„Triathlon-Gipfel“ Schönberg/Wildenkogel

Der Gedanke eines „Triathlon“-Berges ist mir erstmals vor einigen Tagen gekommen, als ich mir im Anschluss an die Schneeschuhtour auf den Kammkarlspitz in meiner Tourendatenbank angesehen hatte, auf wie vielen Bergen ich bisher eigentlich schon mit Schneeschuhen UND mit Tourenski gestanden bin (der Kammkarlspitz war der 54. Gipfel). Nach der Skitour auf den Elm hat mich dann die nächste Disziplin interessiert: Berge, die ich im Sommer im Zuge einer Wandertour UND im Winter mit Schneeschuhen oder Tourenski besucht habe.

Sommerwanderung auf den Schönberg/Wildenkogel am 07.09.2013 (über die Blaa-Alm, den Naglsteig und die Ischler Hütte)

Sommerwanderung auf den Schönberg/Wildenkogel am 07.09.2013 (über die Blaa-Alm, den Naglsteig und die Ischler Hütte)

Und noch eine Stufe höher stehen dann jene Berge, die ich im Zuge aller 3 Disziplinen bestiegen habe: Wandern, Schneeschuhtour und Skitour. Das sind jetzt nicht mehr ganz so viele: 35 Gipfel werden es nach dem heutigen Beitrag sein. Aber geplant war das eigentlich nicht.

Skitour auf den Schönberg/Wildenkogel am 02.02.2006 (über die Rettenbachalm und die Karalm)

Skitour auf den Schönberg/Wildenkogel am 02.02.2006 (über die Rettenbachalm und die Karalm)

Denn ursprünglich hatte ich nur eine einsame Schneeschuhwanderung in mir bislang noch unbekanntem Terrain geplant. Von der Rettenbachalm bei Bad Ischl wollte ich über die Schwarzenbergalm mit der Ischlerhütte auf 2 neue Gipfel aufsteigen, deren Namen der aktuellen Regierung wohl höchstes Entzücken entlocken werden: Es sollte auf den Hinteren und Vorderen Raucher gehen (Übrigens: https://dontsmoke.at/). Und wenn möglich wollte ich auch noch den Feuchter Kogel mitnehmen.

Schneeschuhtour auf Schönberg/Wildenkogel am 30.03.2018 (über die Rettenbachalm, Schwarzenbergalm und Hinteren und Vorderen Raucher)

Schneeschuhtour auf Schönberg/Wildenkogel am 30.03.2018 (über die Rettenbachalm, Schwarzenbergalm und Hinteren und Vorderen Raucher)

Frühmorgens starte ich bei der über eine sehr holprige Straße erreichbaren Rettenbachalm. Die Langlaufloipen sind auch am 30.03.2018 trotz der geringen Höhe von ca. 630 Metern noch recht gut in Schuss (und werden bei meiner Rückkehr wohl zum letzten Mal in diesem ausklingenden Winter präpariert). Der unterste Waldabschnitt ist entlang des markierten Sommerweges bereits völlig aper, aber nach und nach nimmt die Schneehöhe zu und bereits ab einer Höhe von etwa 900 Meter kann man die Schneeschuhe schon gut gebrauchen, insbesondere beim Abstieg, wenn die Schneedecke dann doch schon deutlich aufgeweicht ist. Jetzt früh morgens würde es zunächst zwar noch „ohne“ gehen, aber die Schneehöhe nimmt rasch zu.

Start bei den Langlaufloipen bei der Rettenbachalm

Start bei den Langlaufloipen bei der Rettenbachalm

Nördlich vom Ahornkogel verlasse ich den markierten Wanderweg und überschreite den Sattelkogel hinab in den Beerensattel. Hier kann ich einen schönen Ausblick über die Schwarzenbergalm mit der Ischler Hütte erhaschen. Leider verdecken die immer dichter werdenden Wolken immer häufiger die Sonne. Der sich hoch über alle anderen umliegenden Gipfel erhebende Schönberg/Wildenkogel (der westlichste 2.000-er des Toten Gebirges) ist nach wie vor kein Thema.

Am Sattelkogel macht das Wetter noch einen sonnigen Eindruck

Am Sattelkogel macht das Wetter noch einen sonnigen Eindruck

Nach dem Beerensattel stellt sich jetzt für mich ohnehin erst einmal die Frage, wie ich mich wohl hier am Besten durch die Felswandln und kurzen Steilaufschwänge hindurchschwindle, um auf den Hinteren Raucher zu gelangen. Aber viele Möglichkeiten gibt es ohnehin nicht und als Vorbereitung hatte ich mir auch einen Track auf das GPS-Gerät geladen, den ich am Vortag auf einer digitalen Wanderkarte vorbereitet habe.

Blick über die Schwarzenbergalm - der Schönberg/Wildenkogel ist zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema

Blick über die Schwarzenbergalm – der Schönberg/Wildenkogel ist zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema

Das Gelände wird bald wieder angenehmer, nur gelegentlich erinnert ein leises Wumm-Geräusch an die nicht zu unterschätzende Lawinengefahr, weshalb ich auch allen Steilhängen tunlichst auswich. Mehr als die Lawinen fürchtete ich aber heute die schon recht weiche Schneedecke und die womöglich darunter verborgen liegenden Dolinen. Die Sonne zeigte sich jetzt häufiger, allerdings hat auch der Wind zugenommen, als ich am höchsten Punkt des recht unspektakulären Hinteren Raucher stehe, von wo aus sich ein guter Ausblick Richtung Blaa-Alm und Loser bietet.

Aufstieg auf den Hinteren Raucher. Der Schönberg/Wildenkogel rechts hinten ist noch immer kein Thema

Aufstieg auf den Hinteren Raucher. Der Schönberg/Wildenkogel rechts hinten ist noch immer kein Thema

Beim Abstieg vom Hinteren Raucher in den Sattel Richtung Nordosten mahnen mich einige nur schwer sichtbare, weil mit einer dünnen Schneedecke überzogene Löcher im Latschengestrüpp zur Vorsicht. Ich schaffe es mühelos, mit den auf 125 cm eingestellten Tourenstöcken ganz im Gestrüpp zu verschwinden. Sicherer fühle ich mich erst wieder beim Aufstieg auf den Vorderen Raucher.

Immer wieder verschwinden die Tourenstöcke tief in den Latschen

Immer wieder verschwinden die Tourenstöcke tief in den Latschen

Auch hier halte ich mich nicht länger auf. Steil wirkt anfänglich das Abstiegsgelände Richtung Norden, die Schneedecke ist hier aber recht kompakt unter der einige Zentimeter dicken Firnschicht. Und so gleite ich rasch abwärts. Am tiefsten Punkt zwischen unzähligen Mulden – ich mag gar nicht daran denken, was darunter verborgen sein könnte – geht es neuerlich aufwärts. Teilweise über kurze, steile Aufschwünge erreiche ich den höchsten Punkt am Feuchter Kogel.

Soll ich etwa den Schönberg/Wildenkogel doch noch mitnehmen?

Soll ich etwa den Schönberg/Wildenkogel doch noch mitnehmen?

Im Norden erkenne ich einen Skitourengeher, der gerade über die recht steil wirkende Südseite auf den Schönberg spurt. Noch immer ist dieser Gipfel kein Thema für mich, das zerklüftete, hügelig-wellige Gelände bis zum Altarkögerl würde ich an diesem Karfreitag aber doch gerne durchschreiten. Auch hier immer wieder tiefe Gräben und hohe Wechten, die den einen oder anderen Umweg erfordern. Auf dem Sattel zwischen Altarkögerl und Schönberg angekommen, beschließe ich jetzt, doch auf den Schönberg/Wildenkogel hinauf zu steigen.

Übergang durch ein Dolinen-Labyrinth zum Altarkögerl

Übergang durch ein Dolinen-Labyrinth zum Altarkögerl

Im Umfeld etlicher Schispuren wähle ich meine Aufstiegsspur. Und gerade zu einem Zeitpunkt, als ich mir hinsichtlich möglicher Dolinengefahren angesichts der zahlreichen Schispuren überhaupt keine Gedanken machte, passierte es. Schwups und ich war ansatzlos in einem Loch verschwunden. Bis zur Brust – tiefer war das Loch Gottseidank nicht. Aber auch so fühlte ich mich ein bisschen wie ein Käfer, als ich wieder aus dem Loch herauskrappelte.

Beim Anstieg auf den Schönberg/Wildenkogel. Ansatzlos in ein Loch eingebrochen.

Beim Anstieg auf den Schönberg/Wildenkogel. Ansatzlos in ein Loch eingebrochen.

Wenige Minuten später stand ich beim Gipfelkreuz auf dem Schönberg/Wildenkogel, der nicht nur 2 Namen hat, sondern auch 2 Gipfelkreuze. Und beim westlichen Gipfelkreuz genossen gerade 2 Burschen, die mit Tourenski herauf gekommen waren, ihr Gipfelbier.

Ausblick vom Schönberg/Wildenkogel zum Traunsee

Ausblick vom Schönberg/Wildenkogel zum Traunsee

Nach kurzer Foto-Pause stieg ich wieder ab, schließlich musste ich noch einen weiten Weg zum Ausgangspunkt zurücklegen. Vor dem endgültigen Abstieg ging es aber noch einmal hinauf – dieses Mal auf das Altarkögerl. Und auch hier brach ich – direkt am Gipfelplateau – durch die Schneedecke in die Latschen. Jetzt reichts.

Abstieg über die Schwarzenbergalm

Abstieg über die Schwarzenbergalm

Abstieg nördlich um das Altarkögerl herum Richtung Traglstatt und von dort dem Verlauf des Sommerweges folgend zur Schwarzenbergalm mit der Ischler Hütte. Der Himmel war mittlerweile wieder ziemlich bedeckt, weshalb ich auch hier keine Rast einlegte. Kurz hinauf in den Beerensattel und bald hatte ich meine morgendliche Aufstiegsspur erreicht, der ich nun zurück zum Ausgangspunkt bei der Rettenbachalm folgte.

Vorbei an der Ischler Hütte

Vorbei an der Ischler Hütte

2.080 Aufstiegshöhenmeter und 25,5 Kilometer zeigten die Messgeräte am Ende des Tages.  Und wie bereits erwähnt: Der Schönberg/Wildenkogel ist mein 35. „Triathlon“-Gipfel. Nach der Skitour am 02.02.2006, ebenfalls bei der Rettenbachalm startend, bin ich am 07.09.2013 über die Blaa-Alm und den Naglsteig auf einer Wandertour aufgestiegen. Und heute war die Schneeschuhtour an der Reihe.

Vom Hinteren zum Vorderen Raucher (rechts)

Vom Hinteren zum Vorderen Raucher (rechts)

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Zoomblick zum Wolfgangsee

Zoomblick zum Wolfgangsee

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