Flucht vor der Schafskälte

Durften wir uns auf der Rax und am Dürrenstein noch über prächtige, sommerliche Wanderverhältnisse erfreuen, stellte sich püntlich zu unserem Urlaubsbeginn Schlechtwetter ein. Samstag beim Abstieg vom Hochgrößen war ich in einen Gewitterregen gekommen, am Sonntag trauten wir uns vorsorglich schon gar nicht mehr auf höhere Berge, sondern nutzten einen der letzten Tage ohne Maut zur Auffahrt auf den Stoderzinken. Den Regentag am Montag verbrachten wir mit gemütlichem Ausschlafen, Dösen und „Couchhüten“. Dienstag wurde die dicke graue Wolkendecke aber schon lästig.

Eine liebe Freundin, die kürzlich von einer mehrtägigen Wanderreise zurückgekehrt war, schrieb uns:

Das Wetter war super – „wenn Engel reisen …..“.

Nun ich konnte ihr leider nur antworten: „Demnach müssen Ingrid und ich Teufel sein 🙂 „.

Also wenn das Schönwetter schon nicht zu uns kam, mussten wir eben zum Schönwetter kommen. 3,5 Stunden Autofahrt reichten, um endlich wieder Sonnenschein genießen zu können. Für unsere geplanten ausgedehnten Spaziergänge suchten wir uns den Strand von Lignano aus.

Ausgedehnte Spaziergänge am Strand von Lignano

Ausgedehnte Spaziergänge am Strand von Lignano

Bereits in früheren Jahren sind wir immer wieder einmal nach Lignano gefahren und haben dabei lange Spaziergänge unternommen. Die tatsächlich zurückgelegte Distanz konnten wir dabei aber nur grob schätzen. Heuer habe ich erstmals mein GPS-Gerät Garmin Oregon 450t mitgenommen. Eigentlich habe ich mir genau für solche Einsatzzwecke ja die Garmin Fenix 2 gewünscht, aber die will ja nicht so wie ich es will 😉 .

Das Oregon 450t hat ohnehin auch den Vorteil, dass ich hier bereits eine Basis-Landkarte von ganz Europa aufgepielt habe, die auch vorzüglich zum Navigieren im Straßen-Labyrinth unserer lebhaften Urlaubsdestination taugt. Und bei diesen „GPS-Vermessungen“ bestätigten sich tatsächlich die früher nur erahnten Entfernungsmessungen bzw. wurden sogar noch einmal übertroffen. In Summe hatten wir an unseren 3 Tagen in Lignano fast 70 Kilometer zurückgelegt. Dazu kamen noch einmal mehr als 10 Kilometer am Abfahrtstag in Bibione und Grado dazu: In Summe also in 4 Tagen 80 Kilometer Stadt-Bummeln, Fototouren und Strandwanderungen.

Prächtig blühender Oleander in verschiedenen Farben

Prächtig blühender Oleander in verschiedenen Farben

Während die Hochsommer-Monate an der Oberen Adria eher von brütender Hitze geprägt sind, waren die Temperaturen jetzt Mitte Juni geradezu richtig erfrischend (nicht zuletzt auch wegen eines gelegentlichen kurzen Regenschauers).

Darüber freuten sich auch die überall in großartiger Pracht gedeihenden Blüten und so bekam ich von meiner Liebsten eine eingehende Einschulung in die verschiedenen Pflanzen-Benennungen.

Leider erwies ich mich nur als mäßiger Schüler und schließlich brachte ich am Ende doch wieder alles durcheinander – insbesondere, da diverse Straßennamen in Lignano auch Blumen benennen (Stichwort: Gladiolen), die wir gar nicht gesehen haben. Aber wer kann sich schon so mir nichts dir nichts gleich 3 bis 4 Pflanzennamen auf einmal merken und dann auch noch unterscheiden 🙂 .

(Und ganz im Vertrauen: Mich persönlich haben ohnehin die großen, blühenden „Ohrwaschl-Kaktus“ mehr fasziniert 😉 ).

Neben den ausgiebigen Spaziergängen und der „Blumenkunde“ verweilten wir in einem der zahlreichen lauschigen Cafe´s (eigentlich eh immer im selben) und gaben uns einer weiteren Lieblingsbeschäftigung in einem Faulenzer-Urlaub hin: Dem Lesen.

Ich hatte endlich Zeit, mich meinem Geburtstagsgeschenk zu widmen: Der von Peter Gruber nach einer wahren Begebenheit erzählten Geschichte „Das Tagebuch des Kenneth Thomas Cichowicz“ (unverbindlicher Amazon-Link). Die Ereignisse hatten sich im Herbst 1985 im Dachsteingebirge zugetragen, in einer meiner Lieblingslandschaften.

So sehr ich Peter Gruber als Autor schätze, muss ich doch zugeben, dass mich diese Geschichte eines amerikanischen „Allein-Wanderers“, der nach einem Unfall schwer verletzt 19 Tage auf seine Rettung warten muss, letztendlich doch nicht so sehr zu fesseln vermochte, wie sein Vorgänger-Roman „Tod am Stein„. Dieser ebenfalls auf wahren, tragischen Vorkommnissen beruhende Roman hat sich landschaftlich „fast um die Ecke“ ereignet.

Die ungefähre Lage der beiden Erzählungen von Peter Gruber (links-blau: Das Tagebuch des Kenneth Thomas Cichowicz - rechts-rot: Tod am Stein) (Klick zur Vergrößerung)

Die ungefähre Lage der beiden Erzählungen von Peter Gruber (links-blau: Das Tagebuch des Kenneth Thomas Cichowicz – rechts-rot: Tod am Stein) (Klick zur Vergrößerung)

Da wie dort aber beschreibt Peter Gruber hervorragend die einem Wanderer innewohnende Natur-Leidenschaft und Berg-Neugier, die vielen „Talmenschen“ wohl immer verschlossen bleiben wird.

Durch dieses Taschenbuch habe ich also auch im südlichen Sommerurlaub eine geistige Beziehung zu den heimatlichen Bergen gehalten.

Und dann bei der Nachhausefahrt das schon von vielen früheren Urlaubsfahrten bekannte Bild: Schnee auf den höheren heimatlichen Bergen – immerhin haben wir Sommersonnenwende: Jetzt geht es also mit der „Hitze“ wieder bergab.

In Obertauern „schlug“ dann sogar mein Auto an: „Bing“ – Der Hinweis, dass die Außentemperatur maximal nur noch 4 Grad Celsius aufweist (wenigstens waren es noch Plusgrade – aber wie gesagt: Jetzt dreht es um – mit den Temperaturen kann es künftig nur noch bergab gehen).

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Impressionen aus Lignano

 

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