Wie ELENDig darf ein BERG sein

Nachdem er uns bereits im Oktober 2014 nicht rangelassen hat, sind wir auch im August 2016 „ôstehad worn“. Und jetzt stellt sich für mich schon die Frage. Wie ELENDig darf ein BERG sein, bevor man ihn gänzlich aus seinem Tourenplan wirft und ihn künftig mit Ignoranz straft.

ER – der Berg – der Elendigliche: Der Elendberg. Mit 2.676 Meter Höhe der zehnthöchste Gipfel der Schladminger Tauern. Auf Grund seiner Abgelegenheit aber ziemlich einsam. Wohl auch auf Grund seiner Wehrhaftigkeit. Im Winter gewährt er noch eher Zugang, doch auch da ist er nur den hartgesottenen Skitourengehern halbwegs gewogen.

Dunkle, abweisende, feuchte, rutschige Felswände auf den Elendberg.

Dunkle, abweisende, feuchte, rutschige Felswände auf den Elendberg.

Im Sommer ist er ein abweisender „Hundling“, der nur die frechsten Kletterfexe auf seinen höchsten Punkt läßt. Uns (zumindest am 7. August 2016) nicht. Und ich sag´s Dir ELENDBERG. Wenn Du Dich weiter so unnahbar gibst, kriegst Du höchstens noch 3 bis 4 Chancen auf unsere Bekanntschaft.

Eigentlich hätte heute alles so schön werden sollen:

  • Das Wetter – der erste schöne Tag nach einigen Regentagen, was dem Landschaftsfotografen in der Regel gutes Licht verspricht.
  • Der neunte Jahrestag der mittlerweile längst zur Tradition, ja zum Kult avancierten Gemeinschaftswanderung mit Martin.
Auf einem steilen Schneefeld ausgerutscht und wieder einmal segnete ein Tourenstock das Zeitliche.

Auf einem steilen Schneefeld ausgerutscht und wieder einmal segnete ein Tourenstock das Zeitliche.

Aber irgendwie war es heuer etwas anders, als in den vergangenen Jahren. Mag sein, dass es daran lag, dass wir schön langsam (zumindest ich) „oide Manndln“ werden, mag aber auch sein, weil es Anfang August eben doch noch nicht so klare Tage gibt wie im September oder Oktober.

Versöhnlicher Ausklang beim Abstieg

Versöhnlicher Ausklang beim Abstieg

Meine Zeilen sollen nicht täuschen. Es war schon schön. Oder formulieren wir es folgendermaßen: Es war „eh“ schön. Dieses vermaledeite „eh“. Also doch nicht richtig schön. Doch, aber nicht wie sonst 😉 . Aber zumindest war es interessant. Ja, richtig: Die Tour hatte einen guten Charakter. Schließlich sind es ja die inneren Werte, die zählen. Und beim Abstieg wurde es dann auch wettermäßig schöner, und vor allem auch wärmer.

Ich glaube ja, dass das so sein musste – damit dann nächstes Jahr beim Zehnjahresjubiläum eine besondere Steigerung möglich ist (sei es an fotografischen Impressionen, an alpinistischen Erfolgen, an konditionellen Herausforderungen oder meinetwegen nur wegen eines neuen Bierrekords). Denn ich bin überzeugt: Wir können es noch – „Yes we can“ und „Wir schaffen das„.

Zumindest zwei Sachen haben sich aus den Vorjahren auch ins Jahr 2016 herübergerettet.

  • A) Die Diskussion weltbewegender Dinge, z.B. welche Antworten es geben kann, wenn man jemanden fragt, was man Gutes für diese Person tun kann 🙂
  • B) Der üppige Umfang unserer festen und die Zusammensetzung unserer flüssigen Jause
Gewisse Traditionen muss man einfach beibehalten (auch wenn wir aus Salzburg oder Leoben-Göss noch immer keinen Sponsorvertrag haben)

Gewisse Traditionen muss man einfach beibehalten (auch wenn wir aus Salzburg oder Leoben-Göss noch immer keinen Sponsorvertrag haben)

Die Tour startete bei der Eschachalm in Rohrmoos-Obertal. In der Landkarte ist unsere heutige Tour grellrot eingezeichnet. Dunkelrot erkennt man die aus Osten heraufkommende Route aus dem Jahr 2014. Und dunkelblau kennzeichnet eine Schitour aus dem Jahr 2006, als ich im Anschluß an den Zwerfenberg auch noch den Elendberg versucht habe. In der Farbe Cyan erkennt man eine Schitour auf den Geinkel, die im unteren Abschnitt ident verläuft mit der Route auf den Elendberg.

Wanderrouten auf den Elendberg

Wanderrouten auf den Elendberg

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Nun, bereits beim Start trübte die dichte Bewölkung etwas die Stimmung. Und schon bald nach Verlassen der Forststraße waren wir beide bis über die Knie hinauf pitschnass. Ich auf Grund der kürzeren Haxen noch etwas höher 😉 . Daher war es fast eine Wohltat, als die Landschaft von ungezähmter Wiese in unwegsames Blockgestein überging. In größerer Höhe sorgte der Wind für leichtes Frösteln.

So hatte ich mir diesen Sommertag Anfang August eigentlich nicht vorgestellt.

Kurz blaue Flecken am Himmel - knapp darauf allerdings wieder dichter Nebel

Kurz blaue Flecken am Himmel – knapp darauf allerdings wieder dichter Nebel

Ein Lichtblick: Ein großes Gamsrudel. Leider hatten weder Martin noch ich ein Teleobjektiv dabei. Im Hinblick auf die zu erwartenden Kletteranforderungen wollten wir Gewicht sparen.

Gamsrudel

Gamsrudel

Neben den zahlreichen Gämsen finden wir erste Flugzeugwrackteile (Siehe auch Anmerkungen weiter unten), etliche Anzeichen des einstigen Bergbaus sowie in einiger Entfernung einen einsamen Wanderer. Wir waren schon knapp daran umzukehren, angesichts des überlaufenen Wandergebiets 🙂 .

Etwas mühsam – über grobes Blockgestein, zunehmend steiler – aber nicht wirklich schwierig streben wir dem Gipfel entgegen.

Im Knappenkar über Blockgestein gen Gipfel

Im Knappenkar über Blockgestein gen Gipfel

Bei einem Schneefeld gerät unser Aufstiegsdrang ins Stocken: Frei nach Hans Moser in „Hallo Dienstmann“ – Wia nehman wir ihm denn?

Endstation bei einem zunehmend aufsteilenden Firnfeld

Endstation bei einem zunehmend aufsteilenden Firnfeld

Jetzt war guter Rat teuer. Rechts auf den zerklüfteten Grat rauf? Oder frontal über die „schwochzn feichtn Felswände? Lange haben wir überlegt, dieses in Betracht gezogen und jenes versucht. Bis Martin die rettende Idee hatte. Er tätigte einen Anruf bei seinen Bekannten E.G., der diesen elendigen Berg nicht nur schon mehrfach im Winter, sondern auch bereits im Sommer bezwungen hatte, und dabei schmutzig wurde wie ein „Ruaßkäfa“.

Martin unterhalb des Schneefeldes auf einem Steinwall stehend.

Martin unterhalb des Schneefeldes auf einem Steinwall stehend.

Das Telefonat verlief in etwa folgendermaßen:

Martin (M) erkundigt sich nach der einfachsten Aufstiegsmöglichkeit auf den Elendberg. E.G. erwähnt 2 Kamin-Aufstiegmöglichkeiten.

Interessant aber folgende Dialog-Sequenz:

  • M: „Wir stehen hier gerade am Wandfuß des Elendberg“.
  • E: „Ich stehe gerade ein Stück weiter unten (Anmerkung: In unserer Sichtweite) im Kar und habe mich schon gewundert, welche Wahnsinnigen da unterwegs sind“.

Eigentlich hätten die beiden auch ohne Handy zusammenrufen können 🙂 .

Nun, auch die Tipps von E. halfen uns nicht weiter. Es war uns heute einfach zu steil, zu nass, zu rutschig, zu unwirtlich, zu gefährlich. Kurzum: Unsere physischen und psychischen Fähigkeiten übersteigend – zumindest heute.

Das Ende des Schneefeld-Bogens zeigt hinauf auf das Gedenkkreuz.

Das Ende des Schneefeld-Bogens zeigt hinauf auf das Gedenkkreuz.

Also beschlossen wir, wenigstens dem Gedenkkreuz an einen Flugzeugabsturz, der sich hier vor 40 Jahren ereignet hatte, einen Besuch abzustatten. Über ein Steinfeld geht es hinauf in eine Scharte.

Um etwas Farbe in den Bericht zu bringen, gibt es hier ein Schwarz-Weiß-Foto vom Gedenkkreuz am Elendberg.

Um etwas Farbe in den Bericht zu bringen, gibt es hier ein Schwarz-Weiß-Foto vom Gedenkkreuz am Elendberg.

In der Scharte hielten wir uns nur kurz für eine Fotopause auf. Die Jause nahmen wir weiter unten im Bereich des Schneefeldes auf dem den Felswänden vorgelagerten Plateau ein. Beinahe unentwegt schweiften unsere Blicke über mögliche Aufstiegsrouten. Während wir einmal meinten, das müsste doch leicht zu packen sein, waren wir kurz darauf wieder mutlos. Vor allem, wenn aufziehende Nebelschwaden das Bild verdüsterten.

Immer wieder werden die höheren Bergspitzen von Nebelschwaden verhüllt.

Immer wieder werden die höheren Bergspitzen von Nebelschwaden verhüllt.

Nachdem wir uns in üblicher Manier kulinarisch gestärkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Dabei statteten wir den interessanten Resten längst vergangener Bergbauzeiten einen Besuch ab. Steinmauern, halbverschüttete Stollen, Ruinen von Bergbauhütten, an Wildlosungen erinnerndes Schlackegestein, etc.

Zeugnisse des ehemaligen Bergbaus: Ein Eldorado für Steinfetischisten. Dahinter das langgezogene, zuvor durchstiegene Knappenkar.

Zeugnisse des ehemaligen Bergbaus: Ein Eldorado für Steinfetischisten. Dahinter das langgezogene, zuvor durchstiegene Knappenkar.

Martin hat mir diesbezüglich auch einen interessanten Link zukommen lassen.

Martin gibt alles, beim Einsatz um das beste Foto.

Martin gibt alles, beim Einsatz um das beste Foto.

Aus einem Stollen plätschert ein glasklares Bächlein hervor. Natürlich wieder ein Blickfang und gutes Foto-Motiv. Und natürlich müssen wir angesichts unsers fotografischen Einsatzes auch unseren Durst bekämpfen (nicht mit Wasser).

Bergbau-Ruinen

Bergbau-Ruinen

Nach längerem Aufenthalt ging es wieder talwärts. Mit einem Abstecher zum fotogenen Eiskarsee, dessen Südufer von den steilen Berghängen der Samspitze überragt wird.

Eiskarsee

Eiskarsee

Abstieg dann entlang der Aufstiegsroute zurück zum Ausgangspunkt bei der Eschachalm.

Am Obertalbach entlang zurück zur Eschachalm

Am Obertalbach entlang zurück zur Eschachalm

Martin hat diese Tour im Vorfeld als „Elendberg 2.0“ bezeichnet. Mag sein, dass es irgendwann einen Versuch „Elendberg 3.0“ geben wird – für unser 10-jähriges Wanderjubiläum im nächsten Jahr sollte es aber ein würdigeres Ziel werden 🙂 .

Bisherige Gemeinschaftswanderungen mit Martin

  1. Krügerzinken – 06.08.2008
  2. Wildkarsee – 08.09.2009
  3. StegerkarWildkarHerzmaierkar – 22.08.2010
  4. Steinkarzinken – Seekarzinken – Sonntagkarzinken – 10.09.2011
  5. Engelkarspitze 06.10.2012
  6. Klafferkessel – Greifenstein – 03.08.2013
  7. Elendbergsee – Pfeifer – 11.10.2014
  8. DuisitzkarseeMurspitzen – 26.10.2015
  9. Elendberg 2.0 – Eiskarsee – 07.08.2016

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Ein glasklares Bächlein tritt durch ein großes Loch ans Tageslicht

Ein glasklares Bächlein tritt durch ein großes Loch ans Tageslicht

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