Vom Mur-Bacherl auf das Weißeck

Eigentlich wollten wir an diesem herrlich-sonnigen 29.09.2016 ja den Mur-Ursprung aufsuchen, nachdem wir heuer erst den Enns-Ursprung kennengelernt hatten. Beide liegen ja in Luftlinie kaum mehr als 13 Kilometer voneinander entfernt in den Radstädter Tauern, nur halt mit unterschiedlichen Fließrichtungen.

Hinabgeschaut habe ich ja mittlerweile bereits einige Male auf das kleine mäandernde Mur-Bächlein, wobei die Ausgangspunkte dabei ganz unterschiedliche waren. Zwei Mal war es Hüttschlag im Großarltal, ein anderes Mal Kleinarl über den Tappenkarsee, ein drittes Mal schließlich das über Zederhaus erreichbare Riedingtal. Heute wollten wir uns von Süden über Muhr nähern.

Bisherige Wanderrouten über der kleinen Mur (Klick zur Vergrößerung)

Bisherige Wanderrouten über der kleinen Mur (Klick zur Vergrößerung)

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Einmal war ich ja bereits in Hintermuhr, als ich über die Rotgüldenseen auf den Großen Hafner aufstieg, einen meiner ersten Dreitausender. Heute aber fuhren wir auf der schmalen Mautstraße noch ein Stück weiter bis zu einem gut ausgebauten Parkplatz (ca. 1.540) unterhalb der Muritzenalm.

Liebliche Kapelle bei der Muritzenalm

Liebliche Kapelle bei der Muritzenalm

Begleitet vom Röhren eines brunftigen Hirsches führte uns die Schotterstraße an einer lieblichen Kapelle vorbei hinauf zur ca. 200 Höhenmeter weiter oben gelegenen, bereits im Winterschlaf befindlichen Sticklerhütte.

Statt dem Mur-Ursprung im Schatten zogen wir das in der Sonne liegende Weißeck vor

Statt dem Mur-Ursprung im Schatten zogen wir das in der Sonne liegende Weißeck vor

Hier änderten wir dann kurzfristig unsere Tourenpläne. Anstatt dem Verlauf der schmalen Mur im schattigen Taleinschnitt südwestwärts zu folgen, wählten wir dem angenehm im milden Sonnenschein verlaufenden Wandersteig nordwärts hinauf in die Riedingscharte (2.274).

Herbstwanderung zur Riedingscharte

Herbstwanderung zur Riedingscharte

Umrahmt von prächtigsten Herbstfarben boten die hellen Gipfelfelsen des Weißeck einfach einen zu verlockenden Ausblick. Mit 2.711 Meter Höhe ist dies der höchste Gipfel der Radstädter Tauern.

Gipfelparade in den Hohen Tauern vom Sonnblick über den Hocharn zum Großglockner

Gipfelparade in den Hohen Tauern vom Sonnblick über den Hocharn zum Großglockner

Und mit jedem Schritt höher boten sich auch zunehmend herrlichere Ausblicke auf die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern zwischen Hochalmspitze und Großglockner. Am Ankogel sind wir ja jüngst erst selbst gestanden.

Blick von den Niederen in die Hohen Tauern

Blick von den Niederen in die Hohen Tauern

In der Riedingscharte bietet sich ein atemberaubender Ausblicke Richtung Norden über den Riedingsee hinweg zu Mosermandl und Faulkogel, zwei der eindrucksvollsten Gipfel der Radstädter Tauern.

Blick ins noch sehr junge Murtal

Blick ins noch sehr junge Murtal

Das Weißeck, welches ich bereits schon einmal mit Schneeschuhen aus dem Riedingtal besucht hatte, scheint zum Greifen nahe. Aber das täuscht. Die mehr als 400 Höhenmeter auf teilweise steilem Steiglein auf das breite, flache Gipfelplateau ziehen sich noch ordentlich. Zumindest ist es uns so vorgekommen. Einige Wanderer kommen uns vom Gipfel entgegen – sie sind über das Riedingtal zu den höchsten Almen zugefahren und von dort aufgestiegen.

Vom Riedingsee zum Weißeck (Klick zur Vergrößerung)

Vom Riedingsee zum Weißeck (Klick zur Vergrößerung)

Das Gipfelkreuz hatte ich irgendwie anders in Erinnerung, nämlich recht desolat. Und tatsächlich gibt es jetzt ein neues, schönes Gipfelzeichen. Mit großem Respekt schauen wir auf der sehr steilen Südflanke hinab, wo im Winter mutige Schitourengeher heraufkommen. Je nach Verhältnissen sind hier dann u.U. Steigeisen erforderlich.

Das neue Gipfelkreuz am Weißeck

Das neue Gipfelkreuz am Weißeck

Wir erinnern uns an den schicksalshaften 11.01.2009, als sich die AlpenYetin am Seeköpfl den Fuß brach, und wir zuvor völlig zufällig Heli und Bettina (mit der winzigen Johanna 😉 ) auf ihrem Weg auf ebendieses Weißeck trafen. Abgefahren sind die beiden dann durch das Ödenkar. Natürlich wollten wir uns jetzt die Einfahrt in dieses legendäre Kar anschauen und ich kann unsere Eindrücke in einem Wort zusammenfassen: Mulmig.

Schaurige Einfahrt ins Ödenkar

Schaurige Einfahrt ins Ödenkar

Zuerst schauten wir uns die Felsabbrüche ganz rechts (östlich) an. Nein – unmöglich, da kann man nicht hinunterfahren. Also an der Felskante über teilweise leicht überhängende Wände nach Nordwesten geschaut. Ist ja noch gruseliger und absolut unmöglich. Wohl selbst für Könner. Also wieder zurück dort im Südosten. Ja, wenn der Schnee hier optimal liegt könnte es durch eine Steilabfahrt nach links funktionieren, und dann eben im unendlich scheinenden Kar nordwärts. Heli war beim Anblick der Sommerbilder gar nicht bewusst gewesen, wie felsig es hier eigentlich ist.

Blick hinab in die "Hölle", die wir einst am Weg zur Felskarspitze durchschritten haben

Blick hinab in die „Hölle“, die wir einst am Weg zur Felskarspitze durchschritten haben

Nun wir werden diese Route vermutlich wohl nie befahren, am nähesten sind wir dem Weißeck mit Tourenschi noch bei unsere Skitour durch die „Hölle“ auf die Felskarspitze gekommen.

Vor der Rückkehr zur Kapelle bei der Muritzenalm machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Naturdenkmal Kandelaberfichte

Vor der Rückkehr zur Kapelle bei der Muritzenalm machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Naturdenkmal Kandelaberfichte

Abstieg dann entlang der Aufstiegsroute zurück zum Ausgangspunkt, wo der Hirsch noch immer röhrte – mittlerweile aber schon etwas heiserer 🙂 .

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Prächtige Herbstfarben - im Hintergrund die noch junge Mur

Prächtige Herbstfarben – im Hintergrund die noch junge Mur

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