Gipfel Nummer 1.200: Hohe Fürleg

Im vorletzten Artikel habe ich noch von 1.195 verschiedenen Gipfeln geschrieben, die ich im Laufe der letzten 14 Jahre bei insgesamt mehr als 1.900 Gipfelbesteigungen besucht habe. Danach kamen bei der Schneeschuh-Wanderung im Toten Gebirge auf meinen „Triathlongipfel Schönberg/Wildenkogel“ 4 weitere neue Gipfel hinzu.

Der Ausblick von der Granatspitzgruppe in die benachbarte Glocknergruppe - beide zu den Hohen Tauern zählend (Klick zur Vergrößerung)

Der Ausblick von der Granatspitzgruppe in die benachbarte Glocknergruppe – beide zu den Hohen Tauern zählend (Klick zur Vergrößerung)

Für das kleine Jubiläum – Gipfel Nummer 1.200 – habe wir uns ein schönes, würdiges Ziel ausgesucht. Es sollte in die bisher erst ein einziges Mal besuchte Granatspitzgruppe in den Hohen Tauern gehen. Damals vor über 10 Jahren sind wir – selbstverständlich möchte ich fast sagen – auf den wesentlich bekannteren Stubacher Sonnblick aufgestiegen. Dieser Gipfel lässt sich mit Liftunterstützung bis zur Rudolfshütte über dem Weißsee einfach und kraftsparend erklimmen – entsprechend überlaufen ist dieses Skitourenziel.

Die Seilbahn bei der Rufdolfshütte hat gerade wieder ein Menschentraube ausgespuckt, die nahezu alle den Stubacher Sonnblick als Tourenziel haben

Die Seilbahn bei der Rufdolfshütte hat gerade wieder ein Menschentraube ausgespuckt, die nahezu alle den Stubacher Sonnblick als Tourenziel haben

Und natürlich hat der echte Dreitausender (der Stubacher Sonnblick hat eine Höhe von 3.088 Metern) mehr Anziehungskraft, als ein bloß 2.943 Meter hoher Gipfel. Aber bereits damals im Jahr 2007 habe ich etwas wehmütig den sehr wenigen Tourengehern nachgeblickt, die am Sonnblickkees nach Norden über einen Steilhang Richtung Hohe Fürleg abgezweigt sind.

Die Skiroute vom Enzingerboden zum Grünsee war trotz Sperre bis auf eine einzige apere Stelle noch in akzeptablem bis gutem Zustand

Die Skiroute vom Enzingerboden zum Grünsee war trotz Sperre bis auf eine einzige apere Stelle noch in akzeptablem bis gutem Zustand

Meinen ersten Plan – direkt beim Enzingerboden auf 1.480 Meter Seehöhe zu starten, habe ich am Vorabend der Tour wieder verworfen, nachdem ich im Internet den Hinweis auf die Sperre dieser Skiroute gefunden hatte. Also würden wir – wie Dutzende bis Hunderte andere Skitourengeher auch – wohl oder übel die Liftunterstützung bis  zur Rudolfshütte in Anspruch nehmen.

Ab dem Grünsee entlang der bestens präparierten Schipiste

Ab dem Grünsee entlang der bestens präparierten Schipiste

Frühmorgens aus dem warmen Betterl und voller Vorfreude ging es bei besten Wetterverhältnissen nach Uttendorf im Pinzgau und von dort noch einmal 17 Kilometer hinauf zum Enzingerboden. Allerdings hatte ich mich bei der Fahrzeit ordentlich verkalkuliert – wir waren fast eine Stunde vor der ersten Gondel bei der Talstation. Dort sahen wir aber, dass das Schneeband der Skitourenroute hinauf zur Mittelstation am Grünsee durchaus noch einwandfrei war – sowohl für den Aufstieg als auch für die Abfahrt. Es gab am 19.04.2018 lediglich eine kurze, wenige Meter lange, apere Unterbrechung.

Unterhalb der Weißsee-Staumauer. Links oben die Rudolfshütte.

Unterhalb der Weißsee-Staumauer. Links oben die Rudolfshütte.

Und ab dem Grünsee erwartete uns ohnehin eine noch bestens präparierte Skipiste (der Schibetrieb sollte noch bis 22.04.2018 gehen). Kurz vor der Rudolsfhütte – wir gingen nun schon einige Zeit in der Sonne – kamen uns die ersten Schifahrer entgegen. Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde hätten wir insgesamt gewonnen, wenn wir die erste Gondel in Anspruch genommen hätten.

Rudolfshütte-Bergstation

Rudolfshütte-Bergstation

Bei der Rudolsfhütte auf 2.311 Meter Seehöhe heißt es, die Felle abzunehmen, um die etwa 60 Höhenmeter zur Südseite des Weißsee´s auf der Piste hinabzufahren. Dort kommen die Felle wieder ran und wir folgen der „Ameisenstraße“ in einem weiten Rechtsbogen hinauf zum Ombrometer und weiter auf den nordostseitigen Gletscher-Beginn am Sonnblickkees. Und hier trennen sich dann die Wege aller anderen Skitourengeher und uns bzw. noch exakter – und mir.

Herrliches Bergpanorama

Herrliches Bergpanorama

Ingrid war mittlerweile etwas zurückgefallen, schließlich hatten wir bis hierher schon ca. 1.200 Höhenmeter und 9 Kilometer in den Beinen, während die „Liftler“ gerade einmal 400 Höhenmeter auf 3 Kilometern zurückgelegt hatten. Dennoch taten sich unter ihnen einige bereits sichtlich schwer und hatten offenbar schon mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, weshalb ich immer wieder einige Sonnblick-Aspiranten überholte.

Dutzende Stubacher-Sonnblick-Aspiranten. Links die Granatspitze.

Dutzende Stubacher-Sonnblick-Aspiranten. Links die Granatspitze.

Ingrid war bereits ein Stück weiter hinten, ich hatte sie aber meist im Auge und auch sie war der Meinung, mich in der allgemeinen „Völkerwanderung“ zu erkennen. Am Sonnblickkees hatten wir uns aber aus den Augen verloren und so stieg ich alleine am sehr steilen, felsdurchsetzten Hang Richtung Norden auf. Der Schnee war am späteren Vormittag schon stark durchfeuchtet und sehr tief. Nach dem Steilhang war mir wieder wohler, ich war mir aber sicher, Ingrid würde hier nicht mehr nachkommen, sondern unten im Umfeld der Sonnblickscharte warten.

Ingrid kommt hinten nach

Ingrid kommt hinten nach

Nachdem wir aber beim Aufstieg besprochen hatten, dass wir denselben Weg wieder zurück zur Rudolsfhütte nehmen, würde sie – so meine Meinung – bei längerer Wartezeit ohnehin wieder am Anstiegsweg zurück fahren.

Die Gegensteigung zurück vom Weißsee hinauf zur Rudolfshütte

Die Gegensteigung zurück vom Weißsee hinauf zur Rudolfshütte

Nach einem etwas flacheren Stück folgt zuletzt noch einmal ein kurzer steilerer Abschnitt hinauf in den Sattel mit einem Wegweiser. Von hier ist es dann nicht mehr weit – an der Westseite herum und von Norden kommend auf den 2.943 Meter hohen Hauptgipfel mit dem Gipfelkreuz. Noch weiter im Norden erkenne ich deutlich noch ein weiteres Gipfelkreuz, überlege kurz, auch dieses zu besuchen, verwerfe den Gedanken dann aber wieder angesichts der auf den Südhängen bereits sehr aufgeweichten Schneedecke.

Der Berg hat nicht nur 3 Gipfel (auf 2 davon stehen Gipfelkreuze), sondern in diversen Karten auch unterschiedliche Namen: Hohe Fürleg, Hochfürleg, Hochfillegg, ...

Der Berg hat nicht nur 3 Gipfel (auf 2 davon stehen Gipfelkreuze), sondern in diversen Karten auch unterschiedliche Namen: Hohe Fürleg, Hochfürleg, Hochfillegg, …

Einige Skitourengeher fahren vom Gipfel weg, kurz bevor ich oben ankomme. So bin ich ganz alleine beim Gipfelkreuz und kann in aller Stille bei angenehmen Temperaturen den tollen Ausblick genießen, während sich am benachbarten Stubacher Sonnblick die Menschenmassen fast auf die Zehen steigen. Als ich wieder aufbreche, kommt noch hurtigen Schrittes ein junges Paar mit Hund nach. Sie werden mich etwas später bei ihrer rasanten Abfahrt überholen.

Kurz bevor ich am Hauptgipfel über die unschwierige Nordseite ankomme, fahren einige Skitourengeher ab.

Kurz bevor ich am Hauptgipfel über die unschwierige Nordseite ankomme, fahren einige Skitourengeher ab.

Der Steilstufe mit dem sehr weichen Schnee, vor der ich etwas Respekt gehabt habe, kann man bei der Abfahrt etwas weiter westlich ausweichen. Über einen noch steileren Hang – dieser aber mit festem, kompakten Untergrund mit üppiger Firnauflage.

Beim Gipfelkreuz bin ich ganz alleine

Beim Gipfelkreuz bin ich ganz alleine

Ja und dann stehe ich unten am Sonnblickkees. Von Ingrid keine Spur – sie würde wohl schon wieder abgefahren sein. Ich fahre auch ab. Die Hänge sind zwar schon sehr weich und von unzähligen Spuren durchwühlt, die Abfahrt geht aber noch wesentlicher angenehmer als befürchtet. Und so komme ich über den Gegenanstieg wieder bei der Rudolfshütte an.

Ingrid dürfte wohl vor mir wieder abgefahren sein.

Ingrid dürfte wohl vor mir wieder abgefahren sein.

Von Ingrid weit und bereit keine Spur, soweit ich das auf der gut gefüllten Hotelterrasse überblicken konnte. Handy-Empfang funktioniert nicht. Sie würde vermutlich schon bis zur Mittelstation abgefahren sein, denn so angenehm war es hier heroben im lauten Getummel und in der selbst im Freien unangenehm-rauchgeschwängerten Luft ohnehin nicht.

Am Weg Richtung Sonnblickkees

Am Weg Richtung Sonnblickkees

Also Abfahrt zum Grünsee. Handy-Empfang funktioniert immer noch nicht. Ingrid ist nicht da. Wo könnte sie sein. Sie ist sicher schon ins Tal abgefahren, denn vor einigen Tagen bei einer Skitour auf den Hauser-Kaibling, wollte sie ebenfalls schon zum Auto zurückfahren, als ich noch eine „Eherenrunde“ eingebaut habe.

Da hinten vermute ich den Großvenediger

Da hinten vermute ich den Großvenediger

Gut – also Abfahrt zum Enzingerboden. Ingrid ist nicht da – und der Handy-Empfang funktioniert noch immer nicht. Sie kommt erst einige Zeit später  herunter. Die Erklärung: Sie war – in Unkenntnis der exakten Route auf die Hohe Fürleg und im vermeintlichen Folgen meiner Spur dem allgemeinen „Auftrieb“ Richtung Stubacher Sonnblick gefolgt und erst abgefahren, als niemand mehr am Gipfel war.

Blick bei der Abfahrt über dem Weißsee zurück auf mein heutiges Gipfelziel

Blick bei der Abfahrt über dem Weißsee zurück auf mein heutiges Gipfelziel

Wenige Tage nach unserem Besuch stellte dann die Seilbahn den Winterbetrieb ein und auch die Skiroute zum Grünsee war innerhalb weniger Tag in der frühsommerlichen Hitze vollständig aper, so dass man für weitere, durchaus lohnenswerte Tourenziele, die Ski schon 300 bis 400 Höhenmeter tragen müsste.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Und noch einmal der Hochfürleg-Gipfel (genau oberhalb des Gestells)

Und noch einmal der Hochfürleg-Gipfel (genau oberhalb des Gestells)

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