Über den Lärchkogelsteig auf den Grimming

Meine erste Grimming-Überschreitung liegt nun schon 12 Jahre zurück. Damals war ich von Trautenfels über die Grimminghütte auf das Multereck aufgestiegen und vom Grimming-Gipfel über den Kulm-Abstieg Richtung Klachau abgestiegen. Am Ende wartete noch der lange Straßenhatscher über Untergrimming zurück nach Trautenfels.

Köstliche Walderdbeeren

Köstliche Walderdbeeren

Im Vorjahr habe ich mir den Aufstieg von Niederstuttern über den Grimming-Südostgrat angesehen. Abgestiegen bin ich damals über das Multereck zurück zur Grimminghütte und zum Ausgangspunkt an der Ennstal Straße B320.

Ennstalblick vom Lärchkogelsteig

Ennstalblick vom Lärchkogelsteig

Seit einigen Jahren nahm ich mir nun schon vor, auf einer unmarkierten Route über den sogenannten „Lärchkogelsteig“ auf der Ostseite des vermeintlichen „Mons Styriae altissimus“ auf das Multereck und in weiterer Folge zum Grimming-Hauptgipfel aufzusteigen. Heute am 15.06.2017 war es endlich so weit.

Grimming-Gipfelkreuz

Grimming-Gipfelkreuz

Bereits vor 11 Tagen hatte ich mit meiner Liebsten den untersten Wegabschnitt erkundet, um nicht dann am Aufstiegstag unnötig Zeit mit der Wegsuche zu verlieren. Im Internet findet man ja schon diverse Berichte über diesen Steig, von einer Moderoute ist er aber weit entfernt – und wird es auf Grund der Anforderungen (Orientierung, kurze ausgesetzte Passagen bzw. leichte Kletterstellen, anhaltende Gelände-Steilheit, Steinschlaggefahr) wohl auch bleiben.

Einige meiner bisherigen Wanderungen im Umfeld des Grimming. Rot = meine heutige Tour mit Lärchkogelaufstieg und Kulm-Abstieg. Blau = meine Tour vom Vorjahr über den Südostgrat mit Abstieg über das Multereck. (Klick zur Vergrößerung)

Einige meiner bisherigen Wanderungen im Umfeld des Grimming. Rot = meine heutige Tour mit Lärchkogelaufstieg und Kulm-Abstieg. Blau = meine Tour vom Vorjahr über den Südostgrat mit Abstieg über das Multereck. (Klick zur Vergrößerung)

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304


Ich starte am frühen Morgen bei der kleinen Parknische vor der Fahrverbotstafel auf der alten Klachaustraße gegenüber der Abzweigung nach Pürgg. Nach etwa 300 Metern auf der Straße Richtung Norden führt ein anfangs nicht wahrnehmbarer Weg nach links bergan. Der anfangs noch stark verwachsene Steig lichtet sich weiter oben im Wald allmählich, gelegentlich sind bereits erste Steinmandln erkennbar. Da und dort trifft man am steilen Schotterweg entlang glatter Felswände auf rote Markierungspunkte.

Im unteren Abschnitt am Lärchkogelsteig: Wer aufmerksam ist, findet immer wieder rote Farbtupfer, Steinmandln und leichte Steigspuren

Im unteren Abschnitt am Lärchkogelsteig: Wer aufmerksam ist, findet immer wieder rote Farbtupfer, Steinmandln und leichte Steigspuren

Dort eine abgeschnittene Latschenwurzel, da leichte Steigspuren weisen dem aufmerksamen Wanderer den Weg. Auf etwa 1.180 Meter Höhe wartet eine kurze, leicht ausgesetzte Querung Richtung Norden, und bereits nach weiteren 10 Höhenmetern hat man die große Wandbuch-Kassette erreicht.

Beim Wandbuch auf knapp 1.200 Meter Höhe

Beim Wandbuch auf knapp 1.200 Meter Höhe

Das Original-Wandbuch dürfte hier aber nicht mehr enthalten sein. Lediglich ein kleiner Notizblock zeigt seit September 2016 vor mir erst 4 Beschreitungen, wobei mein unmittelbarer Vorgänger am Vortag seine Umkehr bekanntgegeben hat.

2 sportliche Damen überholen mich - so fällt mir die Orientierung noch leichter

2 sportliche Damen überholen mich – so fällt mir die Orientierung noch leichter

Der Steig dürfte also sehr einsam sein, aber justament heute kamen kurz nach mir 2 sportliche Damen nach bzw. überholten mich. Da ihnen der Weg bereits bekannt war wurde auch für mich die Orientierung an der einen oder anderen „Entscheidungsstelle“ einfacher. Da über eine Felsplatte anstatt durch den verlockenden Latschen-Tunnel. Dort besser den linken unscheinbaren Steig als den rechten (von Wild?) ausgetretenen.

Steile, aber unschwierige Latschenzone. Lediglich an 2 Felsstellen benötigt man kurz die Hände.

Steile, aber unschwierige Latschenzone. Lediglich an 2 Felsstellen benötigt man kurz die Hände.

Mindestens an zwei kurzen Felsstellen komme ich nicht umhin, auch die Hände zum Aufstieg zu benutzen. Schwieriger als I bis II und länger als 2 bis 3 Meter wird die Kletterei aber nie und meist führt die anregende steile Routenführung durch gut ausgeschnittene Latschengassen hindurch. Bei Nässe oder gar Schnee würde ich hier aber auf keinen Fall gehen wollen.

Oberhalb der Latschenzone - im Schrofengelände zu den weit sichtbaren Eisenstangen.

Oberhalb der Latschenzone – im Schrofengelände zu den weit sichtbaren Eisenstangen.

Oberhalb der Latschenzone wartet steiles Schrofengelände und nach mehr als 1.000 Aufstiegshöhenmetern sieht man bereits weiter oben die Schneehöhen-Messstangen (?), an denen man sich gut orientieren kann. Von diesen Stangen ist es nur mehr ein Katzensprung auf den Gipfel des Multereck.

Über ein Steinfeld auf das Multereck

Über ein Steinfeld auf das Multereck

Zwischen Multereck und Grimming-Gipfel liegen noch einige ausgedehntere Schneefelder, die von einer größeren Gruppe Jugendlicher zum vielbejubelten Abrutschen genutzt werden. Ich umgehe die Schneefelder aus Neugierde auf der Nordseite über einfache Almmatten. Etwa geschätzte 20 Wanderer sind im Umfeld des Grimming auf den breiten Wiesen unterwegs.

Über kleinere Schneefelder zum Grimming-Gipfel

Über kleinere Schneefelder zum Grimming-Gipfel

Meine bevorzugte Abstiegsroute wäre nun jene Richtung Kulm / Klachau. Aber wie würde es hier mit dem Schnee aussehen. Denn diesen könnte ich im anregenden Klettergelände nicht brauchen. Also stieg ich noch vor dem Besuch des Gipfelkreuzes zur Grimming-Biwakschachtel ab. Hier versperrte eine mehrere Meter hohe Schneewechte den Abstiegsweg. Diese Abstiegsroute konnte ich mir wohl gleich aus dem Kopf schlagen.

Das einzige Schneefeld am Kulm-Abstieg Richtung Norden

Das einzige Schneefeld am Kulm-Abstieg Richtung Norden

Zufällig kam gerade ein junges Paar vom Gipfel herunter. Sie versicherten mir, dass dieses Schneefeld das einzige am Weg ins Tal ist. Bestens – mein Abstiegsweg war gefunden. Zuvor aber musste ich natürlich noch das Grimming-Gipfelkreuz aufsuchen. 3 WanderInnen, die dort gerade rasteten, waren zuvor über den teilweise noch schneebedeckten und dadurch ziemlich problematischen Südostgrat heraufgekommen. Ohne Steigeisen eine herausfordernde Angelegenheit.

Grimming-Biwakschachtel

Grimming-Biwakschachtel

Kurzer Eintrag im Gipfelbuch und neuerlicher Abstieg zum Toni Adam – Dr. Obersteiner Not-Biwak. Über die Schneewechte drüber und kurz entlang eines Drahtseiles. Danach folgt immer wieder leichtes Klettergelände (I), unterbrochen von steinigen Steigen, die aber auch kein allzu rasches Vorwärtskommen erlauben. Zu steil geht es im Felsgelände abwärts, zu fatal könnte sich ein Ausrutschen auswirken.

Der untere Felseinstieg bei 1.865 Meter Höhe

Der untere Felseinstieg bei 1.865 Meter Höhe

Auf einer Höhe von 1.865 Meter stehe ich schließlich am ausgedehnten Schotterfeld nördlich der Schartenspitze. Eine Dame, die erst aufgestiegen ist, als ich bereits in den Felsen nach unten war, überholt mich bei den langgezogenen Seilsicherungen nördlich vom Farbkogel.

Unterwegs im weiten Schotterfeld. Links der Bildmitte der Grimming-Gipfel.

Unterwegs im weiten Schotterfeld. Links der Bildmitte der Grimming-Gipfel.

Auf gutem Wanderweg und später auf einem Forstweg geht es im Stribinggraben angenehm abwärts. Ein Steinmandl weist den Weg zu einer nahen Quelle mit „schädeldeckensprengend-kaltem“ köstlichem Wasser.

Links vom Farbkogel gibt es längere Drahtseilsicherungen

Links vom Farbkogel gibt es längere Drahtseilsicherungen

Beim Kulm-Parkplatz – ich stelle mich innerlich bereits auf mehrere Kilometer Straßenhatscher ein – macht mir die mich zuvor überholende Dame das Angebot, mich zurück zu meinem Ausgangspunkt zu fahren, obwohl das in ihrer entgegengesetzten Richtung liegt (sie möchte abends noch im Wolfgangsee baden). Ein Angebot, welches ich heute nach mehr als 10 Stunden Wanderung gerne annehme – Herzlichen DANK 🙂 .

Beim Kulm-Parkplatz

Beim Kulm-Parkplatz

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Eindrucksvolle Schartenspitze

Eindrucksvolle Schartenspitze

 

 

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