Grimming Südost-Grat

Beinahe 11 Jahre sind seit meinem ersten Besuch am Grimming ins Land gezogen. Damals habe ich die Süd-Nord-Überschreitung gewählt – inklusive dem langen Hatscher von der Klachau zurück zum Ausgangspunkt in Trautenfels.

Den Hauptgrund, warum bis zu meiner zweiten Besteigung so viel Zeit verronnen ist, getraue ich mich fast nicht zu sagen. Also versuchen wir es zunächst einmal mit ein paar Ausflüchten: Der Grimming ist eine große, lange Bergunternehmung und erfordert gute, stabile Wetterverhältnisse. Immerhin warten beim Anstieg aus Niederstuttern inklusive der kurzen Gegensteigungen zwischen Multereck und Grimminggipfel etwa 1.800 Anstiegshöhenmeter auf den Gipfelaspiranten, für die ein durschnittlicher Geher inklusive der Pausen schon 9 Stunden einplanen sollte.

Lange, anspruchsvolle Wanderung auf den Grimming

Lange, anspruchsvolle Wanderung auf den Grimming

Es sollte im Frühsommer kein Schnee mehr und im Herbst noch kein Schnee liegen. Das Zeitfenster ist also nicht allzu groß – und im Sommer lauern oft gefährliche Gewitter, zumal der Grimming ohnehin sein eigenes Kleinklima zu haben scheint. Zu heiße Tage im Hochsommer sollte man aber ebenfalls angesichts der großen Distanz meiden.

Durchschlupf am Grimming-Südostgrat

Durchschlupf am Grimming-Südostgrat

Wenn ich mir zudem den gut gefüllten Bergsteiger-Parkplatz in Niederstuttern an einem Wochenende anschaue, ist dieses für mich auch nicht sonderlich erstrebenswert.

Es bleibt also nur ein schneefreier, nicht zu heißer, stabiler Schönwettertag unter der Woche und außerhalb der Ferienzeiten übrig. Diese Tage sind rar.

In der Einstiegsrampe auf den Südostgrat. Entweder links über die Felsplatten oder rechts über eine Schotterrinne.

In der Einstiegsrampe auf den Südostgrat. Entweder links über die Felsplatten oder rechts über eine Schotterrinne.

Und dann kommt natürlich auch noch die nicht zu unterschätzende Schwierigkeit des Grimmings hinzu. Denn ich wusste, bei meinem nächsten Besuch sollte es der Aufstieg über den Südostgrat sein. Und – ganz ehrlich – diverse Tourenbeschreibungen in Wanderbüchern flößten mir für diese Route schon gehörigen Respekt ein.

Eine der Schlüsselstellen: Auf einer abschüssigen Felsplatte um eine Geländekante herum

Eine der Schlüsselstellen: Auf einer abschüssigen Felsplatte um eine Geländekante herum

Einige meiner Leser werden sich vermutlich jetzt ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Und ja, ich kenne ja selbst Skibergsteiger, welche den Südostgrat vorzugsweise im Winter mit Tourenski am Rucksack absolvieren. Andere wiederum „laufen“ den Südostgrat regelmäßig mit Turnschuhen abwärts.

Ich aber bleibe bei meiner Einstufung und teile die Ansicht von Alois Pürcher in seinem Tourenführer „Dachsteingebirge Grimming Gosaukamm“: „Selbst für einen ausgezeichneten Bergwanderer sehr schwierige Angelegenheit„. Nicht umsonst bezeugen leider einige Gedenktafeln die nicht zu unterschätzenden Gefahren dieses Berges.

Der obere Ausstieg aus dem Südostgrat knapp vor dem Gipfelkreuz am Grimming

Der obere Ausstieg aus dem Südostgrat knapp vor dem Gipfelkreuz am Grimming

Aber OK – genug der Erklärungen und Ausreden, kommen wir zum eigentlichen Hauptgrund: Ich möchte vorausschicken – ich halte den Grimming für einen sehr schönen Berg. Sowohl beim Anblick von Süden aus dem Ennstal als auch von Norden aus dem steirischen Salzkammergut. Ebenso beeindruckt das wohl bereits zigtausendfach fotografierte Motiv aus Osten, von Stainach, Irdning oder einer der umliegenden Gemeinden.

Der höchste freistehende Berg Europas soll er sein, wie man an vielen Stellen nachlesen kann.

Felsimpressionen am Grimming-Südost-Grat

Felsimpressionen am Grimming-Südost-Grat

Aber so schön der Grimming auch aus einiger Entfernung ist. Aus wandertechnischer Sicht halte ich persönlich ihn eher für fad. Natürlich begeistern die Felsformationen und die Ausblicke über Ennstal und Salzkammergut.

Tolle Ausblicke vom Grimming

Tolle Ausblicke vom Grimming

Im Laufe eines langen Wandertages bietet er mir dann doch zu wenig Abwechslung und irgendwie werden mir die Eindrücke im Laufe der vielen Stunden dann doch zu monoton. Denn ähnliche Ausblicke habe ich beispielsweise auch am Kammspitz und der lässt sich in gut 3 1/2 Stunden bewältigen. Dieser Eindruck der „Eintönigkeit“ am Grimming war bei meinem ersten Besuch so und auch jetzt wieder.

Aber noch einmal: Der Grimming ist ein wunderbarer, großartiger Berg. Nur im Sinne der landschaftlichen Abwechslung, des Schau- und Fotografier-Genusses ziehe ich dann doch andere Wanderziele vor – wie beispielsweise den erst jüngst wieder besuchten Tappenkarsee.

Unterwegs am SO-Grat

Unterwegs am SO-Grat

Und so machte es mir auch nichts aus, dass sich der Morgen des 07.07.2016 dann wettermäßig noch nicht so strahlend präsentierte, wie es die Prognose gerne gehabt hätte. Beim Aufbruch in Niederstuttern verbarg sich der Südostgrat noch unter Wolken/Hochnebel, ich war aber zuversichtlich, dass sich die Wetterverhältnisse im Laufe des Tages bessern würden (was dann ja auch so war).

Wolken über dem Grimming-Südostgrat

Wolken über dem Grimming-Südostgrat

Auf den unteren Höhenmetern hatte ich noch kein Auge für die umliegende Natur, sondern trachtete nur danach, rasch aus dem schwül-feuchten Wald hinauszukommen. An der Grimminghütte vorbei, an der Weggabelung Grimmingtor-Grimming vorbei, an einer in einer Höhlennische liegenden Quelle vorbei und über dünne Eisenleitern eine Steilstufe hinauf.

Gamsrudel am Weg auf den Grimming

Gamsrudel am Weg auf den Grimming

Das erste Mal zum Fotoapparat griff ich erst, als ein Gamsrudel mit einem Jungen ganz unaufgeregt meinen Weg kreuzte. Kurz darauf kam ich zur Weggabelung „Südostgrat – Multereck“. Heute wollte ich die erstere Variante kennenlernen. Ebenso wie 2 Wanderer, die mich kurz darauf überholten und in der Schneegrube direkt das Schneefeld hinaufstiegen, während ich mich am linken Grubenrand an den Wegmarkierungen orientiere.

Während die beiden anderen Wanderer den Aufstieg über die Schneegrube bevorzugen, folge ich der Markierung am Felsrand entlang. Aus der Bildmitte geht es dann nach links über eine Rampe auf den Südostgrat.

Während die beiden anderen Wanderer den Aufstieg über die Schneegrube bevorzugen, folge ich der Markierung am Felsrand entlang. Aus der Bildmitte geht es dann nach links über eine Rampe auf den Südostgrat.

Ein flotter Berggeher kam laufenderweise und einige, kleinere Steinrutsche auslösend bereits von oben herab. Bei einer Gedenktafel halte ich kurz inne. Ich kann mich noch gut an jenen schicksalhaften Tag erinnern, als wir am 02.11.2008 am nahen Hechlstein unterwegs waren und dabei erfahren haben, dass es am Südostgrat einen tödlichen Unfall gegeben hat.

Tragischer Unfall am 02.11.2008

Tragischer Unfall am 02.11.2008

An dieser Stelle war auch der Zeitpunkt gekommen, meinen Steinschlaghelm aufzusetzen. Gemeinsam mit den beiden Wanderern, die mich kurz zuvor überholt hatten, stieg ich nun in der Einstiegsrampe auf den Südostgrat. Während sich die beiden anderen für die gefurchten Felsplatten entschieden, wählte ich den Anstieg über die Schotterrinne.

Die Einstiegsrampe von der Schneegrube auf den Grimming-Südostgrat

Die Einstiegsrampe von der Schneegrube auf den Grimming-Südostgrat

In der Folge führt die gut gekennzeichnete Route über Felspassagen und Grasbänder höher. Durch den Nebel ist das Gras feucht, erdige Stellen etwas rutschig. Deshalb ist es mir lieber, wenn es über die Felsen aufwärts geht, auch wenn diese bei den heutigen Wetterverhältnissen nicht immer ganz trocken sind.

Über rutschige Grasbänder bergan - die beiden anderen Wanderer sind schneller als ich

Über rutschige Grasbänder bergan – die beiden anderen Wanderer sind schneller als ich

An 2 Stellen muss ich kurz „Luft holen“, ehe es weiter geht. Einmal muss man sich im leicht ausgesetzten Gelände um eine Felskante herum hanteln. Und einmal zeigt ein roter Pfeil ins Nichts. Wie soll es da nur runter gehen? Wesentlicher einfacher als gedacht. Oben gut anhalten und den Fuß ins Leere hinab – bald hat man einen guten Tritt.

Gipfelkreuz am Grimming

Gipfelkreuz am Grimming

Und schon bald rückt das Gipfelkreuz immer näher. Ein letzter steiler Aufschwung und ich bin ganz oben. Ein Wanderer-Paar, welches von der Krungler Seite (Nordseite) heraufgekommen ist, macht sich bald auf den Abstieg über das Multereck zur Grimminghütte. Also auch meine Abstiegsroute. Ich aber möchte zuvor noch etwas die Einsamkeit beim Gipfelkreuz genießen. Nur eine Dohle und eine Gams leisten mir Gesellschaft.

Abstieg über den Normalweg vom Multereck zur Grimminghütte

Abstieg über den Normalweg vom Multereck zur Grimminghütte

Über den folgenden Abstieg gibt es dann nicht mehr allzu viel zu berichten. 2 Mädels, die in der Nähe des Multerecks die Sonne genossen, stiegen in raschem Tempo an mir vorbei ab, mehrere junge Burschen stiegen am Nachmittag erst auf. Mit Hilfe einiger Seile (meine Klettersteig-Handschuhe waren sehr hilfreich) geht es über eine Felsstufe abwärts zurück zum bereits vom Morgen bekannten Anstiegsweg. Auch der Normalweg stellt bereits einige Ansprüche!

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Diese Felspassage wird mit Unterstützung von Drahtseilen bewältigt

Diese Felspassage wird mit Unterstützung von Drahtseilen bewältigt

 

 

 

 

 

 

 

 

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