Spitzkofel – Auf den Spuren des Dolomitenmann

2.000 Höhenmeter erhebt sich der markante Spitzkofel über das Tal bei Lienz. Entsprechend unübersehbar ist er bei einem Spaziergang durch die „Sonnenstadt“.

Eindrucksvoll erhebt sich der Spitzkofel über Lienz

Eindrucksvoll erhebt sich der Spitzkofel über Lienz

Aber auch auf der großen Terrasse von unserem schönen Appartement am Obergaimberg präsentierte sich unser Gipfelziel in den zu den Gailtaler Alpen zählenden Lienzer Dolomiten in voller Pracht und machte große Vorfreude auf den kommenden Wandertag.

Mit dem Fernglas erkundete ich unser morgiges Gipfelziel von der Terasse unserer Unterkunft aus

Mit dem Fernglas erkundete ich unser morgiges Gipfelziel von der Terasse unserer Unterkunft aus

Um 5 Uhr morgens holte uns der Wecker aus dem Bett. Etwas Respekt begleitete unsere Morgenunterhaltung bei der Besprechung der geplanten Rundtour. Wir wollten nämlich auf den Spuren der „Härtesten unter der Sonne“ wandeln und über das Hallebachtal zum Kühbodentörl aufsteigen – dort wo sich die Bergläufer der legendären Dolomitenmann-Veranstaltung in einer unvorstellbar schnellen Zeit hinaufquälen.

Der Blick auf den frühmorgendlich bestrahlten Spitzkofel versprach bestes Wanderwetter

Der Blick auf den frühmorgendlich bestrahlten Spitzkofel versprach bestes Wanderwetter

Ingrid hatte Zweifel, ob sie das schaffen würde, denn in mehreren Berichten war die Rede von einem extrem steilen Gelände. Und mit extrem steil verbanden wir z.B. das berüchtigte Krautschwellereck, wo man teilweise nur mehr auf allen Vieren aufwärts kommt oder unsere Odyssee beim Abstieg von der Hochhaide über den Wasserfallgraben.

Aufbruch beim Klammbrückl auf ca. 1.100 Meter Seehöhe

Aufbruch beim Klammbrückl auf ca. 1.100 Meter Seehöhe

Im Gegensatz zu den Dolomitenmännern, die bereits beim Lienzer Hauptplatz starten und von Leisach über den Goggsteig hinauflaufen, konnten wir normale Wanderer uns das Leben insofern einfacher machen, als wir bis zum Klammbrückl auf eine Höhe von ca. 1.100 Metern hinauffahren durften. Aber selbst das ist auf den letzten Kilometern der grobsteinigen Forststraße eine Tortur – für das Auto. Viel war am Parkplatz noch nicht los – lediglich 1 Auto stand bereits oben.

Wenig los am Parkplatz beim Klammbrückl

Wenig los am Parkplatz beim Klammbrückl

Mit gemischten Gefühlen angesichts des zu erwartenden Steilaufstiegs machten wir uns auf den Weg, kürzten die Forststraße mehrmals über den markierten Steig ab, und achteten darauf, den nicht markierten Einstieg in den Hallebachtal-Steig zu finden, den ich mir auf das GPS-Gerät gespielt hatte. Unglücklicherweise hatte mein Garmin-Oregon 450 aber in dem relativ schmalen Taleinschnitt – umgeben von hohen, schroffen Felsen – Probleme mit dem Empfang und „vergaloppierte“ sich noch vor der Wegabzweigung.

Von dem Wikipedia-Artikel war mir noch bekannt, dass sich der Einstieg ins Hallebachtal auf einer Höhe von 1.374 Meter befinden soll und so verließ ich mich auf die Höhenangabe meiner Höhenmesser-Uhr und achtete auch nicht weiter darauf, als wir bei einer Höhe von etwa 1.330 Metern einen von rechts herabkommenden Bach queren mussten, in dem ich auf einem Stein ausrutschte und mir einen nassen Fuß holte.

Ausgerutcht und in den Hallebach gestiegen - hätten wir hier genauer geschaut, hätten wir auf der rechten Seite den Steig ins Hallebachtal gesehen

Ausgerutcht und in den Hallebach gestiegen – hätten wir hier genauer geschaut, hätten wir auf der rechten Seite den Steig ins Hallebachtal gesehen

Hinweis: Dieser Bach ist der Hallebach – und wenn man kurz vor diesem nach hinten blickt, erkennt man ein deutliches Steiglein, welches anfangs noch gemäßigt, bald aber steiler werdend in den Wald hinaufführt.

Wenn man bei dieser Holzleiter vorbeikommt ist man auf der richtigen Spur der Dolomitenmänner

Wenn man bei dieser Holzleiter vorbeikommt ist man auf der richtigen Spur der Dolomitenmänner

Spätestens dann, wenn man zu einer Holzleiter gelangt, weiß man, dass man auf dem richtigen Pfad ist. Uns ist es jedenfalls nicht gelungen, denn bei einer Höhe von 1.374 Metern ließ sich kein Steig ausmachen. Und einfach aufs Geratewohl wollten wir auch nicht wieder die Forststraße zurückgehen.

Beim Klapffall gibt es einen Klettersteig

Beim Klapffall gibt es einen Klettersteig

Als sich mein GPS-Gerät endlich bemüßigt fühlte, den Empfang wieder aufzunehmen, waren wir schon fast beim Klapffall und bis zur Kerschbaumeralm war es nicht mehr weit.

Wir betreten die Kerschbaumeralm

Wir betreten die Kerschbaumeralm

Und jetzt kamen wir endlich aus dem schattigen Graben heraus in die wärmende Sonne und auch die Landschaftsimpressionen wurden zunehmend beeindruckender.

Bei der Kerschbaumeralm kommen wir in die Sonne

Bei der Kerschbaumeralm kommen wir in die Sonne

Bei der Kerschbaumeralm dreht der bisher von Norden nach Süden verlaufende Weg Richtung Südwesten und später nach Nordwesten an vielen Schafen aller möglichen Weiß-Schwarz-Braun-Kombinationen vorbei zum Hallebachtörl auf 2.399 Meter Höhe.

Der bei der Kerschbaumeralm noch vermutete Spitzkofel erwies sich beim Näherkommen nun als Kreuzkofel. Der Spitzkofel selbst lag noch ein gehöriges Stück weit entfernt im Norden. Zwischen Hallebachtörl und Kühbodentörl querten wir nun auch den oberen Abschluß des Hallebachtals, wo wir eigentlich ursprünglich heraufkommen wollten.

Vom Hallebachtörl ist es noch ein weiter Weg auf den Spitzkofel. Im Hintergrund der Kreuzkofel, den wir zunächst irrtümich für unser Gipfelziel gehalten haben.

Vom Hallebachtörl ist es noch ein weiter Weg auf den Spitzkofel. Im Hintergrund der Kreuzkofel, den wir zunächst irrtümich für unser Gipfelziel gehalten haben.

Steil sieht der Steig aus, der sich über die langen Schuttfelder östlich der Kühbodenspitze nach Norden zieht. Umso überraschter waren wir über die einfache Begehbarkeit. Anspruchsvoller wurde es dann auf einer Höhe von ca. 2.520 Metern, als sich der Steig zunächst über sandbedeckte, etwas rutschige Steine gegen die Felsen zieht.

Steil, aber gut und einfach begehbar zieht der breite Steig über die Schuttfelder von links unten nach rechts oben. Oberhalb der Bildmitte am Grat erkennen wir bei genauerem Hinsehen die Linderhütte.

Steil, aber gut und einfach begehbar zieht der breite Steig über die Schuttfelder von links unten nach rechts oben. Oberhalb der Bildmitte am Grat erkennen wir bei genauerem Hinsehen die Linderhütte.

Und dort schien dann doch tatsächlich mit unserem Aufstieg Schluss zu sein. Ein Schneefeld in einer steilen Rinne hatte die unterstützenden Drahtseile unter sich begraben. Nach einem Ausrutschen in so einer schneebedeckten Rinne bei meiner Umlaufer-Überquerung vor einigen Jahren hatte ich gehörigen Respekt, zumal ich damals erlebt hatte, dass man eigentlich keine Chance hat, sich noch zu halten, wenn man einmal zum Rutschen gekommen ist. Gefährlich sind dabei vor allem die teilweise metertiefen Randklüfte.

Rechts an der Felswand entlang zieht der brüchige Steig nach oben. Wie würde es im Schneefeld weitergehen?

Rechts an der Felswand entlang zieht der brüchige Steig nach oben. Wie würde es im Schneefeld weitergehen?

Nun, Ingrid hat sofort verweigert und auch ich wäre wohl nach meinem ersten Versuch wieder umgekehrt, wenn nicht a) auf der anderen Seite der Rinne deutlich ein Drahtseil erkennbar gewesen wäre, welches über reizvolle Felsstufen nach oben führt und b) der Schnee steinhart gewesen wäre. So aber handelte es sich um gut begehbaren Firn in einer nur wenige Meter breiten Rinne, die nach oben zu noch dazu flacher wurde. Notfalls würde ich halt auch beim Abstieg wieder rückwärts herunterkommen, die behandschuhten Hände zum besseren Halt tief in den Schnee gegraben.

Links über den guten Stapfschnee hinauf und oberhalb des aus dem Schnee ragenden Felsen nach rechts hinüber.

Links über den guten Stapfschnee hinauf und oberhalb des aus dem Schnee ragenden Felsen nach rechts hinüber.

Wenige mulmige Schritte – und ich war drüber. Ingrid wollte dennoch nicht – sie wollte weiter unten beim Felseinstieg auf mich warten.

Gut "getarnt" schmiegt sich die Linderhütte direkt am Grat in die Landschaft

Gut „getarnt“ schmiegt sich die Linderhütte direkt am Grat in die Landschaft

Die folgende Steigerei und Kletterei – meist mit Drahtseilunterstützung – war ein großer Genuss, auch wenn der Fels teilweise doch etwas brüchig war. In relativ kurzer Zeit hatte ich die Linderhütte – eine Notunterkunft – direkt am Grat erreicht. Über den Ofen in der Hütte gibt es eine interessante Geschichte. Ich bedauerte, dass Ingrid nicht heraufgekommen ist. Die Kletterei hätte ihr sicher Genuss bereitet.

Der Ofen in der Linderhütte

Der Ofen in der Linderhütte

Noch aber war ich nicht am Ziel. Noch ein Stück Richtung Nordosten und dann wartet noch einmal ein längerer Kraxlabschnitt, stellenweise über ungesicherte, brüchige Stellen – meist aber wieder mit Drahtsteilunterstützung. Zunächst geht es in der bizarren Felslandschaft etwa 50 Höhenmeter bergab, ehe es die letzten 80 Höhenmeter zum großen Gipfelkreuz wieder steil bergan geht.

Bei der Linderhütte ist man noch nicht am Ziel. Zunächst geht es noch einmal 50 Höhenmeter hinunter, ehe der Steig wieder 80 Höhenmeter zum höchsten Punkt hinaufzieht.

Bei der Linderhütte ist man noch nicht am Ziel. Zunächst geht es noch einmal 50 Höhenmeter hinunter, ehe der Steig wieder 80 Höhenmeter zum höchsten Punkt hinaufzieht.

Als ich den höchsten Punkt erreicht hatte, höre ich Ingrids Stimme. Sollte ich mich irgendwo direkt über ihrem Rastplatz befinden? Nein, zu meiner großen Freude hat sie sich doch überwinden können, das Schneefeld zu queren und mir im Fels nachzukommen. Denn in den Felsen fühlt sie sich ohnehin wohl – insbesondere wenn es auch noch Drahtseile zum Anhalten gibt.

Brüchig, aber meist gut mit Drahtsteilen gesichert geht es die letzten etwa 80 Höhenmeter auf den Spitzkofel

Brüchig, aber meist gut mit Drahtsteilen gesichert geht es die letzten etwa 80 Höhenmeter auf den Spitzkofel

Den Grund für ihren Sinneswandel konnte ich auch bald in Erfahrung bringen. Denn einige Minuten nach mir kam eine sympathische Bergsteigerin auf den Gipfel herauf. Ihr forsches Auftreten am steilen Schneefeld hatte Ingrid überzeugt, es nach zweimaligem Auf- und Abstieg vom Rastplatz doch noch einmal zu versuchen.

Wenn es etwas zum Anhalten gibt wird die AlpenYetin zur Gams

Wenn es etwas zum Anhalten gibt wird die AlpenYetin zur Gams

Einige weitere Minuten und die AlpenYetis waren beim Gipfelkreuz des 2.717 Meter hohen Spitzkofel für das Gipfelbussi vereint.

Die AlpenYetin beim Gipfelkreuz am Spitzkofel

Die AlpenYetin beim Gipfelkreuz am Spitzkofel

Der Ausblick ist beeindruckend genial, auch wenn ich die Gipfelparade namentlich nicht zuordnen konnte. Welch eine großartige Berg-Pracht um uns herum. Einige Felsgiganten ragen noch einmal deutlich aus ihrer Umgebung heraus. Und tief unter uns die Sonnenstadt Lienz. Darüber, im Norden, die Schleinitz in der Schobergruppe – unser morgiges Gipfelziel. Westlich (links) der Stadt das Böse Weibele in den Villgratner Bergen, welches wir bei unserem Abreisetag besuchen wollten.

Großartiger Panoramablick in den Lienzer Dolomiten (Klick zur Vergrößerung)

Großartiger Panoramablick in den Lienzer Dolomiten (Klick zur Vergrößerung)

Der Wind, welcher uns von der Kerschbaumeralm bis zum Kühbodentörl begleitet hatte, war jetzt am Gipfel die meiste Zeit nicht sonderlich zu spüren. Die Gipfelrast wurde gekrönt von interessanten Gesprächen mit der netten Wanderin, die uns eine Zeitlang Gesellschaft leistete, ehe sie wieder flinken Fußes aufbrach. Vermutlich dürfte sie wieder auf ihrem Anstiegsweg über das Hallebachtal abgestiegen sein, da wir auf den Schneefeldern, welche es Richtung Hallebachtörl zu queren gilt, außer unseren eigenen keinerlei weitere Spuren ausmachen konnten.

Blick vom Spitzkofel auf die 2.000 Höhenmeter tiefer liegende Sonnenstadt Lienz

Blick vom Spitzkofel auf die 2.000 Höhenmeter tiefer liegende Sonnenstadt Lienz

In einem der schönsten und interessantesten Berichte zur Spitzkofel-Tour wird davon abgeraten, über das Hallebachtal abzusteigen. In einer Mischung aus jugendlichem Leichtsinn, unbändiger Neugier, der Hoffnung, den langen Umweg über die Kerschbaumeralm vermeiden zu können, dem Wunsch nach einer Rundtour sowie auch aus einem gewissen, wohl höhenluftbedingten Maß an Jux und Tollerei haben wir dann östlich vom Kühbodentörl spontan entschieden, doch diesen Abstiegsweg zu wählen.

Der Tiefblick ins Hallebachtal war einfach zu verlockend. Wir mussten den Abstieg versuchen, auch wenn davon abgeraten wird.

Der Tiefblick ins Hallebachtal war einfach zu verlockend. Wir mussten den Abstieg versuchen, auch wenn davon abgeraten wird.

Und ja – es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auch abwärts. Das Steiglein – vorbei an einer kleinen Jagdhütte und durch idyllische Lärchenwäldchen und Latschengassen ist zumeist gut begehbar, nur in den seltensten Fällen etwas sandig-rutschig und nicht wirklich extrem steil. Zumindest nicht steiler, als wir es bereits dutzend- bis hundertfach an anderen Bergsteigen erlebt hätten. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Abstieg zunächst zurück am Anstiegsweg bis unterhalb des Kühbodentörls

Abstieg zunächst zurück am Anstiegsweg bis unterhalb des Kühbodentörls

Schließlich treffen wir wieder auf die bereits vom Aufstieg bekannte Forststraße, wo sich gerade ein junges Mädchen intensiv einem Selfie-Stelldichein vor dem Hallebach widmet.

In den einfachen Kletterfelsen mit Drahtseilunterstützung ist die AlpenYetin in ihrem Element.

In den einfachen Kletterfelsen mit Drahtseilunterstützung ist die AlpenYetin in ihrem Element.

Am Aufstiegsweg geht´s dann zurück zum Klammbrückl über dem beeindruckend tief eingeschnittenen Galitzenbach und weiter zum nahegelegenen Parkplatz.

Beim Abstieg durch das Hallebachtal

Beim Abstieg durch das Hallebachtal

Am späten Nachmittag / frühen Abend konnten wir dann auf unserer Terrasse sitzend bei einem köstlichen Gösserbier (scheint übrigens in und um Lienz die meistverbreitete Biersorte zu sein) stolz und zufrieden auf „unseren Berg“ blicken.

Abstieg vorbei an einer kleinen Jagdhütte in einem idyllischen Lärchenwäldchen

Abstieg vorbei an einer kleinen Jagdhütte in einem idyllischen Lärchenwäldchen

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Felsformationen in den Lienzer Dolomiten

Felsformationen in den Lienzer Dolomiten

 

 

 

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