Vom Duisitzkarsee auf die Murspitzen

Einmal pro Jahr unternehmen mein ehemaliger Arbeitskollege (ist mittlerweile schon fast 2 Jahrzehnte her) Martin und ich eine Wander- und Fototour. Und das nun bereits zum 8. Mal. Und noch jedes Jahr ist es uns gelungen, den „richtigen Zeitpunkt“ abzuwarten – auch wenn das heuer erst Ende Oktober der Fall war.

Im Vorjahr habe ich meinen Tourenbericht mit folgenden Worten eingeleitet: Was für ein Traumherbst nach diesem Sommer zum Vergessen.

Heuer verhielt es sich genau anders herum: Der Sommer war durch außergewöhnlich lange Hitzeperioden gekennzeichnet. Was für den Badegast aber ein Segen ist, bereitet dem Wanderer und Bergfotografen nicht unbedingt nur Freude. Denn zum einen ist das Licht im Hochsommer einfach noch nicht so klar und auch die Naturfarben noch nicht so prächtig wie im Herbst, und zum anderen besteht an schwül-heißen Sommertagen auch meist ein nicht zu unterschätzendes Gewitterrisiko.

Unser rot-weiß-roter Beitrag zum "Tag der Fahne"

Rot-weiß-roter Beitrag zum „Tag der Fahne“

So konstant warm sich Juli und August 2015 präsentierten so sehr ließ im September beständiges Herbstwetter auf sich warten – zumindest an den Wochenenden. Und am einzigen schönen Wochenende um den 12. September hatten wir beide bereits anderweitige „Einsätze“ (Bergretter bzw. Isa).

Und so kam es, dass wir bei unserem 8. Jahrestreffen auch den bisher spätesten Termin für unseren Bergausflug erlebten: Justament am Nationalfeiertag – dem „Tag der Fahne“ (für uns mit besonderer Bedeutung 🙂 ) – trafen wir uns in Rohrmoos-Obertal für eine wunderbare Rundtour in den Schladminger Tauern.


Das Tourengebiet

Bundesland: Steiermark (für die, die sich noch als Steirer fühlen 😉 )
Tourenregion: Duisitzkar / Giglach
Wandergemeinde: Rohrmoos (Hinweis: Wandergemeinde ist nicht gleich „politische Gemeinde“)
Ausgangspunkt: Hopfriesen
Gebirgsgruppe: Schladminger Tauern

 

Der Routenverlauf

Rohrmoos-Obertal / Hofpriesen – Eschachalm – Duisitzkarsee – Murspitzsattel – Murspitzen – Murspitzsattel – Giglach – Knappenkreuz – Tauerngold – Hopfriesen

Routenverlauf im Uhrzeugersinn: Duisitzkarsee - Murspitzen - Giglach

Routenverlauf im Uhrzeugersinn: Duisitzkarsee – Murspitzen – Giglach

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304


Die Tourbeschreibung

Schnee im steilen Nordhang

Schnee im steilen Nordhang

Vom Duisitzkar auf die Murspitzen“ lautet der Titel dieses Artikels. Ganz richtig ist das allerdings nicht. All jene, die nur auf der Suche nach einer Aufstiegsmöglichkeit auf die Murspitzen auf meinen Beitrag gestossen sind, möchte ich gleich warnen. Am höchsten Punkt der Murspitzen (laut Karte 2.333) sind wir nicht gestanden. Schnee und rutschige Verhältnisse verhinderten den letzten Gratübergang, so dass wir mit einem Vorgipfel – quasi einem „Murspitzerl„, oder meinetwegen dem „Wintergipfel“ vorlieb nehmen mussten.

Bei trockenen Verhältnissen werden wir den Gipfelbesuch aber sicher einmal nachholen (genauso wie jenen auf den Elendberg) {Hallo Martin: Wäre das nicht ein großes Ziel für unser 10-jähriges Jubiläum im übernächsten Jahr: Von den Murspitzen auf den Elendberg – Und wenn wir schon in der Gegend sind nehmen wir die Giglachalmspitze auch gleich mit. Und überhaupt: Liegt nicht der Duisitzer Hahnkamp auch am Weg. Und falls wir das alles altersbedingt dann nicht mehr schaffen sollten, begnügen wir uns halt mit der Ferchtlhöhe 😉 }.

Da der Großteil unserer heurigen Wanderung markierten Pfaden folgte, muss ich den Wegverlauf nicht mehr näher schildern. Es sollten sich im Internet ausreichend Berichte über diese Standardroute finden lassen. Ich selbst bin ja bisher noch nicht allzu oft beim Duisitzkarsee gewesen. Ein Fehler. Wesentlich häufiger habe ich die Gegend im Bereich des Giglachbaches beschritten.

Spiegelglatt liegt der Duisitzkarsee vor uns

Spiegelglatt liegt der Duisitzkarsee vor uns

Der Duisitzkarsee hatte heute am 26.10.2015 wahrlich viel zu bieten. Still wurde es zwischen Martin und mir. Zu schön war die Landschaft, als dass wir das mit irgendwelchen Worten „zerreden“ wollten.

Spiegelglatt lag der See vor uns. Die Hütten, Almwiesen und Bäume am Nordufer spiegelten sich wunderbar im dunkelblauen Wasser. Ebenso wie die jenseits des Obertalbaches um die Wasserfallspitze gelegenen Berggipfel.

Kühl wird es im Schatten, aber zu schön ist die Landschaft

Kühl wird es im Schatten, aber zu schön ist die Landschaft

Nur nicht zu rasch bewegen, der See könnte unruhig werden. Gelegentlich verursachte ein Saibling kreisrunde Wasserringe. Nur flüstern, falls es ausnahmsweise doch etwas wichtiges zu sagen gab. Zu hören war eigentlich nur das Gurgeln und Plätschern des kleinen Bächleins, welches den See speist – Und: Unsere Fotoapparate.

Luft anhalten, um das unwirklich scheinende Motiv nicht zu verwackeln. Behutsam die Schritte am gefrorenen Gras setzen. Dort wo die Sonne auch um den Mittagsstand nicht mehr hinlangt, blieb der Schnee schon liegen.

Wenig später wurde das Wasser unruhig

Wenig später wurde das Wasser unruhig

Allmählich wird es frisch. Aber jetzt gehen, wäre ein Frevel. Erst als die sich langsam über den Duisitzkarsee ausbreitende Sonne für leichte Wellen sorgte, brachen wir wieder auf. Wie lange sind wir hier verweilt? Keine Ahnung. Egal. Bereits jetzt konnten wir sagen: Das lange Warten seit dem schwülen Sommer auf das „beste Licht“ hat sich gelohnt. Die heurige Tour hat sich bereits wieder mehr als gelohnt.

Alles weitere wäre heute nur noch Draufgabe. Und WELCHE Draufgabe wir da noch fotografisch zu erwarten hatten. Traumhaft. Wunderbar. Toll. Oder man könnte auch sagen: „Legen …“ – “ … Moment es kommt gleich …“ – „…där“ – LEGENDÄR 🙂

Tiefblick zum Duisitzkarsee am Weg auf den Murspitzsattel

Tiefblick zum Duisitzkarsee am Weg auf den Murspitzsattel

Lediglich bei einem einzigen Punkt war die heurige Wanderung nicht mit den früheren zu vergleichen – beim Humor: Denn der Nationalfeiertag sollte natürlich mit aller Ernsthaftigkeit und gebührend begangen werden 🙂 🙂 🙂 .

Goldgelbe Lärchen

Goldgelbe Lärchen

Umrahmt von goldgelben Lärchen steigt der Steig stetig vom Duisitzkarsee (1.648) zum Murspitzsattel (ca. 2.050). Hier wandelt sich nun das zuvor noch so bunte Herbstbild in ein frühwinterliches Ambiente. Und hier verlassen wir auch den markierten Weg um über steinblockübersäte Steilhänge südwärts aufzusteigen.

Der bis zu 20 cm tiefe Schnee erschwerte das Vorwärtskommen. Mühsam musste man sich jeden Schritt erarbeiten. Lauert unter dem dünnen, nicht tragfähigen Harschdeckel eine Felsspalte? Gelegentlich erkennt man erst im letzten Augenblick, dass man auf scharfen Felsschneiden dahinturnt. Aber Martin hat hervorragend gespurt. Und nachdem wir einen schneefreien, grasbüschelüberwachsenen Rücken erreichen vernehme ich erleichtert Martins „Des is mochbor“.

Bis zu einer Höhe von 2.279 Metern. Dann ist bei den heutigen Verhältnissen und für uns Schluß. Aber wir nehmen uns im Sinne des Rosaroten Panther fest vor: „Wir kommen wieder, keine Frage“.

Im Murspitzsattel wird es allmählich winterlicher

Im Murspitzsattel wird es allmählich winterlicher

Vor dem Abstieg gab es zunächst Martins traditionelle Jause und so manches Panoramafoto. Wie bereits beschrieben: Auch die Pause war heuer anlaßbedingt nur von ernsthaften Gedanken und seriösen Gesprächen geprägt. Sollte es also andersklingendes Videomaterial zu diesen Vorkommnissen geben, ist dieses selbstverständlich gefälscht 🙂 .

Panorama vom Jausenplatz (Klick zur Vergrößerung)

Panorama vom Jausenplatz (Klick zur Vergrößerung)

Der Abstieg zurück in den Murspitzsattel gestaltete sich wesentlich einfacher, als es der mühsame Anstieg befürchten ließ. Einfach den eigenen Spuren folgen. Dann und wann etwas rutschen. Und rucki-zucki waren wir wieder unten. Das geschmeidige Vorwärtskommen ließ sich höchstwahrscheinlich auf die von Martin mitgebrachten hervorragenden Brownies zurückführen (Danke Anna).

Elendberg und Hochgolling (rechts)

Elendberg und Hochgolling (rechts)

Und bald überblickten wir das weitgehend schneefreie Almgebiet mit den im späten Nachmittagssonnenlicht glänzenden Giglachseen. Abermals war es Zeit für ein Päuschen. Lediglich die bereits fortschrittene Zeit verhinderte ein längeres Verweilen – hatten wir das nicht auch bereits voriges Jahr am Elendbergsee gehabt?

Martin im Einsatz bei Rastplatz Nummer 2

Martin im Einsatz bei Rastplatz Nummer 2

Zum Glück erwies sich meine Zeitangabe dann aber doch als falsch. Ich hatte vergessen, bei meiner Tourenuhr die Umstellung von Sommerzeit auf Normalzeit vorzunehmen, die einen Tag vorher stattgefunden hat. Gut, sehr gut – wir hatten eine Stunde gewonnen, die wir für das steirische Nationalgetränk (Gut, besser, …) sowie einige Videoaufnahmen „voll von gebührender Feierleichkeit“ nutzten. Auch Martins Apfel-Birnen-Cider war nicht zu verachten.

Beim weiteren Abstiegsweg entlang des Giglachbaches, über das Knappenkreuz und dämmerungsbedingt entlang der Forststraße zurück zum Ausgangspunkt hielten wir uns nicht mehr allzu lange mit Fotografieren auf.

Fazit der Tour: Fotografisch zahlt es sich auf jeden Fall aus, auf den „richtigen Moment“ zu warten. Alpinistisch wäre es mitunter vorteilhafter, den rutschigen, teilweise schneebedeckten Schattlagen auszuweichen.

Frühmorgens am Duisitzkarsee

Frühmorgens am Duisitzkarsee

Bisherige Gemeinschaftswanderungen mit Martin

  1. Krügerzinken – 06.08.2008
  2. Wildkarsee – 08.09.2009
  3. StegerkarWildkarHerzmaierkar – 22.08.2010
  4. Steinkarzinken – Seekarzinken – Sonntagkarzinken – 10.09.2011
  5. Engelkarspitze 06.10.2012
  6. Klafferkessel – Greifenstein – 03.08.2013
  7. Elendbergsee – Pfeifer – 11.10.2014

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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