Fehlende Steinböcke, widerspenstiger Stierkarkopf und einsamer Riedel

Wie in meinem letzten Artikel über den Skitouren-Saisonabschluss in Obertauern bereits angkedündigt, haben wir ab 18.05.2017 die Wanderschuhe geschnürt. Gänzlich ohne Schneeberührung gingen die ersten Wandertouren aber noch nicht über die Bühne. Und bei einer Wandertour wurden die Bergschuhe sogar so durchnässt, dass man auch 2 Tage später noch fast die Blumen damit hätte gießen können.

Meine aktuelle Bergschuh-Sammlung - 3 Paar im Dauergebrauch und 2 Auslaufmodelle

Meine aktuelle Bergschuh-Sammlung – 3 Paar im Dauergebrauch und 2 Auslaufmodelle

Wie jedes Jahr bei Beginn der Sommer-Wandersaison gibt es eine kurze Inventur meiner Bergschuhe. Leider ist es selbst bei teureren Modellen so, dass sie bei mir kaum länger als 3 Saisonen überleben: Im 1. Jahr müssen sie erst eingegangen werden und drücken an dieser oder jener Stelle. Wenn sie dann im 2. Jahr (häufig nach einem intensiven „Wasserbad“) endlich gut zu passen beginnen, setzt auch bereits der „Auflösungsprozess“ ein.

Von den Skitouren mit wenig Schnee zu den Wandertouren mit viel Schnee

Von den Skitouren mit wenig Schnee zu den Wandertouren mit viel Schnee

Da löst sich der Gummi der Besohlung, dort ist eine Naht aufgegangen. Und schließlich spätestens ab der 3. Saison gibt es kaum noch eine griffige Sohle. Mir wurde zwar einmal von einem Hersteller angeboten, die Schuhe neu zu besohlen, allerdings zu einem Preis, für den ich mir bereits ein neues Mittelklassemodell kaufen konnte. Und die übrigen Schwachstellen (wie z.B. das geplatzte Innenfutter) oder diverse Löcher wären natürlich geblieben.

Stabile Sohlen sind ratsam auf harten Altschneefeldern

Stabile Sohlen sind ratsam auf harten Altschneefeldern

Anders als bei meinen Tourenskischuhen habe ich bei den Wanderschuhen das perfekt passende Modell leider noch nicht gefunden. Das ist aber insofern kein Problem, da ich ohnehin gerne je nach Terrain auf die passenden Schuhe zurückgreife. Die Winter-Bergschuhe für die Schneeschuhwanderungen müssen zudem etwas größer sein, damit ich darin auch mit 2 Paar Socken bequem Platz finde.

Abstieg von den Goldlacken

Abstieg von den Goldlacken

Daneben gibt es die stabilen Bergschuhe mit sehr harter Sohle, mit denen ich auch auf steilsten Wiesenhängen und harten Altschneefeldern einen guten Halt finde. Auf ausgedehnten Hochplateauwanderungen bevorzuge ich etwas weichere Schuhe mit guter Dämpfung. Und dann habe ich – mehr aus nostalgischen Gründen – noch 2 ältere Paare, bei denen ich es noch nicht über´s Herz gebracht habe, mich von Ihnen zu trennen. Und so setze ich ein eng und knapp geschnittenes Paar noch gelegentlich auf Klettersteigen ein.

Blick vom Stierkarkopf zum Stierkarsee (links).

Blick vom Stierkarkopf zum Stierkarsee (links).

Beim 5. Paar schließlich verwende ich gegenüber der AlpenYetin schließlich dieselbe Ausrede, die ich bereits bei anderen Kleidungs- und Schuh-Auslaufmodellen verwendete, um sie zumindest noch eine kurze Zeit vor der „Entsorgung“ zu bewahren: Die brauche ich zum „Schneeschaufeln“ 🙂 . (Auch wenn mir dann gerne vorgerechnet wird, wie häufig oder besser wie selten ich im letzten Winter Schnee geschaufelt habe 😉 ).

Frühling auf den Sattentalalmen. Beim nächsten Besuch waren auch die Tiere bereits aufgetrieben.

Frühling auf den Sattentalalmen. Beim nächsten Besuch waren auch die Tiere bereits aufgetrieben.

So, aber eigentlich wollte ich ja ein paar Worte über unsere ersten Wandertouren der Sommer-Saison 2017 verlieren:

Keine Steinböcke am Gößeck

Bei meinen bisherigen Besuchen am Gößeck wurde ich jedes Mal mit dem Anblick majestätischer Steinböcke belohnt. In diesem Jahr scheinen sie aber noch nicht aufgetrieben worden zu sein. Als Entschädigung haben wir uns eine neue Abstiegsroute über den Grieskogel gegönnt. Und Gesprächen zweier Wanderer, die kurz vor uns aufstiegen, konnte ich entnehmen, dass es da wohl noch eine weitere Routenalternative durch das Bärental gibt. Also ein guter Grund, wieder zu kommen.

Bisherige Wanderrouten auf das Gößeck - rot ist die aktuelle vom 18.05.2017 (Klick zur Vergrößerung)

Bisherige Wanderrouten auf das Gößeck – rot ist die aktuelle vom 18.05.2017 (Klick zur Vergrößerung)

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304


Widerspenstiger Stierkarkopf

Die 2. Wanderung führte uns wieder in den Schnee. Soviel gab es davon am 28.05.2017 sogar noch am Weg vom Satteltal zu den Goldlacken, dass auch noch einige Skitourengeher auf die Hochwildstelle unterwegs waren. Ursprünglich wollten wir ja die Schneeschuhe mitnehmen, haben den Plan aber dann doch verworfen. Gute Dienste geleistet hätten sie uns allemal. Denn so saugten sich die Wanderschuhe oberhalb von etwa 1.700 Meter Höhe bei jedem Schritt im weichen Schnee noch mehr mit Wasser voll.

Mit Rad und zu Fuß zum Schnee auf die Hochwildstelle

Mit Rad und zu Fuß zum Schnee auf die Hochwildstelle

Unser kurzfristig geplantes Vorhaben über die Goldlacken den Stierkarkopf zu ersteigen mussten wir auf Grund der großen Schneemassen bei der letzten Steilhangquerung dann ärgerlicherweise aufgeben. Nur wenige Meter hätten gefehlt, da die 1,3 Meter langen Tourenstöcke aber grundlos im Schnee versanken, und auch immer wieder einige kleinere Lawinenrutsche lautstark über Steilhänge donnerten, wollten wir nichts riskieren und kehrten kurz unterhalb des Gipfels wieder um.

Hinten links der Stierkarkopf

Hinten links der Stierkarkopf

Beim Abstieg hielten wir uns dann nicht an den Sommerweg sondern stiegen stattdessen weglos hinüber zur Langschneerinne, eine Route, die mir bereits von Skitouren bekannt war. Hier trafen wir wieder auf jenen sportlichen Skitourengeher, den wir am Morgen bei der Auto-Auffahrt von Pruggern ins Sattental überholt hatten. Er war mit Fahrrad und Schischuhen (!) unterwegs. Es dauerte nicht lange und er überholte uns – die Tourenski am Rucksack – beim Aufstieg bei der Abzweigung zum Stierkarsee. Flugs war er vorbei und wenig später konnten wir ihn beim Aufstieg aus der Umlauferscharte auf die Hochwildstelle bestaunen.

Von den Goldlacken zur Trattenscharte

Von den Goldlacken zur Trattenscharte

Und während wir uns beim Stierkarkopf-Besteigungsversuch abmühten, fuhr er bereits wieder ab, um dann neuerlich über die Langschneerinne und die Rote Scharte auf der Ostseite auf den Stierkarkopf aufzusteigen. In die Scharte stiegen wir auch noch auf, den Weiterweg ersparten wir uns dann aber. Einerseits schon etwas müde und andererseits mit total durchtränkten Schuhen hatten wir einfach keine Lust mehr.

Tiefblick in den Stummerkessel auf der Kleinsölker Seite

Tiefblick in den Stummerkessel auf der Kleinsölker Seite

Aber ich schwor mir, bald wieder zu kommen und dann gleich die Stierkarkopf-Ost-West-Überschreitung in Angriff zu nehmen. Diese Überschreitung – in umgekehrter Richtung – hatten die AlpenYetin und ich ja bereits einmal bewältigt, als wir dann im Anschluss über unangehme Steilhänge in den Stummerkessel abgestiegen sind und dort einen toten Hirsch gefunden haben.

Ingrid in der Roten Scharte. Links die Langschneerinne hinunter ins Sattental, rechts geht´s steil in den Stummerkessel hinab.

Ingrid in der Roten Scharte. Links die Langschneerinne hinunter ins Sattental, rechts geht´s steil in den Stummerkessel hinab.

Der heutige Abstieg von der Roten Scharte (2.099) über die noch schneegefüllte Langschneerinne gestaltete sich recht einfach. Beim Weg zurück zum Ausgangspunkt „schwogatzten“ die Schuhe bei jedem Schritt (diesen Begriff scheint das Internet nicht zu kennen 🙂 ) und wir nahmen uns vor, am nächsten Tag eine trockene Felswanderung in den Kalkalpen zu unternehmen.


Herrlicher Seeblick und einsamer Riedel

Nachdem wir uns gestern in den Schladminger Tauern am Stierkarkopf so nasse Füße geholt hatten wählten wir heute die gegenüberliegende Gebirgsgruppe – das felsige Dachsteingebirge.

Aufstieg durch die Silberkarklamm

Aufstieg durch die Silberkarklamm

Über die Silberkarklamm (Eintritt 3,50 Euro pro Person) stiegen wir am rauschenden Bach entlang auf bis zur Silberkarhütte. Von dort wird es zwar steiler, das Steiglein schlängelt sich aber geschickt und kraftparend über die Steilstufe, vorbei an der Stanglalm bis zum Übergang Grubach. Hier waren einige kurze, kompakte Schneefelder zu queren – aber kein Vergleich zu gestern.

Faszinierender Tiefblick auf den Silberkarsee (Hölltalsee)

Faszinierender Tiefblick auf den Silberkarsee (Hölltalsee)

Hinabsteigen wollten wir zwar nicht zum Silberkarsee (Hölltalsee) – aber den obligatorischen, faszinierenden Seeblick wollten wir uns auf jeden Fall gönnen. Unser Hauptziel war heute aber ein anderes. Das Gebiet zwischen Guttenberghaus und Luserwand habe ich in den letzten 15 Jahren bereits ziemlich häufig in verschiedensten  Varianten besucht. Eine Latschengasse allerdings war mir zwar schon etliche Male aufgefallen, beschritten hatte ich sie aber noch nie. Das sollte heute nachgeholt werden.

Viel Flugverkehr über den Berggipfel - im Bild die Wasenspitze

Viel Flugverkehr über den Berggipfel – im Bild die Wasenspitze

Der Steig führt auf den Luserriedel, welcher die Luseralm vom Silberkar trennt. Eine einsame Wanderung auf einer neuen Route. Einsam war es aber nur hier am Berg – weiter oben ging es nämlich äußerst dicht gedrängt zur Sache. Auffallend viele Paragleiter und so manches Segelflugzeug nutzten die wohl besten thermischen Verhältnisse. Am Abend sollten wir dann im Internet lesen, dass der dichte Flugverkehr leider nicht immer ganz unfallfrei abgelaufen ist.

Durch Latschengassen auf den Luserriedel

Durch Latschengassen auf den Luserriedel

Am Gipfelchen des Luserriedels gönnten wir uns ein Schläfchen in der Sonne. Leider hatte ich nicht mir ihrer Kraft gerechnet, denn eine Dreiviertelstunde ohne das zum Trocknen aufgehängte Leibchen genügte, um mir in der Folge eine Woche zunächst Brennen, später Juckreiz und schließlich „Hautverlust“ zu bescheren.

Am Luserriedel mit Blick zur Luserwand

Am Luserriedel mit Blick zur Luserwand

Eigentlich wären wir jetzt wieder am Anstiegsweg zurück gestiegen, wenn ich nicht am Morgen kurz vor unserem Aufbruch in einer Landkarte einen unauffällig punktierten (Jäger-)Steig entdeckt hätte. Diesen nutzten wir jetzt zum Abstieg. Und diese Variante lohnte sich auf jeden Fall. Rausgekommen sind wir dann beim Rössinger. Und auf der Straße bzw. kurz über eine Wanderweg-Abkürzung ging es zurück zum Ausgangspunkt beim Silberkarklamm-Parkplatz.

Ganz unbekannt war mir das Wandergebiet zwischen Guttenberghaus und Luserwand ja nicht mehr - den Luserriedel (rote Route) haben wir aber erstmals besucht.

Ganz unbekannt war mir das Wandergebiet zwischen Guttenberghaus und Luserwand ja nicht mehr – den Luserriedel (rote Route) haben wir aber erstmals besucht.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304


Stierkarkopf-Überschreitung

Vor wenigen Tagen hat uns der Stierkarkopf den Zutritt verweigert. Diese offene Rechnung wollte ich nun am 03.06.2017 begleichen. Also abermals Auffahrt zum Sattentalalm-Parkplatz. 2,5 Kilometer und ca. 70 Höhenmeter dann zu Fuß hinein in den Talschluss, der von Berechtigten noch per Auto erreicht werden kann. Und dann hinauf am Wanderweg bis zum unteren Ausläufer der Langschneerinne. Hier verlasse ich den markierten Steig und steige am zunehmend steileren Hang und in einer schmalen Rinne hinauf in die Rote Scharte.

Meine 2 Wanderrouten auf den Stierkarkopf

Meine 2 Wanderrouten auf den Stierkarkopf

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Ein kurzes Felswandl gilt es zu erklettern (recht einfach) und dann führt die Route über die steile, aber unschwierig begehbare Wiese auf der Ostseite hinauf zum Gipfelkreuz am Stierkarkopf. Na also – du Widerspenstiger. Das Wetter ist heute leider nicht so schön wie beim letzten Besuch und so halte ich mich auch nicht allzu lange am Gipfel auf. Ein Eintrag im kleinen Gipfelbüchlein und schon geht es wieder abwärts. Dieses Mal auf der Westseite – bis zu jenem steilen Schneehang, der uns vor wenigen Tagen noch den Zugang blockiert hatte.

Heute möchte ich ihn überschreiten - den Stierkarkopf. Links hinauf und rechts herunter.

Heute möchte ich ihn überschreiten – den Stierkarkopf. Links hinauf und rechts herunter.

Zu meiner Überraschung war der Schnee hier immer noch so tief und grundlos, dass ich bis zur Hüfte versankt. Also suchte ich mir etwas weiter unten über einen grasbüschelbewachsenen Felsvorsprung einen leichteren Übergang. Weiter geht´s hinüber zu den noch immer weitgehend schnee- und eisbedeckten Goldlacken.

Beim Gipfelkreuz am Stierkarkopf

Beim Gipfelkreuz am Stierkarkopf

Das wenige Wasser, welches sich bereits an die Oberfläche traut, glänzt Türkis. Allerdings haben dichtere Wolken etwas dagegen, dass ich das Wasser im strahlenden Sonnlicht ablichte. Meinetwegen. Ich folge dem Wanderweg talwärts bis zu jenem weglosen Übergang hinüber in die Langschneerinne, den wir bereits vor einigen Tagen gewählt hatten.

Von den Goldlacken ist noch nicht allzu viel zu sehen. Im Hintergrund der Umlaufer.

Von den Goldlacken ist noch nicht allzu viel zu sehen. Im Hintergrund der Umlaufer.

Dieses Mal wollte ich mir aber eine neue Route suchen. Neugier halt, und auch ein bisschen Leichtsinn und Masochismus. Denn natürlich landete ich wieder einmal in Felsabbrüchen bzw. dichtem Gstauda. Während ich mir diverse hochdeutsche Synomyme für „Gstauda“ durch den Kopf gehen ließ, beschimpfte ich mich – wieder einmal – selbst, weil ich mir – wieder einmal – völlig freiwillig in grausligem, dicht verwachsenem, niesreizfördernden Gestrüpp eine alternative Abstiegsroute suchen wollte. Mit dem Kopf durch den Strauch. Selber Schuld.

Abstieg ins Sattental

Abstieg ins Sattental

Schließlich kam ich doch irgendwie unten raus – nach einem Vielfachen der Zeit, die ich für den Abstieg am nahegelegenen, markierten Wanderweg benötigt hätte.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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