Über die Mitterfeldalm auf den Hochkönig

Ursprünglich hätte der Titel dieses Artikels lauten sollen: „Am Normalweg auf den Hochkönig„. Aber was ist schon normal?

Rot unsere heutige Sommerroute - blau die Skitourenroute vom 27.03.2012

Rot unsere heutige Sommerroute – blau die Skitourenroute vom 27.03.2012

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Für die einen könnte das der relativ kurze, aber nicht zu unterschätzende Steig über das Birgkar sein, andere könnten sich darunter wieder die landschaftlich reizvolle und recht anspruchsvolle Route über die Bertgenhütte zu den Teufelslöchern vorstellen. Wiederum andere Bergsteiger könnte der Meinung sein, wenn schon Hochkönig, dann gleich über den Hochseiler (ich habe den Gipfel am 27.07.2012 überschritten), während für eine weitere Gruppe nur der lange Anstieg von Werfen über die Ostpreußenhütte auf den Gamskarkogel und weiter zum Hochkönig zählt. Und dann gibt es ja auch noch den Zustieg über das Blühnbachtal, falls man dort überhaupt noch gehen darf. Nicht zu vergessen natürlich der schwierige Königsjodler-Klettersteig.

Die weitläufige Hügellandschaft am Hochplateau sorgt für einige Gegensteigungen

Die weitläufige Hügellandschaft am Hochplateau sorgt für einige Gegensteigungen

Wir hatten uns an diesem 15.08.2017 bei besten Wetterverhältnissen für die unschwierige, aber langgezogene Route vom Arthurhaus über die Mitterfeldalm entschieden, welche in der Folge südlich unterhalb der Torsäule vorbeiführt und hinauf aufs hügelige, steinreiche Hochplateau leitet. Natürlich waren wir an diesem Feiertag im Hochsommer bei diesem Prachtwetter nicht alleine unterwegs. Die ca. 1.650 Höhenmeter (inkl. Gegensteigungen) bieten auf den fast 24 Kilometern Länge aber genug Platz, dass man sich trotz allem Andrangs nicht auf die Zehen tritt.

Die markante Torsäule von oben

Die markante Torsäule von oben

Wo es allerdings platzmäßig etwas knapp wurde, war beim Ausgangspunkt am Parkplatz beim Arthurhaus, wo wir eine der allerletzten freien Stellmöglichkeiten ergatterten. 2,50 Euro bezahlt man für´s Parken. Diese erhält man aber ersetzt, wenn man beim Arthurhaus einkehrt – eine Empfehlung also für all jene, die ohnehin vorhaben, die Tour dort ausklingen zu lassen (die kalten Radler waren perfekt).

Beeindruckende Felskulisse beim Ausgangspunkt beim Arthurhaus.

Beeindruckende Felskulisse beim Ausgangspunkt beim Arthurhaus.

Vom Arthurhaus führt ein gemächlicher Almweg Richtung Nordosten zur etwa 170 Höhenmeter weiter oben gelegenen Mitterfeldalm. Hier dreht der Weg nun Richtung Nordwesten an den steilen Schotterabhängen der Mandlwände vorbei Richtung Ochsenkar. Hier kann es bei Schitouren auf den abschüssigen Steilhängen mitunter recht unangenehm werden. Ein Gamsrudel quert den Wanderweg.

Querung an der Ostseite der Mandlwand

Querung an der Ostseite der Mandlwand

Schließlich dreht die Route Richtung Westen zur markanten Torsäule hinauf, wo gerade einige mutige Kletterer an den senkrechten, glatten Felswänden ihr Können zeigen.

Aufstieg zur markanten Torsäule

Aufstieg zur markanten Torsäule

Weiter drüben, kurz nachdem der Weg nun von der Torsäule weg die Seite des Kares wechselt, eine kleine Menschenansammlung. Eine junge Frau hat sich am Fuß verletzt und kann nicht mehr gehen. Beinbruch ist die Vermutung. Wenig später sollte sie der Hubschrauber holen.

Von der Torsäule durch das Kar auf die andere Seite

Von der Torsäule durch das Kar auf die andere Seite

Nach einer kurzen felsigen Steilstufe, über die sich das Steiglein elegant nach oben windet, wird es wieder flacher. Aber noch immer lagen mehr als 300 Höhenmeter und 3 Kilometer vor uns. Durch das ständige Auf und Ab über steinübersäte Hügel und zerklüftete Felsen fühlt sich die Entfernung noch viel weiter an.

Große Entfernungen - perfekt markiert

Große Entfernungen – perfekt markiert

Und schon lange vor unserer Ankunft erblicken wir das direkt am Gipfel thronende Matrashaus. Vom Gletscher ist auf der Ostseite des Gipfels kaum mehr etwas auszumachen. Dafür gibt es etliche größere und kleinere Seen. Ab und an gurgeln kleine Bächlein in tief eingeschnittenen Spalten über die Gletscherreste und Firnfelder.

Die Nähe täuscht. Der Weg zieht sich noch ordentlich.

Die Nähe täuscht. Der Weg zieht sich noch ordentlich.

Kurz vor dem Ziel wartet noch einmal eine Felsstelle, die sich mit Hilfe von Eisenleitern und Eisenketten unschwierig über die sogenannte Helmut-Müntzer-Stiege begehen läßt. Und dann stehen wir oben am höchsten Punkt des Hochkönigs – 2.941 Meter hoch. Eine junge Frau freut sich in lupenreinem Hochdeutsch über ihren ersten „Dreitausender“. Sehr großzügig aufgerundet. Aber auch so ist der Hochkönig zweifellos eine tolle konditionelle Leistung.

Mit Hilfe von Eisenleitern über eine Felsstufe

Mit Hilfe von Eisenleitern über eine Felsstufe

Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass es das Gipfelkreuz von meinen drei letzten Besuchen nicht mehr gibt. Dafür steht nun ein ganz neues Kreuz etwas unterhalb des höchsten Punktes. Der Rundumblick ist gigantisch. Im Osten unser Anstiegsgebiet. Im Westen noch etwas ausgeprägter vorhandene Reste der „übergossenen Alm“. Viele der umliegenden Gipfel habe ich bereits besucht.

Hier gab es doch früher ein Gipfelkreuz?

Hier gab es doch früher ein Gipfelkreuz?

Ein ganz neues Gipfelkreuz steht jetzt etwas unterhalb

Ein ganz neues Gipfelkreuz steht jetzt etwas unterhalb

Im Süden ebenfalls viele bekannte Gipfel in den Hohen Tauern. Durch die Wolken aber nicht so deutlich ausmachbar.

Blick vom Matrashaus über die übergossene Alm

Blick vom Matrashaus über die übergossene Alm

Nach einer stärkenden Jause verlassen wir den Trubel beim Matrashaus wieder. Viele der anderen Wanderer werden hier wohl übernachten, zumindest jene, welche das Gipfel-Bier schon recht lustig werden ließ 🙂 .

Das Matrashaus am höchsten Punkt des Hochkönigs

Das Matrashaus am höchsten Punkt des Hochkönigs

Bei unserem Abstieg kommen noch immer kleinere und größere Grüppchen herauf. Die meisten davon hatten wir unterwegs überholt. Aber auch wir waren von so manchen sportlichen Gipfelläufern in spartanischer Ausrüstung überholt worden. Was für uns eine ausgewachsene Tagestour ist, bedeutet für viele von ihnen wohl nur einen besseren Trainingslauf.

Etliche herrliche kleine Seen am Hochplateau

Etliche herrliche kleine Seen am Hochplateau

Die Wolken hatten jetzt am Nachmittag Oberhand bekommen. Dennoch war der überwiegende Wettereindruck ein freundlicher. Nicht so gut würden es alle jene erwischen, die erst am nächsten Tag wieder absteigen wollten. Bereits am Vormittag waren Regenschauer in diesem Gebiet nicht mehr ausgeschlossen. Und selbst für den Abstieg muss man noch gut und gerne 3 bis 4 Stunden veranschlagen. Mit 4 bis 6 Stunden ist übrigens der Anstiegsweg beim Arthurhaus angeschrieben, bei der Mitterfeldalm ist die Anstiegszeit mit 5 Stunden angegeben.

Am Vormittag war es noch recht heiß. Am Nachmittag sorgten dünne Wolken für etwas Abkühlung.

Am Vormittag war es noch recht heiß. Am Nachmittag sorgten dünne Wolken für etwas Abkühlung.

So genug der Zahlen. Nur soviel noch: Wie bereits erwähnt, kann man sich die 2,50 Euro Parkgebühr bei einer Einkehr ins Arthurhaus ersparen.

Fazit der Tour:

Es kommt nicht häufig vor und es ist eine besondere Auszeichnung für eine Tour, wenn meine Liebste noch auf den letzten Metern einer 9 1/2-stündigen Wanderung (inkl. Pausen) meint: Da möchte ich wieder einmal gehen.

Die AlpenYetin hat großen Gefallen an dieser Tour gefunden

Die AlpenYetin hat großen Gefallen an dieser Tour gefunden

Einmal habe ich bisher im Sommer die Überschreitung gemacht (über die Teufelslöcher). Damals sind wir auch über die Mitterfeldalm abgestiegen. Heute war meine zweite Sommer-Begehung. Und zwei Mal war ich bereits mit Tourenschi am Gipfel: Mit Hörbie im April 2005 und mit Karl im März 2012. Jetzt fehlt eigentlich noch eine Herbstwanderung bei bunter Farbenpracht im unteren Abschnitt.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Hubschrauber-Bergung: Hoffentlich ist nichts Schlimmeres passiert.

Hubschrauber-Bergung: Hoffentlich ist nichts Schlimmeres passiert.

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