Zum Lindwurm im Tappenkarsee

In den letzten 13 Jahren waren wir immer wieder bestrebt, neue Wandergebiete in Österreich kennen zu lernen. Wir gehören also nicht zu jenen Wanderern, die es bevorzugen, tagein tagaus denselben in- und auswendig bekannten Hausberg zu besuchen.

Beim Tappenkarsee

Beim Tappenkarsee

Zugegebenermaßen war nicht jede Wanderung auch wirklich eine lohnende. Und so manche Bergtour war sogar eine ausgesprochen „schiache“ – so gibt es bei der AlpenYetin und mir das geflügelte Wort, wenn wir uns wieder einmal in gefährlichen Steilflanken oder dichten Latschenlabyrinthen abmühen und wir uns gegenseitig zu motivieren versuchen: „Wir sind schon grausligere Routen gegangen – ich sage nur Krautschwellereck“ (wirklich eine der am wenigsten empfehlenswerten Routen).

Beim Abfluß des Tappenkarsees

Beim Abfluß des Tappenkarsees

Manche Wanderziele heben sich aber derart von den übrigen ab, dass sie uns immer wieder aufs Neue locken. Über die Schönheit von Wandererlebnissen habe ich ja schon mehrfach geschrieben – u.a. bei dieser Wanderung durch den Klafferkessel. Ein weiteres Tourenziel, welches sich für uns in die landschaftlichen Superlative einfügt, ist der Tappenkarsee in den Radstädter Tauern.

Idylle am Tappenkarsee

Idylle am Tappenkarsee

So nutzten wir auch am 23.06.2016 das perfekte Wanderwetter, um über Wagrain und Kleinarl zum idyllischen, grün-schimmernden Jägersee anzureisen. Bei der Mautstelle entrichten wir die 4,80 Euro, um auf der holprigen Schotterstraße weiter zum großen Parkplatz bei der Schwabalm fahren zu können. Dadurch ersparen wir uns ca. 3,5 Kilometer und 100 Höhenmeter Zustieg.

Vorbei am rauschenden Wasserfall - rechts oben erkennt man das Seil der Materialseilbahn zum Tappenkarsee

Vorbei am rauschenden Wasserfall – rechts oben erkennt man das Seil der Materialseilbahn zum Tappenkarsee

Der angenehme, mindestens 2 Meter breite und stellenweise recht steile Weg bringt uns rasch höher. Vom fast noch etwas kühlen Schatten des Waldes zu den sonnenbeschienen Lichtungen am Rande eines rauschenden Wasserfalles. Im oberen Bereich der vielen Serpentinen hat der Steig nun einen neuen Verlauf, nachdem nur wenige Tage nach unserem letzten Besuch am Weißgrubenkopf und Glingspitze ein Felssturz den ursprünglichen Weg zum Tappenkarsee zerstört hat.

Hat gar der Lindwurm im Tappenkarsee für den Felssturz gesorgt?

Hat gar der Lindwurm im Tappenkarsee für den Felssturz gesorgt?

Vielleicht war es ja auch der in einer Sage erwähnte Lindwurm vom Tappenkarsee, der sich allmählich durch die Felsen nagt. Der neue Wegverlauf steht dem alten aber in nichts nach, lediglich der Zugang zum Eisbrünndl scheint jetzt versperrt zu sein. Dass wir nicht zum ersten Mal in diesem Gebiet unterwegs sind, zeigt ein Überblick über frühere GPS-Tracks.

Unsere bisherigen Wanderrouten im Umfeld des Tappenkarsees

Unsere bisherigen Wanderrouten im Umfeld des Tappenkarsees

Im Bereich zwischen dem Wasserfall und dem Eisbrünndl nördlich des Tappenkarsee erkennt man den neuen Wegverlauf.

Unsere Wanderroute (rot) - nördlich vom Tappenkarsee ist der neue Wegverlauf erkennbar

Unsere Wanderroute (rot) – nördlich vom Tappenkarsee ist der neue Wegverlauf erkennbar

Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV – Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Es blühen zwar schon viele, aber noch nicht alle Blumen

Es blühen zwar schon viele, aber noch nicht alle Blumen

Nach etwas mehr als einer Stunde Gehzeit erreichen wir den ersten Höhepunkt unserer heutigen Wanderung (wenngleich auch der Wasserfall weiter unten durchaus etwas mehr fotografische Aufmerksamkeit verdient hätte): Den herrlichen Tappenkarsee, der sich uns heute aber nicht in jenem von unserer Wandertour im Juli 2014 bekannten Tiefblau präsentiert, sondern – wohl auf Grund des vielen Regens der vergangenen Tage – heute eher grün schimmert.

Auch sonst merken wir heute am 23.06.2016 noch weitere deutliche Unterschiede zum 06.07.2014. Damals Kuhglockengebimmel und unzählige Pferde – heute abgesehen von einigen Hunden keine Tiere. Und obwohl schon zahlreiche Blumen in verschiedensten Farben um die Wette blühen kam uns die Blütenpracht damals noch üppiger vor. Vor allem der Almrausch beginnt sich erst langsam zu entfalten.

Nachschublieferung zur Tappenkarseealm per Boot

Nachschublieferung zur Tappenkarseealm per Boot

Aber auch kein Wunder, denn gelegentlich trifft man am Weg zu den umliegenden Gipfeln auch noch auf das eine oder andere Schneefeld.

Schmaler Steig am Nordwestufer des Tappenkarsees

Schmaler Steig am Nordwestufer des Tappenkarsees

Bei der Tappenkarseealm wird gerade eifrig an der Einbringung des Nachschubs gearbeitet (von der Materialseilbahn per Boot über den See) und bei der Almterasse selbst werden gerade die Tische und Bänke aufgestellt. Dieses Platzerl ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

In Bildmitte die Glingspitze

In Bildmitte die Glingspitze

Heute aber haben wir noch einige Gipfelpläne und so schreiten wir nach fast einstündiger Fotografie-Pause weiter Richtung Süden zur etwas erhöht gelegenen Tappenkarseehütte. Schön langsam spüre ich das Gewicht meiner heute mitgeführten Foto-Ausrüstung. 3 große Fotoapparate mit unterschiedlichen Objektiven und Zusatzausrüstung bringen mindestens 4 Kilogramm auf die Waage bzw. auf meinen Rücken.

Beim Gipfelkreuz am Kreuzeck

Beim Gipfelkreuz am Kreuzeck

An der Tappenkarseehütte vorbei führt uns der markierte Wanderweg hinauf zum Karteistörl (2.145), wo wir auf eine größere Wanderergruppe treffen, die gerade von der Hüttschlager Seite über die Karteisalm heraufkommt. Während diese Wanderer schnurstracks Richtung Norden weitergehen, folgen wir dem Steig zunächst südwärts zuletzt Richtung Westen, hinauf zum Gipfelkreuz am Kreuzeck, welches uns bereits von einer Schitour im März 2007 in Erinnerung ist. Hervorragende Ausblicke auf die schneebedeckten Dreitausender zwischen Hochalmspitze und Großglockner sind die Belohnung.

Selbst "Österreichs Höchster" - der Großglockner - wirkt bei den heutigen guten Lichtverhältnissen ganz nah. Links der Hocharn.

Selbst „Österreichs Höchster“ – der Großglockner – wirkt bei den heutigen guten Lichtverhältnissen ganz nah. Links der Hocharn.

Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass wir im Westen mit dem 2.013 Meter hohen Schattleitenkopf relativ einfach einen neuen Gipfel kennenlernen können. Von hier geht´s zunächst wieder kurz zurück dann folgen wir einige Meter dem markierten Wanderweg hinab Richtung Karteisalm. Bald schon aber steigen wir weglos wieder bergwärts und gelangen neuerlich zum Karteistörl.

Zum 2. Mal heute beim Karteistörl

Zum 2. Mal heute beim Karteistörl

Jetzt wählen wir den Steig am „Gratverlauf“ (den nur stellenweise etwas schmäleren Bergrücken) und erreichen am Gurenstein unseren 3. Gipfel. Hier bieten sich wieder herrliche Tiefblicke über das weite Tappenkar und den langgezogenen Tappenkarsee sowie die hellen Felsgipfel an seiner Ostseite (vom Weißgrubenkopf über den Faulkogel zum Mosermandl). Auch der Ennskraxen-Gipfel ist deutlich erkennbar,  den ich vor 11 Jahren ebenfalls von Kleinarl ausgehend erreichte.

Herrlicher Tiefblick zum Tappenkarsee. Dahinter die Gipfelparade von der Ennskraxen (links) über den Faulkogel bis zum Weißgrubenkopf. Links der Maierkogel, unser heutiger letzter Gipfel.

Herrlicher Tiefblick zum Tappenkarsee. Dahinter die Gipfelparade von der Ennskraxen (links) über den Faulkogel bis zum Weißgrubenkopf. Links der Maierkogel, unser heutiger letzter Gipfel.

Nach dem Gurenstein geht´s wieder kurz bergab und bald wieder bergan auf den Gipfel des Karteiskopf (2.203). Der Abstieg von diesem Gipfel am Gratverlauf hat es dann ein kurzes Stück ganz schön in sich. Vor allem ein erdig-rutschiges von zersplitternden schiefrigen Felsplatten durchzogenes Steiglein erfordert volle Konzentration. Diese anspruchsvolle Stelle ließe sich aber ostseitig unterhalb des Gipfels einfach umgehen.

Im Draugsteintörl wieder "in Sicherheit"

Im Draugsteintörl wieder „in Sicherheit“

Wir sind froh, als wir wohlbehalten beim Kreuz im Draugsteintörl stehen. Großartig ist der Ausblick Richtung Westen zum markanten Draugstein und der südlich gelegenen Draugsteinalm. Wir haben aber noch 2 weitere Gipfelziele und gehen deshalb zügig weiter. Markierung gibt es Richtung Norden auf den Scheibenkogel – mit 2.251 unser heutiger höchster Gipfel – keine mehr, ansatzweise ist aber meist ein Steiglein im Gras erkennbar.

Unterwegs zwischen Scheibenkogel und Maierkogel

Unterwegs zwischen Scheibenkogel und Maierkogel

Beinahe senkrecht fallen die Felswände Richtung Norden ab. Kaum zu glauben, wie einfach der weglose Übergang auf den Maierkogel ist. Und von hier – unser heutiger 6. und letzter Gipfel – bietet sich nach einigen Abstiegsmetern Richtung Osten ein prächtiger Aus- und Tiefblick über den Tappenkarsee. Aber auch der Jägersee draußen im Tal leuchtet in herrlichen Türkis-Tönen.

Blick talauswärts zum Jägersee

Blick talauswärts zum Jägersee

Schwer fällt der Abschied von diesem großartigen Aussichtspunkt und abermals geht es zunächst weglos über steilere Wiesenhänge hinab zum markierten Wanderweg der uns zur Tappenkarseealm zurück bringt. Von hier geht es dann auf dem heute bereits beschrittenen Weg hinab zum Ausgangspunkt bei der Schwabalm.

Faszinierender Tiefblick vom Maierkogel auf den Tappenkarsee

Faszinierender Tiefblick vom Maierkogel auf den Tappenkarsee

Eines ist sicher: So Gott will, wird das nicht unsere letzte Wanderung zum Tappenkarsee gewesen sein. Weniger sicher bin ich mir allerdings, ob ich das nächste Mal meinen Vorsatz, nur einen Fotoapparat mitzunehmen, wirklich einhalten kann 🙂 .

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Am späten Nachmittag beim Nachhauseweg nimmt der Tappenkarsee doch noch blaue Farbe an

Am späten Nachmittag beim Nachhauseweg nimmt der Tappenkarsee doch noch blaue Farbe an

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