Enns-Ursprung und Bernkarkogel

In meinem letzten Bericht über den Grimming-Südostgrat habe ich den leichten Hauch einer Kritik an der Monotonie der Eindrücke geäußert. Wenige Tage später waren wir fast wieder gleich lange unterwegs wie am Grimming. Etwa 9 Stunden und auch recht beachtliche 1.510 Aufstiegs-Höhenmeter. Die Distanz war aber mit 28,4 Kilometer gleich doppelt so lange wie am Grimming. Und dementsprechend war die Vielfalt der Impressionen auch wesentlich größer.

Gratschneide zwischen Bernkarkogel und Liebeseck

Gratschneide zwischen Bernkarkogel und Liebeseck

Nun, wo ging es hin? Schon einige Jahre habe ich geplant, mir einmal anzuschauen, wo Österreichs längster Binnenfluß – die Enns – entspringt. Hätte ich gewusst, welch schönes Gebiet hier vorzufinden ist, wäre ich schon eher gekommen.

So klein und schon eine Enns. Aus diesem Loch tröpfelt die Enns heraus.

So klein und schon eine Enns. Aus diesem Loch tröpfelt die Enns heraus.

Wir starten in Flachauwinkl in der Walchau, dort wo die Schilifte Richtung Westen und Richtung Osten hinauführen. Die Wanderzeit zum Ennsursprung ist hier mit 2,5 Stunden angegeben. Anfangs ist der Weg auf der Almstraße nicht sonderlich spannend. Sobald man aber nach etwa 300 Höhenmetern den Wald verlässt und auf freie Almflächen trifft wird der Schaugenuss groß.

Herrliche Ausblicke, sobald man den Wald hinter sich läßt

Herrliche Ausblicke, sobald man den Wald hinter sich lässt – wie hier bei der Baierhütte.

Grün ist die vorherrschende Farbe hier im Almkessel zwischen Ennskraxen und Benzegg. Das Benzegg – in manchen Karten auch als Benzeck bezeichnet – haben wir bei unserer Schitour im Jänner 2006 von der anderen Seite über die Marbachalm erstiegen.

Blick über das Almgelände der Ennsalmen talauswärts. Links neben dem Almweg erkennt man die noch junge Enns.

Blick über das Almgelände der Ennsalmen talauswärts. Links neben dem Almweg erkennt man die noch junge Enns.

Im lieblichen, rindviehbevölkerten Almgelände führt der Weg in der Nähe der jungen Enns vorbei an der Baierhütte und Aigenhütte zur Unterennsalm und Täublalm. Danach steigt die Almstraße über einige Kehren leicht an und bringt uns hinauf zur Oberennsalm. Kurz zuvor quert man die „kleine“ Enns, ohne dazu eine Brücke zu benötigen.

Dominanter Berg über den Ennsalmen ist die Ennskraxen (rechts)

Dominanter Berg über den Ennsalmen ist die Ennskraxen (rechts)

Und dann zeigt ein Wegweiser Richtung Westen ins Kar hinein zum Ennsursprung. Überragt wird das eindrucksvolle Kar von den schroffen Felswänden des Bernkarkogel.

Querung über die junge Enns

Querung über die junge Enns

Schließlich kommen wir zu einer Stelle wo ein fingerdickes Rinnsal aus der Erde heraustritt. Etwas weiter südlich rauscht unter einem großen Stein ein weiteres Bächlein aus der Erde. So klein und schon eine Enns 🙂 .

In diesem Kar entspringt die Enns. Darüber der Bernkarkogel.

In diesem Kar entspringt die Enns. Darüber der Bernkarkogel.

Nachdem wir uns einigermaßen sattgesehen haben, halten wir Ausschau nach einer Gipfelmöglichkeit. Der Anstieg auf das Benzegg wäre markiert, reizte uns aber nicht wirklich. Vielmehr liebäugelten wir mit einer Aufstiegsmöglichkeit im steinübersäten Kar zwischen Bernkarkogel und Kraxenkogel. Und siehe da – das faszinierende Gelände ließ sich relativ einfach ersteigen. Lediglich am obersten Rand, einem Ausstieg auf einen flachen Sattel, wurde es ziemlich steil.

Aufstieg im steinübersäten Kar

Aufstieg im steinübersäten Kar

Während wir am Kraxenkogel 2 Wanderer entdeckten schritten wir südwärts, da ich gerne eine große Runde gehen wollte. Meist war ein schmales Steiglein erkennbar, welches uns zwar leicht ausgesetzt, aber unschwierig auf den Bernkarkogel hinaufführte.

Querung eines Schneefelds am Weg auf den Bernkarkogel

Querung eines Schneefelds am Weg auf den Bernkarkogel

Von hier ging es nun weiter Richtung Südosten, dem mir bereits von einer Schitour bekannten Liebeseck entgegen. Der erdig-grasige Grat, den ich bereits bei einer Wanderung auf den Faulkogel gut überblicken konnte, war an einigen Stellen doch ziemlich steil abfallend. Deswegen stiegen wir zunächst ein Stück über Wiesenhänge abwärts, ehe wir nordwestlich des Liebesecks wieder zum Grat hinaufquerten.

Links der Bildmitte der steile, grasige Ausstieg aus dem Kar. Darüber Kraxenkogel und Ennskraxen.

Links der Bildmitte der steile, grasige Ausstieg aus dem Kar. Darüber Kraxenkogel und Ennskraxen.

Steil ging es auf der anderen Seite hinab. Zunächst eine Schneewechte (!), dann rutschiger Sand, ehe wir wieder leichter begehbares erdiges Wiesengelände erreichten. Noch immer steil, aber recht gut begehbar hinab zu einem unmarkierten Steig, der von der Oberennsalm südwärts zur Ennskarhütte führte. Von der Hütte weglos hinunter Richtung Osten erreichten wir nahe der Hataxachhütte einen Forstweg, der uns bald zur nahen Ursprungalm brachte.

Tiefblick vom Grat zum Jägersee - im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern um den Großglockner

Tiefblick vom Grat zum Jägersee – im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tauern um den Großglockner

Am Almweg weiter talwärts an den Marbachalmen vorbei. Vor dem Zusammenfluß mit dem Pleißlingbach gönnten wir uns ein eisiges Fußbad im Marbach. Während unsere weglose Tour vom Ennsursprung über den Bernkarkogel zur Ennskarhütte und weiter zur Ursprungalm sehr einsam verlaufen war (abgesehen von sich im Umfeld des Liebesecks vergnügenden Gämsen und zahlreichen Murmeltieren, von denen mir die AlpenYetin eines als Dachs „verkaufen“ wollte), war das einfache Almgelände der Marbachalmen gut bevölkert.

Im Umfeld der Ennskarhütte: Der formschöne Faulkogel

Im Umfeld der Ennskarhütte: Der formschöne Faulkogel

Zuletzt hatten wir noch knapp 4 Kilometer auf der Straße entlang des Pleißlingbaches Richtung Norden vor uns. Wobei sich der Weg auf Grund einige schöner „Bach-Impressionen“ aber erstaunlich kurzweilig gestaltete. Schließlich standen wir an jener Stelle, an der die kleine Enns in den größeren Pleißlingbach mündet und fortan unter dem Namen Enns ca. 250 Kilometer durch die österreichischen Bundesländer Salzburg, Steiermark und Oberösterreich fließt, um nördlich der Stadt Enns in die Donau zu münden.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Rückweg am Pleißlingbach entlang

Rückweg am Pleißlingbach entlang

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