Auf einem Bein im Plannerkessel

Vorweg gleich die Entwarnung (oder Enttäuschung – je nach Erwartungshaltung auf Grund des Titels 😉 ): In diesem Artikel geht es nicht um einen Unfall und auch nicht um eine Wiederholung meiner „Krücken-Wanderungen„. Und mir ist auch weder der Schuh noch der Tourenschi oder die Bindung gebrochen. Also etwas Geduld bis zur Erklärung 🙂 .

Auch am 2. April – einen Tag nach unserem Grießkogel-Besuch – waren die AlpenYetin und ich schon einmal auf der Planneralm. Damals noch bei Schibetrieb. Wir haben zunächst den westlichen Bereich des Plannerkessel bis zur Karlspitze erkundet und sind anschließend auf der Ostseite über das Plannerkreuz zur Bergstation der Plannereckbahn aufgestiegen.

Aufstieg auf die Karlspitze. Im Hintergrund die Schoberspitze.

Aufstieg auf die Karlspitze. Im Hintergrund die Schoberspitze.

Heute, am 22.04.2017, wollte ich mir anschauen, wie viel Schnee wirklich oben auf den Bergen liegt, nachdem nach den starken Schneefällen in den letzten Tagen kurzzeitig sogar die höchste Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen war. Allerdings nicht hier in den Rottenmanner und Wölzer Tauern sondern in den Nordalpen. Der Schibetrieb war mittlerweile eingestellt, einsam ist es aber im Plannerkessel auch jetzt noch nicht. So gut wie auf allen Pisten führen Spuren auf die umliegenden Gipfel. Und immer wieder trifft man auf Gleichgesinnte, die dem Winter noch nicht Adieu sagen wollen.

Auch nach dem Ende des Schibetriebs auf der Planneralm tummeln sich hier noch viele Schitourengeher.

Auch nach dem Ende des Schibetriebs auf der Planneralm tummeln sich hier noch viele Schitourengeher.

Heute wähle ich die Route von der Planneralm direkt nach Süden bis zur Bergstation des Gläserbodenlifts. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel des Großen Rotbühel (2.019). Bei dem aus der Ferne vermuteten Gipfelkreuz handelt es sich aber um …. eine Wetterstation? Den Plan, Richtung Süden abzufahren und auf den Hintergullingspitz aufzusteigen habe ich nach Begutachtung der Schneeverhältnisse wieder verworfen.

Blick vom Großen Rotbühel zum Hintergullingspitz

Blick vom Großen Rotbühel zum Hintergullingspitz

Stattdessen bin ich in der Nähe meiner Aufstiegsspur wieder zur Planneralm abgefahren. Teilweise guter Pulver, teilweise windgepresst, teilweise schon etwas durchfeuchtete Schneedecke. Im Großen und Ganzen aber nicht schlecht – schon gar nicht für Ende April.

Beim vermeintlichen "Gipfelkreuz" am Großen Rotbühel

Beim vermeintlichen „Gipfelkreuz“ am Großen Rotbühel

Natürlich konnte es das noch nicht gewesen sein. Also wieder Felle rauf und neuerlicher Anstieg. Dieses Mal im Bereich unserer Abfahrtsroute vom 2. April hinauf zur Bergstation der Plannereckbahn. Hier traf ich auf dieselben 5 bis 6 Tourengeher, die vor mir bereits am Großen Rothbühel waren. Zumindest soweit ich das nach den Kleidungsfarben beurteilen konnte.

Im unteren Bereich war es noch recht mild. Stürmische Verhältnisse aber herrschten in den höheren Regionen.

Im unteren Bereich war es noch recht mild. Stürmische Verhältnisse aber herrschten in den höheren Regionen.

Heute wollte ich aber noch ein Stück weiter. Das 2.003 Meter hohe Plannereck war mein zweites Gipfelziel, auch wenn der starke Wind nicht gerade einladend war. Aber von diesem Gipfel gab es ein Bild der noch jungen AlpenYetin im Skitourenführer Österreich: Die schönsten Skitouren vom Großglockner bis Wien. Band 1 + DVD-ROM.

Vor mir die Bergstation der Plannereckbahn. Darüber das Plannereck.

Vor mir die Bergstation der Plannereckbahn. Darüber das Plannereck.

Auf den letzten Metern wurde der Wind immer stärker, ich achtete darauf, nicht zu sehr auf die südöstliche (rechte) Seite zu kommen, da es hier große Schneewechten gab. Auch als ich endlich die Gipfelstange am Plannereck erreicht hatte, hielt ich mich lieber etwas links (nordwestlich). Direkt bei der Gipfelstange wollte ich meine Schi nicht abstellen, hier hatte wohl jemand seinen gesamten gelben Tee (oder was auch immer 😉 ) verschüttet.

Justament in dem Augenblick, als ich mich aus dem linken Schi „ausklinkte“ erfasste ihn eine starke Windböe und gab ihm einen kleinen „Schubs“. Zunächst schmunzelte ich noch, als sich der noch „befellte“ Schi in Bewegung setzte. Ich ging ihm einige Schritte nach, bei den Latschen da unten würde ich ihn holen. Denkste. Geschmeidig schlüpfte der Tourenschi durch das nur wenige Zentimeter aus dem hohen Neuschnee ragende Gestrüpp.

Bei der Gipfelstange am Plannereck: Da gab es nur noch einen ... Tourenschi.

Bei der Gipfelstange am Plannereck: Da gab es nur noch einen … Tourenschi.

Uupps. Jetzt wird’s brenzlig. Also etwas schneller dem Schi nach – aber keine Chance. Der bahnte sich seinen Weg und flugs war er meinem Blick entfleucht. Sch…e! So schnell es der hohe Neuschnee im Latschendickicht erlaubte folgte ich einige Dutzend Meter den Spuren meines Tourenschi´s. Doch der war weg. Sch…e! Sch…e! Sch…e!

Ärgerlich. Aber ich hatte anders als am Hocharn noch genug zu trinken und es sind ja nur etwas mehr als 400 Höhenmeter bis zum Auto. Kein Beinbruch. Zunächst versuchte ich mit einem Schi abzufahren, aber das war einerseits ziemlich kraftraubend und gelang auch nicht richtig. Das andere Bein ohne Schi sank beim Auftreten immer tief in den Neuschnee ein. Meinen ersten Gedanken, den verlorenen Schi weiter unten zu suchen, konnte ich also gleich wieder verwerfen.

Beeindruckende Schneewechten direkt auf der Schipiste

Beeindruckende Schneewechten direkt auf der Schipiste

Ab der Bergstation – auf der Schipiste – funktionierte es zwar ein bisschen besser, aber noch schneller und kraftsparender war ich dann doch zu Fuß unterwegs, auch wenn ich zwischenzeitlich immer wieder einmal 20 Zentimeter und mehr im Schnee versank. Mein Glück war, wie bereits erwähnt, dass ich nicht allzu weit vom Ausgangspunkt entfernt war. Und so hatte ich nur etwa 40 Minuten zurück zum Auto benötigt.

Schirouten im Plannerkessel: Blau=Skitour am 02.04.2017 - Rot=Skitour am 22.04.2017

Schirouten im Plannerkessel: Blau=Skitour am 02.04.2017 – Rot=Skitour am 22.04.2017

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Es wird schon alles seinen tieferen Sinn gehabt haben. Vielleicht hätte ich mich bei der Abfahrt verletzt, vielleicht wäre ich zu weit auf einer Wechte hinausgekommen. Was auch immer.

Jetzt habe ich zumindest ein Ziel für die nächsten Touren: Meinen Schi suchen 🙂

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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