Nach der Höhe kam die Weite

Bei der letzten Skitour Ende März ging es hoch hinaus auf den 3.254 Meter hohen Hocharn (Hochnarr), den höchsten Gipfel der Goldberggruppe in den Hohen Tauern. Nach soviel „hoch“ stand am 1. April – kein Scherz – eine Schiwanderung mit gänzlich anderem Charakter am Tourenplan: Es sollte über das flach-hügelige Hochplateau des Toten Gebirges gehen, ein Gebiet welches ich in den vergangen Jahren immer wieder einmal – vorrangig im Frühjahr – besucht habe.

Das Tourengebiet im Toten Gebirge nördlich der Loseralm

Das Tourengebiet im Toten Gebirge nördlich der Loseralm

Unsere Schiwanderroute von der Loseralm auf den Grießkogel

Unsere Schiwanderroute von der Loseralm auf den Grießkogel

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Bereits in den letzten März-Wochen habe ich gelegentlich auf der Bergfex-Webcam nachgesehen, ob eine Auffahrt mit dem Auto zur Loseralm bereits möglich sein würde. Die Mautstraße (15 Euro) machte aber noch einen winterlichen Eindruck. Als ich am Freitag, dem 31.03.2017 am späten Nachmittag wieder einmal einen Blick riskierte, war die Straße zu meiner Freude bis ganz nach oben geräumt und trocken.

Ausgangspunkt ist das Schigebiet um die Loseralm. Im Bild der noch zugefrorene Augstsee, darüber der markante Atterkogel.

Ausgangspunkt ist das Schigebiet um die Loseralm. Im Bild der noch zugefrorene Augstsee, darüber der markante Atterkogel.

Um mir das „Verkehrsaufkommen“ während des Tages näher anzuschauen, habe ich mir die Webcam-Bilder im Tagesverlauf als Film ablaufen lassen. Und siehe da – zu meiner Verwunderung war der Parkplatz am frühen Morgen desselben Tages noch schneebedeckt. Im Zeitraffer konnte ich mitverfolgen, wie die Schneefräse den ganzen Tag über für apere Verhältnisse sorgte.

Über die jungfräulich präparierten Pisten verlassen wir das Loser-Schigebiet

Über die jungfräulich präparierten Pisten verlassen wir das Loser-Schigebiet

Also konnten wir beruhigt die Tour für den nächsten Tag fixieren: Es sollte der Grießkogel werden. Obwohl auf dieser recht einfachen Route zwischen dem Ausgangspunkt beim großen Parkplatz bei der Loseralm und dem Gipfel nur etwas mehr als 400 Höhenmeter Differenz liegen, kommen im Tourenverlauf bei dieser Schiwanderung durch das ständige Auf und Ab doch fast 800 Höhenmeter zusammen.

Rückblick Richtun Dachstein

Rückblick Richtung Dachstein

Wir lassen die frisch präparierten Pisten des Schigebiets rasch hinter uns und wandern an der Bräuningalm vorbei Richtung Schwarzmoossattel. Lediglich 2 weitere Schitourengeher haben eine ähnliche Idee – sie werden aber am Grießkogel vorbei den Wildensee ansteuern, wo sie in einer Hütte zu übernachten gedenken.

Vorbei an der Bräuningalm - dahinter Atterkogel und Greimuth

Vorbei an der Bräuningalm – dahinter Atterkogel und Greimuth

Dolinengesäumte, flache Weite sowie Stille und Einsamkeit – das ist es, was diese Gegend auszeichnet. Kein Gebiet also für klassische Skitourengeher, die knackig-rauschende Abfahrten suchen. Dementsprechend hält sich auch der Andrang in Grenzen, obwohl wir heute im Tagesverlauf noch 3 weitere Naturliebhaber treffen würden. Für diesen Teil des Toten Gebirges ja beinahe schon ein Massenauflauf 🙂 .

Einsame Schiwanderung über das Hochplateau des Toten Gebirges. Hinten rechts unser Gipfelziel - der Grießkogel. Rechts unterhalb der Bildmitte 2 Skitourengeher am Weg zum Wildensee.

Einsame Schiwanderung über das Hochplateau des Toten Gebirges. Hinten rechts unser Gipfelziel – der Grießkogel. Rechts unterhalb der Bildmitte 2 Skitourengeher am Weg zum Wildensee.

Wenn man vom Schwarzmoossattel Richtung Norden blickt, liegt das Gipfelziel unverkennbar vor uns – und scheint doch noch so weit entfernt. Aber bei dieser Tour gilt ohnedies mehr als anderswo: Der Weg ist das Ziel. Das gleichmäßige „Klack-Klack“ der Tourenbindungen beim Gleiten über das bereits am frühen Morgen firnige Hochplateau bringt uns in einen meditativen Zustand und schneller als vermutet stehen wir am Bergfuß, von wo das Gelände die letzten 300 Meter stetig ansteigt – die letzten Höhenmeter sogar recht steil.

Meditatives Gleiten über das einsame Hochplateau

Meditatives Gleiten über das einsame Hochplateau

Und dann stehen wir oben am höchsten Punkt des Grießkogel. Bei der Gipfelbuchkassette in einem Latschenfeld lassen wir uns zu einem Schläfchen nieder und werden erst wieder wach, als ein weiterer Schitourengeher auf den Gipfel kommt und sich mit den Worten vorstellt: „Berg Heil, i bin da Hauns aus Bad Ischl„.

Gipfelbuchkassette am Grießkogel

Gipfelbuchkassette am Grießkogel

Beachtliche 76 Jahre hat er bereits auf dem sportlichen „Buckel“ und dennoch ist er noch topfit, sofern seine Tourenerzählungen stimmen. Er unterhält uns prächtig mit seinen urigen und launigen Anekdoten wie beispielsweise von seiner modernen Skitourenhose ohne Hosentürl, in die seine Frau einen „Notausgang“ schneidern musste oder von seinen lesbischen Hühnern. Als er uns wieder verlässt setzten wir unser Schläfchen noch eine Weilchen fort, bei unserem Aufbruch kommt gerade ein weiteres Paar auf den Gipfel.

Auf den letzten 300 Höhenmetern wird es etwas steiler. Unter uns das zuvor durchwanderte Hochplateau (die Route liegt etwa links der Bildmitte)

Auf den letzten 300 Höhenmetern wird es etwas steiler. Unter uns das zuvor durchwanderte Hochplateau (die Route liegt etwa links der Bildmitte)

Trotz der Wärme bieten die südwärts ausgerichteten Hänge noch gute Firnverhältnisse, in der Flachpassage legen wir wieder unsere Felle an. Unterwegs finden wir ein Stirnband, welches wir mitnehmen. Über den Schwarzmoossattel gelangen wir wieder zurück zur Bräuningalm, wo wir wieder auf den „Hauns aus Bad Ischl“ treffen. Unsere Vermutung wurde bestätigt – das Stirnband war seines, er hatte schon bei der Suche „seinen gesamten Rucksack umgedreht“.

Schließlich geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt bei der Loseralm.

Heimtückische Dolinen gibt es nicht wenige am Weg über das Hochplateau

Heimtückische Dolinen gibt es nicht wenige am Weg über das Hochplateau

Frühere Skitouren im Gebiet um die Bräuningalm:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Eindrucksvolle Felsformationen um den Bräuningzinken

Eindrucksvolle Felsformationen um den Bräuningzinken

 

 

 

 

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