte bereits im Blickfeld

Lange vor Erreichen hat man die Hofpürglhütte bereits im Blickfeld

Im Osten erkennt man schon von weitem die auf einer Anhöhe liegende Hofpürglhütte, wo sich unsere Wanderrunde nun wieder schließen wird. Der Hochnebel, der uns einen Großteil des Tages begleitet hat, hat sich nun fast gänzlich verzogen. Welch ein Glück, so haben wir morgen am ersten Arbeitstag der Woche sicher wieder wolkenloses Wetter.

Bei der Hofpürglhütte schließt sich die Runde - jetzt geht es noch hinab zum Ausgangspunkt bei den Hofalmen

Bei der Hofpürglhütte schließt sich die Runde – jetzt geht es noch hinab zum Ausgangspunkt bei den Hofalmen

Fazit der Tour:

Die Gosaumkamm-Umrundung bietet mit Sicherheit einige der schönsten Landschaftsimpressionen, welche das westliche Dachsteingebirge zu bieten hat. Und das alles nahezu ohne nennenswerte Schwierigkeiten – etwas steiler wird es lediglich im Bereich der Durchgangscharte und am Steiglpaß. Und dann ist da noch der lästige Schlammabschnitt zwischen Stuhlalm und Törleck.

Bischofsmützenblick

Bischofsmützenblick

Es ist vor allem dieser „Dolomiten-Charakter“, der uns einst wie jetzt fasziniert hat: Bizarre Felszacken und -türmchen wechseln sich mit hohen, glatten Wänden. Und davor saftig grüne Almweiden.

Felsen

Felsen

Grundsätzlich wird die Tour für 2 Tage empfohlen, und Wanderer, die eine längere Anreise haben, sollten diese Zeit angesichts der vielen Naturschönheiten auch in Anspruch nehmen. Aber es gibt auch sportliche Geher, die zusätzlich zur großen Runde auch noch den einen oder anderen Gipfel wie z.B. den Donnerkogel mitnehmen.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Alpenblumen

Alpenblumen

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.

*