Vom Stubnerkogel zu den Bockhartseen

05.07.2015 – Genauso wie gestern ist auch heute wieder brütende Hitze angesagt. Und so wie gestern war auch für heute für Bergtouren die Entscheidung zu treffen: Sehr früh aufbrechen (und damit sehr, sehr früh aufstehen) – oder aber schon wieder auf die Unterstützung einer Seilbahn zurückgreifen. Die Wahl war nicht schwer – es wurde die Seilbahn 🙂 .

Eigentlich hatten wir für die heutige Wanderung keine großen Pläne. Der 2.463 Meter hohe Zitterauer Tisch in der Goldberggruppe über Bad Gastein sollte es werden. Mit Hilfe der nahe beim Bahnhof startenden Stubnerkogelbahn gelangten wir zu unserem Ausgangspunkt auf 2.230 Meter Höhe. Die Temperaturen hier heroben waren am frühen Vormittag angenehmst, nachdem wir im Tal bereits gehörig zum Schwitzen gekommen waren.

Während der Auffahrt mit der Gondel – heute wegen einer Musikveranstaltung am Stubnerkogel zum reduzierten Preis von 20 Euro für die Bergfahrt – konnten wir unter uns auf Wald- und Almsteigen fleissige Wanderer beobachten, welche die Hitze auf den ostwärts ausgerichteten Hängen nicht scheuten und den Anstieg „ehrlicher“ als wir bewältigten.

Nur kurz hielten wir uns bei der Bergstation auf, um die heutzutage auf Bergen scheinbar schon unumgänglich gewordenen Fun-Attraktionen – Hängebrücke, Felsenweg und Aussichtsplattform Glocknerblick – zu erkunden. Aber bald schon ließen wir den Rummel hinter uns und wanderten Richtung Südwesten über die Zitterauer Scharte (laut Landkarte) bzw. Jungerscharte (laut Wegweiser) bergwärts über den „Nordgrat“ auf den 2.409 Meter hohen Tischkogel. Die Schwierigkeits-Einstufung „Schwarz“ (=schwierig) dürfte nur der einfachen Erreichbarkeit mittels Seilbahn geschuldet sein, um „Halbschuhtouristen“ auf eventuelle Gefahren hinzuweisen. Denn deren gibt es in der Realität nicht wirklich welche.

Es war ein eigenartiges Gefühl, schon nach so kurzer Zeit zu einem Gipfelkreuz zu gelangen, weshalb wir auch nur kurz verweilten, um einen möglichen Abstiegsweg über den Hirschkarkogel nach Böckstein zu überblicken. Aber richtige Begeisterung vermochte diese Route nicht unbedingt auszulösen.

Na gut, die weiteren Pläne konnten wir später festlegen, jetzt ging es zunächst einmal zum nahen Zitterauer Tisch (2.463) – dem höchsten Punkt unserer Wandertour. Einige Wanderer hatten sich hier bereits zur Jause niedergelassen.

Unschlüssig was wir jetzt weiter mit dem angebrochenen Vormittag anfangen sollten, studierten wir die Landkarte und besprachen die vielen Gipfel in der näheren und weiteren Nachbarschaft, die wir entweder schon gemeinsam oder ich mit anderen Bergkameraden besucht hatten:

Im Sommer ist mir vor allem der lange Marsch über Neunerkogel – Herzog-Ernst-Spitze – Schareck – Baumbachspitze in Erinnerung geblieben. Von Wintertouren waren mir u.a. Türchlwand, Kalkbretterkopf und der Silberpfennig bekannt, dessen Südflanke wir heute am Zimburgweg noch queren würden. Und dann waren da natürlich noch die herausragenden Dreitausender Hoher (Rauriser) Sonnblick und Hocharn.

Bei dieser eindrucksvollen Alpinszenerie wollten wir nicht gleich wieder in die Hitze des Tales absteigen. Stattdessen folgten wir – noch immer ohne bestimmte Ziele und Pläne – dem weiteren Steigverlauf Richtung Südwesten über die Ortbergscharte (2.273) zur Miesbichlscharte (2.237), wo wir uns zur Jause und einem entspannenden Schläfchen in der Sonne niederließen.

Der Tag war immer noch jung, wir noch bei besten Kräften und der tiefe Taleinschnitt südlich unter uns, in dem wir den Untereren Bockhartsee vermuteten, machte uns neugierig. Überdies hatten wir von hier aus schon einen guten Ausblick zur Bockhartseehütte und hinab nach Sportgastein.

Also wurde der nächste Etappenplan gefasst: Wir würden dem Dr. Zimburgsteig an der Südflanke des Silberpfennig entlang Richtung Bockhartscharte folgen. Zumindest noch bis zum Oberen Bockhartsee.

Herrlicher Tiefblick zum Unteren Bockhartsee

Herrlicher Tiefblick zum Unteren Bockhartsee

Das Steiglein schlängelt sich über steile Wiesenflanken, mitunter über Blockgestein, flankiert von einer wahren Alpenblumenpracht und erlaubt eine prächtigen Ausblick über den künstlich angelegten Stausee – dem Unteren Bockhartsee.

Sein kleinerer, höher gelegener Bruder (2.076) – der Obere Bockhartsee – ist dagegen ein natürlicher Bergsee. Und was für einer 🙂 . Im Laufe unserer Wanderer-Jahre hatten wir ja schon häufiger ein Bad in einem Bergsee genossen oder zumindest die Füße „eingetunkt“.

Aber – das kann ich voller Überzeugung sagen: Noch nie war es so ein Genuß. Das Wasser herrlich erfrischend aber nicht zu kalt. Der Seeboden am Ufer überhaupt nicht schlammig, aber dennoch mit weichem, steinlosen, angenehmen Untergrund. So war es auch nicht verwunderlich, dass sich neben uns auch noch einige andere Wanderer (Nackedeis, im Badeanzug oder einfach in kurzen Hosen) im glasklaren Bergwasser abkühlten.

Ein herrliches Bad im Oberen Bockhartsee

Ein herrliches Bad im Oberen Bockhartsee

Hier wären wir auf jeden Fall noch gerne länger geblieben – jetzt galt es aber allmählich einen Plan für unsere Rückkehr nach Bad Gastein zu schmieden. Zurück zum Stubnerkogel wollten wir auf keinen Fall mehr. Am Vortag hatte ich grob recherchiert, dass von Sportgastein regelmäßig ein Bus verkehren sollte.

Wir folgten nun dem Wanderweg zum Unteren Bockhartsee bzw. der Bockhartseehütte. Von hier geht es steil, aber auf gutem, angenehm begehbaren Steiglein hinab ins Tal nach Sportgastein, wo genau bei unserer Ankunft schon ein Postbus wartete. Keine 5 Minuten später setzte er sich in Bewegung Richtung Bad Gastein. 5,50 Euro kostet das Ticket pro Person für Bus und Mautstraße.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

 

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