Skitouren-Abschluss in Tirol – Teil I

Wie jedes Jahr in der Übergangszeit vom Spätwinter zum Frühsommer stellte sich uns Anfang Mai die Frage: Was wollen wir im Urlaub machen bzw. wohin soll es gehen?

Nachdem uns wieder einmal das nasskalte Wetter an den ersten Urlaubstagen zu Hause mit intensiven Regenschauern jegliche Outdoor-Aktivität vermieste, war nur klar – wir mussten weg.

Spaziergänge an italienischen Sandstränden wären eine Option. Aber irgendwie wollten wir uns intensiver körperlich betätigen. Vielleicht Wandern am Meer in Kroatien evtl. wieder auf einer der Inseln in der Kvarner Bucht (Cres, Mali und Veli Losinj, Krk)?

Unten Frühling - oben Winter

Unten Frühling – oben Winter

Oder aber doch noch einige Skitouren, nachdem die starken Regenfälle der letzten Tage auf den höheren Berggipfeln noch einmal für reichlich Neuschnee gesorgt hatten. Kolm-Saigurn im hinteren Raurisertal hatten wir heuer ja bereits. Vielleicht wieder etwas im Umfeld der Großglockner-Straße (Kloben und Spielmann, Noespitze) oder vom Enzingerboden ausgehend (Hocheiser, Granatspitze).

Nach dem Studium der Wetteraussichten für die nächsten Tage war klar: Richtig stabil schön würde es nur in Nord-Tirol werden. Durch Zufall stieß ich auf den Hintertuxer Gletscher in den Zillertaler Alpen und diverse Webcam-Aufnahmen waren so verlockend, dass ich umgehend in Tux eine Ferienwohnung mietete. Bei der Anreise am 04.05.2016 kamen wir aber ins Zweifeln, ob unsere Entscheidung wirklich die richtige war. Denn in Hintertux, dort wo auf 1.500 Meter Seehöhe die Seilbahn auf den Gletscher startet, gab es leichten Schneefall bei Temperaturen um den Nullpunkt.

Und hier sollte es morgen strahlend schön sein? Es war! Und wie.

Der Wecker wurde auf 06:00 Uhr gestellt. Am Morgen ein erster zaghafter Blick aus unserem Apartment. Wow. Wolkenloser, blauer Himmel und strahlend-weiß leuchtete der Gletscher zu uns herab. Welch ein motivierender Tagesbeginn.

Herrlichstes Wetter, nachdem es am Vortag noch leichten Schneefall gegeben hatte

Herrlichstes Wetter, nachdem es am Vortag noch leichten Schneefall gegeben hatte

Von Tux wenige Kilometer hinein nach Hintertux und dann gleich einmal ein Schock. Eine enorme Menschenansammlung verschiedenster Nationalitäten. Es dauerte fast eine halbe Stunde  (und auch erst als die Erkenntnis kam, dass mit Rücksicht und ohne Ellbogentechnik hier kein Vorwärtskommen möglich ist), ehe wir uns in eine der ohnehin pausenlos fahrenden Gondeln zwängen konnten.

Mit so einem Andrang hatten wir nicht gerechnet

Mit so einem Andrang hatten wir nicht gerechnet

Bei der Sommerbergalm, dem Ende des ersten Seilbahn-Abschnittes (die Gondeln heißen hier Gletscherbus) wiederholte sich das Spiel. Wieder drängen und schieben, um in einer der Gondeln Platz zu finden, die uns zum Tuxer-Ferner-Haus hinaufbrachte. Hier in 2.600 Meter Seehöhe wehte ein „frisches Lüfterl“. Aber der Ausblick war gigantisch. Lediglich hinüber zum Hohen Riffler (3.231), den wir eventuell am Tourenplan hatten, war keine einzige Spur im Pulverschnee zu sehen. Fast einen Meter soll es hier in den letzten Tagen geschneit haben. Zu viel, als dass wir uns ohne genaue Ortskenntnisse den steilen Aufstieg vom Schwarzbrunner Kees zum Federbettkees zutrauten.

Also noch einmal rein in eine Gondel (wir hatten uns ohnehin eine Tageskarte gegönnt) – dieses Mal mit deutlich weniger Gedränge – und hinauf zum höchsten Punkt des Hintertuxer Skigebietes bei den Gefrorenen-Wand-Spitzen auf ca. 3.250 Meter Seehöhe. Hier pfiff uns der Wind zur Begrüßung ordentlich um die Nase (was sich bereits in der Seilbahn am Rütteln angekündigt hat).

Der eisige Wind treibt bei den Gefrorenen-Wand-Spitzen Schneefahnen vor sich her

Der eisige Wind treibt bei den Gefrorenen-Wand-Spitzen Schneefahnen vor sich her

Und hier merkten wir auch sofort die große Höhe – denn selbst bei der ersten kurzen Abfahrt kamen wir schon ins Schnaufen. Mit dem Schlepplift ging es danach hinauf in die Wildlahnerscharte, von der aus sich äußerst eindrucksvoll die Nordgratschneide auf den 3.475 Meter hohen Olperer hinaufzieht. Lange hielten wir uns aber nicht auf – es zog uns hinunter in die Sonne und Wärme.

Die Schipisten boten perfekte Verhältnisse. Aber wann immer es uns sicher schien, nutzten wir die unpräparierten Pulverschneeabschnitte am Hintertuxer Gletscher. Einige große Gletscherspalten flößen aber ordentlich Respekt ein.

Perfekte Pulverschneeverhältnisse am Hintertuxer Gletscher. Im Hintergrund (links) der eindrucksvolle Olperer.

Perfekte Pulverschneeverhältnisse am Hintertuxer Gletscher. Im Hintergrund (links) der eindrucksvolle Olperer.

Vorbei am Tuxer-Ferner-Haus und dem Spannagelhaus fuhren wir hinunter zum Sessellift unterhalb der Sommerbergalm. Hier – auf ca. 1.945 Meter Seehöhe – zogen wir die Felle auf. Und obwohl wir bisher noch keinen einzigen Schritt bergauf gehen mussten, brannten uns die Oberschenkel bereits nach den bisher absolvierten mehr als 1.500 Abfahrts-Höhenmetern.

Nun ging´s aber gehenderweise bergan, zunächst lange Zeit den prägnanten Felsgipfel mit dem eigenwilligen Namen „Lärmstange“ vor Augen. Nur kurz wanderten wir am Schipistenrand aufwärts, bald aber zweigten wir „ins Gelände“ ab und folgten – oftmals spurenderweise – ungefähr dem Verlauf der Skiroute 13a sowie 13.

Der Lärmstange entgegen

Der Lärmstange entgegen

Das Gelände wirkt gar nicht steil. Wie das täuschen kann, merkt man erst beim Blick aus der Distanz. Und die Weite des Geländes kostet ordentlich Kraft. Mit zunehmender Höhe werden auch unsere Pausen häufiger und länger. Aber es gibt ohnehin genug zu schauen, staunen und fotografieren.

Die lange Zeit so eindrucksvolle Lärmstange liegt mittlerweile unter uns. Der Blick schweift hinaus zum Tuxertal und von den Zillertaler Alpen hinüber in die Tuxer Alpen mit dem Rastkogel.

Südlich an der Lärmstange vorbei - Blick hinaus ins Tuxer Tal

Südlich an der Lärmstange vorbei – Blick hinaus ins Tuxer Tal

Nahe der Höllscharte beobachten wir eine Zeitlang eine Gruppe waghalsiger Snowboarder („Wuidi Hund“), die gerade im Begriff sind, entlang des Südgrats den Kleinen Kaserer (3.093) zu erklimmen, um in der Folge „irgendwo“ nordseitig abzufahren. Von Süden ziehen jetzt allmählich Wolken heran, noch aber ist es recht windstill bei angenehmen Temperaturen.

Unterwegs im westlichen Bereich des Hintertuxer Gletschers. Links der Kleine Kaserer, in Bildmitte die Lämrstange. (Klick zur Vergrößerung)

Unterwegs im westlichen Bereich des Hintertuxer Gletschers. Links der Kleine Kaserer, in Bildmitte die Lämrstange. (Klick zur Vergrößerung)

Bei der hohen Eiswand bei der Bergstation des Sesselliftes „Lärmstange 2“ empfängt uns empfindlich kalter Wind. Und da auch der Olperer mittlerweile in Wolken gehüllt ist, erklären wir diesen Punkt östlich unter dem Großen Kaserer zu unserem Tourenziel. Kraft haben wir in der dünnen Luft ohnehin nicht mehr viel und die wenig verbliebene benötigen wir nun zu der Abfahrt über abermals 1.200 Höhenmeter.

Blick zum Hohen Riffler

Blick zum Hohen Riffler

Der Blick Richtung Osten zum Hohen Riffler zeigt uns, dass heute doch (zumindest) einige Schitourengeher auf den Gipfel gespurt haben.

Schauen wir einmal, was der nächste Tag bringt.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

 

 

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.

*