Wandern oder Schneeschuhtour

Im Dezember stellt sich bei der Tourenplanung häufig die Frage: Soll es eine „normale“ Bergwanderung werden oder nehmen wir die Schneeschuhe mit. Zumindest in den letzten Jahren – denn vor 10 Jahren waren auch Schitouren im Dezember (und sogar noch früher) eher die Regel als die Ausnahme.

Guttenberghaus am 06.12.2015

Guttenberghaus am 06.12.2015

Nun, früher hätte ich diese Entscheidungsfrage eindeutig zugunsten der Schneeschuhe beantwortet. Einfach weil man sich damit auch bei geringeren Schneehöhen bequemer und kraftschonender fortbewegen kann und weil es im beginnenden Winter auch mehr Spaß macht. In den ersten Dezembertagen 2015 aber wählten wir die minimalistischere Ausrüstung der Bergschuhe. Unter anderem auch weil der Blick auf den heimatlichen Hausberg – den Kammspitz – kaum nennenswerte Schneemengen zeigte.

Dieser Blick sollte uns aber jetzt 2 Mal gehörig täuschen:

Über das Guttenberghaus auf den Sinabell

Das erste Tourenziel, bei dem Schneeschuhe zumindest beim Abstieg ganz nützlich gewesen wären, war der Sinabell. Am 06.12.2015 starteten wir unsere Wanderung bei Spätherbststimmung beim Ghf. Feisterer in der Ramsau am Dachstein.

Von Schnee noch keine Spur beim Start in der Ramsau am Dachstein

Von Schnee noch keine Spur beim Start in der Ramsau am Dachstein

Bei der Lärchbodenalm war der Waldboden zumindest schon von einer ganz dünnen Schneedecke überzogen. Diese Schneedecke nahm mit jedem weiteren Schritt, vorbei an der Talstation der Materialseilbahn zum Guttenberghaus, nun permanent zu. Eine etwas ältere Schispur zeigte uns, dass auch schon Skitourenfahrer unterwegs waren.

Oberhalb von ca. 1.700 Meter Höhe lag dann bereits soviel Schnee, dass sich Schneeschuhe auf jeden Fall ausgezahlt hätten. Beim Aufstieg konnten wir noch vom meist tragfähigen Harschdeckel bzw. von den Spuren einiger vor uns Wandernder profitieren. Ab dem Guttenberghaus war es aber mit beidem vorbei.

Bis zum Guttenberghaus konnten wir den Spuren folgen

Bis zum Guttenberghaus konnten wir den Spuren folgen

Stellenweise versanken wir am Weg zur Feisterscharte bis über die Knie im Schnee. Der nordwestseitig ausgerichtete Schlusshang auf den Sinabell war dafür aber wieder fast gänzlich abgeblasen. Die Temperaturen waren sehr angenehm, lediglich der Wind am Gipfelplateau störte unsere Rast beim Gipfelkreuz.

Beim Abstieg entlang der Anstiegsroute war der Schnee von der Sonne nun bereits ziemlich aufgeweicht. Dementsprechend versank man fast bei jedem Schritt bis knapp zu den Knien. Wir beneideten die 2 Mädels vor uns, die auf Schneeschuhen talwärts glitten. Zumindest bis zur der bereits erwähnten Höhe von 1.700 Meter.

Vom Guttenberghaus Richtung Feisterscharte. Im Hintergrund der Eselstein.

Vom Guttenberghaus Richtung Feisterscharte. Im Hintergrund der Eselstein.

Über die Langpoltenalm auf den Raidling

2 Tage später, am Feiertag – 08.12.2015 – als die Shoppingcenter über weihnachtliche Rekordumsätze jubelten, bevorzugten wir abermals die abgeschiedene Stille der frühwinterlich „angezuckerten“ Berge. Und abermals ließen wir uns vom Ausblick auf den fast gänzlich aperen Kammspitz vor der Haustüre in die Irre leiten.

Nach dem Dachsteingebirge vor zwei Tagen war dieses Mal das Tote Gebirge an der Reihe. Von Wörschach fuhren wir hinauf nach Schönmoos. Von Schnee war hier beim Ausgangspunkt auf 1.120 Meter Seehöhe noch keine Spur.

Im Almgebiet der Langpoltenalm

Im Almgebiet der Langpoltenalm

Ab der Langpoltenalm aber wurde es zunehmend winterlicher und auch hier zunächst das gleiche Bild wie bei der Sinabell-Wanderung. Ältere Spuren und der meist tragfähige Harschdeckel am frühen Vormittag sorgten für ein einigermaßen rasches Vorwärtskommen über das Almgelände und am Grazer Steig. Das sollte sich aber ab dem GottseidankBankerl deutlich ändern.

Bis über die Knie versanken wir beim Aufstieg durch die Latschenfelder über die Westseite auf den Raidling. Ein Wanderer kam uns von oben entgegen. Er hatte angesichts der teilweisen Einsinktiefen bis zur Hüfte aufgegeben.

Stellenweise versanken wir bis zur Hüfte im Schnee (die Schwereren unter uns etwas tiefer ;-)

Stellenweise versanken wir bis zur Hüfte im Schnee (die Schwereren unter uns etwas tiefer 😉

Auch wir haben unsere Pläne etwas abgeändert: Das Gipfelkreuz am Raidling-Westgipfel wollten wir zwar unbedingt aufsuchen, die Überschreitung zum Gipfelkreuz am Raidling-Ostgipfel haben wir aber abgesagt. Zu mühsam und langwierig wäre der Übergang gewesen.

Stattdessen stapften wir ziemlich rasch hinab zur Niederhüttenalm mit der Hochmölbinghütte. Von hier folgten wir relativ bequem einer Fußspur hinauf zur Liezener Hütte, wo die Fußspuren nun zwar mehr wurden, die Einsinktiefen aber auch. Während wir am Weg zum Hochtor teilweise wieder bis zu den Knien durch die Schneedecke brachen, waren daneben Schneeschuhspuren zu erkennen, deren Eindruck weniger als 1 cm betrug.

Langpoltenalm beim Aufstieg - Im Ennstal liegt noch Nebel

Langpoltenalm beim Aufstieg – Im Ennstal liegt noch Nebel

Wir schworen uns, das nächste Mal auf jeden Fall auf Schneeschuhe zu setzen. Und ich musste wieder einmal an einen Beitrag in einem Wanderforum denken, wo ein Bergsteiger sich über Schneeschuhwanderer lustig machte und meinte, er sei auf schneebedeckten Bergen mindestens gleich schnell alleine mit Bergschuhen unterwegs. Genau diese Technik hätte ich heute gerne gesehen 😉 .

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Tiefblick vom Raidling über die Langpoltenalm (rechts) nach Liezen (links oben)

Tiefblick vom Raidling über die Langpoltenalm (rechts) nach Liezen (links oben)

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