Kleine Reibn: Über den Schneibstein zum Seeleinsee

Untertitel: Alpenblumen und Alpentiere – Geschichten von Edelweiß und Steinbock

Sie bilden die Höhepunkte der heutigen Tour: Steinböcke ...

Sie bilden die Höhepunkte der heutigen Tour: Steinböcke …

... Edelweiss ...

… Edelweiss …

... und der herrliche Seeleinsee.

… und der herrliche Seeleinsee.

Zwei Mal war ich bisher bereits über den ca. 8 Kilometer langen Alm- und Wanderweg über 1.200 Höhenmeter aus dem Bluntautal bei Golling zur Staatsgrenze Österreich-Deutschland am Torrener Joch mit dem Carl-von-Stahl-Haus aufgestiegen, um dann einen der großartigen umliegenden Berggipfel zu besuchen. Und beide Male habe ich die zahlreichen Wanderer beneidet, die wohl in der Mehrzahl ohne größere Anstrengungen auf der deutschen Seite vom Königssee mit Hilfe der Jennerbahn herauf gekommen sind.

Natürlich hatte es mich schon lange gereizt, ebenfalls die deutsche Seite der Berchtesgadener Alpen zu erkunden, deren höchster Gipfel der vorgestern besuchte Hochkönig ist. Aber ich scheute bisher den Massenandrang, welchen die leichte Erreichbarkeit mit sich bringt. Eher zufällig entdeckte ich nun im Internet, dass die Jennerbahn heuer wegen Umbauarbeiten nicht in Betrieb ist.

Für uns die Chance, das Gebiet ohne den sonst üblichen Trubel näher kennen zu lernen. Ausgangspunkt war der große Parkplatz in Hinterbrand (ca. 1.130)  welcher bei unserer Ankunft um ca. 07:30 Uhr noch recht leer war. Hinweistafeln informierten über erhöhten Baustellenverkehr und sowohl im Bereich der Mittelstation als auch bei der Bergstation gab es auch lautstarke Bautätigkeiten.

Von Hinterbrand bis zur Mittelstation folgten wir der Schotterstraße bzw. dem parallel dazu verlaufenden breiten Wanderweg. Kurz vor der Mittelstation führt der Steig dann am Rande einer Schipiste steiler bergan. Bis zur Mitterkaseralm wandern wir bei angenehmen Temperaturen im Schatten. Erst oberhalb der Waldgrenze gelangen wir in die Sonne.

Der Aufstieg zum nahen Jenner-Gipfel ist derzeit wegen der Bautätigkeiten gesperrt

Der Aufstieg zum nahen Jenner-Gipfel ist derzeit wegen der Bautätigkeiten gesperrt

Der Aufstieg auf den Jenner ist derzeit wegen der Bauarbeiten und damit verbundener Sprengarbeiten gesperrt. Somit bleibt uns auch der Tiefblick auf den Königssee verwehrt. Wir halten deshalb gleich auf das Schneibsteinhaus zu, lassen dieses aber rechts liegen, um direkt zum Carl-von-Stahl-Haus aufzusteigen. Das Stahl-Haus dürfte seit meinem letzten Besuch – zumindest auf der Ostseite – merklich erneuert worden sein.

Das Stahl-Haus hat sich seit meinem letzten Besuch im rechten Bereich merklich verändert.

Das Stahl-Haus hat sich seit meinem letzten Besuch im rechten Bereich merklich verändert.

Ganz einsam ist es hier zwar auch heute nicht, aber kein Vergleich mit meinen beiden letzten Besuchen. Wir wandern gleich ohne Pause weiter Richtung Süden. Der Schneibstein lockte. Über glatte, abgeschmirgelte Felsen führt der Steig auf den Gipfel mit seinen beiden Gipfelkreuzen.

Am Gipfel des Schneibstein mit seinen zwei Gipfelkreuzen

Am Gipfel des Schneibstein mit seinen zwei Gipfelkreuzen

Auch hier hielten wir uns nicht lange auf, denn als Tourenziel hatten wir nun die sogenannte „Kleine Reibn“ festgelegt – ein Rundwanderweg der uns über den Schneibstein zum Seeleinsee führen wird und von dort abwärts zur Priesbergalm und Königsbachalm und zurück zum Ausgangspunkt in Hinterbrand.

Unterwegs auf der Kleinen Reibn vom Schneibstein Richtung Südwesten bis zum Seeleinsee

Unterwegs auf der Kleinen Reibn vom Schneibstein Richtung Südwesten bis zum Seeleinsee

Besonders aufmerksam überblickten wir die felsdurchsetzten Wiesen südlich des Schneibstein – denn wir wußten um die große Wahrscheinlichkeit, hier auf Steinböcke zu treffen. Da unten ist etwas – zwar abseits des Weges aber ohne Problem erreichbar. Bei unserem Näherkommen entpuppten sich die vermeintlichen Steinböcke allerdings als scheue Gämse.

Die ersten vermeintlichen Steinböcke erweisen sich beim Näherkommen noch als Gämse

Die ersten vermeintlichen Steinböcke erweisen sich beim Näherkommen noch als Gämse

Also wieder zurück zum Wanderweg und weiter Richtung Südwesten. Es dauerte nicht lange und wir stießen nun wirklich auf eine größere Steinbock-Gruppe mit auffallend vielen Jungtieren, die sich in einer Schule zusammengefunden hatten. Bewacht wurde die ganze Gruppe von 2 sehr kapitalen großen Böcken – einer direkt bei der Gruppe, ein weiterer oben auf der höchsten Erhebung das Gelände überblickend.

Aber dann war es soweit: Die erste größere Steinbock-Gruppe am Wegesrand - bewacht von einigen kapitalen Böcken

Aber dann war es soweit: Die erste größere Steinbock-Gruppe am Wegesrand – bewacht von einigen kapitalen Böcken

Neben uns hatten sich mittlerweile gut 10 weitere Wanderer eingefunden, die das imposante Erlebnis auf ihre Speicherkarten sicherten.

Viele Kleintiere üben das Klettern in einer Steinbock-Schule

Viele Kleintiere üben das Klettern in einer Steinbock-Schule

Einsam wurde es erst wieder beim Aufstieg von der Windscharte auf unseren zweiten Gipfel, den ebenfalls mit Gipfelkreuz ausgestatteten Windschartenkopf, wo wir uns nun zur Rast und einem kurzen Schläfchen niederließen.

Einsamer Gipfelbesuch am Windschartenkopf

Einsamer Gipfelbesuch am Windschartenkopf

Nach dieser Stärkung möchte ich unbedingt 2 neue Gipfel kennen lernen. Den südlich gelegenen Schlumkopf, bei dessen Steinmanndl wir aus den dort vorgefundenen Utensilien schnell ein provisorisches Gipfelkreuz basteln und noch weiter Richtung Süden auf den Hochseeleinkopf mit bestem Tiefblick über den grün schimmernden Seeleinsee.

Selbst gebasteltes Gipfelkreuz am Schlumkopf

Selbst gebasteltes Gipfelkreuz am Schlumkopf

Ich hätte alles geschworen und gewettet, dass diese zwei Gipfel für mich Neuland waren – und damit alles verloren. Denn ein Blick in mein Tourenbuch zeigte mir zu meiner Verwunderung, dass ich bereits auf allen beiden gestanden bin. Da ich noch immer an meinen Aufzeichnungen zweifelte, brachte erst ein Blick auf meine damalige GPS-Aufzeichnung Gewissheit. JA – da war ich schon einmal.

Komplett vergessen: Erst ein Blick in meine Wanderrouten in den Berchtesgadener Alpen konnte mich überzeugen, dass ich hier bereits einmal gewesen bin.

Komplett vergessen: Erst ein Blick in meine Wanderrouten in den Berchtesgadener Alpen konnte mich überzeugen, dass ich hier bereits einmal gewesen bin.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Während ich aber damals Richtung Osten abgestiegen bin, um über den Vorderschlumsee ins Bluntautal zurück zu gelangen, wollten wir heute nach Norden zum Seeleinsee. Ein direkter Abstieg schien uns unmöglich.

Den direkten Abstieg vom Hochseeleinkopf zum Seeleinsee trauten wir uns über die Felswände nicht zu. Links der Kahlersberg

Den direkten Abstieg vom Hochseeleinkopf zum Seeleinsee trauten wir uns über die Felswände nicht zu. Links der Kahlersberg

Also zunächst wieder ein Stück zurück Richtung Schlumkopf und noch vor diesem westseitig über mittelsteile Wiesen und rauhe Felsen abwärts – begleitet von schrillen Warnrufen von Murmeltieren. Auch hier wieder eine größere Ansammlung  von Steinböcken.

Steinböcke sind hier keine Seltenheit

Steinböcke sind hier keine Seltenheit

Am markierten Wanderweg dann weiter zum Türkis schimmernden Seelseinsee, in dem sich gerade ein kälteresistenter Schwimmer abkühlt.

Abstieg zum Seeleinsee

Abstieg zum Seeleinsee

Auch wir erfrischen uns im kühlen Nass des klaren Bergsees, in dem etliche Wasserkäfer herumrudern. Allerdings nur die Füße.

Einsamer Schwimmer im Seeleinsee

Einsamer Schwimmer im Seeleinsee

Vom Seeleinsee zeigt der Wegweiser nun Richtung Nordwesten. Mit 3 Stunden ist die Gehzeit zurück nach Hinterbrand angeschrieben. Knapp 2 Stunden haben wir für die Route dann tatsächlich benötigt. Zunächst geht es in einem verwachsenen Graben abwärts bis zum Almgelände der Priesbergalm.

Vorbei an der Königsbachalm

Vorbei an der Königsbachalm

Von hier führt eine Schotterstraße an der Königsbachalm vorbei zum Baustellenlärm bei der Mittelstation und zurück zum Ausgangspunkt in Hinterbrand, wo sich der Parkplatz im Tagesverlauf doch deutlich gefüllt hat.

Hochseeleinkopf und Seeleinsee

Hochseeleinkopf und Seeleinsee

Fazit der Tour:

Ein landschaftlich hervorragendes und abwechslungsreiches Gebiet, leider war es heute etwas dunstig und zeitweise bewölkt, so dass der Ausblick zum nahe gelegenen Watzmann und zum Hochkönig etwas getrübt war. Vermutlich war das nicht unser letzter Besuch hier, denn mit dem Kahlersberg haben wir schon ein weiteres reizvolles Gipfelziel ausgemacht.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Alpenblumen und Alpentiere prägten die heutige Wanderung

Alpenblumen und Alpentiere prägten die heutige Wanderung

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